Die ran­zi­gen Kli­schees fan­gen schon beim Ti­tel an: ANИA wird mit ei­nem ge­spie­gel­ten N ge­schrie­ben, weil’s so schön rusƨisch aus­sieht. Das ist un­ge­fähr so ori­gi­nell wie das als Kreuz ge­schrie­be­ne „†“ bei Hor­ror­fil­men. Wei­ter geht’s: An­na wird vom KGB zur Kampf­ma­schi­ne aus­ge­bil­det und an­schlie­ßend zum Spio­nie­ren in den Wes­ten ver­schickt. In Pa­ris ar­bei­tet sie na­tür­lich als Su­per­mo­del, die Mo­de­fo­to­gra­fen sind al­le­samt zu­ge­koks­te Ir­re, ih­re WG-Mit­be­woh­ne­rin ei­ne hei­ße Les­be und die CIA- und KGB-Agen­ten, mit de­nen sie es zu tun be­kommt, ver­lie­ben sich rei­hen­wei­se in die schö­ne Rus­sin.

Luc Bes­son hat ent­we­der ver­lernt, wie es geht, oder es war ihm schlicht egal: Die lust­los in­sze­nier­ten Au­to­ver­fol­gun­gen sind holp­rig zu­sam­men­ge­schnit­ten, die Kampf­sze­nen lach­haft un­rea­lis­tisch. Da setzt ei­ne ein­zi­ge Frau vier­zig schwer­be­waff­ne­te Män­ner mit Leich­tig­keit au­ßer Ge­fecht. Na­tür­lich stür­zen die sich nicht (wie im wah­ren Le­ben) al­le gleich­zei­tig auf die zar­te An­na, son­dern im­mer schön der Rei­he nach. Das ist zwar tak­tisch nicht be­son­ders klug, da­für we­nigs­tens höf­lich.

Auch die Struk­tur des Films ist stüm­per­haft: Kaum pas­siert et­was Dra­ma­ti­sches, folgt ei­ne Ti­tel-Ein­blen­dung: „3 Mo­na­te vor­her“ (als Va­ri­an­te: 10 Jah­re, 6 Wo­chen, 2 Stun­den, 5 Ta­ge). Nun wird die eben ge­zeig­te Sze­ne mit ei­nem Twist neu auf­ge­rollt. Über­ra­schung, al­les ist ganz an­ders als ge­dacht. Ge­gen die­sen er­zäh­le­ri­schen Kniff gibt es grund­sätz­lich nichts ein­zu­wen­den, es sei denn, er wird wie hier wie­der und wie­der und wie­der ein­ge­setzt – fast un­frei­wil­lig ko­misch in sei­ner Pe­ne­tranz.

Die the­ma­tisch ähn­li­chen "Ato­mic Blon­de" und "Red Spar­row" wa­ren zwar auch kei­ne wirk­lich gu­ten Fil­me, wur­den aber we­nigs­tens von Char­li­ze The­ron und Jen­ni­fer Law­rence (halb­wegs) ge­ret­tet. An­na wird von Sa­sha Luss ge­spielt. Die ist Mo­del und sieht – für die­se Be­rufs­grup­pe nicht un­ge­wöhn­lich – top aus. Schau­spie­le­risch ist sie da­ge­gen kom­plett über­for­dert. Dass sich Käl­te und Emo­ti­ons­lo­sig­keit nicht zwin­gend in wäch­ser­ner Mi­mik und ge­lang­weilt ab­ge­le­se­nen Dia­lo­gen aus­drü­cken muss, wuss­te schon Grace Kel­ly in den 50er Jah­ren. 

FAZIT

Hat trotz al­ler Kri­tik ei­nen ge­wis­sen tra­shi­gen Un­ter­hal­tungs­wert – und He­len Mir­ren in ei­ner Ne­ben­rol­le!
Mit we­ni­ger Kli­schees, ei­nem bes­se­ren Dreh­buch, ei­nem in­spi­rier­te­ren Re­gis­seur und ei­ner fä­hi­ge­ren Haupt­dar­stel­le­rin hät­te das theo­re­tisch ein gro­ßer Pop­corn-Ki­no­spaß wer­den kön­nen.

Ori­gi­nal­ti­tel "An­na"
Frank­reich / USA 2019
119 min
Re­gie Luc Bes­son
Ki­no­start 18. Ju­li 2019

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