Mar­kus spült Ge­schirr, bü­gelt sei­ne Ho­se, raucht und trinkt Bier aus der Fla­sche. In der Knei­pe traut er sich nicht aufs Män­ner­klo, geht drau­ßen in die Ho­cke und pin­kelt. Mar­kus war frü­her mal ei­ne Frau. Ein Trans­mann in der Ucker­mark, hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen der Lie­be zu sei­nen pfle­ge­be­dürf­ti­gen Omas und der Sehn­sucht nach ei­nem an­de­ren Le­ben in Ber­lin. Im­mer wie­der er­träumt er sich ei­ne que­e­re Fa­mi­lie, die ihn aus sei­ner Ein­sam­keit be­freit. Sein ein­tö­ni­ges Da­sein än­dert sich erst, als er sich in den Fern­seh­me­cha­ni­ker Duc ver­liebt.

Trans­se­xua­li­tät in Bran­den­burg: Das klingt nach Aus­gren­zung, Kon­flik­ten und Dra­ma. Doch da­für in­ter­es­sie­ren sich Autor/​Hauptdarsteller Tucké Roya­le und Re­gis­seur Jo­han­nes M. Schmit herz­lich we­nig. Ih­nen geht es um die stil­le Be­leuch­tung des All­tags. Und da­für las­sen sie sich in ih­rem mi­ni­ma­lis­ti­schen De­büt­film viel Zeit. So lang­sam wie das rea­le Le­ben in Bran­den­burg, so lang­sam fließt auch ihr schwu­ler Hei­mat­film da­hin. Der Saar­län­di­sche Rund­funk lobt, „Neu­bau“ ent­fal­te sich „oh­ne dra­ma­tur­gi­sche Zu­spit­zun­gen“. Das stimmt – we­ni­ger eu­phe­mis­tisch könn­te man das auch als lang­wei­lig be­zeich­nen.

Ganz und gar nicht lang­wei­lig da­ge­gen ist die be­rüh­ren­de Ne­ben­hand­lung von Mar­kus und sei­nen bei­den Groß­müt­tern: Al­ma ist de­ment und ent­glei­tet im­mer mehr dem Da­sein, Sa­bi­ne be­rei­tet sich tap­fer auf den Tod ih­rer Freun­din vor. Die stärks­ten Sze­nen des Films. Und al­le­mal in­ter­es­san­ter als das schon zu oft ver­film­te Que­er-The­ma „schwu­ler Jun­ge auf dem Land“.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2020
81 min
Re­gie Jo­han­nes Ma­ria Schmit
ab 1. April on­line bei der que­er­film­nacht und ir­gend­wann im Ki­no, so­bald es wie­der mög­lich ist

al­le Bil­der © Edi­ti­on Salz­ge­ber

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