AUS MEINER HAUT

AUS MEINER HAUT

Kinostart 02. Februar 2023

Be­lieb­te Fra­ge in wein­se­li­ger Run­de: Wenn Du für ei­nen Tag mit je­man­dem den Kör­per tau­schen könn­test – wer wä­re das? Die lang­wei­li­gen Ant­wor­ten rei­chen von „mei­ne Frau“ über „Bey­on­cé“ bis „Ge­or­ge Cloo­ney“. Was aber wä­re, wenn man wirk­lich in den Kör­per ei­nes an­de­ren Men­schen schlüp­fen könn­te? Was wä­re, wenn es ei­nem da so gut ge­fällt, dass man gar nicht mehr zu­rück­will?

In­ter­es­san­tes Ge­dan­ken­spiel um Gen­der­fra­gen und Rol­len­mus­ter

Ley­la (Ma­la Em­de) und Tris­tan (Jo­nas Dass­ler) wir­ken frisch ver­liebt. Auf den ers­ten Blick. Doch Ley­la wird von Selbst­zwei­feln und De­pres­sio­nen ge­plagt. Auf Ein­la­dung ei­ner Freun­din (Ed­gar Sel­ge – ja ge­nau, Ed­gar Sel­ge als Freun­din) fährt das jun­ge Paar auf ei­ne In­sel. Durch ein ge­heim­nis­vol­les Ri­tu­al kön­nen die bei­den dort ih­re Kör­per mit ei­nem an­de­ren Paar (Ma­ryam Zaree und Di­mit­rij Schaad) tau­schen, um so die Welt aus de­ren Au­gen zu se­hen.

Klingt nach Sci­ence-Fic­tion, ist aber ei­ne in­tel­lek­tu­el­le In­ter­pre­ta­ti­on des gu­ten al­ten „Fre­aky Friday“-Themas. Mit dem Un­ter­schied, dass sich Alex Schaad nicht in die nie­de­ren Ge­fil­de ei­ner al­ber­nen Ver­wechs­lungs­ko­mö­die be­gibt. Der Re­gis­seur be­schäf­tigt sich viel mehr mit den zwi­schen­mensch­li­chen Kon­se­quen­zen, die so ein Kör­per­tausch mit sich bringt. Liebt man ei­nen Men­schen we­gen sei­nes Aus­se­hens oder we­gen sei­nes Cha­rak­ters? Und spielt das Ge­schlecht da­bei ei­ne Rol­le?

AUS MEI­NER HAUT (Dreh­buch Alex und Di­mit­rij Schaad) ist ein in­ter­es­san­tes Ge­dan­ken­spiel um Gen­der­fra­gen und Rol­len­mus­ter. Ver­packt in ei­ne Lie­bes­ge­schich­te, bei der die Iden­ti­täts­gren­zen ver­schwim­men und neue Per­sön­lich­kei­ten ent­ste­hen. Ein Fest für Schau­spie­ler, denn sie dür­fen in­ner­halb ei­ner Ge­schich­te in ver­schie­de­ne Rol­len schlüp­fen. Ma­la Em­de, Di­mit­rij Schaad, Ma­ryam Zaree, Tho­mas Wo­di­an­ka und Ed­gar Sel­ge brin­gen die nö­ti­ge Ernst­haf­tig­keit, um der fan­tas­ti­schen Ge­schich­te Bo­den­haf­tung zu ge­ben. Nur Jo­nas Dass­ler ist dem Re­gis­seur von der Lei­ne ge­gan­gen und over­ac­ted, als hät­te er sich ins Ohn­sorg-Thea­ter ver­irrt. Po­si­tiv er­wäh­nens­wert ist ne­ben den stim­mungs­vol­len Bil­dern von Ah­med El Na­gar vor al­lem der ein­dring­li­che Score von Ri­chard Ru­zi­cka.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2023
103 min
Re­gie Alex Schaad

al­le Bil­der © X‑Verleih

CAVEMAN

CAVEMAN

Kinostart 26. Januar 2023

Das Jahr ist noch jung, doch die deut­sche Ko­mö­die CA­VE­MAN hat schon jetzt Chan­cen, in die Top 5 der schlech­tes­ten Fil­me 2023 zu kom­men.

Vier­mal ge­lacht in 100 Mi­nu­ten

Bob­by Mül­ler (Mo­ritz Bleib­treu) will un­be­dingt Co­me­di­an wer­den. Nun hat er beim Open­mic-Abend im Co­me­dy-Club die Chan­ce, sich zu be­wei­sen. Das The­ma für sein Pro­gramm: der Un­ter­schied zwi­schen Män­nern und Frau­en. Denn der Mann von heu­te, meint Bob­by, ist in der mo­der­nen Welt ge­schei­tert. Zur Zeit der Höh­len­men­schen war die Rol­len­ver­tei­lung ein­fa­cher: Die Män­ner ja­gen, die Frau­en sam­meln. Als bes­tes Bei­spiel für sei­ne Theo­rie dient ihm die ei­ge­ne Ehe­frau Clau­dia. So weit, so un­ori­gi­nell.

Vier­mal ge­lacht in 100 Mi­nu­ten – kein gu­ter Schnitt. Re­gis­seu­rin Lau­ra Lack­mann hat aus dem er­folg­rei­chen Broad­way­stück von Rob Be­cker ei­ne größ­ten­teils un­lus­ti­ge, oft pein­li­che Kla­mot­te ge­macht. Der Hu­mor be­wegt sich auf Ma­rio-Barth-Ni­veau: Män­ner ha­ben To­des­angst vorm Klei­der­kauf, be­nut­zen zur Kör­per­pfle­ge höchs­tens ein Dusch­gel, fres­sen Chips vor der Glot­ze und kön­nen Ge­füh­le nur im Sport­sta­di­on zei­gen. Frau­en da­ge­gen sind em­pa­thisch, lie­ben es zu shop­pen und wer­den ein­mal im Mo­nat zu Fu­ri­en. Kli­schees aus der Stein­zeit.

Da hilft auch die pro­mi­nen­te Be­set­zung nicht. Mo­ritz Bleib­treu knall­char­giert sich durch die Haupt­rol­le, Wo­tan Wil­ke Möh­ring ver­wech­selt Lis­peln mit wit­zig sein. Nicht bes­ser sind die un­in­spi­rier­ten Dia­lo­ge:

Bob­by: „Ich bin ein Ca­ve­man, das ist das coo­le Wort für Höh­len­mann! Du bist ei­ne Samm­le­rin.“
Clau­dia: „Und da gibt’s wahr­schein­lich kein coo­les Wort für … ?“
Bob­by: „Nee.“

Screw­ball Co­me­dy vom Feins­ten. Nur Lau­ra Ton­ke und Mar­ti­na Hill, die ih­re Fi­gu­ren ver­gleichs­wei­se glaub­haft spie­len und ein paar net­te vi­su­el­le Ideen ret­ten den Film vor ei­nem To­tal-Fi­as­ko.

Weil es im­mer noch schlech­ter geht, zum Ab­schluss noch Fol­gen­des:
Wie nennt man ein Mam­mut im Welt­all? Al­mut.
Im Ernst.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2023
100 min
Re­gie Lau­ra Lack­mann

al­le Bil­der © Con­stan­tin Film

CLOSE

CLOSE

Kinostart 26. Januar 2023

Die 13-Jäh­ri­gen Léo und Ré­mi sind die al­ler­bes­ten Freun­de. Ih­re Som­mer­ta­ge er­füllt von Wett­ren­nen durch wo­gen­de Blu­men­fel­der und kind­li­chen Rit­ter­spie­len im Schup­pen hin­ter dem Hof. Nachts fan­ta­sie­ren sie sich in ei­ne ge­mein­sa­me Zu­kunft, der ei­ne als be­rühm­ter Mu­si­ker, der an­de­re als sein Ma­na­ger. Doch mit dem En­de der Som­mer­fe­ri­en än­dert sich al­les.

Das Gift brei­tet sich in der neu­en Schu­le durch die ver­meint­lich harm­lo­se Fra­ge ei­ner Mit­schü­le­rin aus: „Seid ihr bei­den ein Paar?“ Denn es kann nicht sein, dass zwei Jungs ei­ne so en­ge Bin­dung ha­ben, oh­ne dass sie schwul sind. Oder? An­de­re so zu las­sen, wie sie sind, ob­wohl es nicht ins ei­ge­ne Welt­bild passt, fällt auch Kin­dern schwer. Es fol­gen die üb­li­chen Ge­mein­hei­ten auf dem Schul­hof: „Schwuch­tel!“ Léo mei­det den Kon­takt im­mer mehr, denn er ist von den Ge­rüch­ten zu­tiefst ver­un­si­chert. Um dem kli­schee­haf­ten Bild von Männ­lich­keit zu ent­spre­chen, wird er Mit­glied ei­ner Ho­ckey­mann­schaft. Für den sen­si­blen Ré­mi be­deu­tet das En­de der Freund­schaft ei­ne Ka­ta­stro­phe.

Fran­çois Ozon, Xa­vier Do­lan und nun Lu­kas Dhont. Der 31-jäh­ri­ge Bel­gi­er ist ei­nes der Re­gie-Wun­der­kin­der, wie sie die Film­sze­ne nur al­le paar Jah­re her­vor­bringt. Kaum zu glau­ben, dass CLO­SE erst sein zwei­ter Spiel­film ist. Dhonts Re­gie­de­büt GIRL über ei­nen Trans­gen­der-Teen­ager wur­de 2018 mit Prei­sen über­häuft und war ein gro­ßer Er­folg bei Pu­bli­kum und Kri­tik. Nun wid­met er sich er­neut den Qua­len der Ju­gend.

Wie auch im­mer sich die Kar­rie­re des jun­gen Fil­me­ma­chers ent­wi­ckelt, er ist auf al­le Fäl­le ein fan­tas­ti­scher Schau­spiel­füh­rer. Denn was er aus dem ge­sam­ten Cast und be­son­ders den bei­den New­co­mern Eden Dam­bri­ne und Gus­tav De Wae­le her­aus­holt, ist schlicht phä­no­me­nal. CLO­SE – ei­ne Ge­schich­te von Lie­be und Schuld, oh­ne je­den fal­schen Ton er­zählt. Ein auf­wüh­len­der, wahr­haf­ti­ger Film. Ein klei­nes Meis­ter­werk.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Clo­se“
Bel­gi­en / Frank­reich / Nie­der­lan­de 2022
105 min
Re­gie Lu­kas Dhont

al­le Bil­der © Pan­do­ra Film

THE SON

THE SON

Kinostart 26. Januar 2023

De­pres­si­on: ein ernst zu neh­men­des The­ma. Ge­ra­de bei Ju­gend­li­chen. Die oft scham­haft ver­schwie­ge­ne Krank­heit kann gar nicht ge­nug me­dia­le Auf­merk­sam­keit be­kom­men. Fragt sich nur, ob Re­gis­seur Flo­ri­an Zel­ler mit sei­nem durch und durch künst­lich wir­ken­den Film den Be­trof­fe­nen ei­nen Ge­fal­len ge­tan hat. Denn THE SON ist das fil­mi­sche Äqui­va­lent zu ei­nem Cof­fee Ta­ble Book aus der Psych­ia­trie.

Me­lo­dra­ma­tik statt Dra­ma­tik

Schö­ne Men­schen in schö­ner Um­ge­bung ha­ben … Pro­ble­me. Ja, selbst sehr rei­che New Yor­ker in per­fekt ein­ge­rich­te­ten Traum­woh­nun­gen ma­chen sich beim Tra­gen frisch ge­bü­gel­ter Hem­den Sor­gen. Der ge­schie­de­ne An­walt Pe­ter (Hugh Jack­man) ver­steht das Ver­hal­ten sei­nes 17-jäh­ri­gen Sohns Ni­cho­las (Zen Mc­Grath) nicht mehr. Der schwänzt seit Wo­chen die Schu­le, hat kei­ne Freun­de und ist auch sonst ein schwie­ri­ger, ver­schlos­se­ner Jun­ge. Für Pe­ter kom­men die Pro­ble­me mit dem Ju­ni­or un­ge­le­gen, denn er rich­tet sich ge­ra­de ein neu­es Le­ben mit sei­ner Freun­din Beth (Va­nes­sa Kir­by) und dem frisch ge­bo­re­nen Sohn Theo ein. Doch weil ihn das schlech­te Ge­wis­sen plagt, bie­tet er Ni­cho­las an, bei ihm ein­zu­zie­hen. Er will be­wei­sen, ein bes­se­rer Va­ter zu sein, als es sein ei­ge­ner war. Der wie­der­um wird in ei­nem Gast­auf­tritt von Sir An­tho­ny Hop­kins als ech­tes Scheu­sal von Han­ni­bal Lec­ter­schen Aus­ma­ßen ver­kör­pert.

THE FA­THER und THE SON. Zwei Fil­me über geis­ti­ge Er­kran­kun­gen, die auf Thea­ter­stü­cken von Flo­ri­an Zel­ler ba­sie­ren. Im Ge­gen­satz zum künst­le­risch an­spruchs­vol­len THE FA­THER ist dem fran­zö­si­schen Re­gis­seur mit sei­nem zwei­ten Spiel­film kein gro­ßer Wurf ge­lun­gen. Al­les wirkt über­in­sze­niert und un­echt. Selbst ge­stan­de­ne Mi­men wie Hugh Jack­man spie­len, als stän­den sie auf ei­ner Thea­ter­büh­ne. Den pa­pier­ra­scheln­den Dia­lo­gen kann auch er kein Le­ben ein­hau­chen. Zu­dem greift Hans Zim­mer in sei­nem Sound­track auf pe­ne­tran­te Gei­gen zu­rück und er­zeugt so Me­lo­dra­ma­tik statt Dra­ma­tik. Die Wen­dun­gen, mit de­nen Zel­ler in sei­nem Oscar®-Gewinner THE FA­THER noch über­ra­schen konn­te, sind hier hohl und er­wart­bar. Der Re­gis­seur kann sich nicht von sei­nen er­prob­ten In­sze­nie­rungs­tricks be­frei­en.

Nach dem gran­dio­sen Vor­gän­ger­film ei­ne ech­te Ent­täu­schung.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „The Son“
GB 2022
122 min
Re­gie Flo­ri­an Zel­ler

al­le Bil­der © LEO­NI­NE

SEASIDE SPECIAL

SEASIDE SPECIAL

Kinostart 19. Januar 2023

Char­man­ter gehts kaum: Am En­de ei­nes Piers in Cro­mer an der eng­li­schen Ost­küs­te steht ein Thea­ter. Je­den Som­mer geht dort zwei­mal täg­lich der Vor­hang auf. Drei Mo­na­te lang, oh­ne Pau­se. Ei­ne Va­rie­ty-Show mit Tanz, Ge­sang, Sket­chen und Zau­ber­tricks. Ers­te Re­ak­ti­on auf die Klein­kunst: Die in­tel­lek­tu­el­le Au­gen­braue schnellt spöt­tisch nach oben. Selbst En­sem­ble­mit­glie­der ge­ste­hen, dass sie die bun­te Tou­ris­ten­show an­fangs nicht rich­tig ernst ge­nom­men ha­ben. Doch schon nach kur­zer Zeit und viel Zu­nei­gung und Be­geis­te­rung vom Pu­bli­kum wird auch dem letz­ten Mis­an­thro­pen klar: Die „End-of-Pier-Show“ ist et­was ganz Be­son­de­res.

Brexit or no Brexit?

„Lie­ber bin ich ein leuch­ten­der Me­te­or, der für ein paar Se­kun­den über den Him­mel streicht, als ein im­mer glei­cher, stau­bi­ger Pla­net“, sagt die Lead-Sän­ge­rin der Show. Es geht nicht um Welt­ruhm und nicht um das gro­ße Geld, son­dern das Ge­fühl, je­den Tag die Men­schen ein klei­nes biss­chen glück­lich ge­macht zu ha­ben. Der Fil­me­ma­cher Jens Meu­rer hat die en­ga­gier­te Trup­pe ein Jahr lang mit der 16-mm-Ka­me­ra be­glei­tet, In­ter­views ge­führt und ei­nen Blick vor und hin­ter die Ku­lis­sen ge­wor­fen.

Der Kniff: Wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten ha­ben die an­sons­ten ver­läss­lich sym­pa­thi­schen Bri­ten über ih­re Zu­kunft ab­ge­stimmt: Brexit or no Brexit? Al­le Be­tei­lig­ten im Thea­ter ha­ben ih­re Mei­nung zum De­sas­ter. Das geht von Pro Bo­ris über Aus­wan­de­rungs­ge­dan­ken bis zum aus­ge­streck­ten Mit­tel­fin­ger für die Kon­ser­va­ti­ven. Das En­sem­ble wird zum Mi­kro­kos­mos: Eu­ro­pa vs. Eng­land.

„Sea­si­de Spe­cial“ ist ein lie­be­vol­ler Blick auf bri­ti­sche Be­son­der­hei­ten, oh­ne Scha­den­freu­de und vol­ler Witz. Ein lus­ti­ger Film über den Brexit? Das kann doch nur ein Eng­län­der ma­chen! Falsch ge­dacht. Jens Meu­rer hat zwar in Ox­ford stu­diert, ist aber ei­ne ech­te Kar­tof­fel. Mög­li­cher­wei­se hat er von au­ßen ei­ne kla­re­re Sicht auf den his­to­ri­schen Wahn­sinn. Am En­de der Sai­son Weh­mut in je­der Hin­sicht. Die Bri­ten sind raus. Und kurz dar­auf wird die gan­ze Welt von Co­ro­na heim­ge­sucht. Das vor­läu­fi­ge Aus auch für die End-of-Pier-Show. Kein Pu­bli­kum, kei­ne Jobs. Aber es gibt ein Hap­py End: Das Thea­ter hat über­lebt, am 1. Ju­li 2023 star­tet die nächs­te Run­de.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land / Bel­gi­en 2021
93 min
Re­gie Jens Meu­rer

al­le Bil­der © Farb­film-Ver­leih

BABYLON – RAUSCH DER EKSTASE

BABYLON – RAUSCH DER EKSTASE

Kinostart 19. Januar 2023

Wer schon mal be­rauscht war, von wel­cher Dro­ge auch im­mer – Ad­re­na­lin, Ko­ka­in, Se­ro­to­nin – kennt die­ses Ge­fühl. Die Zeit rast und scheint gleich­zei­tig still­zu­ste­hen. Ei­ne Mi­nu­te fühlt sich wie ei­ne Stun­de an, die Nacht wie ein Mo­ment. „Ba­by­lon – Rausch der Ek­sta­se”, der neue Film von Da­mi­en Cha­zel­le („La La Land”, „Whip­lash”) ent­lässt ei­nen nach drei Stun­den acht Mi­nu­ten ähn­lich be­täubt und be­schwingt. Ame­ri­ka­ni­sche Zu­schau­er lie­ßen sich vom Trai­ler täu­schen – ein durch­ge­dreh­ter Kos­tüm­schin­ken mit Ele­fant und Jazz­mu­sik? Und blie­ben dem Epos fern. Sie wis­sen nicht, was ih­nen ent­geht.

Was Hol­ly­wood prägt: Ras­sis­mus, Se­xis­mus, Gier

Al­lein die ers­ten dreis­sig Mi­nu­ten sind ei­ne Par­ty, bei der man vor lau­ter Sin­nes­ein­drü­cken kaum Luft be­kommt. Doch ge­nau dann, wenn es zu viel der Ek­sta­se wird, legt Cha­zel­le den Schal­ter um. Der Cast ist vor­züg­lich, Brad Pitt als ver­derbt me­lan­cho­li­scher Dou­glas Fair­banks Typ am En­de sei­ner Kar­rie­re und Mar­got Rob­bie in der Rol­le des süch­ti­gen Star­lets, die in ih­rer mo­der­nen Auf­ma­chung ver­stört und nicht nur Träu­mer wie New­co­mer Die­go Cal­va ma­gne­ti­siert.

Cha­zel­le will viel: ei­ne Cho­reo­gra­fie wie „Apo­ca­lyp­se Now” und hin­ter die Ku­lis­sen der In­dus­try leuch­ten wie einst „Boo­gie Nights”. Er wirft al­les in den Ring, was Hol­ly­wood im­mer noch prägt: Ras­sis­mus, Se­xis­mus, Gier, so­gar To­bey Ma­gui­re in ei­ner wi­der­li­chen Gast­rol­le und klärt ne­ben­bei noch ein paar My­then auf: In der Stumm­film­ära gab es of­fen­bar mehr Wes­tern­film-Re­gis­seu­rin­nen als hun­dert Jah­re spä­ter, der Mull­hol­land Dri­ve war wirk­lich nur ei­ne Schot­ter­stra­ße und Film­kri­ti­ke­rin­nen hat­ten Macht! Was sol­len wir sa­gen: Wir ha­ben uns präch­tig amü­siert.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ba­by­lon“
USA 2022
188 min
Re­gie Da­mi­en Cha­zel­le

al­le Bil­der © Pa­ra­mount Pic­tures Ger­ma­ny

RACHE AUF TEXANISCH

RACHE AUF TEXANISCH

Kinostart 19. Januar 2023

„Nicht je­der wei­ße Mann aus New York braucht ei­nen Pod­cast“ Pro­du­zen­tin Eloi­se (Is­sa Rae) ist zu­nächst we­nig be­geis­tert von Bens (B.J. No­vak) Idee, die x‑te Pod­cast-Se­rie über ein un­ge­lös­tes Ver­bre­chen zu ma­chen. Doch die Ge­schich­te ist viel­schich­ti­ger, als es zu­nächst den An­schein hat.

Das Por­trät ei­ner „ty­pisch“ te­xa­ni­schen Fa­mi­lie

Ben Mana­lowitz, ein selbst­ver­lieb­ter Re­dak­teur für den re­nom­mier­ten New Yor­ker, er­hält mit­ten in der Nacht ei­nen An­ruf. Abile­ne ist tot. Ben muss hek­tisch in sei­nen Kon­tak­ten su­chen, um sich zu er­in­nern, wer Ab­bie über­haupt war – ei­ne zu­fäl­li­ge Sex-Be­kannt­schaft un­ter vie­len. Doch ih­re Fa­mi­lie glaubt, dass Ben die Lie­be ih­res Le­bens war. Von den Trä­nen der An­ge­hö­ri­gen er­weicht, reist er nach Te­xas, nimmt an der Be­er­di­gung teil und hält so­gar ei­ne Trau­er­re­de. Ab­bie ist an ei­ner Über­do­sis ge­stor­ben, doch ihr Bru­der Ty (aus­ge­zeich­net: Boyd Hol­brook) glaubt, sei­ne Schwes­ter sei er­mor­det wor­den. Be­wei­se hat er kei­ne, nur ein Bauch­ge­fühl. Des­halb will er Ra­che üben, Te­xas-Style. Ben wit­tert sei­ne Chan­ce, aus der Ge­schich­te ei­nen True-Crime-Pod­cast zu ma­chen.

„Ra­che auf Te­xa­nisch“ ist ei­ne Ko­mö­die, bei der nicht je­der Gag zün­det und ein Kri­mi, der nur mä­ßig span­nend ist. Aber vor al­lem – und das ist der in­ter­es­san­te­re Teil – das Por­trät ei­ner „ty­pisch“ te­xa­ni­schen Fa­mi­lie, in­klu­si­ve Ro­deo, Waf­fen­lie­be und un­ge­sun­dem Es­sen. Gleich­zei­tig wirft der Film ei­nen Blick auf ein tief ge­spal­te­nes Land. Hier die ver­nünf­ti­gen Li­be­ra­len an Ost- und West­küs­te, da­zwi­schen die rot­na­cki­gen MA­GA-Idio­ten – so das all­ge­mein ver­brei­te­te Kli­schee.

Ganz rund tickt das Re­gie­de­büt des vor al­lem aus der US-Se­rie „The Of­fice“ be­kann­ten Schau­spie­lers B.J. No­vak nicht. Hin­ter ver­meint­li­chen Ho­bos und Ver­schwö­rungs­gläu­bi­gen ver­ber­gen sich mit­un­ter lie­bens­wer­te Men­schen, bei de­nen der Blick hin­ter die Fas­sa­de lohnt – ei­ne et­was simp­le Er­kennt­nis. Aber der Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor be­weist ein gu­tes Händ­chen für Dia­lo­ge und Cha­rak­ter­zeich­nung. In Zei­ten, in de­nen Fak­ten oft als läs­tig emp­fun­den und ger­ne für das ei­ge­ne Nar­ra­tiv ver­dreht wer­den, ist sei­ne Bot­schaft, sich ge­gen­sei­tig wie­der et­was bes­ser zu­zu­hö­ren, nicht die schlech­tes­te.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ven­ge­an­ce“
USA 2022
111 min
Re­gie B.J. No­vak

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny

IN DER NACHT DES 12.

IN DER NACHT DES 12.

Kinostart 12. Januar 2023

In der Nacht des 12. Ok­to­bers ver­lässt Cla­ra ei­ne Par­ty und macht sich auf den Heim­weg. Das Ak­ten­zei­chen XY-ge­schul­te Au­ge er­kennt so­fort: Gleich pas­siert et­was Ent­setz­li­ches. Aus dem Dun­kel taucht ein mas­kier­ter Mann auf, schüt­tet dem Mäd­chen Ben­zin ins Ge­sicht, lässt es bei le­ben­di­gem Leib ver­bren­nen.

Bis zur letz­ten Mi­nu­te pa­ckend

Die bei­den Kri­mi­nal­be­am­ten Yo­han und Mar­ceau tref­fen bei ih­ren Er­mitt­lun­gen auf zahl­rei­che Män­ner, mit de­nen Cla­ra ein Ver­hält­nis hat­te. Be­zie­hun­gen, die von Miss­gunst, Ei­fer­sucht und Käl­te ge­prägt wa­ren. Doch die ein­zi­ge Schuld Cla­ras, so ih­re bes­te Freun­din, war es, ein Mäd­chen zu sein.

Ob­wohl von An­fang an klar ist, dass der Fall un­ge­löst bleibt, ist der Film bis zur letz­ten Mi­nu­te pa­ckend. Spoi­ler­war­nung ist nicht nö­tig, denn den größ­ten be­sorgt „In der Nacht des 12.“ schon im Vor­spann selbst: „von 800 Mor­den, die jähr­lich in Frank­reich be­gan­gen wer­den, blei­ben 20 % un­auf­ge­klärt“ steht da zu le­sen. Im Ab­spann dann der Hin­weis, dass die Ge­schich­te auf wah­ren Be­ge­ben­hei­ten be­ruht. Wä­ren die­se In­for­ma­tio­nen nicht in um­ge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge sinn­vol­ler? Egal. So wie die­sen sti­lis­tisch per­fek­ten Kri­mi­nal­film wünscht man sich mal wie­der ei­nen „Tat­ort“. Un­heim­lich und vol­ler Sog­kraft.

Re­gis­seur Do­mi­nik Moll hat ein fes­seln­des Mo­sa­ik aus Rea­lis­mus, sur­rea­ler Stim­mung und all­ge­gen­wär­ti­gem Se­xis­mus ge­schaf­fen. Mit den nächt­li­chen, in oran­ges La­ter­nen­licht ge­tauch­ten Stra­ßen, dem selt­sa­men mensch­li­chen Ver­hal­ten und ei­nem un­ge­lös­ten Rät­sel er­in­nert „In der Nacht des 12.“ an die (lei­der nur in der ers­ten Staf­fel her­aus­ra­gen­de) fran­zö­si­sche Se­rie „Les Re­venants“. Be­klem­mend und sehr se­hens­wert.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „La nuit du 12“
Frank­reich 2022
115 min
Re­gie Do­mi­nik Moll

al­le Bil­der © As­cot Eli­te En­ter­tain­ment & 24 Bil­der

M3GAN

M3GAN

Kinostart 12. Januar 2023

Spiel­zeug­ent­wick­le­rin Gem­ma steht un­ter Druck. Der Markt ist hart um­kämpft, et­was Neu­es muss her. Als die al­lein­ste­hen­de jun­ge Frau un­er­war­tet zum Vor­mund ih­rer ver­wais­ten Nich­te Ca­dy wird, nimmt sie die High­tech-Pup­pe M3GAN (Mo­del 3 Ge­ne­ra­ti­ve An­droid) mit nach Hau­se. War­um nicht zwei Flie­gen mit ei­ner Klap­pe schla­gen: dem trau­ern­den Mäd­chen ei­ne Spiel­ge­fähr­tin zur Sei­te stel­len und gleich­zei­tig den Pro­to­typ vor Markt­ein­füh­rung in Ak­ti­on tes­ten.

Die­se Wo­che bei „Shop­ping Queen“: Kom­bi­nie­re ein zeit­lo­ses Out­fit rund um das an­ge­sag­te It-Pie­ce Rin­gel­shirt. Mit da­bei: Chu­cky, An­na­bel­le und als ers­te Kan­di­da­tin M3GAN. Doch die macht al­les falsch: ein alt­ba­cke­nes Kleid über wei­ßen, blick­dich­ten Strumpf­ho­sen, da­zu schwar­ze Lack­schu­he. Als Krö­nung ein über­di­men­sio­nier­ter Schlupf, der das ma­tro­nen­haf­te Out­fit end­gül­tig zum mo­di­schen Su­per-GAU macht. Das tut nichts für sie! Ganz lieb ge­mein­te 0 Punk­te.

Aber wie soll ei­ne Ro­bo­ter-Pup­pe auch Sinn für Fa­shion ha­ben? Ob­wohl M3GAN sonst so ziem­lich al­les kann: Zu­hö­ren, trös­ten, la­chen, ans Hän­de­wa­schen nach dem Toi­let­ten­gang er­in­nern, Ge­füh­le er­ken­nen. Und wenn es sein muss, auch mor­den.

An­ders als die von bö­sen Geis­tern be­ses­se­ne Mör­der­pup­pen-Kon­kur­renz ist M3GAN ei­ne Art An­dro­ide, bei dem die Si­che­run­gen durch­bren­nen. Zwar ist ih­re Ge­schich­te nicht be­son­ders über­ra­schend er­zählt und vol­ler Lo­gik­brü­che, aber was solls? Ge­rard John­stone Hor­ror­film ist sich in je­der Se­kun­de be­wusst, dass er hoch­gra­dig al­bern ist. Und ge­nau das macht ihn so un­ter­halt­sam. Die grund­bö­se Kil­ler-Pup­pe, die zum Ein­schla­fen mit me­tal­li­scher Stim­me Lie­der von SIA singt und sich im An­griffs­mo­dus be­sorg­nis­er­re­gend ver­ren­ken kann, be­rei­tet trotz gru­se­li­gen Mo­de­ge­schmacks mör­de­ri­schen Spaß.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „M3GAN“
USA 2023
102 min
Re­gie Ge­rard John­stone

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny

OPERATION FORTUNE

OPERATION FORTUNE

Kinostart 05. Januar 2023

Was ist ein McGuf­fin? Wer jetzt ge­nervt mit den Au­gen rollt, der darf schnell zum nächs­ten Ab­schnitt wei­ter­sprin­gen. Für al­le an­de­ren ei­ne klei­ne Film­lek­ti­on: Der Be­griff McGuf­fin stammt von Al­fred Hitch­cock. Er be­zeich­net ei­nen be­lie­bi­gen Ge­gen­stand (vom Dia­man­ten über ei­nen Brief bis zum Ak­ten­kof­fer kann das al­les Mög­li­che sein), der in ei­nem Film da­zu dient, die Hand­lung aus­zu­lö­sen oder vor­an­zu­trei­ben. Der (bei­spiels­wei­se) Ak­ten­kof­fer ist da­bei voll­kom­men ne­ben­säch­lich, denn es geht nur dar­um, die Prot­ago­nis­ten auf Trab zu hal­ten und da­mit Span­nung zu er­zeu­gen.

Es riecht nach neu­em Fran­chise

Kein Spi­on in Sicht: Tom Crui­se ali­as Ethan Hunt geht erst im kom­men­den Som­mer wie­der auf un­mög­li­che Mis­si­on und 007 macht ei­ne wohl­ver­dien­te Pau­se – ein neu­er Dar­stel­ler ist noch nicht ge­fun­den. In die­se Lü­cke drängt sich nun Guy Rit­chie mit sei­nem sty­lishen Ac­tion­film „Ope­ra­ti­on For­tu­ne“. Und es riecht nach neu­em Fran­chise. Der ein­gangs er­wähn­te McGuf­fin ist hier ei­ne omi­nö­se Fest­plat­te. Dar­auf be­fin­det sich ein Code, mit dem das in­ter­na­tio­na­le Ban­ken­sys­tem zer­stört wer­den kann. Top­spi­on Or­son For­tu­ne (Ja­son Stat­ham) und sein Team müs­sen ver­hin­dern, dass die Da­ten ei­nem mil­li­ar­den­schwe­ren Waf­fen­händ­ler (Hugh Grant) in die Hän­de fal­len. Da­zu wer­den pau­sen­los Com­pu­ter ge­hackt und Bö­se­wich­te ver­dro­schen. Wie üb­lich in sol­chen Fil­men führt die Jagd da­bei ein­mal sinn­los rund um den Glo­bus. Exo­ti­sche Lo­ca­ti­ons sind ein Muss, auch wenn ein Groß­teil der Ar­beit vom Rech­ner zu Hau­se er­le­digt wer­den könn­te.

Bond- und Mis­si­on-Im­pos­si­ble-Fil­me ver­fü­gen über as­tro­no­mi­sche Bud­gets und sind vi­su­ell ent­spre­chend hoch­klas­sig. Da ist man als Zu­schau­er ver­wöhnt. Bei Guy Rit­chie wirkt al­les ein biss­chen klei­ner und nor­ma­ler und da­durch auch preis­güns­ti­ger im Look. Ob­wohl das Stunt­team von „John Wick“ und „Dead­pool“ am Werk war, se­hen vie­le der Ac­tion­sze­nen eher nach ge­ho­be­nem TV-For­mat aus. Ver­fol­gungs­jag­den und Ex­plo­sio­nen hat man schon weit­aus ein­drucks­vol­ler und bom­bas­ti­scher ge­se­hen. Dass „Ope­ra­ti­on For­tu­ne“ trotz­dem gro­ßen Spaß macht, liegt an der Top-Be­set­zung. Ne­ben dem kno­chen­tro­cke­nen Ja­son Stat­ham sind be­son­ders Au­brey Pla­za als schlag­fer­ti­ge Com­pu­ter­ex­per­tin und Hugh Grant als zwie­lich­ti­ger Waf­fen­händ­ler her­aus­ra­gend. Coo­le Sprü­che, bri­ti­scher Hu­mor und ei­ne tem­po­rei­che Jagd ma­chen „Ope­ra­ti­on For­tu­ne“ zwar nicht zu gro­ßer Kunst, aber zu ex­trem kurz­wei­li­ger Un­ter­hal­tung.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ope­ra­ti­on For­tu­ne: Ru­se de Guer­re“
USA 2022
114 min
Re­gie Guy Rit­chie

al­le Bil­der © LEO­NI­NE

THE BANSHEES OF INISHERIN

THE BANSHEES OF INISHERIN

Kinostart 05. Januar 2023

Früh­mor­gens auf­ste­hen, die Tie­re auf die Wei­de trei­ben, nach­mit­tags zwei bis zehn Gui­ness trin­ken, abends mit dem Esel schmu­sen. Es ist nicht ge­ra­de viel los auf der ab­ge­le­ge­nen In­sel Inis­he­rin vor der West­küs­te Ir­lands im Jah­re 1923. Doch der ein­fach ge­strick­te Pá­draic ist mit sei­nem Le­ben rund­um zu­frie­den. Das Haus teilt er sich mit sei­ner un­ver­hei­ra­te­ten Schwes­ter Siob­hán, sei­nen bes­ten Freund Colm holt er je­den Tag pünkt­lich um zwei zum ge­mein­sa­men Bier­trin­ken ab. Bis Colm die Freund­schaft ur­plötz­lich kün­digt. „Du hast mir nichts ge­tan. Ich kann dich ein­fach nicht mehr lei­den.“ Pá­draic ver­steht die Welt nicht mehr und ver­sucht, sei­nen Freund um­zu­stim­men. Doch all sei­ne Be­mü­hun­gen nüt­zen nichts, und als Colm Pá­draic ein Ul­ti­ma­tum stellt, es­ka­lie­ren die Er­eig­nis­se mit dras­ti­schen Fol­gen.

„The Bans­hees of Inis­he­rin“ lässt sich auf vie­ler­lei Ar­ten in­ter­pre­tie­ren: ei­ne simp­le Me­di­ta­ti­on über Män­ner­freund­schaft? Ei­ne Al­le­go­rie auf den Bür­ger­krieg – ei­nen Bür­ger­krieg im Mi­kro­kos­mos, der für den da­mals to­ben­den iri­schen Bür­ger­krieg im Gro­ßen steht? Oder ein Shake­speare-Dra­ma in­klu­si­ve Hel­den, Schur­ken, He­xen und Nar­ren? Ob­wohl der Film zu gro­ßen Tei­len aus phi­lo­so­phi­schen Ge­sprä­chen über Freund­schaft und das Le­ben im All­ge­mei­nen be­steht, soll­te man sich nicht in Si­cher­heit wie­gen. Die ver­meint­lich sanf­te Gleich­mut hält ein paar bloo­dy sho­cking Über­ra­schun­gen pa­rat.

Das Dream­team ist zu­rück: Nach „Brüg­ge se­hen … und ster­ben?“ hat sich Re­gis­seur Mc­Do­nagh für sei­ne neue Tra­gi­ko­mö­die wie­der Co­lin Far­rell und Brendan Glee­son vor die Ka­me­ra ge­holt. Da­ne­ben sind un­ter an­de­rem der im­mer her­vor­ra­gen­de Bar­ry Keog­han ("Dun­kirk"), so­wie Ker­ry Con­don (be­kannt aus „Bet­ter Call Saul“) zu se­hen.

Irisch klingt zwar oft wie Klin­go­nisch auf Rück­wärts. Trotz­dem: Ori­gi­nal mit Un­ter­ti­teln ist ein Muss.
Go raibh maith agat as lé­amh (Vie­len Dank fürs Le­sen).

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „The Bans­hees of Inis­he­rin“
Ir­land 2022
109 min
Re­gie Mar­tin Mc­Do­nagh

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Stu­dio Mo­ti­on Pic­tures GmbH