VERRÜCKT NACH FIGARO

VERRÜCKT NACH FIGARO

Ab 27. Juli 2023 im Kino

Wer fest genug an seine Träume glaubt, der kann alles schaffen! So die plumpe Message der schon leicht modrig riechenden Opernkomödie von 2020.

Reich müss­te man sein! So wie die jun­ge Fonds­ma­na­ge­rin Mil­lie Cant­well (Da­ni­elle Mac­do­nald), die mal eben ih­ren gut be­zahl­ten Job hin­schmeißt, um statt des­sen Opern­sän­ge­rin zu wer­den. Pro­fes­sio­nel­les Ge­sangs­trai­ning hat­te sie zwar bis­lang keins, aber was soll's?

Vom qua­ken­den Ent­lein zum Stimm­wun­der

Mil­lie lässt ih­ren Freund Char­lie (Sha­zad La­tif) in Lon­don sit­zen, zieht in die schot­ti­schen High­lands, um dort bei der le­gen­dä­ren Ex-Opern­di­va Meg­han Ge­offrey-Bi­shop (Jo­an­na Lum­ley) Pri­vat­stun­den zu neh­men. Na­tür­lich wird die neue, nicht über­be­gab­te Schü­le­rin an­ge­nom­men, Geld stinkt nicht. Dem an­de­ren Schü­ler der Ge­sangs­leh­re­rin, Max (Hugh Skin­ner), stinkt es al­ler­dings ge­wal­tig, denn wie Mil­lie träumt auch er da­von, den Ge­sangs­wett­be­werb “Sin­ger of Re­nown” zu ge­win­nen. Da stört je­de Kon­kur­renz.

Kein bo­dy-shaming. Wirk­lich nicht. Aber dass die sehr be­leib­te Zwil­lings­schwes­ter von Ri­car­da Lang gleich meh­re­re gut aus­se­hen­de Ty­pen um die Wurst­fin­ger wi­ckelt – wer’s glaubt … Dass Mil­lie dann auch noch in­ner­halb we­ni­ger Mo­na­te vom qua­ken­den Ent­lein zum Stimm­wun­der mu­tiert, geht den ent­schei­den­den Jump-the-wha­le-Schritt zu weit. Zu­mal die Un­ter­richts­me­tho­den der schlecht ge­laun­ten Ge­sangs­leh­re­rin größ­ten­teils aus Be­lei­di­gun­gen und Hals­wür­gen zu be­stehen schei­nen.

Schon klar, was die Ma­cher da im Sinn hat­ten. Ty­pisch bri­ti­sche, schrul­li­ge Cha­rak­te­re, kom­bi­niert mit ei­nem Best-of-Opern­hits. Her­aus­ge­kom­men ist aber nur ei­ne mä­ßig lus­ti­ge Durch­schnitts­ko­mö­die. Wer will, kann die Au­gen zu­ma­chen und die Mu­sik ge­nie­ßen. Die Schau­spie­ler be­we­gen nur die Mün­der, ge­sun­gen wird von Pro­fis.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Fal­ling for Fi­ga­ro“
Aus­tra­li­en / UK 2020
105 min
Re­gie Ben Le­win

al­le Bil­der © 24Bilder

DOWNTON ABBEY II

EINE NEUE ÄRA

Kinostart 28. April 2022

Mal ehr­lich, kann sich noch ir­gend­wer er­in­nern, was ge­nau in Down­ton Ab­bey pas­siert ist? Um wie­der in die kom­pli­zier­ten Ver­stri­ckun­gen der ad­li­gen Fa­mi­li­en­ban­de samt ih­rer Die­ner­schaft ein­zu­stei­gen, emp­fiehlt sich die­ses zehn­mi­nü­ti­ge Vi­deo auf you­tube:

Ei­nen gro­ßen Teil des es­ka­pis­ti­schen Charmes der Se­rie macht aus, dass Men­schen viel Zeit mit Ge­sprä­chen über Nich­tig­kei­ten ver­brin­gen und da­bei frisch ge­bü­gel­te Kos­tü­me in un­rea­lis­tisch gu­tem Wet­ter durch bri­ti­sche Sze­ne­rien spa­zie­ren füh­ren. Doch TV und Ki­no funk­tio­nie­ren nicht nach den glei­chen Re­geln. So ent­täusch­te die ers­te Fort­set­zung des bri­ti­schen Se­ri­en­phä­no­mens 2019 mit ih­rer auf zwei Stun­den ge­dehn­ten be­lang­lo­sen Lan­ge­wei­le. Die Lieb­lings­fi­gu­ren ups­tairs und down­s­tairs wa­ren zwar al­le da­bei, doch es plät­scher­te so nich­tig wie ein 5 o’clock tea vor sich hin. Die Freu­de über ein wei­te­res Ki­no­aben­teu­er des Craw­ley-Clans hält sich al­so in Gren­zen. Und die ers­te hal­be Stun­de des neu­en Films lässt das Schlimms­te be­fürch­ten, denn es pas­siert wie­der so gut wie nichts, un­ter­malt von über­trie­ben ju­bi­lie­ren­dem Gei­gen­schmalz.

Höchs­te Zeit für Dra­ma: Ei­ne Hol­ly­wood-Film­crew bringt den ge­die­ge­nen Ta­ges­ab­lauf auf Down­ton Ab­bey durch­ein­an­der. Die ad­li­ge Fa­mi­lie ist zu­nächst not amu­sed, doch mit der üp­pi­gen Ga­ge lie­ße sich das ma­ro­de Dach des An­we­sens re­pa­rie­ren. Wäh­rend La­dy Ma­ry die Dreh­ar­bei­ten über­wacht, reist der Rest der Fa­mi­lie an die fran­zö­si­sche Côte d’Azur. Grand­ma Vio­let hat dort ei­ne Traum­vil­la von ei­nem längst ver­flos­se­nen Ver­eh­rer ge­erbt. Des­sen Wit­we ist über die neu­en Haus­her­ren al­les an­de­re als be­geis­tert.

"Down­ton Ab­bey II" ist ei­ne Soap-Ope­ra mit Stil. Un­ein­ge­weih­te wer­den viel­leicht nicht je­den Hand­lungs­strang ver­ste­hen, doch das tut dem Ver­gnü­gen kei­nen Ab­bruch. Mit ei­ner Lauf­zeit von über zwei Stun­den und ei­ner ab­wechs­lungs­rei­chen Hand­lung fühlt sich der Film fast wie ei­ne kom­plet­te neue Staf­fel an – Bin­ge Wat­ching im Ki­no so­zu­sa­gen. Ist die neue Ära ei­ne Emp­feh­lung? I’d ra­ther not say, Mil­ord, aber es ist net­te Un­ter­hal­tung und tut kei­nem weh – ge­gen ein wei­te­res Ki­no­ka­pi­tel ist al­so nichts ein­zu­wen­den. Noch bes­ser wä­re al­ler­dings ei­ne Fort­set­zung der Se­rie.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Down­ton Ab­bey: A New Era“
GB 2022
125 min
Re­gie Si­mon Cur­tis

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny

LOVE SARAH – LIEBE IST DIE WICHTIGSTE ZUTAT

Enie van de Meik­lok­jes (?) lädt fast täg­lich zum gro­ßen Ba­cken auf Sat 1, da war es nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis sich der ers­te Ki­no­film des The­mas an­nimmt.

Sa­rah ver­un­glückt töd­lich mit dem Fahr­rad. Sie hin­ter­lässt ih­rer 19-jäh­ri­gen Toch­ter Cla­ris­sa ei­nen un­fer­ti­gen La­den in Not­ting Hill, in dem sie ei­gent­lich ei­ne Bä­cke­rei auf­ma­chen woll­te. Um die­sen Traum post­hum zu ver­wirk­li­chen, ver­bün­det sich Cla­ris­sa mit ih­rer Oma Mi­mi und der bes­ten Freun­din ih­rer Mut­ter, Isa­bel­la – drei Frau­en, drei Ge­ne­ra­tio­nen. Ge­mein­sam pla­nen sie ei­ne Konfiserie/​Konditorei zu er­öff­nen, wie es sie seit dem Ca­fé Stein­metz nicht mehr ge­ge­ben hat!

Ei­ne net­te Idee, doch lei­der geht „Love Sa­rah“ nicht auf. Viel­leicht war’s zu we­nig He­fe, zu viel Salz oder nicht aus­rei­chend Lie­be beim An­rich­ten: der Film schei­tert auf mehr Ebe­nen, als ein Mil­le-feuille Blät­ter­teig­schich­ten hat. Die Er­zäh­lung quält sich wie ein Knet­ha­ken durch zä­hen Teig, je­de Wen­dung bleibt vor­her­seh­bar, Hu­mor und Charme sind so rar wie gu­te Bröt­chen in Ber­lin.

Nicht ein­mal für ei­nen ge­schei­ten Food-Porn hat es ge­reicht. Die ei­gent­lich sinn­li­che Her­stel­lung der Tor­ten wird lieb­los ab­ge­han­delt, da hat schon der Vor­spann der Net­flix-Se­rie „Chef’s Ta­ble“ mehr Sex­ap­peal. Im­mer wie­der da­zwi­schen ge­schnit­te­ne Bil­der von Teil­chen auf Ku­chen­ta­bletts sind un­ge­fähr so auf­re­gend wie das Durch­swi­pen ei­nes In­sta­gram-Ac­counts zum The­ma "Ba­cken".

FAZIT

Schlech­ter Film mit gu­ten Schau­spie­lern und hüb­schem Not­ting-Hill-Set­ting.

Ori­gi­nal­ti­tel "Love Sa­rah"
GB / Deutsch­land 2020
98 min
Re­gie Eli­za Schroe­der
Ki­no­start 10. Sep­tem­ber 2020

Anna und die Apokalypse

⭐️⭐️

Die ver­schla­fe­ne Klein­stadt Litt­le He­a­ven wird aus­ge­rech­net zu Weih­nach­ten von ei­ner Zom­bie-Apo­ka­lyp­se heim­ge­sucht. Schü­le­rin An­na und ih­re Freun­de kämp­fen und tan­zen sich ih­ren Weg durch Hor­den von le­ben­den To­ten und ha­ben da­bei stets ein Lied­chen auf den Lip­pen.

Be­wor­ben wird der bri­ti­sche Film als "Ein Zom­bie-Weih­nachts-Mu­si­cal". Ge­wor­den ist es eher ein un­gu­ter Mix aus "Shaun of the Dead und "Glee". An­ders als bei den Vor­bil­dern er­wei­sen sich bei die­sem Splat­ter-Mu­si­cal die Songs und meis­ten Gags als Rohr­kre­pie­rer. Und auch die Zom­bies stol­pern über­ra­schend un­gru­se­lig durch die Ge­schich­te. Die Dar­stel­ler be­mü­hen sich ih­ren Fi­gu­ren Le­ben ein­zu­hau­chen, sind aber knapp zehn Jah­re zu alt für die Rol­len. Cho­reo­gra­fie, Songs, Zom­bies: das hat man al­les wo­an­ders schon bes­ser ge­se­hen.

FAZIT

Gen­re-Mash-up mit be­grenz­tem Spaß- und Gru­sel­fak­tor.
Al­les Ge­schmacks­sa­che: Auf di­ver­sen Film­fes­ti­vals ent­wi­ckel­te sich An­na und die Apo­ka­lyp­se zum Pu­bli­kums­lieb­ling.

GB, 2018
Re­gie John Mc­Phail
92 min
Ki­no­start 06. De­zem­ber 2018