DRIVE MY CAR

DRIVE MY CAR

Kinostart 23. Dezember 2021

Ein ro­ter Sa­ab 900 Tur­bo, ein be­tro­ge­ner Ehe­mann und Tschechows On­kel Wan­ja – Das sind die er­staun­li­chen Zu­ta­ten ei­ner 40-sei­ti­gen Kurz­ge­schich­te von Ha­ru­ki Mu­ra­ka­mi.

Oto ar­bei­tet als Dreh­buch­au­to­rin beim Fern­se­hen, ihr Mann Yu­suke Ka­fu­ku ist ein re­nom­mier­ter Büh­nen­schau­spie­ler und Re­gis­seur. Die bei­den ha­ben vor vie­len Jah­ren ih­re Toch­ter ver­lo­ren – Lun­gen­ent­zün­dung im Kin­des­al­ter – seit­dem sucht Oto im­mer wie­der Sex mit an­de­ren Män­nern. Ka­fu­ku nimmt die Un­treue sei­ner Frau sto­isch hin. Ei­nes Ta­ges stirbt Oto an ei­nem Hirn­an­eu­rys­ma, ein­fach so. Pe­lo­ton hat nichts da­mit zu tun.

Ein un­ge­wöhn­lich lan­ges In­tro: Bis zum Vor­spann sind schon 40 Mi­nu­ten ver­gan­gen. Zwei Jah­re spä­ter: Ka­fu­ku wil­ligt ein, das Tschechow-Stück "On­kel Wan­ja" in Hi­ro­shi­ma zu in­sze­nie­ren. Aus ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Grün­den darf er sei­nen ge­lieb­ten Sa­ab wäh­rend die­ser Zeit nicht selbst fah­ren, die jun­ge Chauf­feu­rin Misa­ki wird ihm zu­ge­wie­sen. Auf ih­ren lan­gen ge­mein­sa­men Au­to­fahr­ten nä­hern sich die bei­den zö­ger­lich ein­an­der an.

„Dri­ve my Car“ ist Kon­tem­pla­ti­on als Film. Ob­wohl es um schwe­re The­men geht, bleibt die Span­nungs­kur­ve oh­ne grö­ße­re Aus­schlä­ge nach oben oder un­ten in ei­nem 3 Stun­den wäh­ren­den ru­hi­gen Fluss. In ei­ner Sze­ne er­wischt Ka­fu­ku sei­ne Frau da­bei, wie sie ihn mit ei­nem jun­gen Mann in der ge­mein­sa­men Woh­nung be­trügt. Es gibt kei­nen Streit, kei­ne Kon­fron­ta­ti­on, kei­nen Bruch. Ka­fu­ku ist nicht ein­mal sau­er. Er be­ob­ach­tet das Ge­sche­hen kurz und schleicht sich dann lei­se aus dem Zim­mer. Aus den dra­ma­ti­schen Ge­scheh­nis­sen hät­te ei­ne US-Pro­duk­ti­on ei­nen rühr­se­li­gen Te­ar­jer­ker fa­bri­ziert, auf ja­pa­nisch rauscht das Un­glück so sanft da­hin wie ein Wind­stoß durch ei­ne Tee­plan­ta­ge beim Son­nen­auf­gang.

Ei­ne Ad­ap­ti­on, die funk­tio­niert: Das Über­tra­gen von Mu­ra­ka­mis prä­zi­sem, un­auf­ge­reg­tem Schreib­stil auf die Lein­wand ist auf den Punkt. Re­gis­seur Ry­u­suke Ha­ma­guchi ge­lingt ein viel­schich­ti­ges Werk über Trau­er, Lie­be, Ver­rat und Kunst. Sein raf­fi­nier­tes Spiel um Spra­che und Sprach­lo­sig­keit ge­wann den Preis für das bes­te Dreh­buch in Can­nes.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Do­rai­bu mai kâ“
Ja­pan 2021
179 min
Re­gie Ry­u­suke Ha­ma­guchi

al­le Bil­der © Ra­pid Eye Mo­vies