RON LÄUFT SCHIEF

RON LÄUFT SCHIEF

Der schöns­te Tag 2021 war der 4. Ok­to­ber: Face­book, In­sta­gram und Whats­App gin­gen für sie­ben Stun­den off­line. Die Welt konn­te durch­at­men. Was für ein Se­gen!

Dass sich so et­was in nächs­ter Zeit wie­der­holt, ist eher un­wahr­schein­lich. Denn das Sam­meln von Da­ten und das Ab­sau­gen un­se­rer Le­bens­zeit ist für So­cial Me­dia Kon­zer­ne über­le­bens­wich­tig. Plea­se, li­ke me! Das Grund­übel be­gann schon 2007 mit der Ein­füh­rung des iPho­nes. Ap­ple hat die Men­schen zu Smom­bies (© Ju­gend­wort 2015) ge­macht. Er­staun­lich, dass die längst über­fäl­li­ge Ab­rech­nung nun aus­ge­rech­net in Form ei­nes leicht zuck­ri­gen Ani­ma­ti­ons­films im App­le­de­sign da­her­kommt.

Bar­ney ist ein so­ci­al­ly chal­len­ged Teen­ager. Freun­de hat er kei­ne, im Pau­sen­hof steht er meist al­lei­ne rum. Kein Wun­der, denn er ist der ein­zi­ge Schü­ler oh­ne B‑bot. Die über­gro­ßen Ta­ma­got­chi-Ei­er kön­nen fah­ren, lau­fen, spre­chen und na­tür­lich sämt­li­che So­cial Me­dia App-Funk­tio­nen er­fül­len. Ne­ben­bei spei­chern sie die per­sön­li­chen Da­ten ih­rer Be­sit­zer, ver­knüp­fen sich un­ter­ein­an­der in der Cloud. Das Gan­ze er­in­nert an ei­ne Da­ting­app für Kin­der. Du magst Scho­ko­la­de und Ein­hör­ner? Match! Als Bar­ney end­lich sei­nen ei­ge­nen Bot zum Ge­burts­tag be­kommt, stellt er schnell fest, dass sein Ge­rät ein paar Ma­cken hat.

Vi­su­ell ori­en­tiert sich „Ron läuft schief“ an Pix­ar-Pro­duk­tio­nen, er­reicht aber nicht ganz de­ren Qua­li­täts­le­vel. Auch die fröh­lich pop­pi­ge Mu­sik­aus­wahl ist et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig. Aber der Hu­mor stimmt, es gibt ei­ni­ge lus­ti­ge Sei­ten­hie­be auf fehl­funk­tio­nie­ren­de Tech­nik und B‑bot Ron ist aus­ge­spro­chen nied­lich. Für den Voice­cast in der Ori­gi­nal­ver­si­on wur­den un­ter an­de­rem Jack Dy­lan Gra­zer, Zach Ga­li­fia­na­kis und Oli­via Col­man ver­pflich­tet.

„Ron läuft schief“ ist gu­te Fa­mi­li­en­un­ter­hal­tung mit sanf­tem Biss und hat das Herz am rech­ten Fleck. Ganz mit dem Sys­tem bre­chen will der Film dann aber doch nicht, denn die Mo­ral von der Ge­schicht’ ist am­bi­va­lent: Am En­de ha­ben sich die spre­chen­den tict­acs zu noch an­ge­pass­te­ren Freun­den der Kin­der ge­wan­delt. Kon­se­quen­ter wä­re es ge­we­sen, die Scheiß­din­ger ein­fach ab­zu­schal­ten.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ron’s Go­ne Wrong“
USA 2021
106 min
Re­gie Sa­rah Smith und Jean-Phil­ip­pe Vi­ne
Ki­no­start 28. Ok­to­ber 2021

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Stu­di­os Mo­ti­on Pic­tures Ger­ma­ny

SO WIE DU MICH WILLST

Clai­re, 50, be­freun­det sich auf Face­book mit Alex, 29. Im Pro­fil gibt sie sich als at­trak­ti­ve 24-Jäh­ri­ge aus, Alex zeigt sich in­ter­es­siert. Nach ein paar Wo­chen hin- und herg­echat­te will er sei­ne Traum­frau end­lich tref­fen. Clai­re ver­sucht, ihn auf Ab­stand zu hal­ten, ver­liert sich aber zu­se­hends im Sog der Par­al­lel­welt, bis ein Un­glück ge­schieht.

Nicht nur Teen­ager ver­lie­ren sich in der vir­tu­el­len Welt der So­cial Net­works, auch rei­fe­re Se­mes­ter sind vor dem Ab­sturz ins di­gi­ta­le Nir­wa­na nicht ge­feit. Ba­sie­rend auf ei­nem Ro­man von Ca­mil­le Lau­rens, er­zählt Re­gis­seur Safy Neb­bou in "So wie Du mich willst" von ei­ner Frau, die nicht nur mit ih­ren ei­ge­nen Ver­let­zun­gen ringt, son­dern auch mit der Angst vor dem Äl­ter­wer­den. Ih­re Ge­schich­te – bzw. die Ge­schich­ten, denn es wer­den meh­re­re Va­ri­an­ten er­zählt – schwankt zwi­schen be­lang­los, er­grei­fend, ko­misch und kit­schig. 

FAZIT

Ju­li­et­te Bi­no­che ist der Haupt­grund, die­sen sanf­ten Thril­ler-Lie­bes­film an­zu­schau­en, denn die ist wie im­mer fa­bu­leux! 

Ori­gi­nal­ti­tel "Cel­le que vous croyez"
Frank­reich 2019
101 min
Re­gie Safy Neb­bou
Ki­no­start 08. Au­gust 2019