OPPENHEIMER

OPPENHEIMER

Ab 20. Juli 2023 im Kino

Mehr Vielfalt geht nicht: Heute starten OPPENHEIMER und BARBIE parallel in den Kinos. Die US-Presse tauft den Boxoffice-Showdown der ungleichen Großproduktionen passenderweise „Barbenheimer“. Die Wetten stehen im Moment eher zugunsten BARBIE – Ist OPPENHEIMER wirklich zu intellektuell und anspruchsvoll für die breite Masse?

Ein neu­er Film von Chris­to­pher No­lan: Das kann al­les zwi­schen groß­ar­tig und Kopf­schmer­zen be­deu­ten. Be­son­ders in sei­nem letz­ten Werk TE­NET ver­zet­tel­te sich der bri­ti­sche Re­gis­seur in ei­ner nicht nach­voll­zieh­ba­ren Sto­ry um den non­linea­ren Ab­lauf von Zeit. Wer den Film ver­stan­den hat, mö­ge sich bit­te mel­den. Aber na­tür­lich steht No­lan auch für ma­xi­ma­les Ac­tion­ki­no mit Hirn. IN­CEP­TI­ON, IN­TER­STEL­LAR oder die DARK KNIGHT-Tri­lo­gie sind mo­der­ne Klas­si­ker. OP­PEN­HEI­MER, so viel Spoi­ler sei er­laubt, er­zählt ei­ne Ge­schich­te, der man (halb­wegs) fol­gen kann.

Größt­mög­li­cher Schau- und Un­ter­hal­tungs­wert

Jo­seph M. Op­pen­hei­mer ist als Er­fin­der der Atom­bom­be be­rühmt-be­rüch­tigt. Erst nach den ver­hee­ren­den Fol­gen von Hi­ro­shi­ma und Na­ga­sa­ki än­dert sich sei­ne Hal­tung grund­le­gend, so­dass ihn im pa­ra­no­iden Ame­ri­ka der 50er-Jah­re bald das FBI ins Vi­sier nimmt. „Er muss die Zer­stö­rung der Welt ris­kie­ren, um sie zu ret­ten“, wie das Pres­se­heft den Kern der Sto­ry et­was rei­ße­risch auf den Punkt bringt.

No­lan weiß ge­nau, wie man selbst ein Bio­pic über ei­nen nerdi­gen Wis­sen­schaft­ler mit größt­mög­li­chem Schau- und Un­ter­hal­tungs­wert in­sze­niert. Da­zu hat er ein ein­fa­ches Er­folgs­re­zept ent­wi­ckelt: Er schart die bes­ten Leu­te um sich. Die in Schwarz­weiß und Far­be ge­dreh­ten Bil­der von Ka­me­ra­mann Ho­yte van Ho­yte­ma sind so schön, dass man sich je­des ein­zel­ne Frame aus­ge­druckt an die Wand hän­gen möch­te. Lud­wig Gör­ans­sons Score er­reicht Hans-Zim­mer-Grö­ße, Aus­stat­tung, Schnitt, Sound – al­les ist vom Feins­ten.

Spek­ta­ku­lär auch die Be­set­zung: Cil­li­an Mur­phy spielt den Va­ter der Atom­bom­be mit Bor­der­line ver­rück­ter Ele­ganz. Ro­bert Dow­ney jr. war lan­ge nicht mehr so gut und schön aa­sig wie hier, Emi­ly Blunt hat als Op­pen­hei­mers Ehe­frau Kit­ty vor al­lem ge­gen En­de des Films ei­ne gran­dio­se Sze­ne. In pro­mi­nen­ten Ne­ben­rol­len sind un­ter an­de­rem Ga­ry Old­man, Ca­sey Af­fleck, Ra­mi Ma­lek, Ken­neth Bra­nagh, Flo­rence Pugh und Matt Da­mon da­bei.

OP­PEN­HEI­MER ist ein er­zäh­le­ri­scher und tech­ni­scher Tri­umph in IMAX-For­mat ge­dreht. Grö­ßer und an­spruchs­vol­ler wird Ki­no in die­sem Som­mer nicht mehr. Und wer ge­winnt nun den Bar­ben­hei­mer-Show­down? Ganz klar, OP­PEN­HEI­MER ist der um Län­gen bes­se­re Film. Aber ge­gen ein biss­chen pin­ke Zu­cker­wat­te zum Nach­tisch ist auch nichts ein­zu­wen­den.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Op­pen­hei­mer“
USA 2023
180 min
Re­gie Chris­to­pher No­lan

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny

Aufbruch zum Mond

Am 20. Ju­li, vor fast 50 Jah­ren, be­trat Neil Arm­strong mit ei­nem klei­nen Schritt als ers­ter Mensch den Mond. „First Man“, so der Ori­gi­nal­ti­tel, er­zählt die Ge­schich­te der NA­SA-Mis­si­on von 1961 bis 1969.

Da­mi­en Cha­zel­les Film ist ei­ne ernst­haf­te, viel­leicht zu ernst­haft ge­ra­te­ne Bio­gra­fie, die zwar be­weist, wie meis­ter­haft der jun­ge Re­gis­seur mitt­ler­wei­le die un­ter­schied­lichs­ten Sti­le des Fil­me­ma­chens be­herrscht, den Zu­schau­er aber auch oft kalt lässt. Stel­len­wei­se er­in­nert der Hy­per­rea­lis­mus des Films an Chris­to­pher Nolans „In­ter­stel­lar“, al­ler­dings oh­ne den Spaß­fak­tor.

„Auf­bruch zum Mond“ ist kein Aben­teu­er­film, mehr ein Kam­mer­spiel, ei­ne Be­ob­ach­tung und Cha­rak­ter­stu­die sei­ner ex­trem in­tro­ver­tier­ten Haupt­fi­gur ge­wor­den. Neil Arm­strong, der sein Le­ben of­fen­bar meist wis­sen­schaft­lich ana­ly­tisch be­trach­te­te und kaum Wär­me oder Em­pa­thie aus­strahl­te, be­stimmt mit sei­ner Emo­ti­ons­lo­sig­keit die ers­ten zwei Drit­tel des Films. Ryan Go­slings Mi­mik bleibt der Fi­gur ent­spre­chend leer, sel­ten huscht so et­was wie ein Lä­cheln über sein Ge­sicht. Das mag in An­be­tracht Arm­strongs er­leb­ter Schick­sals­schlä­ge his­to­risch rich­tig sein, macht es aber schwer, sich mit der Fi­gur zu so­li­da­ri­sie­ren.

Im letz­ten Drit­tel nimmt die Ge­schich­te dann end­lich Fahrt auf. Recht­zei­tig zur Mond­lan­dung zei­gen Cha­zel­le und sein Ka­me­ra­mann Li­nus Sand­gren, was sie kön­nen. Teils auf 16 mm, teils auf 35 mm ge­dreht, wur­de für die atem­be­rau­ben­den Sze­nen der Mond­mis­si­on das IMAX-For­mat ver­wen­det. Die Mu­sik von Os­car­preis­trä­ger Jus­tin Hur­witz darf nun auch in die Vol­len ge­hen und bei­na­he weht ein Hauch von "La La Land"-hafter Ele­ganz über die Mond­land­schaf­ten.

FAZIT

Tipp vom Rei­se­füh­rer: Wer im­mer schon­mal wis­sen woll­te, wie es sich an­fühlt, in ei­ner ex­trem en­gen Raum­kap­sel zu sit­zen und sein Le­ben kom­plett der klapp­ri­gen Tech­nik an­zu­ver­trau­en, kommt hier auf sei­ne Kos­ten. Sel­ten ha­ben sich Flug­sze­nen klaus­tro­pho­bi­scher und au­then­ti­scher an­ge­fühlt als hier.
Gu­ter, sehr er­wach­se­ner Film.

USA, 2018
Re­gie Da­mi­en Cha­zel­le
141 min
Ki­no­start 08. No­vem­ber 2018