UNCHARTED

UNCHARTED

Kinostart 17. Februar 2022

Es gibt gu­te Quatsch­fil­me und es gibt we­ni­ger gu­te Quatsch­fil­me. „Un­char­ted“ ge­hört zur letz­te­ren Ka­te­go­rie. Man kann es sich ge­ra­de­zu vor­stel­len, wie die 12-jäh­ri­gen Dreh­buch­au­to­ren bei ei­ner Tas­se hei­ßen Ka­kaos im Kin­der­zim­mer sit­zen und sich die ha­ne­bü­che­ne Ge­schich­te aus­den­ken. Bei der Plün­de­rung des "Best of Aben­teu­er­films" wird ge­co­py-pas­ted was das Zeug hält. Wie bei den Spät­wer­ken der „The Fast and the Furious“-Reihe spie­len phy­si­ka­li­sche Ge­setz­te und er­zäh­le­ri­sche Wahr­schein­lich­kei­ten da­bei kei­ne Rol­le.

Von der Ver­fil­mung ei­nes Vi­deo­spiels darf und soll man sich nichts er­war­ten, so die in vie­len Jah­ren ge­lern­te Re­gel. Oh­ne gro­ße Er­war­tun­gen sind dann wohl auch die Schau­spie­ler in die­ses Pro­jekt ge­gan­gen: Mark Wahl­berg merkt man die Un­lust je­den­falls deut­lich an. Auch die weib­li­chen Fi­gu­ren (ei­ne Bö­se­wicht­in und ei­ne über­flüs­si­ge Mit-Schatz­su­che­rin) blei­ben den gan­zen Film über blut­lee­res Bei­werk. Ret­ten muss es al­so (wie­der mal) Spi­der­man: Tom Hol­land scheint der ein­zi­ge zu sein, dem die kun­ter­bun­te Kir­mes­fahrt Spaß macht und der sei­nen ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Charme plus ge­stähl­ten Ober­kör­per zum Ein­satz bringt.

Hirn aus, Au­gen auf: Die Schau­wer­te sind enorm. Gleich zu Be­ginn wird der Held von ei­nem ro­ten Sport­wa­gen an­ge­fah­ren. Nicht auf der Stra­ße, son­dern an der ge­öff­ne­ten La­de­lu­ke ei­nes Trans­port­flug­zeugs. Der dar­aus re­sul­tie­ren­de fall­schirm­lo­se Sturz ist der Auf­takt für ei­ne Rei­he im­mer ab­sur­der wer­den­der Ac­tion­sze­nen. Bei der Jagd nach ei­nem le­gen­dä­ren Gold­schatz aus dem 16. Jahr­hun­dert führt die Rei­se von Ame­ri­ka durch spa­ni­sche Ka­ta­kom­ben bis in die Süd­see. Na­tür­lich – die ana­lo­gen Jah­re sind vor­bei – ist in die­sem Film nichts echt, sieht aber we­nigs­tens halb­wegs echt aus. Dem Fort­schritt in der Er­stel­lung com­pu­ter­ge­nerier­ter Wel­ten sei Dank. Nur wenn die­se Wel­ten je­de Bo­den­haf­tung ver­lie­ren und sich ir­gend­wann zwei rie­si­ge Se­gel­schif­fe an Ket­ten hän­gend von zwei He­li­ko­ptern ge­tra­gen, flie­gend durch die Lüf­te ja­gen und auf den Schiffs­decks wäh­rend­des­sen Faust- und Schwert­kämp­fe statt­fin­den, dann ist das nur noch ga­ga.

FAZIT

Doof, aber un­ter­halt­sam.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Un­char­ted“
USA 2022
115 min
Re­gie Ru­ben Flei­scher

al­le Bil­der © So­ny Pic­tures Ger­ma­ny

SPIDER-MAN: NO WAY HOME

SPIDER-MAN: NO WAY HOME

Kinostart 15. Dezember 2021

Sel­ten wur­de im Vor­feld ei­ner Mar­vel-Pro­duk­ti­on so viel um die Be­set­zung spe­ku­liert wie beim neu­en „Spi­der-Man: No Way Home“. Die gro­ße Fra­ge, die al­le Fans um­treibt: Gibt es ne­ben Doc Ock, dem Green Go­blin und Elec­t­ro auch ein Wie­der­se­hen mit To­bey Ma­gui­re und An­drew Gar­field, den bei­den Ex-Spi­der­man-Dar­stel­lern? Denn dies­mal ge­rät der freund­li­che Held aus der Nach­bar­schaft ins Mul­ti­ver­sum, wo di­ver­se Va­ri­an­ten sei­ner Ver­gan­gen­heit und even­tu­ell auch sei­ner selbst auf ihn war­ten. Ist kom­pli­ziert.

Nach­dem Pe­ter Par­ker am En­de von „Far from Home“ ent­tarnt wur­de und nun al­le Welt weiß, dass er Spi­der-Man ist, sucht er Hil­fe bei Doc­tor Stran­ge. Der soll die Zeit zu­rück­dre­hen und den Zu­stand vor der ver­häng­nis­vol­len De­mas­kie­rung wie­der­her­stel­len. Doch die Zau­be­rei geht gründ­lich schief und öff­net un­ge­wollt To­re zu an­de­ren Di­men­sio­nen, das Raum-Zeit-Kon­ti­nu­um ge­rät aus den Fu­gen.

Nach al­len Re­geln der Fort­set­zung muss der neu­es­te Teil den vor­he­ri­gen an Bom­bast über­tref­fen. Ob das „Im­mer noch mehr“ dem Pro­dukt gut­tut, sei da­hin­ge­stellt. Ge­ra­de das ers­te Ka­pi­tel der Tom-Hol­land-Tri­lo­gie fühl­te sich dank Hu­mor und Herz statt über­mä­ßi­ger CGI-Schlach­ten er­fri­schend an­ders an.

"No Way Home" ist ein ein­zi­ger gro­ßer Fan-Ser­vice: Jon Watts nimmt die lo­sen En­den al­ler bis­he­ri­gen Spi­der-Man-Fil­me auf und spinnt sie zu ei­nem be­frie­di­gen­den Fi­na­le. Die emo­tio­na­le Ach­ter­bahn­fahrt kreuz und quer durch die Ver­gan­gen­heit hat al­les, was das Herz der Spi­dey­as­ten hö­her schla­gen lässt: Tem­po, Witz, Ac­tion und so vie­le Eas­ter­eggs, dass dem Lindt-Gold­ha­sen vor Glück das Glöck­chen bim­melt.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Spi­der-Man: No Way Home“
USA 2021
148 min
Re­gie Jon Watts

al­le Bil­der © So­ny Pic­tures

CHAOS WALKING

Tom Holland

„Cha­os Wal­king“ ist ein wan­deln­des Cha­os, in­de­ed. Die Idee mag im Ro­man noch funk­tio­niert ha­ben, auf der Lein­wand nervt sie schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten: Noch so ba­na­le Ge­dan­ken oder Über­le­gun­gen ma­ni­fes­tie­ren sich als bun­te Par­ti­kel­wol­ke um die Köpf der Men­schen und je­der kann die Ge­dan­ken des an­de­ren hö­ren und se­hen.

Todd He­witt (Spi­der­man Tom Hol­land) lebt auf ei­nem fer­nen Pla­ne­ten in ei­ner Ge­sell­schaft, in der es kei­ne Frau­en mehr gibt. Die sind al­le tot, schein­bar von bös­ar­ti­gen Ali­ens er­mor­det. Ei­nes Ta­ges crasht das Raum­schiff von Vio­la (Dai­sy Rid­ley) auf dem Pla­ne­ten. Schlecht für sie, denn Frau­en kön­nen ih­re Ge­dan­ken ver­ber­gen und wer­den da­her als Be­dro­hung an­ge­se­hen. Die Män­ner re­agie­ren aus­ge­spro­chen feind­se­lig auf die Frem­de. Bald wird Vio­la vom ober­fie­sen Bür­ger­meis­ter der Stadt (Mads Mik­kel­sen, wie im­mer gut) zur Jagd frei­ge­ge­ben. Der spon­tan­ver­lieb­te Todd will sei­ner An­ge­be­te­ten hel­fen.

Nein, das Her­stel­lungs­jahr wei­ter un­ten ist kein Tipp­feh­ler, „Cha­os Wal­king“ wur­de tat­säch­lich schon 2017 ge­dreht. Zwei Jah­re spä­ter gab es noch mal ei­nen Nach­dreh, wohl um zu ret­ten, was zu ret­ten ist. Der Ki­no­start wur­de et­li­che Ma­le ver­scho­ben, teils Co­ro­na-be­dingt, tat­säch­lich aber, weil das Stu­dio er­kannt hat, dass der Film nichts taugt. Die Zu­ta­ten zum De­sas­ter: Bö­se­wich­ter mit nicht nach­voll­zieh­ba­rer Mo­ti­va­ti­on, Cha­rak­te­re, die kom­men und ge­hen, oh­ne für die Ge­schich­te ei­ne Rol­le zu spie­len, dys­to­pi­sche Kli­schees zu­hauf und pla­ne­ten­gro­ße Lö­cher im Dreh­buch. „Cha­os Wal­king“ ist lei­der nicht ein­mal ein un­ter­halt­sa­mes B‑Movie.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Cha­os Wal­king“
USA 2017
108 min
Re­gie Doug Li­man
Ki­no­start 17. Ju­ni 2021

al­le Bil­der © STU­DIO­CA­NAL

ONWARD: KEINE HALBEN SACHEN

New Mush­room­ton ist ei­ne stink­nor­ma­le US-Klein­stadt: Hier le­ben El­fen, Zwer­ge, Rie­sen, be­sof­fe­ne Ein­hör­ner und die blau­haa­ri­gen Brü­der Ian und Bar­ley Light­foot (im Ori­gi­nal: Tom Hol­land und Chris Pratt).
Zu sei­nem 16. Ge­burts­tag be­kommt Ian von sei­ner Mut­ter ein ganz be­son­de­res Ge­schenk – ei­nen Zau­ber­stock, mit dem er (an­geb­lich) sei­nen ver­stor­be­nen Va­ter für ei­nen Tag zu­rück ins Le­ben ho­len kann.

Re­gis­seur Dan Sc­an­lon hat die Zu­ta­ten aus so ziem­lich je­dem er­folg­rei­chen Fan­ta­sy-Film der letz­ten Jahr­zehn­te in ei­nem gro­ßen Topf (oder hier pas­sen­der: Kes­sel) zu­sam­men­ge­rührt: Har­ry Pot­ter, Herr der Rin­ge, Grem­lins, Dra­chen­zäh­men leicht ge­macht, da­zu ein biss­chen Ava­tar und ei­ne Pri­se Trans­for­mers. Aber was er aus die­sem Brei ge­macht hat, ist über­ra­schend ori­gi­nell und schmeckt!
Wie im­mer bei Pix­ar-Pro­duk­tio­nen legt das Dreh­buch gro­ßen Wert auf lie­be­voll aus­ge­ar­bei­te­te Fi­gu­ren. Die Va­ter-Sohn-Fa­mi­li­en-Ge­schich­te punk­tet be­son­ders mit selbst­iro­ni­schen Sei­ten­hie­ben auf die über­trie­be­ne Kom­mer­zia­li­sie­rung, wie sie Dis­ney in sei­nen di­ver­sen The­men­parks be­treibt. Der Film hat Herz, Hu­mor und na­tür­lich ei­ne Bot­schaft. Die ist zwar auch re­cy­celt – sei Du selbst, dann kannst Du al­les schaf­fen – aber wie das prä­sen­tiert und in­sze­niert wird, ist aus­ge­macht un­ter­halt­sam.

FAZIT

„On­ward: Kei­ne hal­ben Sa­chen" spielt zwar nicht in der Li­ga von "UP", "In­si­de Out" oder an­de­ren Pix­ar-Klas­si­kern, be­sticht aber durch sei­nen er­fri­schen­den Hu­mor und sei­ne hüb­schen ori­gi­nel­len Ideen.

Ori­gi­nal­ti­tel "On­ward"
USA 2019
112 min
Re­gie Dan Sc­an­lon
Ki­no­start 05. März 2020

SPIDER-MAN: FAR FROM HOME

Zur Pres­se­vor­füh­rung tritt ei­ne Mit­ar­bei­te­rin von So­ny vors Pu­bli­kum und bit­tet, „kei­nes­falls ir­gend­wel­che Spoi­ler zu ver­öf­fent­li­chen, da­mit je­der Zu­schau­er die Chan­ce hat, den Film un­vor­ein­ge­nom­men zu ge­nie­ßen.“ Das macht es nicht ge­ra­de leicht, ei­ne halb­wegs re­le­van­te Be­spre­chung zu "Spi­der-Man: Far From Home" zu schrei­ben, denn wo ist die Gren­ze? Schließ­lich knüpft der Film di­rekt an die Er­eig­nis­se von „Aven­gers: End­ga­me“ an. Wis­sen mitt­ler­wei­le al­le Zu­schau­er, dass 
ACH­TUNG: SPOI­LER 
Iron Man, ali­as To­ny Stark das Zeit­li­che ge­seg­net hat? Und des­sen Zög­ling Pe­ter Par­ker, nun al­lein­ge­las­sen, sei­nen Weg vom Teen­ager zum aus­ge­wach­se­nen Su­per­hel­den fin­den muss?

Darf man we­nigs­tens sa­gen, dass der neue Spi­der-Man-Film ein durch­wach­se­nes Ver­gnü­gen ist?

Nach dem epi­schen und fa­bel­haf­ten letz­ten Aven­gers-Film schal­tet Mar­vel (ver­ständ­li­cher­wei­se) ein paar Gän­ge zu­rück. Wie soll man das auch top­pen? 

Spi­dey ist mü­de und ur­laubs­reif. Da trifft es sich gut, dass sei­ne (fi­nan­zi­ell of­fen­sicht­lich sehr gut ge­stell­te) Schu­le ei­nen Aus­flug plant: Ve­ne­dig, Pa­ris, Lon­don.
Wäh­rend un­ser­eins ins Schwarz­wäl­der Lug­ins­land und spä­ter mit viel Glück nach Prag (da­mals noch vom Tou­ris­mus un­zer­stört) rei­sen durf­te, flie­gen die fei­nen New York Kids von heu­te mal eben über den At­lan­tik in die Al­te Welt. Das kennt man schon: Fällt den Au­toren nichts Neu­es ein, wird die Hand­lung kur­zer­hand in ein exo­ti­sches Land oder – wie in die­sem Fall – nach Eu­ro­pa ver­legt. So ent­puppt sich die Klas­sen­rei­se auch als lah­mer Dreh­buch­kniff, um dem Film durch neue Lo­ca­ti­ons fri­sches Blut zu in­ji­zie­ren. Hilft nichts, schon der ers­te Kampf, kaum in Ve­ne­dig an­ge­kom­men, mit ei­nem we­nig be­ein­dru­cken­den „Gezeiten“-Monster, ist in sei­ner Plas­tik­haf­tig­keit ver­gleichs­wei­se un­ter­wäl­ti­gend. Aber oh­ne Aven­gers-le­vel-gro­ße Be­dro­hun­gen geht’s halt nicht, denn Spi­der­man ist ein Mar­vel-Su­per­hel­den­film und kei­ne Co­ming-of-Age-Ko­mö­die.

Hin­ter den zer­stö­rungs­wü­ti­gen Wasser‑, Erd‑, Feu­er- und Luft-Mons­tren steckt na­tür­lich ein Bö­se­wicht, der nach Ruhm und Macht giert. Die Mo­ti­va­ti­on des Schur­ken ist al­ler­dings mehr als an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen und das Dreh­buch ent­blö­det sich nicht, ihn zwi­schen­durch sein An­lie­gen und den gan­zen Plot in ei­nem lang­at­mi­gen Mo­no­log er­klä­ren zu las­sen. Gu­tes Ge­schich­ten­er­zäh­len sieht an­ders aus.

FAZIT

Zwie­späl­tig. Der Aspekt der pu­ber­tä­ren Ver­un­si­che­rung und ers­ten Ver­liebt­heit hat deut­lich mehr Po­ten­zi­al als die auf Dau­er er­mü­den­den Ac­tion­sze­nen. Se­hens­wert ma­chen den Film sei­ne mit­un­ter wit­zi­gen Dia­lo­ge und der Cast: Ver­läss­lich wie im­mer gibt Sa­mu­el L. Jack­son den knur­ri­gen Nick Fu­ry, als Neu­zu­gang im MCU ist Ja­ke Gyl­len­haal da­bei und der mitt­ler­wei­le 23-jäh­ri­ge Tom Hol­land über­zeugt im­mer noch als Teenage Spi­der-Man.

Ori­gi­nal­ti­tel "Spi­der-Man: Far From Home"
USA 2019
129 min
Re­gie Jon Watts
Ki­no­start 04. Ju­li 2019