BERLINALE 2022 – FINALE

WETTBEWERB

LEONORA ADDIO

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Da geht man ins Ki­no, weiß nichts über das, was man gleich zu se­hen be­kommt und denkt nach kur­zer Zeit: Das wirkt wie ein Film von ei­nem sehr al­ten Mann ge­macht. Und sie­he da: Re­gis­seur Pao­lo Ta­via­ni zählt schon 90 Jah­re. Aber schützt Al­ter vor Kri­tik?

„Leo­no­ra Ad­dio“ er­zählt zwei Ge­schich­ten: Die ers­te han­delt von Lui­gi Pi­ran­del­los Asche und ih­rer Rei­se. Der be­rühm­te Schrift­stel­ler wur­de 1936 in Rom kre­miert und bei­gesetzt. Ent­ge­gen sei­nem letz­ten Wil­len, denn lie­ber woll­te er in „ei­nem ro­hen Fel­sen“ auf Si­zi­li­en sei­ne letz­te Ru­he fin­den. Und so be­ginnt nach dem En­de des Zwei­ten Welt­kriegs die aben­teu­er­li­che Fahrt ei­ner Ur­ne quer durch Ita­li­en. „Leo­no­ra Ad­dio“ ist schon fast vor­bei, da folgt noch die Ver­fil­mung von Pi­ran­del­los Kurz­ge­schich­te Il chio­do (dt.: „Der Na­gel“). Dar­in tö­tet ein ita­lie­ni­scher Jun­ge in New York ein klei­nes Mäd­chen mit ei­nem Na­gel.

„Leo­no­ra Ad­dio“ ist ein über­in­sze­nier­ter, in Kunst er­starr­ter Film. Die Schau­spie­ler schei­nen vom Re­gis­seur je­den Lid­schlag vor­ge­schrie­ben be­kom­men zu ha­ben, so un­na­tür­lich steif wirkt das oft. Der Wett­be­werbs­bei­trag sieht gut aus, aber sei­ne bei­den Ge­schich­ten sind ent­täu­schend schwach. Was das al­les soll, er­schließt sich bis zum En­de nicht.

Ita­li­en 2021
90 min
Re­gie Pao­lo Ta­via­ni

WETTBEWERB

THE NOVELIST'S FILM

2.5÷5

Zu­falls­be­geg­nun­gen – der Film. Die Schrift­stel­le­rin Jun-hee be­sucht die Buch­hand­lung ei­ner frü­he­ren Freun­din, zu der sie den Kon­takt ver­lo­ren hat­te. Bei ei­nem Aus­flug trifft sie ei­nen Film­re­gis­seur, der ein­mal ei­nes ih­rer Bü­cher ver­fil­men woll­te. Spä­ter lernt sie bei ei­nem Spa­zier­gang im Park ei­ne be­rühm­te Schau­spie­le­rin ken­nen und schlägt ihr ein ge­mein­sa­mes Kurz­film­pro­jekt vor. Nach ei­nem Mit­tag­essen keh­ren Jun-hee und die Schau­spie­le­rin in den Buch­la­den zu­rück. Oder wie es ei­ner der Prot­ago­nis­ten sagt: "Ei­ne Ge­schich­te oh­ne Sto­ry ist kei­ne Ge­schich­te"

So span­nend wie das klingt, ist es auch. Es pas­siert nicht viel in "The Novelist's Film". Hong Sang-so­os In­sze­nie­rungs­stil könn­te man als "spon­tan" be­zeich­nen, der Film wirkt wie bei­läu­fig mit­ge­dreht. In sehr lan­gen Ein­stel­lun­gen wird sehr viel ge­re­det. Manch­mal ist das so­gar ei­ni­ger­ma­ßen amü­sant. Nach zwei Sil­ber­nen Bä­ren (2020 "The Wo­man Who Ran" und 2021 "In­tro­duc­tion") ist der neue Film des ko­rea­ni­schen Re­gis­seurs eher ei­ne fe­der­leich­te Fin­ger­übung.

Ori­gi­nal­ti­tel "So-seol-ga-ui ye­ong-hwa"
Re­pu­blik Ko­rea 2021
92 min
Re­gie Hong Sang-soo

DIE GEWINNER 2022

3 Meinungen zu “BERLINALE 2022 – FINALE

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