WHAT'S LOVE GOT TO DO WITH IT?

WHAT'S LOVE GOT TO DO WITH IT?

Kinostart 23. Februar 2023

Das Bes­te an WHAT'S LOVE GOT TO DO WI­TH IT?: Ti­na Tur­ners gleich­na­mi­ger 80er-Jah­re-For­mat­ra­dio-Hit ist im gan­zen Film nicht zu hö­ren. Viel­mehr be­zieht sich der Ti­tel auf die Fra­ge, ob Lie­be bei ei­ner Hei­rat über­haupt ei­ne Rol­le spie­len muss. Oder ist es nicht bes­ser – so die Mut­ter des Haupt­prot­ago­nis­ten – Lie­be erst durch lang­sa­mes Kö­cheln zu ent­fa­chen?

Al­les so schön bunt hier!

Zoe ist ei­ne jun­ge Fil­me­ma­che­rin. Auf der Su­che nach dem The­ma für ihr nächs­tes Pro­jekt kommt ihr die Ge­schich­te ih­res bes­ten Freun­des Ka­zim ge­ra­de recht. Der in Groß­bri­tan­ni­en ge­bo­re­ne Arzt mit pa­ki­sta­ni­schen Wur­zeln will dem­nächst hei­ra­ten. Das Be­son­de­re dar­an: Er lässt die Braut von sei­nen El­tern aus­su­chen. Ei­ne ar­ran­gier­te Hoch­zeit scheint ihm ver­nünf­tig und al­le­mal er­folg­ver­spre­chen­der als das lang­wie­ri­ge Tin­dern. Zoe be­schließt, Ka­zim zur Hoch­zeit nach Pa­ki­stan zu be­glei­ten.

Wenn man der an­geb­lich preis­ge­krön­ten Fil­me­ma­che­rin Zoe da­bei zu­sieht, wie sie mit der Hand­ka­me­ra un­be­hol­fen ver­wa­ckel­te Bil­der für ih­re Do­ku­men­ta­ti­on dreht, fragt man sich, ob sie bis­her für den Of­fe­nen Ka­nal ge­ar­bei­tet hat. Um­so er­staun­li­cher, dass bei der Pre­mie­re ih­res Films per­fekt aus­ge­leuch­te­tes und ein­ge­rich­te­tes Ma­te­ri­al zu se­hen ist. Das wirkt dann un­ge­fähr so au­then­tisch wie die Stu­dio­ku­lis­sen, in de­nen die Pa­ki­stan­sze­nen von WHAT'S LOVE GOT TO DO WI­TH IT? ge­dreht wur­den. Al­les so schön bunt hier! Aber nicht nur die Sets, auch die Emo­tio­nen sind künst­lich. Da­zu ei­ne pe­ne­tran­te Film­mu­sik, die Flö­ten und Gei­gen um die Wet­te ju­bi­lie­ren lässt. Es ist fürch­ter­lich.

Ma­len nach Zah­len: WHAT'S LOVE GOT TO DO WI­TH IT? ist ei­ne ro­man­ti­sche Ko­mö­die nach Sche­ma F. Die über­ra­schungs­freie Ge­schich­te wür­de sich noch so weg­schau­en, wenn we­nigs­tens die Che­mie zwi­schen den Haupt­dar­stel­lern Li­ly Ja­mes und Sha­zad La­tif stim­men wür­de. Doch der Fun­ke springt nicht über. Ob­wohl die zu­cker­sü­ße Ro­man­ze ih­re Mo­men­te hat, ver­der­ben der oft plat­te Hu­mor und die kli­schee­haf­ten Fi­gu­ren den Spaß. Das kann nicht mal Em­ma Thomp­son als lie­bens­wer­te Schrul­le ret­ten.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „What’s Love got to do wi­th it?“
Eng­land 2022
108 min
Re­gie Shek­har Ka­pur

al­le Bil­der © STU­DIO­CA­NAL

MEINE STUNDEN MIT LEO

Kinostart 14. Juli 2022

Pe­ter Rühm­korf dich­te­te 1971 auf der le­gen­dä­ren Kin­der­plat­te War­um ist die Ba­na­ne krumm?: „Licht aus, Licht aus, Mut­ter zieht sich na­ckend aus, Va­ter holt den Di­cken raus, ein­mal rein, ein­mal raus, fer­tig ist der klei­ne Klaus.“ Das dürf­te Nan­cy Sto­kes un­an­ge­nehm be­kannt vor­kom­men. Die Leh­re­rin im Ru­he­stand hat­te mit ih­rem mitt­ler­wei­le ver­stor­be­nen Ehe­mann nur stink­lang­wei­li­gen Blüm­chen­sex. Ei­nen Or­gas­mus hat­te sie da­bei nie. Be­zie­hungs­wei­se hat­te sie über­haupt noch nie ei­nen. Das soll sich jetzt mit­hil­fe des jun­gen Sex­ar­bei­ters Leo Gran­de än­dern.

So­phie Hydes Film schafft mit Leich­tig­keit, was Ka­ro­li­ne Her­furth kürz­lich mit ih­rem Kli­schee­fest „Wun­der­schön“ ver­sucht hat: ei­ne lo­cke­re und gleich­zei­tig erns­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der ei­ge­nen Kör­per­lich­keit und miss­ver­stan­de­nem Be­au­ty­wahn.

Ap­plaus für die Dar­stel­ler: Daryl Mc­Cormack spielt den nied­li­chen Stri­cher mit viel läs­si­gem Charme und die so­wie­so im­mer gran­dio­se Em­ma Thomp­son prä­sen­tiert sich am En­de des Films selbst­be­wusst ganz oh­ne Fil­ter full fron­tal. Lus­tig, se­xy und er­fri­schend un­ver­krampft: Ein durch­weg be­frie­di­gen­der Film.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Good luck to you, Leo Gran­de“
GB 2022
97 min
Re­gie So­phie Hyde

al­le Bil­der © Wild Bunch Ger­ma­ny

CRUELLA

CRUELLA

Dis­ney ver­don­nert zu ab­so­lu­tem Still­schwei­gen und Spoi­ler-Ver­bot bei Höchst­stra­fe. Des­halb nur ein Satz zum In­halt: „Cruel­la“ er­zählt mit je­der Men­ge Camp die An­fän­ge der aus „101 Dal­ma­ti­ner“ be­kann­ten Su­per-Schur­kin mit der un­gu­ten Vor­lie­be für et­was zu ech­ten Ani­mal-Print.

Schon wie­der die nächs­te Re­al­ver­fil­mung ei­nes Zei­chen­trick­klas­si­kers aus dem Mäu­se­stu­dio. Im Un­ter­schied zu den bis­he­ri­gen Ver­su­chen ar­bei­tet sich die­se Neu­in­ter­pre­ta­ti­on aber nicht eins zu eins an ih­rer Vor­la­ge ab. Und – Über­ra­schung: „Cruel­la“ ist rich­tig gut ge­wor­den. Look und Sto­ry sind er­staun­lich düs­ter und mu­tig für ei­nen Dis­ney­film – mehr "The Jo­ker", we­ni­ger "Pon­go und Per­di­ta".

Soll­te der Film im nächs­ten Jahr Os­cars ge­win­nen (falls es bis da­hin noch Os­cars gibt, die Gol­den Glo­bes ha­ben sich ja ge­ra­de selbst er­le­digt), dann ver­dien­ter­ma­ßen für Hair & Make­up, Pro­duc­tion De­sign und Kos­tü­me!

Lauf­steg, Gla­mour, De­si­gner­dra­ma – wer nach En­de der ori­gi­nal­be­setz­ten TV-Show „Pro­ject Run­way“ Mo­de­ent­zugs­er­schei­nun­gen ver­spürt, kommt hier auf sei­ne Kos­ten. „Cruel­la“ ist ein ein­zi­ges Fa­shion-State­ment. Kos­tüm­de­si­gne­rin Jen­ny Be­avan (u.a. „Mad Max – Fu­ry Road“) prä­sen­tiert ei­ne fan­tas­ti­sche Kol­lek­ti­on nach der an­de­ren. Zu­rück­hal­tung ist pas­sé – das ist wie ei­ne Hau­te Cou­ture-Show auf Koks, aus­ge­dacht von Vi­vi­en­ne West­wood, Yves Saint Lau­rent und Karl La­ger­feld.

"Cruel­la" ist all das, was "Birds of Prey (And the Fan­ta­bu­lous Eman­ci­pa­ti­on of One Har­ley Quinn)" ger­ne ge­we­sen wä­re: ori­gi­nell, schräg und mit lie­be­voll gzeich­ne­ten Fi­gu­ren er­zählt. Die Stars des Films sind (ne­ben den Kos­tü­men) die bei­den os­car­ge­krön­ten Em­mas. Em­ma Stone mixt in der Ti­tel­rol­le Bos­heit, Irr­sinn und Ver­letz­lich­keit zu ei­nem per­fek­ten Cock­tail. Und Em­ma Thom­son spielt als nie­der­träch­ti­ge Ba­ro­ness von Hell­man so­gar Me­ryl Streeps Pra­da-He­xe an die Wand.

FAZIT

Fan­ta­sie­vol­ler, Dis­ney-un­ty­pi­scher Spaß. Eher nix für Kin­der.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Cruel­la“
USA 2020
134 min
Re­gie Craig Gil­le­spie
Ki­no­start 27. Mai 2021 (wo mög­lich)
und ab dem 28. Mai mit VIP-Zu­gang* auf Dis­ney+

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Stu­di­os Mo­ti­on Pic­tures Ger­ma­ny

LATE NIGHT – DIE SHOW IHRES LEBENS

Ka­the­ri­ne New­bury ist ei­ne Le­gen­de. Seit 30 Jah­ren ist sie die ein­zi­ge Frau im von Män­nern do­mi­nier­ten US-La­te-Night-Fern­se­hen. Vor der Ka­me­ra klug und schlag­fer­tig, hin­ter den Ku­lis­sen aso­zi­al und bö­se. Sie kennt we­der die Ge­sich­ter noch die Na­men ih­rer Mit­ar­bei­ter und ver­gibt der Ein­fach­heit hal­ber lie­ber Num­mern. Auch im Fern­seh­stu­dio trägt der Teu­fel Pra­da. We­gen ero­die­ren­der Zu­schau­er­zah­len soll sie durch ei­nen jun­gen, hip­pe­ren Co­me­di­an er­setzt wer­den. Als ihr auch noch vor­ge­wor­fen wird, ei­ne "Frau zu sein, die Frau­en hasst", stellt sie die voll­kom­men un­er­fah­re­ne Mol­ly (Min­dy Ka­ling) als Au­torin ein. Die will be­wei­sen, dass sie mehr als ei­ne Quo­ten-Frau ist und be­schließt, der krän­keln­den Show ein Up­date zu ver­pas­sen.

Der Film be­ginnt gran­di­os: cle­ver, schnell und scharf­zün­gig. Tem­po und Witz be­we­gen sich auf dem Ni­veau von „30 Rock“ oder „The Lar­ry San­ders Show“. Doch dem von Min­dy Ka­ling ver­fass­ten Dreh­buch fehlt auf Dau­er der nö­ti­ge Biss und so ver­liert sich die Ge­schich­te zu­se­hends in Sen­ti­men­ta­li­tä­ten. Statt schnip­pi­scher Dia­lo­ge wird auf die Trä­nen­drü­se ge­drückt.

FAZIT

Se­hens­wert in ers­ter Li­nie we­gen der gran­dio­sen Em­ma Thomp­son.

Ori­gi­nal­ti­tel "La­te Night"
USA 2019
102 min
Re­gie Ni­sha Ga­natra
Ki­no­start 29. Au­gust 2019