LOVE AGAIN

LOVE AGAIN

Ab 06. Juli 2023 im Kino

Flirten für Dummies. Reich werden für Dummies. BWL für Dummies. Schneckenzucht für Dummies. Von der berühmten US-Buchreihe gibt es mittlerweile unzählige Titel. Komplexe Themen einfach erklärt. LOVE AGAIN ist Romantic Comedy für Dummies.

Wenn zwi­schen zwei Ver­lieb­ten im Ca­fé die Ge­sprä­che tief und die Bli­cke lang und in­ten­siv sind, der Mann beim Raus­ge­hen noch ein­mal schmach­tend schaut – dann ahnt selbst der ah­nungs­lo­ses­te Zu­schau­er: Gleich pas­siert et­was Schlim­mes. Und schon macht‘s Quietsch und Krach. Tot. Zwei Jah­re spä­ter trau­ert Mi­ra noch im­mer um ih­re gro­ße Lie­be. Ei­nes be­son­ders trü­ben Abends be­schließt sie wein­se­lig, ih­rem to­ten Freund ei­ne sms zu schi­cken. Die lan­det auf dem Han­dy von Rob, ei­nem Mu­sik-Jour­na­lis­ten, der ge­ra­de ei­ne gro­ße Sto­ry über Cé­li­ne Di­on schreibt. Ha­ha, da­bei hört er pri­vat viel lie­ber Rock­mu­sik. Wit­zi­ge Dreh­buch­idee. Wie die Lie­bes­schnul­ze wei­ter­geht, kann man sich den­ken.

LOVE AGAIN ist das US-Re­make von SMS FÜR DICH

Wem das va­ge be­kannt vor­kommt – LOVE AGAIN ist das US-Re­make des deut­schen Ki­no­er­folgs SMS FÜR DICH von Ka­ro­li­ne Her­furth. Al­ler­dings macht die Neu­ver­fil­mung al­les gründ­lich falsch. Aus ei­ner char­man­ten Ber­lin-Ko­mö­die wird ei­ne Rom­com nach Sche­ma F. F wie fad. Der größ­te Un­ter­schied zum Ori­gi­nal: LOVE AGAIN ist ein plum­pes Wer­be­ve­hi­kel für Cé­li­ne Di­on. Die spielt sich selbst und das gar nicht mal so gut. Die Sän­ge­rin ver­brät ih­re ei­ge­ne tra­gi­sche Lie­bes­ge­schich­te und den Tod ih­res Man­nes, gibt öde Ka­len­der­rat­schlä­ge und singt ein paar Lie­der.

Je­de Wen­dung ist vor­her­seh­bar, je­de Emo­ti­on wird er­klärt: Fil­me­ma­chen für Dum­mies. Ein un­glaub­wür­di­ger Blöd­sinn, den man sich nicht ein­mal auf Net­flix an­tun möch­te. Ver­ta­ne Zeit.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Love Again“
USA 2023
104 min
Re­gie Jim Strou­se

al­le Bil­der © War­ner Bros. Pic­tures Ger­ma­ny

CHAMPIONS

CHAMPIONS

Ab 27. April 2023 im Kino

Gut remaked ist halb gewonnen. Fünf Jahre nach dem spanischen Original setzt auch Hollywood auf den Charme dribbelnder Außenseiter

Coach Car­ter drill­te fau­le Lüm­mel zum Er­folg, das Mil­li­on Dol­lar Ba­by brauch­te erst ei­nen Zieh­va­ter und auch Ka­ra­te Kid wä­re oh­ne sei­nen Meis­ter nie aus den Pu­schen ge­kom­men. Im neus­ten Ver­tre­ter des Trai­ner­film­gen­re – der US-Ko­mö­die CHAM­PI­ONS – über­nimmt Woo­dy Har­rel­son die vor­bild­li­che Rol­le.

each one teach one

Den Ball flach hal­ten ist nicht die Kö­nigs­dis­zi­plin von Bas­ket­ball­trai­ner Mar­cus (Woo­dy Har­rel­son) und so lan­det der schnodd­ri­ge Hitz­kopf zur ge­richt­lich an­ge­ord­ne­ten Stra­fe bei ei­ner Grup­pe be­hin­der­ter Jung­sport­ler, die er für die Spe­cial Olym­pics coa­chen soll. Ge­mäß „each one teach one“ pro­fi­tiert auch er von der lie­bens­wer­ten Trup­pe schrä­ger Cha­rak­te­re, so­dass am En­de nicht nur die jun­gen Spie­ler, son­dern vor al­lem der al­te Ha­se sei­ne Lek­ti­on ge­lernt hat.

Zwar han­delt es sich beim neus­ten Re­gie­werk von Ko­mö­di­en­spe­zia­list Bob­by Far­rel­ly (DUMM UND DÜM­MER, VER­RÜCKT NACH MA­RY) nur um ei­ne Neu­ver­fil­mung des spa­ni­schen Über­ra­schungs­er­folgs CAM­PEO­NES – WIR SIND CHAM­PI­ONS von 2018, doch muss sich das Re­make nicht ver­ste­cken. Der wei­ße Jun­ge Har­rel­son bringt’s auch in sei­nem drit­ten Bas­ket­ball­film noch, per­fekt um­drib­belt von ei­nem Team bis­lang un­be­kann­ter Jung­dar­stel­ler und ver­sier­ter Co­me­dy-Alt­meis­ter wie Cheech Ma­rin und Er­nie Hud­son.

CHAM­PI­ONS ist ein Wohl­fühl­film oh­ne Welt­ver­bes­se­rungs­an­satz und Be­trof­fen­heits­dog­ma. Emp­feh­lens­wert für al­le, die be­we­gen­de Ge­schich­ten mö­gen und das Ori­gi­nal ver­passt ha­ben.

Text: An­ja Besch

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Cham­pi­ons“
USA 2023
123 min
Re­gie Bob­by Far­rel­ly

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny

Hard Powder

Ar­mer Liam Nee­son. So wie der Bä­cker, der je­den Tag die glei­chen fünf Bro­te backt, oder die Al­di Kas­sie­re­rin, die tag­aus, tag­ein im grel­len Ne­on­licht Wa­ren über den Scan­ner zieht, muss auch der iri­sche Su­per­star Lan­ge­wei­le ver­spü­ren. Seit Jah­ren spielt er den "Rä­cher mit dem gu­ten Her­zen" im im­mer glei­chen Film. Es scha­det al­so nichts, wenn nach Ta­ken 1 – 3, The Com­muter, Non-Stop (und wie sie al­le hei­ßen) mal Ab­wechs­lung ins Spiel kommt.

Hard Pow­der ist tat­säch­lich nicht die üb­li­che Fließ­band­wa­re und um ei­ni­ges ori­gi­nel­ler in­sze­niert, als die Zug/​Flugzeug/​Autojagden, bei de­nen Liam sonst sei­ne Fein­de platt macht. Un­ge­wöhn­lich schon die Lo­ca­ti­on­wahl: ein im Tief­schnee ver­sin­ken­der Ski­ort in den Ro­cky Moun­ta­ins. Hier pfeift von früh bis spät ei­ne stei­fe Bri­se, das hat bei­na­he Shi­ning-haf­te At­mo­sphä­re. Nels Cox­man (Liam Nee­son) ist der ört­li­che Schnee­pflug­fah­rer und sorgt ver­läss­lich für freie Stra­ßen. Sein har­mo­ni­sches Fa­mi­li­en­le­ben mit Frau und Kind wird jäh un­ter­bro­chen, als Dro­gen­gangs­ter sei­nen Sohn er­mor­den. Ge­nau­so sto­isch wie den Schnee be­sei­tigt er dar­auf­hin die bö­sen Bu­ben und löst ne­ben­bei noch ei­nen blu­ti­gen Ban­den­krieg aus – Blut auf Schnee macht sich im­mer gut.

Sein tro­cke­ner, schwar­ze Hu­mor hebt Hard Pow­der wohl­tu­end von der sons­ti­gen 08/15-Kon­fek­ti­ons­wa­re ab. Viel­leicht liegt es ja tat­säch­lich, wie Liam Nee­son im In­ter­view ver­mu­tet, am eu­ro­päi­schen Re­gis­seur. Der Nor­we­ger Hans Pet­ter Mo­land be­weist mit dem US-Re­make sei­nes ei­ge­nen Films Ei­ner nach dem An­de­ren (2014), dass es doch noch klei­ne Über­ra­schun­gen im aus­ge­lutsch­ten Rä­cher­gen­re zu ent­de­cken gibt.

FAZIT

Bes­ser als er­war­tet. Und macht neu­gie­rig aufs Ori­gi­nal, das im Nor­we­gi­schen den hüb­schen Ti­tel „Kraft­idio­ten“ trägt.

USA, 2018
119 min
Re­gie Hans Pet­ter Mo­land
Ki­no­start 28. Fe­bru­ar 2019

Mein Bester & Ich

Der stein­rei­che Phil­ip (Bryan Cran­s­ton) ist nach ei­nem Pa­ra­gli­ding­un­fall vom Hals ab­wärts ge­lähmt. Von sei­nen bis­he­ri­gen Gut­mensch-Pfle­ge­kräf­ten hat er die Na­se gründ­lich voll, des­halb en­ga­giert er spon­tan den Ex-Gangs­ter Dell (Ke­vin Hart) als neue Kran­ken­schwes­ter – ob­wohl der kom­plett un­qua­li­fi­ziert ist und ei­gent­lich kei­ne Lust auf den Job hat. Doch die Be­zah­lung ist sen­sa­tio­nell und als Sah­ne­häub­chen gibt es so­gar noch ein Zim­mer im Lu­xus­ap­part­ment oben­drauf. Wer kann da­zu schon Nein sa­gen?
Ge­gen­sät­ze zie­hen sich an: Nach den üb­li­chen an­fäng­li­chen Kab­be­lei­en ler­nen sich die Män­ner schnell zu schät­zen und wer­den (ziem­lich bes­te) Freun­de.

Die Vor­la­ge lie­fert ei­ner der er­folg­reichs­ten fran­zö­si­schen Fil­me der letz­ten Jah­re. Das nun in den Ki­nos star­ten­de US-Re­make schim­melt schon seit zwei Jah­ren im Re­gal, das könn­te zu den­ken ge­ben. Mein Bes­ter & Ich ist trotz­dem halb­wegs okay, was vor al­lem an sei­nem Haupt­dar­stel­ler liegt: Bryan Cran­s­ton ist ei­ner der Schau­spie­ler, die das viel zi­tier­te Te­le­fon­buch vor­le­sen könn­ten. Ke­vin Hart da­ge­gen neigt zum over­ac­ting und hat bei Wei­tem nicht das Cha­ris­ma des fran­zö­si­schen Ori­gi­nal­dar­stel­lers Omar Sy. Und weil sie ge­ra­de sonst nichts zu tun hat­te, wird Ni­co­le Kid­man in ei­ner un­dank­ba­ren Ne­ben­rol­le ver­heizt.

FAZIT

Zwi­schen tra­gi­ko­misch und al­bern chan­gie­rend, haupt­säch­lich we­gen Bryan Cran­s­ton se­hens­wert.
Über­flüs­si­ge Neu­ver­fil­mung – Ziem­lich bes­te Freun­de von 2011 bleibt der bes­se­re Film.

USA 2017
126 min
Re­gie Neil Bur­ger
21. Fe­bru­ar 2019