Van Gogh – An der Schwel­le zur Ewig­keit  ist ein Film, zu dem man ei­ne Ge­brauchs­an­wei­sung le­sen soll­te. Da bei frame​ra​te​.one der Ser­vice­ge­dan­ke an ers­ter Stel­le steht, bit­te­schön: Bei­na­he al­le Dia­lo­ge wer­den von den zen­tral ins Bild ge­setz­ten Schau­spie­lern di­rekt in die Ka­me­ra ge­spro­chen. War­um ist das so? Ka­me­ra­mann Be­noît Del­hom­me woll­te da­mit die Ein­stel­lun­gen wie al­te Por­trät­ge­mäl­de aus­se­hen las­sen. Gleich­zei­tig soll­te der Büh­nen­ef­fekt des „Durch­bre­chens der vier­ten Wand“, bei dem sich der Schau­spie­ler di­rekt ans Pu­bli­kum wen­det, der­art über­stra­pa­ziert wer­den, dass man sich mit der Zeit dar­an ge­wöh­nen und es als na­tür­lich emp­fin­den soll. Das ge­lingt je­doch nicht wirk­lich.
Nor­mal­sterb­li­che könn­ten sich auch fra­gen, war­um der Film so ver­wa­ckelt und hek­tisch hin und her ge­ris­sen aus­sieht. Die na­he­lie­gen­de Er­klä­rung: Die Ka­me­ra soll­te sich wie ein Pin­sel beim Ma­len ei­nes im­pres­sio­nis­ti­schen Bil­des be­we­gen. Doch auch hier fin­den Theo­rie und Pra­xis nicht zu­sam­men – die Dau­er­hand­ka­me­ra nervt ge­wal­tig. Un­nö­tig , weil die Bil­der ei­gent­lich schön sein könn­ten, denn es wur­de vor al­lem an Ori­gi­nal­mo­ti­ven in Süd­frank­reich ge­dreht.

Re­gis­seur Ju­li­an Schna­bel ist selbst Ma­ler und da­her nicht be­son­ders an ei­nem klas­sisch er­zähl­ten Bio­pic in­ter­es­siert. Sein Künst­ler­por­trait ist mehr ei­ne Samm­lung von im­pro­vi­sier­ten Sze­nen und phi­lo­so­phi­schen Ab­hand­lun­gen über das "Ma­ler­sein" an sich. Wie Vin­cent van Gogh sei­ner­zeit, ist das Film­team ein­fach los­ge­zo­gen, um die Stim­mun­gen und die be­rau­schen­den Far­ben der licht­durch­flu­te­ten Land­schaf­ten ein­zu­fan­gen. Wil­lem Da­foe gibt ei­nen glaub­wür­di­gen Vin­cent ab, ob­wohl er mit sei­nen 63 Jah­ren deut­lich äl­ter als der mit 37 ver­stor­be­ne Künst­ler ist. Dank Kos­tüm und Mas­ke sieht er dem Ma­ler aber nicht nur ver­blüf­fend ähn­lich, er be­herrscht den gan­zen Film mit sei­nem über­ra­gen­den Spiel.
Zu Recht gab's da­für ei­ne Os­car­no­mi­nie­rung.

FAZIT

Van Gogh ver­mit­telt die Zer­ris­sen­heit und den Wahn des Künst­lers ein­drucks­voll und nach­fühl­bar. Aber wie das mit Wahn­sinn so ist – man muss ihn auch er­tra­gen kön­nen. Art­house Ki­no, nicht un­an­stren­gend.

USA/​Frankreich 2018
111 min
Re­gie Ju­li­an Schna­bel 
Ki­no­start 18. April 2019

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