Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Wolfgang Beckers letzter Film erzählt eine komplett ausgedachte Geschichte, die so nett verdreht ist, dass man sie glatt für wahr halten könnte.

Ab 11. Dezember 2025 im Kino

Schon 2019 waren Videotheken fast vollständig aus dem viel zitierten Stadtbild verschwunden. Micha Hartung (Charly Hübner) bemerkt zu spät, dass seine Branche am Ende ist. Doch dann steht eines Tages ein Journalist (Leon Ullrich) in seinem Laden: Ausgerechnet Hartung soll in den frühen Achtzigern eine spektakuläre DDR-Massenflucht ausgelöst haben. Angeblich hat er eine S-Bahn-Weiche manipuliert und damit 127 Menschen ungeplant nach West-Berlin geschickt. In Wahrheit war es ein banaler Defekt, aber die Presse macht daraus eine große Heldenstory. Und weil so eine Geschichte gut klickt, nimmt der Rummel seinen Lauf. Paula, die als Kind in dieser unfreiwillig umgeleiteten S-Bahn saß (als Erwachsene von Christiane Paul gespielt), wird durch den Artikel auf ihren vermeintlichen Fluchthelfer aufmerksam.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Berühmtsein macht eitel: Charly Hübner zeigt schön, wie ein Mann, der eigentlich nirgends hinwill, plötzlich in Talkshows sitzt und in seiner Rolle ein bisschen zu sehr aufgeht. Dass Hartung beim ersten TV-Auftritt gleich super souverän wirkt und mit der ebenfalls geladenen (echten) Kati Witt flirtet, ist vielleicht nicht ganz glaubwürdig, aber geschenkt. Es ist – wie so oft bei Becker – ein komödiantisches Märchen. Da ist eine gute Pointe wichtiger als dokumentarische Exaktheit.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Maxim Leos Romanvorlage erzählt eine Geschichte, wie sie dem Das Leben ist eine Baustelle-Regisseur gefällt: Der Kampf des Losers gegen den Wahnsinn in dieser Welt. Becker, der mit Good Bye, Lenin schon einmal DDR-Geschichte charmant verbogen hat, spielt erneut mit Ostalgie und erfundenen Wahrheiten. Mehrmals fragt man sich während des Films, ob nicht doch was dran ist und man sich nur nicht erinnern kann. Kein Wunder, dass bei Google eine der Top Suchanfragen zum Helden der Friedrichstraße „wahre Geschichte“ ist.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Becker verstarb im Dezember 2024, bevor er den Film fertigstellen konnte. Regiefreund Achim von Borries und Produzent Stefan Arndt haben das Projekt für ihn vollendet; man spürt, dass hier auch ein Abschiedswerk entstanden ist. Die Besetzungsliste liest sich wie eine kleine Hommage: Christiane Paul, Jürgen Vogel, Daniel Brühl, Peter Kurth – viele Weggefährten in teils kleinsten Nebenrollen. Dass so viele vertraute Gesichter auftauchen, macht die Komödie zu einer letzten Verbeugung vor dem großen Regisseur.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
112 min
Regie Wolfgang Becker

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

alle Bilder © X VERLEIH

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Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS

In eigener Sache: Über Punkte, Sterne und Daumen

Ab 11. Dezember 2025 im Kino

Filme zu bewerten ist ja so eine Sache. Mal sind’s Sterne, mal Punkte, mal Daumen – und manchmal wünscht man sich einfach nur ein Symbol für „war nett, aber ich hab’s schon wieder vergessen“. Hier bei Framerate gab es schon diverse Versuche: erst gar nichts, dann Sterne, dann wieder nichts, dann Punkte – wer weiß, was als Nächstes kommt … Hauptsache keine Smileys. 🤪 🙄

Egal, ob ein Film nun fünf Punkte oder nur zwei bekommt – am Ende ist alles subjektiv. Für eine Komödie ist „gut“ etwas völlig anderes als für ein Drama oder einen Horror-Film. Wer soll schon über Humor entscheiden – außer man selbst? Es gibt ja auch Menschen, die Mario Barth oder Oliver Welke lustig finden. Genau deshalb ist EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS ein wunderbares Beispiel für die Kategorie der „3-von-5“-Punkte-Filme: solide, sympathisch, kein Meilenstein – aber man schaut ihn gern.

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

Worum geht’s?
Jedenfalls nicht um Loriot, der mit seinem berühmten „Mops“-Zitat immerhin die Vorlage für den deutschen Titel liefert. Eva (Nora Navas) ist eine 50-jährige Mutter von zwei Teenagern – organisiert, selbstbewusst und nach 25 Ehejahren irgendwie im Standby. Auf einer Geschäftsreise nach Rom begegnet sie dem Schriftsteller Alex, der ihr kurzerhand den Kopf verdreht. Zurück in Barcelona beschließt sie, nicht länger Zuschauerin ihres eigenen Lebens zu sein, und macht sich auf die Suche nach der Liebe.

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

Solide Inszenierung und gute Besetzung sind ja auch schonmal was wert. EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS  ist kein Film, der das Kino neu erfindet – aber einer, der gute Laune macht und den Glauben an kleine Neuanfänge weckt. Spanisches Herz-Kino mit Witz, Wärme und genau der Portion Leichtigkeit, die man an grauen Tagen braucht. Harmlos? Vielleicht. Aber charmant genug für einen netten Kinoabend.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Mi amiga Eva“
Spanien 2025
100 min
Regie Cesc Gay

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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15 Liebesbeweise

15 LIEBESBEWEISE

15 Liebesbeweise

15 LIEBESBEWEISE

Ein Adoptionsdrama ohne Drama: Warum zwei Frauen dem Staat ihre Liebe beweisen müssen.

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Paris, 2014. Die Tontechnikerin und DJ Céline erwartet ihr erstes Kind – doch schwanger ist sie nicht. In wenigen Monaten wird ihre Frau Nadia eine Tochter zur Welt bringen. Trotz der „Ehe für alle“ muss Céline dem Staat mit 15 persönlichen Briefen aus dem Freundes- und Familienkreis beweisen, dass sie ihrer Rolle als Adoptivmutter gewachsen ist. Ein solcher Bericht von Célines eigener Mutter, der bekannten Pianistin Marguerite Orgen, wäre besonders wertvoll. Doch zwischen den beiden Frauen herrscht seit Längerem Funkstille.

Ein schlechteres Drehbuch hätte aus dem Einsammeln dieser Liebesbeweise eine vorhersehbare Komödie gemacht – in Deutschland vermutlich artig kapitelweise abgearbeitet: erst der beste Freund, dann die Kollegin, anschließend die Eltern usw. Spätestens nach dem fünften Kapitel hätte man genug gesehen.

15 Liebesbeweise

Regisseurin Alice Douard aber wählt einen völlig anderen Ansatz. Wie ihre Heldin bekam auch sie ihr erstes Kind, ohne es selbst auszutragen – und musste es adoptieren. Sie erzählt also nicht nur eine persönliche Geschichte, sie verzichtet auch bewusst auf das Abzählen der „15 Liebesbeweise“. Der deutsche Titel führt hier eher in die Irre; das französische Original „Des preuves d’amour“ („Beweise der Liebe“) bleibt nicht ohne Grund vager. Douard interessiert sich stärker für die Beziehungsdynamik: die kleinen Streitereien und Liebesspiele, die Aufregung, Vorfreude und Panik des Elternwerdens. Parallel rückt sie die schwierige Beziehung zwischen Céline und ihrer lebenslang abwesenden Mutter ins Zentrum.

15 Liebesbeweise

Ella Rumpf und Monia Chokri sind großartig. Noch bemerkenswerter ist, wie leichtfüßig der Film bleibt. Endlich einmal kein homosexuelles Drama voller Tränen und Tragödien. 15 LIEBESBEWEISE verströmt Leichtigkeit, Romantik und Mut – und sein Humor dürfte auch ein heterosexuelles Publikum abholen. Damit hat der Film das Potenzial, über die Off-Kinos hinaus ein Publikumserfolg zu werden.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Des preuves d’amour“
Frankreich 2025
97 min
Regie Alice Douard

15 Liebesbeweise

alle Bilder © Luftkind Filmverleih/Films That Matter

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Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE

Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE

Nachdenklich, klug und witzig: Joachim Triers neuer Film.

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Es beginnt mit einer Panikattacke: Nora (Renate Reinsve) muss in wenigen Sekunden auf die Bühne – doch sie bekommt keine Luft. Während im Saal bereits die Lichter ausgehen und die Musik einsetzt, reißt sie sich das Kostüm vom Leib. Weder weiß sie ihren Text, noch kann sie sich dem Publikum stellen. Backstage versucht das Personal, die Ruhe zu bewahren, und flickt das zerstörte Kostüm in Windeseile mit Gaffer-Tape. Das ist nicht nur großartig gespielt, sondern so zum Kichern, dass man zunächst glauben könnte, SENTIMENTAL VALUE mache dort weiter, wo Der schlimmste Mensch der Welt aufgehört hat – als intelligente norwegische Komödie mit derselben Hauptdarstellerin.

Sentimental Value

Doch schnell ändert sich der Ton. Noras entfremdeter Vater Gustav (herausragend: Stellan Skarsgård) und ihre Schwester Agnes (was soll man sagen, ebenfalls hervorragend: Inga Ibsdotter Lilleaas) rücken in den Mittelpunkt des Drehbuchs von Eskil Vogt und Joachim Trier. Zwei Schwestern, die Mutter gerade gestorben – und nun steht der Vater vor der Tür, ein erfolgreicher Regisseur, der im alten Familienhaus (dem heimlichen Star der Geschichte) die tragische Geschichte seiner Mutter verfilmen will.

Sentimental Value

Feinsinniger Humor blitzt immer wieder durch, doch SENTIMENTAL VALUE ist im Kern ein Drama – inklusive Selbstmord, Trauer und vielen Tränen. Dass der Film dabei nie ins Kitschige abgleitet, verdankt er neben dem hervorragenden Ensemble (Elle Fanning glänzt in einer Nebenrolle) vor allem der präzisen Regie Joachim Triers. Der lässt hier seinen inneren Ingmar Bergman off the leash und liefert ein Familiendrama, das es mühelos mit den Werken des schwedischen Überregisseurs aufnehmen kann. Die 133 Minuten stecken voller intimer Momente – mal todtraurig, mal überraschend komisch. Dazu kommen verspielte visuelle Einfälle, mit denen in kurzen Rückblenden die Geschichte des Hauses erzählt wird.

Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE zeigt, wie nah sich Schmerz und Freude in einer Familie sein können – nichts wirkt gespielt, nichts forciert. Gerade daraus entsteht seine stille Kraft. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der schlimmste Mensch der Welt bleibt Triers Meisterwerk – doch SENTIMENTAL VALUE ist kein schwächerer Nachfolger, sondern ein anderer, reiferer Film.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Affeksjonsverdi“
Norwegen / Frankreich / Dänemark / Deutschland 2025
133 min
Regie Joachim Trier

Sentimental Value

alle Bilder © PLAION PICTURES

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Eternity

ETERNITY

Eternity

ETERNITY

Die Tage werden kürzer, draußen ist es windig und kalt – Zeit für eine zuckersüße Wohlfühlkomödie

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Im Jenseits haben die Verstorbenen eine Woche Zeit, sich zu entscheiden, wo sie die Ewigkeit verbringen möchten. Joan (Elizabeth Olsen) wurde gerade vom Krebs dahingerafft und steht nun vor einer unmöglichen Wahl: Soll sie bei ihrem ebenfalls verstorbenen Ehemann bleiben, mit dem sie ihr Leben verbracht hat (Miles Teller), – oder doch ihrer ersten Liebe (Callum Turner) folgen, der jung im Koreakrieg gefallen ist und seit 67 Jahren auf ihre Ankunft wartet?

Eternity

ETERNITY ist niedlich und ziemlich unterhaltsam, könnte aber gut eine halbe Stunde kürzer sein. Das Ganze fühlt sich an wie eine auf zwei Stunden gestreckte Twilight Zone-Folge.

Wie die meisten Episoden der legendären Serie basiert auch das Drehbuch von ETERNITY auf einer einzigen, wenn auch cleveren Idee: Statt Himmel oder Hölle wartet im Jenseits schlicht „die Ewigkeit“. Die Toten haben die Qual der Wahl zwischen abertausend Varianten dieser Eternity: eine speziell für Raucher? Eine ganz ohne Männer? Etwas für eingefleischte Satanisten? Oder doch lieber eine ewige Koksparty im Club 54?

Eternity

Auch die drängende Frage, in welchem Alter man den Rest seiner Zeit verbringen wird, beantwortet der Film überzeugend: es ist das Alter, in dem man am glücklichsten war. Greise sind hier die Ausnahme, Ende 20, Anfang 30 scheint allgemein die Hochphase gewesen zu sein. Aus eigener Erfahrung: Da ist was dran.

Eternity

ETERNITY ist wie eine Reise in eine bessere Zeit – altmodisch, aber auf angenehme Weise. Nicht nur der Look ist körnig-analog, auch die Botschaft: Der Mann ist tapfer und treu, die Frau muss sich nur endlich mal entscheiden, solange sie nicht gerade hysterisch rumschreit. Naja. Augen zu vor solch reaktionären Rollenbildern.

Neben dem charmanten Trio Elizabeth Olsen, Miles Teller und Callum Turner stehlen vor allem John Early und Da’Vine Joy Randolph als „Jenseits-Koordinatoren“ die Show. Einen Fehler allerdings hat die Besetzung: Auch wenn sämtliche Charaktere immer und immer wieder betonen, wie „perfekt“ und unglaublich „handsome“ Callum Turner sei – man sieht es doch mit eigenen Augen – Miles Teller ist eindeutig der besser aussehende Mann.

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Originaltitel „Eternity“
USA 2025
112 min
Regie David Freyne

Eternity

alle Bilder © A24

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Zone 3

ZONE 3

Zone 3

ZONE 3

Wenig Rotwein, viel Käse: Trübe Zukunftsvision aus Frankreich

Ab 27. November 2025 im Kino

Es ist mal wieder alles ganz furchtbar: Die schönste Stadt der Welt ist in drei Zonen unterteilt. Nur die Elite hat noch Zugang zu Eiffelturm und Co., der bedauernswerte Rest muss in Banlieues mit absteigender Wohnqualität hausen. Von den Außenzonen gibt es keine Möglichkeit, ins Innere vorzudringen – schwer bewachte Kontrollen und Killerdrohnen beschützen die Reichen und Schönen. Wer kein Tracking-Armband trägt, wird sowieso verhaftet und entsorgt. Eine KI (natürlich) hat die Überwachung übernommen: ALMA sieht alles, weiß alles und löst jedes Verbrechen im Nullkommanix. In dieser unschönen Zukunftsvision macht sich Polizist Zem (Gilles Lellouche) mit seiner Kollegin Salia (Adèle Exarchopoulos) auf die Jagd nach dem Mörder eines hochrangigen Regierungsmitarbeiters.

Zone 3

Cédric Jimenez’ dystopischer Film hat dem Genre wenig bis gar nichts Neues hinzuzufügen. Im Gegenteil: Der große Ideenklau geht um. Vor allem bei Blade Runner, Oblivion, Minority Report und Luc Bessons Das fünfte Element bedient sich der missglückte Sci-Fi-Kracher reichlich. Es regnet (natürlich) den lieben langen Tag. Und schießwütige Drohnen gab es auch schon zuhauf. Selbst die Frisuren sind Zitate: Hauptdarsteller Gilles Lellouche soll mit seinem wasserstoffblonden Kurzhaarschnitt wohl an Bruce Willis erinnern, Adèle Exarchopoulos trägt Natalie Portmans alte Perücke aus Léon – Der Profi auf.

Zone 3

Richtig schlimm wird es, wenn der Cutter (oder war es der Regisseur? oder der Produzent?) sämtliche Autoverfolgungsjagden mit erhöhter Geschwindigkeit abspielt: Schneller! Noch schneller! Das sieht dann aus, als hätte man sich in einen Slapstick-Film aus den 20er-Jahren verirrt. Soll wohl Tempo suggerieren, ist aber nur albern. Noch übler ist das Drehbuch: camembertgroße Löcher und Handlungssprünge, die es unmöglich machen, der wirren Geschichte zu folgen. Charaktere tun etwas – Schnitt – sind plötzlich ganz woanders, um dort etwas zu tun, was keinerlei Sinn ergibt. Warum springt er in die Seine? Warum lässt er da auf sich schießen? Je ne comprends pas.

Zone 3

Es ist schade. Wären die Actionszenen nicht so lachhaft und hätte nicht irgendwer den Film im Schnitt komplett zerstört – es hätte was werden können. Denn Ausstattung, Bilder, ein paar gute Ideen (die nicht endende Milchlieferung) und sogar die Grundidee der aus dem Ruder gelaufenen KI sind nicht schlecht. Stattdessen verschleudert ZONE 3 Talente wie Louis Garrel, Romain Duris, Artus oder Valeria Bruni Tedeschi. Chien 51 (Originaltitel) wird wohl kaum in die Reihe bahnbrechender dystopischer Filme eingehen – außer als unfreiwillig komische Variante. Es ist das Gegenteil einer französischen Delikatesse und nicht mal aus Gummi!

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Originaltitel „Chien 51“
Frankreich / Belgien 2025
105 min
Regie Cédric Jimenez

Zone 3

alle Bilder © STUDIOCANAL

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Anemone

ANEMONE

Anemone

ANEMONE

Daniel Day-Lewis' Comeback

Ab 27. November 2025 im Kino

Vor acht Jahren erklärte Daniel Day-Lewis, er werde nie wieder vor eine Kamera treten. Der wohl größte Schauspieler seiner Generation verabschiedete sich scheinbar für immer von der Leinwand. Und nun das Comeback – im Regiedebüt seines Sohnes Ronan.

Passenderweise geht es in ANEMONE auch um Väter und Söhne (und Brüder und Mütter): Jem Stoker (Sean Bean) setzt sich auf sein Motorrad und fährt in die Wälder, um dort seinen untergetauchten Bruder Ray (Daniel Day-Lewis) wiederzusehen. Die Männer verbindet eine komplizierte Vergangenheit. Ray ist ehemaliger Soldat und desertierte aus der Irisch-Republikanischen Armee. Jem kümmerte sich danach um Rays Ehefrau Nessa und ihren Sohn Brian. Auch der wurde zum Militär eingezogen – und bald wieder nach Hause geschickt, nachdem er einen Kameraden fast totgeprügelt hatte.

ANEMONE ist eine filmgewordene Actor’s Masterclass. Nichts weniger durfte man bei dieser Besetzung erwarten: natürlich Daniel Day-Lewis und Sean Bean, aber auch Samantha Morton und Samuel Bottomley in den Rollen von Mutter und Sohn spielen herausragend. Der Film ist ein langer, langsam erzählter Dialog über Schuld, Verlassen und Verlassenwerden – über das Versagen der Väter, der leiblichen wie der geistlichen.

Anemone

Viel Häme aus der Presse: IndieWire schreibt, ANEMONE sei ein „von Kopf bis Fuß miserabler Film“. Nein, ist er nicht. Man muss sich nur auf dieses ungewöhnliche Erstlingswerk des gerade mal 27-jährigen Regisseurs einlassen. In der falschen Stimmung kann man sich natürlich auch herrlich langweilen und den Sinn des Ganzen hinterfragen. Zwei Stunden Menschen beim Reden zuzusehen – was soll das? Aber das ist zu kurz gegriffen.

Zunächst ist es schlicht eine Freude, den Schauspielern bei der Arbeit zuzuschauen. Fantastisch auch Ben Fordesmans Kamera – vor allem die immer wieder eingestreuten, fast märchenhaften Bilder, die wie Gemälde alter Meister wirken. Kein Wunder: Regisseur Ronan Day-Lewis hat bisher vor allem als Maler auf sich aufmerksam gemacht. Dazu die aufregende Musik von Bobby Krlic, der sonst meist für Ari Aster komponiert.

Ja, der Film erfordert Geduld – und mit seiner Langsamkeit und Düsternis ist er sicher nicht jedermanns Sache. Aber er ist zwei Stunden beinahe meditatives Kino. Manchmal erinnert er an ein anderes Meisterwerk des modernen Kinos: Magnolia. Und allein, Daniel Day-Lewis noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen, lohnt sich. Hoffentlich lässt er sich mit seinem nächsten Auftritt nicht wieder acht Jahre Zeit.

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Originaltitel „Anemone“
USA / GB 2025
126 min
Regie Ronan Day-Lewis

Anemone

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Mit Liebe und Chansons

MIT LIEBE UND CHANSONS

Mit Liebe und Chansons

MIT LIEBE UND CHANSONS

Was Sylvie Vartan mit einem Klumpfuß und Wunderheilung zu tun hat, erzählt dieser liebenswerte französische Film.

Ab 27. November 2025 im Kino

Es klingt fast wie ein modernes Märchen: Paris in den 1960er Jahren, ein kleiner Junge mit Klumpfuß, eine Mutter mit unbeirrbarem Glauben – und Sylvie Vartan, die Pop-Diva einer ganzen Generation. Aus dieser Mischung hat der kanadische Regisseur Ken Scott die warmherzige Komödie MIT LIEBE UND CHANSONS (Im Original treffender „Ma Mère, Dieu et Sylvie Vartan“) gemacht.

Im Zentrum steht Esther Perez (hinreißend: Leïla Bekhti), Mutter von sechs Kindern und von einer unerschütterlichen Energie getrieben. Als ihr jüngster Sohn Roland mit einer Fehlbildung zur Welt kommt, prophezeien die Ärzte ein Leben voller Einschränkungen. Doch Esther weigert sich, das Schicksal hinzunehmen: Ihr Kind, so schwört sie, wird am ersten Schultag laufen wie alle anderen.

Mit Liebe und Chansons

Vom Plattenspieler und aus dem Fernseher tönen Sylvie Vartans Lieder, und der kleine Roland lernt mit ihrer Musik lesen, schreiben – und träumen. Jahrzehnte später wird er Journalist und begegnet der Sängerin, die seine Kindheit prägte, tatsächlich. Vartan, heute längst Ikone, spielt sich dabei selbst – ein charmantes Detail.

Mit Liebe und Chansons

Scott verwebt in seiner Inszenierung Familienchaos, Milieuschilderung und Pop-Nostalgie zu einem heiteren, manchmal etwas überzuckerten Film. Neben Bekhti überzeugt vor allem Jonathan Cohen als erwachsener Roland; auch die Nebenrollen, vom Vater bis zu den Geschwistern, sind liebevoll gezeichnet. Dass die Handlung auf einer „wahren Geschichte“ basiert, behauptet zumindest der Abspann.

Mit Liebe und Chansons

Doch so bewegend viele Szenen sind – gegen Ende verrutscht der Ton. Sobald die Mutterfigur an Bedeutung verliert und der Fokus stärker auf den Sohn rückt, wird die Geschichte konventioneller. Das schmälert die Wirkung, auch wenn der Film sein Publikum mit einem Lächeln – und ein paar Tränen im Taschentuch – entlässt.

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Originaltitel „Ma Mère, Dieu et Sylvie Vartan“
Frankreich / Kanada 2025
103 min
Regie Ken Scott

Mit Liebe und Chansons

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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Keeper

KEEPER

Keeper

KEEPER

Machen wir uns nichts vor: KEEPER ist ein schlechter Film. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

Ab 20. November 2025 im Kino

Der Hauptgrund hat einen Namen: Oz Perkins (der Sohn von Psycho-Star Anthony). Er wurde für seine letzten beiden Werke zwar gefeiert, doch weder Longlegs noch die Stephen-King-Verfilmung The Monkey waren wirklich gute Filme. Die Framerate-Kritiken gibt’s hier noch einmal zum Nachlesen:

LONGLEGS / THE MONKEY.

Statt dazuzulernen, hat Perkins die umgekehrte Richtung eingeschlagen. Er macht das, was er immer macht – nur noch schlechter: Ideen klauen und einen manirierten Pseudo-Arthouse-Stil mit einem Drehbuch mischen, das zwar halbwegs okay anfängt, dann aber immer wirrer wird.

Keeper

Liz und Malcolm planen ein romantisches Wochenende in einer abgelegenen Waldhütte. Als Malcolm wegen eines medizinischen Notfalls zurück in die Stadt muss, bleibt Liz allein zurück – und merkt schnell, dass sie nicht allein ist. Ein Herzchen auf der beschlagenen Badezimmerscheibe ist nur eines der unaussprechlichen Grauen. Ja, genau: Herzchen, die sich selbst malen. Für die einen niedlich, für die anderen – für Oz Perkins zum Beispiel – Stoff für einen Horrorfilm.

Keeper

KEEPER ist (wieder) eine krude Mischung aus wirren Zitaten, von The Thing über Tanz der Teufel bis Rosemaries Baby. Niemand hat etwas gegen gut geklaut, nur sollte das Ganze irgendwie Sinn ergeben. Drehbuch und Regie vergessen die Grundregel jedes Horrorfilms: Es sollte spannend, im besten Falle sogar gruselig sein.

Keeper

Gruselig ist hier nur die zusammengewurschtelte Handlung: Wirre Story + Charaktere, die einem egal sind = Langeweile. Immerhin taugen die Bilder; Kameramann Jeremy Cox versucht, das Beste aus dem Haunted-Hütte-im-Wald-Setting herauszuholen. Das war’s dann aber auch schon.

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Originaltitel „Keeper“
USA 2025
99 min
Regie Oz Perkins

Keeper

alle Bilder © DCM

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Wicked: Teil 2

WICKED: TEIL 2

Wicked: Teil 2

WICKED: TEIL 2

Es ist wieder Zeit, die Gesichter grün zu schminken und den Zauberstab herauszuholen: Ein Jahr nach "Wicked" kommt mit WICKED: TEIL 2 der Abschluss des großen Musical-Double-Features ins Kino.

Ab 19. November 2025 im Kino

Es gibt einen einfachen Gund für den geteilten Release: Das Musical Wicked ist einfach zu vollgepackt. Zu viele Kostüme, zu viele Emotionen, zu viele Songs für einen einzigen Film. Jon M. Chu liefert die zweite Hälfte eines Projekts, das ein einziger, überlanger Film hätte sein können.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Elphaba (Cynthia Erivo) lebt im Exil und kämpft weiter gegen Ungerechtigkeit, während Glinda (Ariana Grande) im Smaragdpalast zur Symbolfigur des Guten wird – sehr zur Freude der politischen Machthaber von Oz. Zwischen beiden schwebt noch der Wunsch nach Versöhnung, doch das System braucht klare Feinde.

Wicked: Teil 2

Während man den endlosen Gesangseinlagen lauscht und der simplen Handlung folgt, fragt man sich: Warum sieht das alles so scheußlich aus? Flaches Licht wie in einer TV-Soap, glattgebügelte Oberflächen: Nicht nur die schlecht animierten Tiere wirken, als wären sie direkt aus dem Computer gefallen. Auch bei Ariana Grande sind die Beauty-Filter auf Anschlag gedreht.

Wicked: Teil 2

Doch Optik ist nicht alles. Entscheidend ist die Chemie zwischen Erivo und Grande – und die funktioniert. Besonders in Momenten, in denen leise Ironie oder ein Hauch von Leichtigkeit aufkommt. Die Songs hingegen bleiben auch diesmal ohne großen Wiedererkennungswert – ein Hit, der nach dem Film im Ohr bleibt, ist nicht dabei.

Wicked: Teil 2

Ohne den gewaltigen Hype bleibt ein klassischer, aufwendig produzierter Musicalfilm. Solide gespielt, mit ein paar netten Ideen, aber weit entfernt von einem Erlebnis, das nachhaltig Eindruck hinterlässt. WICKED: TEIL 2 ist groß, zuckersüß und überladen – Eigenschaften, die zum Genre gehören wie Glitzer zum Zauberstab. Wer ein Musical besucht, weiß, worauf er sich einlässt. Den Fans hat es gefallen: Bei der gut besuchten Pressevorführung gab es mehrfach Szenenapplaus.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Wicked: For Good“
USA 2025
138 min
Regie Jon M. Chu

Wicked: Teil 2

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Du und ich und alle reden mit

DU & ICH UND ALLE REDEN MIT

Du und ich und alle reden mit

DU & ICH UND ALLE REDEN MIT

Eine auf mehreren Ebenen interessante Komödie aus Italien

Ab 20. November 2025 im Kino

Ein Film aus Italien! Auf einem deutschen Kinomarkt, der von US-Produktionen, französischen Arthaus-Hits und gelegentlich skandinavischen Dramen dominiert wird, verirren sich nur selten aktuelle Werke aus dem Stiefelland. So gesehen: gut.

Die Grundidee ist ebenso schlicht wie genial: Piero (Edoardo Leo) und Lara (Pilar Fogliati) begegnen sich zu ihrem ersten Date in ihrer Wohnung. Sie, Möbelrestauratorin, gerade frisch getrennt von einer Affäre mit einem verheirateten Mann. Er, Gymnasiallehrer, geschieden und mit geteiltem Sorgerecht für seine kleine Tochter. Die beiden reden, flirten, tasten sich heran – doch das eigentliche Geschehen spielt sich in ihren Köpfen ab. Piero folgt dem Rat seiner inneren Stimmen: dem rationalen Professor, dem romantischen Romeo, dem leidenschaftlichen Eros und dem abgeklärten Valium. Lara hingegen wird gelenkt von der rigorosen Alfa, der koketten Trilli, der ungestümen Scheggia und der verträumten Giulietta.

Du und ich und alle reden mit

Klingt vertraut? Genau: DU & ICH UND ALLE REDEN MIT wirkt wie ein kaum getarntes Remake von Pixars „Inside Out“ („Alles steht Kopf“). Wo im US-Original bunt animierte Gefühlsfiguren das Innenleben eines Mädchens bevölkern, treten in der italienischen Variante reale Schauspielerinnen und Schauspieler an ihre Stelle. Man könnte sagen: „Alles steht Kopf“ – nur eben mit Menschen.

Du und ich und alle reden mit

Das Ganze ist durchaus charmant, streckenweise sogar witzig. Doch gerade im letzten Drittel hätte der Film einige Straffungen vertragen. Und „typisch italienisch“: Der Altersunterschied von über zwanzig Jahren zwischen Edoardo Leo und Pilar Fogliati wirkt in einer vermeintlich modernen Romanze zumindest diskutabel – oder auch borderline cringe.

Du und ich und alle reden mit

Ein Schauplatz, eine Nacht, ein Ensemble – unweigerlich denkt man an einen anderen Kassenerfolg: Das perfekte Geheimnis. Von keinem Film wurden für verschiedene Märkte so viele Remakes gedreht, wie von Perfetti Sconosciuti. Regisseur ist auch hier Paolo Genovese, der mit „Follemente“ – so der Originaltitel von DU & ICH – erneut ein Kammerspiel liefert, das wie geschaffen scheint für internationale Adaptionen. Die Geschichte ist universell, nationale Stars lassen sich problemlos einbauen, und der Humor funktioniert in London ebenso wie in Berlin oder Madrid. Für die deutsche Version (sollte es eine geben) werden garantiert Frederick Lau und Nora Tschirner auf der Besetzungsliste stehen – wetten?

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Originaltitel „Follemente“
Italien 2025
97 min
Regie Paolo Genovese

Du und ich und alle reden mit

alle Bilder © Capelight Pictures

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The Running Man

THE RUNNING MAN

The Running Man

THE RUNNING MAN

Es wäre ja auch ein Wunder, wenn innerhalb eines Jahres gleich drei gelungene Stephen-King-Verfilmungen in die Kinos kommen würden. Nach "The Life of Chuck" und "The Long Walk" ist THE RUNNING MAN als Adaption von Kings Bachman-Roman zwar originell gedacht, insgesamt aber wenig überzeugend.

Ab 13. November 2025 im Kino

Regisseur Edgar Wright verfolgt einen überraschend schrägen Ansatz. Sein Film wirkt wie ein verschollenes Achtzigerjahre-Relikt, nur eben realisiert mit der technischen Finesse des Jahres 2025. Bildgestaltung, Ton, Ausstattung, Effekte: alles sitzt. Anachronistisch sind dagegen das Schauspiel, die Dialoge und der ganze Vibe, der sich deutlich an der damaligen Muskelkino-Ära orientieren. Es würde einen nicht wundern, käme Arnold Schwarzenegger gleich mit einem One-Liner um die Ecke.

The Running Man

Die Geschichte ist schnell erzählt. In einer autoritär gelenkten Zukunft gehört die Fernsehsendung The Running Man zum nationalen Rauschmittel. Kandidaten werden als Runner von Profikillern gejagt. Wer dreißig Tage überlebt, gewinnt ein Vermögen. Der Fabrikarbeiter Ben Richards, gespielt von Glen Powell, lässt sich aus Angst um das Leben seiner schwer erkrankten Tochter zur Teilnahme überreden. Der Produzent Dan Killian, verkörpert von Josh Brolin als aalglatter Strippenzieher, verkauft ihm das Ganze als einzigen Ausweg. Doch Richards erweist sich als zäher, moralisch unberechenbarer Gegner. Sein Überlebenswille macht ihn zum Liebling der Massen und zur Gefahr für das System.

The Running Man

Natürlich trägt der Film die Medienschelte wie ein Schild vor sich her. Das Thema ist nicht neu und die moralische Botschaft vom gemeinschaftlichen Widerstand gegen autoritäre Manipulation wirkt in unserer Gegenwart eher gut gemeint als zwingend. Im Finale schlägt der Film zudem einen zynischen Ton an, wenn der Held dann doch seine blutige Rache über alles stellt.

The Running Man

Hübsch sind die Verweise und Zitate: Schwarzeneggers Konterfei ziert den „New Dollar“, die Running Woman Laughlin (Katy O’Brian) könnte als Hardcore-Latina eine Schwester von Private Vasquez aus James Camerons Aliens sein und der Show-Moderator (Colman Domingo) erinnert nicht nur optisch an Carl Weathers, noch so einen früheren 80er-Star, der mit Arnie vor der Kamera stand. Doch zwischen Komödie, Thriller, Action und ironischer Hommage pendelt die Inszenierung so heftig, dass man nicht weiß, wohin sie eigentlich will. Ja, die Neuverfilmung ist dynamischer, sieht besser aus und ist nicht so bleiern langweilig wie der Schwarzenegger-Film. Aber das allein macht aus THE RUNNING MAN noch keinen großen Wurf.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Running Man“
USA 2025
133 min
Regie Edgar Wright

The Running Man

alle Bilder © Sony Pictures Entertainment Deutschland

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Die Unfassbaren 3: Now you see me

DIE UNFASSBAREN 3

Die Unfassbaren 3: Now you see me

DIE UNFASSBAREN 3

Das große Labern

Ab 13. November 2025 im Kino

Hex, hex – die vier Reiter sind zurück. Oder waren es fünf? Egal. Im dritten Teil des Now You See Me-Franchise haben sie sich jedenfalls verdoppelt. Eine neue Generation mischt mit – irgendwie muss die Serie ja weitergehen, falls die Originalspieler – Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher, Dave Franco & Co. – keine Lust mehr auf Fortsetzungen haben.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Der größte Trick der „Unfassbaren“ besteht darin, dass sie nun schon zum dritten Mal denselben Film gemacht haben – und damit wohl wieder Erfolg haben werden. Diesmal geht es, irgendwo zwischen digital aufgemotzten Zaubereien, um eine verbrecherische Diamantendynastie (wie immer sehenswert: Rosamund Pike als skrupellose Antagonistin Vanderberg), die ihr blutiges Geld mit Waffenhändlern und anderem Gesocks reinwäscht. Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man Zaubertricks sehen will?

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Und genau da beginnen die Probleme. Denn die immergleichen Spiegel- und Kartentricks, die „Schwupps, ich bin verschwunden!“-Momente, haben sich längst erschöpft. Was bleibt, ist viel Gerede. Und, meine Güte, wird hier geredet! Es wird nonstop erklärt, zusammengefasst, gelabert. Dazu dröhnt der aufdringliche Soundtrack von Brian Tyler, der jeden noch so unbedeutenden Moment pathetisch aufbläst. Ein-, zweimal mag das funktionieren. Beim neunundneunzigsten Mal ist es schlicht albern.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Auf Sat.1 lief einmal eine Dokuserie namens Die Tricks der größten Zauberer – dort wurde erklärt, warum die schwebende Jungfrau gar nicht fliegt und beim Zersägen kein echtes Blut fließt. Das war schon damals nur mäßig interessant. Genau dieses Prinzip macht sich DIE UNFASSBAREN 3 zunutze – sobald der Zuschauer noch denkt: „Wie haben sie das nur gemacht?“, kommt schon die Erklärung hinterher. Nur dass hier nicht mal mit echten Tricks gearbeitet wird, sondern mit CGI. Und wenn Hollywoods digitale Magier ans Werk gehen, ist schlicht alles möglich – und damit nichts mehr erstaunlich.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Natürlich ist nicht alles schlecht: So gibt es zum Beispiel eine sehr hübsche Szene, in der alle mal zeigen dürfen, was sie draufhaben. Dass dieser „Wer hat den Längsten?“-Wettstreit in einem Haus stattfindet, dessen Räume teils auf dem Kopf stehen, teils verzerrte Perspektiven haben, erhöht den Spaß zusätzlich. Fans der ersten beiden Teile werden auch diesen mögen – und wahrscheinlich den vierten gleich mit. Denn der wird kommen. Garantiert.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Now You See Me: Now You Don’t“
USA 2025
106 min
Regie Ruben Fleischer

Die Unfassbaren 3: Now you see me

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Predator: Badlands

PREDATOR: BADLANDS

Predator: Badlands

PREDATOR: BADLANDS

Wenn der Jäger plötzlich Herz zeigt

Ab 06. November 2025 im Kino

Predator-Fans – und es soll sie wirklich geben – müssen jetzt stark sein. PREDATOR: BADLANDS ist kein weiterer Aufguss der vertrauten Muskel-Monster-Horror-Serie. Regisseur Dan Trachtenberg wagt etwas, das man im Kino-Universum dieser außerirdischen Großwildjäger nicht unbedingt erwartet hätte: Er verpasst ihnen so etwas wie Gefühle.

Im Zentrum steht diesmal kein schwitzender Elite-Soldat, sondern der Predator selbst. Ein junger Krieger (Dimitrius Koloamatangi), vom eigenen Clan verstoßen, reist auf einen unwirtlichen Planeten – halb Dschungel, halb Wüste –, um dort den ultimativen Feind zu töten. Bald trifft er auf Thia (Elle Fanning), eine Roboterfrau ohne Unterleib, aber mit viel Persönlichkeit.

Predator: Badlands

So weit, so pulpig. Doch Trachtenberg interessiert sich weniger für den nächsten blutigen Schädel-Trophäen-Moment, sondern für die Umkehrung des Mythos. Was, wenn der Predator selbst ein Außenseiter ist – ein verletzlicher Antiheld im Latexpanzer? Das Ergebnis ist eine Art intergalaktisches Buddy-Movie mit – Huch! –  Humor.

Predator: Badlands

Optisch ist das Ganze erstaunlich feist: Sandstürme, Biolumineszenz, Monster mit Textur und Gewicht – man spürt das Budget in jeder Einstellung. Und Trachtenberg hat tief in der Schatzkiste des modernen Science-Fiction-Kinos gewühlt: von Alien, Jurrasic World über Avatar bis Godzilla wirkt die Zitatensammlung weniger respektlos als vielmehr erfrischend.

Predator: Badlands

Dass das Franchise weitergeht, daran lässt der unvermeidliche Cliffhanger am Ende keinen Zweifel. Aber selten war ein Predator-Film so wenig am zynischen Abschlachten interessiert – und so sehr am (beinahe familienfreundlichen) Abenteuer. Es gab, man darf es ruhig sagen, schon sehr viel schlechtere Beiträge in diesem Universum.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Predator: Badlands“
USA 2025
106 min
Regie Dan Trachtenberg

Predator: Badlands

alle Bilder © The Walt Disney Company

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How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING

How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING

Der französische Originaltitel bringt es auf den Punkt: Un ours dans le Jura – Ein Bär im Jura.

Ab 06. November 2025 im Kino

Michel kann nichts dafür, denn normalerweise verirren sich keine Bären in diese Region. Als dann doch einer auf der verschneiten Landstraße steht, verliert der Weihnachtsbaumzüchter die Kontrolle über seinen Pick-up. Es folgt eine absurde Kettenreaktion: Eine pinkelnde Frau und ihr Begleiter kommen dabei ums Leben – Genickbruch, vom Ast aufgespießt: Es gibt schönere Arten zu sterben. Doch das ist nur der Auftakt zu einer Serie immer groteskerer Verbrechen und Verwicklungen. Mittendrin Michel und seine Frau Cathy, deren fast erloschene Liebe durch die bizarren Umstände neu aufflammt.

How to Make a Killing

Regisseur Franck Dubosc, bislang vor allem als Schauspieler bekannt – hier führt er Regie und spielt zugleich die Hauptrolle –, zitiert mit sichtbarem Vergnügen die Coen-Brüder. HOW TO MAKE A KILLING erinnert an Fargo: skurrile Charaktere, absurde Geschichte, jede Menge Schnee. Neben Dubosc glänzen Laure Calamy als seine Gattin sowie Benoît Poelvoorde und Joséphine de Meaux als überforderte, aber liebenswert-kauzige Gendarmen.

How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING legt sich tonal nicht fest: schwarze Komödie, melancholische Charakterstudie und handfester Krimi zugleich – es geht um skrupellose Schlepper, Swingerclubs, Drogenhandel und Honig (!). Die bewusste Weigerung, sich einem Genre zuordnen zu lassen, ist Fluch und Segen zugleich. Meist funktioniert der Mix, gelegentlich wünscht man sich etwas mehr innere Logik und nachvollziehbareres Figurenverhalten.

How to Make a Killing

Immerhin: Weder Michel und Cathy noch die ermittelnden Gendarmen werden je der Lächerlichkeit preisgegeben – trotz ihres dilettantischen Verhaltens. Dafür sorgt der unerwartet melancholische Ton, der der Komödie Tiefe verleiht. Wie gut das Drehbuch ist, zeigt sich in der liebevollen Zeichnung selbst kleinster Nebenfiguren. Dubosc beweist ein Gespür für Timing und präzise gesetzte Pointen; nichts wird ausgewalzt, vieles überrascht mit stiller Komik.

Nur eines passt nicht: der Starttermin. HOW TO MAKE A KILLING kommt gut sechs Wochen zu früh in die Kinos. Als düsteres Weihnachtsgeschenk hätte er viel besser gepasst.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Un ours dans le Jura“
Frankreich 2024
114 min
Regie Franck Dusbosc

How to Make a Killing

alle Bilder © Weltkino

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The Change

THE CHANGE

The Change

THE CHANGE

Nicht gerade subtiler, aber spannender Dystopie-Thriller.

Ab 06. November 2025 im Kino

Der Originaltitel „The Anniversary“ klingt harmlos, fast romantisch. Ellen (Diane Lane), eine respektierte Professorin, und Paul (Kyle Chandler), Chef eines gutgehenden Restaurants, feiern mit ihren vier erwachsenen Kindern den 25. Hochzeitstag. Nur ein Detail trübt die Harmonie: Sohn Josh (Dylan O’Brien) bringt seine neue Freundin Liz (Phoebe Dynevor) mit – und Ellen erkennt sie sofort: eine ehemalige Studentin, die sie einst wegen einer erzkonservativen, antidemokratischen Arbeit bloßgestellt hatte.

Ein Jahr später hat die Ex-Studentin ein Buch geschrieben. The Change heißt es – ein Manifest, das Demokratie und Liberalismus für überholt erklärt. Das Buch wird zum Bestseller, das Land verändert sich – und mit ihm die Taylors.

The Change

Regisseur Jan Komasa (Corpus Christi) erzählt diese Geschichte ohne viel Zwischentöne, aber mit großer Wucht. Sein Film ist keine subtile Parabel, sondern eine laute, grelle Warnung. Wer in den letzten Jahren die amerikanische Politik verfolgt hat, denkt unweigerlich an „Project 2025“, an das (gar nicht so) schleichende Erodieren demokratischer Institutionen. Komasas Film trifft also einen Nerv – und das macht ihn so beunruhigend aktuell.

The Change

Optisch beginnt THE CHANGE fast trügerisch harmlos: warme Farben, schöne Menschen, klimpernde Musik. Look und Feel, wie es hässlich neudeutsch heißt, erinnern an eine dieser etwas flach ausgeleuchteten Netflix-Miniserien, die man nebenbei schaut. Doch der Schrecken schleicht sich leise ein. Was aussieht wie ein Wohlfühlfilm, mutiert nach und nach in einen Albtraum.

The Change

Die Intellektuellen und Freigeister werden denunziert oder verhaftet, die Guten verlassen freiwillig das Land: Eine Nation auf dem Weg in den Faschismus. THE CHANGE mag ein wenig zu belehrend sein, ist aber dennoch fesselnd. Dass Regisseur Komasa hier und da Momente des Overactings (Kyle Chandler: „Name the DOG!“) durchgerutscht sind, mag daran liegen, dass er kein englischer Muttersprachler ist. Aber seine Geschichte von einer Gesellschaft, die ihre eigene Zerstörung in Kauf nimmt, ist erschreckend glaubhaft – und lässt einen nicht so schnell los.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Anniversary“
USA 2025
112 min
Regie Jan Komasa

The Change

alle Bilder © TOBIS

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Dracula - Die Auferstehung

DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG

Dracula - Die Auferstehung

DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG

Nicht tot zu kriegen - Dracula ist schon wieder zurück

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Der Originaltitel sagt es bereits: „Dracula: A Love Tale“ – Luc Bessons Interpretation des Bram Stoker-Klassikers (die wahrscheinlich fünftausendste der Filmgeschichte) ist eine Lovestory. Im Mittelpunkt stehen diesmal weniger die Vamirjäger, als vielmehr Dracula selbst. Die Geschichte von Prinz Vlad und seiner geliebten Ehefrau Elisabeta erzählt Besson mit einer riesengroßen, geradezu operettenhaften Portion Kitsch. Kostüme, Kulissen und Schauspiel wirken, als hätte man sich in die Bad Segeberger Karl May-Festspiele verirrt.

Dracula - Die Auferstehung

Caleb Landry Jones spielt Dracula nicht als dämonischen Bösewicht, sondern als Gepeinigten, der unter seiner Unsterblichkeit und dem Verlust der großen Liebe leidet. Christoph Waltz bringt als Priester ein wenig Witz in die Angelegenheit, der Rest des Casts erfüllt seinen Zweck, ohne weiter aufzufallen. Ein Schwachpunkt: Die Schauspieler sehen alle entschieden zu modern aus. Vor allem Zoë Bleu Sidel und Caleb Landry Jones glaubt man keine Sekunde, sie wären Menschen (oder Vamipre) aus dem 15. Jahrhundert.

Dracula - Die Auferstehung

Apropos zu modern: Drei inszenatorische Entscheidungen bleiben im Gedächtnis: Der neue Dracula benutzt ein eigens hergestelltes Parfum, um mit dessen Duft seine Opfer willenlos zu machen. An dieser kleinen Seitengeschichte arbeitet sich der Film mit Wonne ab. Ob Besson hier nochmal Süskinds Parfum neu verfilmen wollte? Und eben dieser Duft sorgt für die nächste unvergessliche Szene: Eine berauschte Tanzchoreografie, die sich über Jahrhunderte erstreckt. Das Revue-Intermezzo ist so albern, dass es fast schon wieder gut ist. Wechselnde Kostümierungen plus ausgefeilter Moves im vampirhaften Takt. Und zu schlechter Letzt: Statt mit Renfield und anderen Dienern, umgibt sich Bessons Graf mit einer Heerschar von (schlecht) animierten steinernen Gargoyles. Da werden Erinnerungen an die albernen Sieben Computerzwerge aus dem letzten Schneewittchen-Film wach.

Dracula - Die Auferstehung

Es ist alles eine Sache der Erwartungshaltung. Wer sich Bessons Dracula als Horrorfilm anschaut, der wird enttäuscht. Aber als Komödie mit kleinem Gruselfaktor funktioniert das Ganze tadellos.

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Originaltitel „Dracula: A Love Tale“
UK / Finnland / Frankreich 2025
129 min
Regie Luc Besson

Dracula - Die Auferstehung

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Bugonia

BUGONIA

Bugonia

BUGONIA

Einsame Menschen, die in einer verstörenden Welt nach Sinn suchen + Emma Stone = der neue Lanthimos.

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Wer sich in Yorgos Lanthimos’ Filmwelten begibt, weiß: Hier ist nichts so, wie es scheint. Auch BUGONIA, das Remake der südkoreanischen Satire Save the Green Planet! (2003), beginnt halbwegs normal und endet in einem bizarren Taumel aus Paranoia, Gewalt und Komik.

Im Zentrum steht Teddy (Jesse Plemons), ein zurückgezogen lebender Mann, der sich in Verschwörungstheorien vergräbt. Für ihn ist klar: Die Menschheit wird längst von Außerirdischen kontrolliert. Als er überzeugt ist, die knallharte Konzernchefin Michelle Fuller (Emma Stone) sei eine dieser Eindringlinge, entführt er sie kurzerhand. Was folgt, ist ein groteskes Kammerspiel, das mal wie ein Thriller, mal wie eine bitterböse Farce wirkt.

Bugonia

Emma Stone, sonst oft als fragile Heldin im Lanthimos-Kosmos unterwegs, spielt hier das genaue Gegenteil: eine Frau, die vor Kraft und Kontrolle strotzt und deren Härte im Verlauf Risse bekommt. Jesse Plemons balanciert meisterhaft zwischen Wahnsinn, Bedrohlichkeit und Tragik. Und auch Aidan Delbis überzeugt als Teddys grenzdebiler Cousin Don.

Bugonia

Lanthimos inszeniert das Ganze mit der ihm eigenen Mischung aus gesellschaftlicher Versuchsanordnung und schwarzem Humor. Einordnen lässt sich das kaum: Ist BUGONIA eine Parodie auf das Zeitalter der „QAnon“-Mythen? Eine bitterböse Kritik am Raubtierkapitalismus? Oder einfach ein sadistisches Katz-und-Maus-Spiel, das sich lustvoll jeder Moral entzieht? Gerade wenn man glaubt, zu wissen, wohin die Reise geht, nimmt der Film eine groteske Wendung in plötzliche Komik oder blankes Grauen.

Bugonia

Natürlich gilt auch hier: Wer mit Filmen wie The Lobster, The Favourite oder Poor Things wenig anfangen konnte, wird auch BUGONIA nicht lieben. Für alle anderen aber ist es ein Fest: ein eigenwilliges Stück Kino, das sich jeder Erwartung entzieht. Und allein wegen der dreiminütigen Schlussmontage lohnt es sich.

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Originaltitel „Bugonia“
USA 2025
118 min
Regie Yorgos Lanthimos

Bugonia

alle Bilder © Universal Pictures

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Good Boy - Trust His Instincts

GOOD BOY

Good Boy - Trust His Instincts

GOOD BOY

Hundefreunde aufgepasst: Hier kommt der vielleicht ungewöhnlichste Horrorfilm des Jahres. Ungewöhnlichste, nicht beste.

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Todd ist schwer krank. Er spuckt literweise Blut. Da hilft vielleicht gesundes Landleben. Zusammen mit seinem Hund Indy zieht er in das leerstehende Haus seines verstorbenen Großvaters, mitten im Wald. Eine fragwürdige Entscheidung: Dort regnet es nicht nur unentwegt, es scheint auch zu spuken. Während Herrchen sich die blutige Seele aus dem Leib hustet, versucht Bello den Fall der besessenen Hundehütte zu lösen.

Es geht also nicht um eine tollwütige oder vom Teufel besessene Fellnase. GOOD BOY erzählt seine Geschichte konsequent aus der Perspektive eines Hundes – und fügt so dem Haunted-House-Genre eine neue Variante hinzu.

Good Boy - Trust His Instincts

Schatten und Geräusche werden effektvoll eingesetzt. Doch leider trägt die Idee nur für einen Kurzfilm – obwohl GOOD BOY mit einer Laufzeit von 73 Minuten ohnehin nicht gerade abendfüllend ist. Wenn Indy zum neunundsiebzigsten Mal erschrocken schaut oder etwas erschnüffelt, offenbart sich das dünne Drehbuch.

Good Boy - Trust His Instincts

Zumindest der Anfang von Ben Leonbergs Regiedebüt ist richtig unheimlich. Doch dann verliert sich der Film immer mehr in zusammenhanglosen Szenen und Jumpcuts aus dem Nichts. Statt Spannung herrscht zunehmend Ratlosigkeit. Amityville Horror? Poltergeist? Vier Pfoten für ein Halleluja? Das Ganze stolpert in der letzten halben Stunde Richtung „gehobener Studentenfilm“ – von einem überambitionierten Cutter zusammengehackstückt.

Wenigstens ist der Hund nicht nur ausgesprochen hübsch, sondern auch hochbegabt. Ein Leckerli-Oscar wäre mehr als verdient. Bravo Indy, good boy!

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Originaltitel „Good Boy“
USA 2025
73 min
Regie Ben Leonberg

Good Boy - Trust His Instincts

alle Bilder © DCM

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Springsteen: Deliver me from nowhere

SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE

Springsteen: Deliver me from nowhere

SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE

Die Leiden des jungen B.

Ab 24. Oktober 2025 im Kino

Auch ein geerdeter Jeans- und Muscle-Shirt-Träger wie Bruce Springsteen trägt eine empfindsame Künstlerseele in seinem Herzen. Noch schlimmer: The Boss hat Depressionen. Das immerhin ist eine neue Erkenntnis – sofern man die Biografie „Deliver Me From Nowhere: The Making of Bruce Springsteen’s Nebraska“ des Musikjournalisten Warren Zanes nicht gelesen hat.

Anfang der 80er-Jahre kämpft Springsteen gegen seine inneren Dämonen: verdrängte Kindheitstraumata, die schwierige Beziehung zum gewalttätigen Vater. Mit einem Vierspurrekorder zieht er sich in sein Schlafzimmer zurück, um die Songs zu „Nebraska“ aufzunehmen – Gesang, Gitarre, Mundharmonika. Aus diesen düsteren Privatsessions entsteht später auch „Born in the U.S.A.“. Der Rest ist Musikgeschichte.

Springsteen: Deliver me from nowhere

Es soll keiner behaupten, er sei nicht gewarnt worden: Vor dem Pressescreening richtet sich Regisseur Scott Cooper per Videobotschaft ans Publikum – sein Werk, sagt er, zeige nur einen Moment im Leben Springsteens. Stadionkonzerte? Fehlanzeige. Und tatsächlich: SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE ist anders als erwartet. Einerseits ein klassisches, um nicht zu sagen konventionelles Künstlerbiopic über einen troubled artist, der sich (in Schwarz-Weiß, natürlich) an seine schwere Kindheit erinnert. Andererseits ein Film über Depression. Gute Laune macht beides nicht.

Der thematisch verwandte, aber unverständlicherweise gefloppte Robbie-Williams-Film A Better Man war da mit seinem äffischen Hauptdarsteller mutiger, schräger, lebendiger. Bei Cooper hat wenigstens die Musik noch Power: Die wenigen Konzertszenen sind elektrisierend – der Rest eher zäh. Kein Vorwurf an die Darsteller, aber irgendwann ist auch die x-te Szene, in der sie Musik von einer Kassette lauschen, dramaturgisch erschöpft.

Springsteen: Deliver me from nowhere

Jeremy Allen White – durch „The Bear“ und Calvin-Klein-Spots zum melancholischen Posterboy geworden – schlägt sich als Springsteen achtbar. Besonders ähnlich sieht er dem Original zwar nicht, doch Frisur, Kleidung und Blickrichtung stimmen. Kameramann Masanobu Takayanagi zeigt ihn vorzugsweise in Nahaufnahmen und schräger Aufsicht: trauriger Hundeblick, stiller Schmerz. White singt teilweise sogar selbst – und das beeindruckend.

Jeremy Strong („Succession“) spielt Springsteens Manager Jon Landau, der die undankbare Rolle hat, das Unsagbare hörbar zu machen. Ein raffinierteres Drehbuch hätte darauf verzichtet, Springsteens innere Monologe in Dialogform zu gießen.

Springsteen: Deliver me from nowhere

Natürlich ist SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE kein schlechter Film. Das sieht gut aus, ist feist produziert. Cooper versteht sein Handwerk. Neben dem Künstlerischen zeigt er auch – fast interessanter als der Rest – den technischen Aspekt des Album Machens. Doch das Depressions-Drama kommt mit seiner Innenschau immer wieder fast zum Stillstand. Wenn aber einer der Smash-Hits läuft – „Born in the U.S.A.“ oder „I’m on Fire“ – hebt SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE ab. Dann wird die Diskrepanz zwischen zu braver Inszenierung und Weltklasse-Musik umso deutlicher.

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Originaltitel „Springsteen: Deliver me from Nowhere“
USA 2025
115 min
Regie Scott Cooper

Springsteen: Deliver me from nowhere

alle Bilder © The Walt Disney Company Germany

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Tron: Ares

TRON: ARES

Tron: Ares

TRON: ARES

TRON: ARES – Die hohle Simulation von Kino

Ab 09. Oktober 2025 im Kino

TRON: ARES ist kein Film, sondern ein Hochglanzprodukt ohne Seele. Alles daran wirkt, als hätte ein Algorithmus ein Drehbuch berechnet, ohne zu begreifen, was Erzählung, Rhythmus oder Stil bedeuten. Das Ergebnis ist ein ästhetisch wie dramaturgisch entkerntes Produkt – laut, teuer, leer.

Regisseur Joachim Rønning inszeniert Szenen, als hätte er zwar ein hohes Budget, aber keine Idee gehabt. Die Bilder schwanken zwischen bombastischem Effektkino und billiger Digitalästhetik, die an minderwertige Fernsehproduktionen erinnert. Besonders grotesk wird es, wenn der Film versucht, den Look des 80er-Originals zu zitieren – und in einem halbgaren Hybrid aus „Kampfstern Galactica“ (der schlechten TV-Serie mit Lorne Greene) und scheußlichem Analog/Digital-Meshup endet.

Die Geschichte: egal. Irgendwie kann jetzt die Tron-Welt des Grids in die Realität gebracht werden – allerdings mit einer Lebenszeit von nur 29 Minuten. Warum? Auch das ist egal. Verschiedene Kasperletheater-Charaktere begeben sich auf die Jagd nach der „Unendlichkeits-Formel“. Jared Leto spielt einmal mehr Jared Leto: selbstbezogen und manieriert. Gillian Andersons Talent wird achtlos verschwendet; sie bleibt eine Randnotiz in einem Film, dessen Mitwirkung sie spätestens bei der Premiere bitterlich bereuen dürfte. Jodie Turner-Smith und Evan Peters verwechseln Kiefermahlen und Augenaufreißen mit Schauspiel.

Die Handlung ist ein Lehrstück der Belanglosigkeit: Figuren reden endlos, während sie im Auto sitzen, tun nichts nachvollziehbares, bleiben bedeutungslos. Trotz aller Banalität erklären immer wieder (offensichtlich nachträglich eingefügte) Dialoge die Handlung. Backstorys existieren nur, weil das Handbuch für Drehbuchschreiben es so vorsieht. Nichts trägt, nichts verbindet sich.
Selbst der Score von Nine Inch Nails – sonst ein Garant für Dichte und Atmosphäre – scheitert hier komplett: Musik und Film finden nie zueinander; jeder Einsatz wirkt zufällig.

TRON: ARES steht sinnbildlich für misslungenes Franchise-Kino: Produkte, die sich als Ereignisse verkleiden, während sie inhaltlich verdorren. Eine leere Simulation von Kino – perfekt gerendert, aber ohne jede Seele. Die Amerikaner haben für solche Unterhaltungsware ein schönes deutsches Wort: Dreck.

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Originaltitel „Tron: Ares“
USA 2025
119 min
Regie Hans Joachim Rønning

Tron: Ares

alle Bilder © Walt Disney Company

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The Mastermind

THE MASTERMIND

The Mastermind

THE MASTERMIND

Achtung, Ironie: Kunsträuber JB Mooney ist alles andere als ein genialer Geist

Ab 16. Oktober 2025 im Kino

Der Titel verspricht einen raffinierten Krimi, das Marketing verkauft den Film als Heist-Movie – doch wer Regisseurin Kelly Reichardt kennt, ahnt schnell: THE MASTERMIND ist weder das eine noch das andere. Statt Spannung oder Tempo bietet die Regisseurin ein lakonisch-entschleunigtes Drama mit tragikomischen Untertönen. Der eigentliche Coup: wie konsequent sie dabei Genreerwartungen unterläuft.

Massachusetts, 1970: Der arbeitslose Tischler JB Mooney (Josh O’Connor) plant seinen ersten großen Raub. Gemeinsam mit zwei Freunden will er vier moderne Gemälde aus einem Provinzmuseum stehlen. Der Plan ist dilettantisch, die Durchführung ebenso. Obwohl das Wachpersonal schläft, geht alles schief.

The Mastermind

THE MASTERMIND beginnt als charmante Loser-Geschichte mit trockenem Humor und stimmigem Retro-Flair in greige. Das 70er-Jahre-Setting wirkt authentisch, der lakonische Ton erinnert in Momenten an frühe Werke der Coen-Brüder. Doch tonal bleibt der Film unentschlossen: Mal scheint er ein tragikomischer Charakterfilm, dann wieder ein gescheitertes Krimidrama sein zu wollen – ohne sich je klar für eine Richtung zu entscheiden.

The Mastermind

Josh O’Connor ist großartig in seiner Rolle als unbegabter Kunsträuber. Er ist einer dieser Schauspieler, bei denen man sich fragt, woher man ihn noch kennt. Spätestens seit God’s Own Country (2017) ist er kein Geheimtipp mehr, Challengers (2023) mit Zendaya machte ihn einem breiten Publikum bekannt. Zuletzt drehte er – wieder unter der Regie von God’s Own Country-Regisseur Oliver Hermanus – gemeinsam mit Paul Mescal die schwule Liebesgeschichte The History of Sound.

The Mastermind

Quo vadis, MASTERMIND? Beim tragikomischen Abgesang auf große Pläne kleiner Geister ist der Weg interessanter als das Ziel. Die Geschichte driftet, je länger sie dauert, immer mehr Richtung Nichts. Am Ende fragt man sich: Was wollte uns das sagen?

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Originaltitel „The Mastermind“
USA 2025
110 min
Regie Kelly Reichardt

The Mastermind

alle Bilder © MUBI

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Amrum

AMRUM

Amrum

AMRUM

Für seine Eltern kann man nichts – schon gar nicht, wenn sie glühende Nazis sind

Ab 09. Oktober 2025 im Kino

Mission Honigbrot: Nanning lebt mit Mutter, Tante und jüngeren Geschwistern auf der nordfriesischen Insel Amrum, wohin die Familie aus dem zerbombten Hamburg geflohen ist. Der Vater sitzt in Gefangenschaft, die Mutter – hochschwanger und überzeugte Nationalsozialistin – kämpft nach Kriegsende mit Depressionen. Der Führer ist tot, wozu noch weiterleben? Auf den Schultern des Jungen lastet plötzlich die Verantwortung, die Familie durchzubringen. Auf Tauschhandel und Einfallsreichtum angewiesen, macht er sich auf die Suche nach Weißbrot, Butter und Honig, denn das ist das Einzige, was die traurige Mutter noch essen mag.

Die Vorlage liefern die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm. Da der mittlerweile 85-Jährige keine Kraft mehr hatte, das Projekt selbst zu realisieren, steht im Vorspann: „Ein Hark Bohm Film von Fatih Akin“. Tatsächlich ist AMRUM stärker Bohm als Akin – ein stilles Vermächtnis, weniger ein typisches Akin-Werk.

Amrum

Vergleiche zu In die Sonne schauen drängen sich auf: Auch dort wird Kindheit in einer schwierigen Vergangenheit verhandelt, auch dort wird Dialekt gesprochen – zum Glück mit Untertiteln, sonst würde man kein Wort verstehen. Doch während In die Sonne schauen formal wie inhaltlich neue Maßstäbe setzt, bleibt AMRUM klassischer und damit für das breite Publikum leichter zugänglich.

Amrum

Von den großen Namen auf dem Plakat sollte man sich nicht täuschen lassen: Diane Kruger und Detlev Buck spielen nur Minirollen, Matthias Schweighöfer ist – wenn überhaupt – für eine Minute im Bild. Die eigentliche Kraft des Films liegt bei der wie immer großartigen Laura Tonke als fanatische Nazimutter und beim Newcomer Jasper Billerbeck, der in seiner ersten Rolle den jungen Nanning mit beeindruckender Natürlichkeit spielt.

Amrum

AMRUM ist ein sehr persönlicher Film über Schuld, Verantwortung und den schwierigen Beginn einer neuen Zeit. Dass er heute, im Angesicht des wiedererstarkenden Rechtsradikalismus, von so bedrückender Aktualität ist, macht ihn umso sehenswerter.

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Deutschland 2025
93 min
Regie Fatih Akin

Amrum

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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A Big Bold Beautiful Journey

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY

A Big Bold Beautiful Journey

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY

Groß? Mutig? Schön? A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY ist allenfalls ganz nett

Ab 02. Oktober 2025 im Kino

Ja, das hätte was werden können: ein rauschhaftes, wildes Märchen, eine große Liebesgeschichte. Doch Regisseur Kogonada hat sich nicht getraut. 

Es beginnt mit einer kuriosen Episode: David leiht sich ein Auto, fährt zu einer Hochzeit, trifft dort auf Sarah. Es funkt, aber nur ein bisschen. Am nächsten Tag lotst ihn sein altmodisches Navi in ein Burger-Restaurant, wo sich die beiden erneut begegnen. Dann stellt das Gerät die entscheidende Frage: Wollen David und Sarah gemeinsam eine große, herausfordernde, wunderschöne Reise antreten? Natürlich sagen sie ja.

A Big Bold Beautiful Journey

Immerhin: Mit Margot Robbie und Colin Farrell stehen zwei echte Filmstars vor der Kamera, und wenigstens wegen der beiden lohnt sich die Reise. Vor allem Robbie verströmt Hollywoodglamour aus jeder Pore – egal, ob sie als Barbie verkleidet durch eine Plastikwelt läuft oder, wie hier, als Taylor-Swift-Doppelgängerin zurechtgemacht ist. Der verlässlich gute Colin Farrell ergänzt sie mit irisch-melancholischem Understatement.

A Big Bold Beautiful Journey

Die Reise führt sie durch Türen, die in die eigene Vergangenheit öffnen. Ein Roadtrip durch Erinnerungen, Kindheit, Jugend, verpasste Chancen. Doch schon bald zeigt sich das Problem: Was David und Sarah in ihren Rückblenden tun oder lassen, hat keinerlei Folgen. Es bleibt beim Schauen und Staunen – eine Nabelschau ohne Konsequenzen. Und schon kommt die nächste Tür. Und noch eine. Und dann noch eine. Und so weiter.

A Big Bold Beautiful Journey

So recht funktioniert A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY weder als Liebesfilm noch als Fantasy-Geschichte. Man hat eher den Eindruck, einem Off-Broadway-Theaterstück zuzuschauen, bei dem die Leinwandadaption nicht richtig geglückt ist. Alles ist korrekt ausgeleuchtet, hübsch anzusehen, nur nie wirklich riskant. Kogonada scheint überfordert von der konstruierten Geschichte; die Inszenierung tastet sich vorsichtig durch Szenen, die nach Mut, Überschwang, ja sogar nach großem Kitsch verlangt hätten. Stattdessen herrscht artige Behutsamkeit.

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY will vieles sein – Liebesgeschichte, Fantasy, existenzielles Roadmovie – und ist am Ende vor allem eines: zu brav. Ein Film, dem das entscheidende Quäntchen Wahnsinn fehlt.

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Originaltitel „A Big Bold Beautiful Journey“
USA 2025
109 min
Regie Kogonada

A Big Bold Beautiful Journey

alle Bilder © Sony Pictures

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