Hamnet

HAMNET

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William Shakespeare ganz privat

Ab 22. Januar 2026 im Kino

Vielleicht ahnt man es schon aufgrund der Punktzahl: HAMNET ist ein guter Film. Und gleichzeitig Chloé Zhaos Comeback. Die chinesische Regisseurin wurde für ihre ersten beiden Filme The Rider und Nomadland zum neuen Wunderkind hochgeschrieben, um dann für ihr nächstes Projekt, den Marvel-Flop Eternals, zu Recht in Grund und Boden kritisiert zu werden.

HAMNET erzählt die Geschichte von Agnes und William Shakespeare, die sich Hals über Kopf verlieben, heiraten und drei Kinder bekommen. Doch ein paar Jahre später stirbt ihr einziger Sohn Hamnet an der Pest. Den Tod des Kindes verarbeitet der Dichter in seinem berühmten Werk „Hamlet“.

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Chloé Zhao könnte man unterstellen, dass ihr bisweilen ein Händchen fürs Timing fehlt. Denn vor allem die (bessere) zweite Hälfte ihres Films, genauer der Schluss, ist zwar zum Steinerweichen traurig, doch wird so lange gemolken, bis es fast ins Lächerliche kippt. Dazu zeigt sie immer wieder lange Nahaufnahmen von Schauspielerinnen und Schauspielern, die schreien und weinen. Da wäre der ein oder andere erlösende Schnitt die bessere Wahl gewesen. Man denkt sich in seinem verwöhnten Zuschauerhirn: Bin ich jetzt gefühlskalt oder werde ich hier gerade manipuliert, NOCH trauriger zu sein? Aber egal: Denn der Rest macht diese Schwächen wieder wett.

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Zum Beispiel die Besetzung: In den Hauptrollen brillieren Jessie Buckley als Agnes und der wie immer gern gesehene Paul Mescal als William S. himself. HAMNET zeigt ziemlich eindrucksvoll, warum Kunst manchmal so viel erfüllender ist als glattgebügelter Kommerz. Für die breite Masse ist das hier vermutlich nicht gemacht – trotzdem wünscht man dem Film viele Zuschauer. Denn wann musste man im Kino zuletzt bei einem Shakespeare-Stoff weinen? Buz Luhrmanns Romeo + Julia ist auch schon 30 Jahre her.

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Neben den Schauspielern überzeugen auch Musik und Ausstattung. Warm, geerdet, ohne CGI-Schnickschnack – alles wirkt handfest und echt. Dazu passt der eindringliche Klassikscore von Max Richter perfekt. 

Der Film findet eine gute Balance zwischen Leichtigkeit und Schmerz, was ihn schon jetzt zu einem Topkandidaten für diverse Auszeichnungen in diesem (noch jungen) Kinojahr macht: HAMNET geht zweifellos auf Oscarkurs.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Hamnet“
GB 2025
125 min
Regie Chloé Zhao

Hamnet

alle Bilder © Universal Pictures International Germany 

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28 Years Later: The Bone Temple

28 YEARS LATER: THE BONE TEMPLE

28 Years Later: The Bone Temple

28 YEARS LATER: THE BONE TEMPLE

THE BONE TEMPLE ist die zweite Hälfte des mit einem Cliffhanger recht abrupt beendeten "28 Years Later" – und zugleich Beweis dafür, dass im ausgelaugten Zombiekino noch Leben steckt.

Gezähmte Untote und banaler Alltag in der Apokalypse bedeuten normalerweise den Garaus für jeden guten Zombiefilm. Selbst Altmeister George A. Romero lieferte mit Day of the Dead den schwächsten Teil seiner legendären Reihe ab: Ein lebender Toter, dem Wissenschaftler den Appetit auf Menschenfleisch abtrainieren wollen? Bitte. Auch die Endlosserie The Walking Dead – bei aller Qualität in einzelnen Momenten – nervt immer dann am meisten, wenn geschwätziges Sozialleben oder geläuterte Bösewichte die Horrorhandlung ausbremsen.

Dass es auch anders – und besser – geht, zeigt THE BONE TEMPLE, nach Days, Weeks und Years bereits Teil 4 der 28-Reihe. Drehbuchautor Alex Garland verliert konsequent das Interesse an stumpf torkelnden oder rennenden Zombies und sucht nach Bedeutung jenseits der Verwesung. Denn das schlimmste Monster ist bekanntlich immer noch der (nicht infizierte) Mensch. Entsprechend werden die beiden im letzten Film eingeführten Handlungsstränge – um den jodfarbenen Dr. Ian Kelson (Ralph Fiennes) und sein Schädel- und Knochenmahnmal einerseits sowie den komplett irren Sir Jimmy Crystal (Jack O’Connell) und seine Satanistengang andererseits – hier konsequent zusammengeführt.

28 Years Later: The Bone Temple

Bis es so weit ist, muss man sich allerdings durch einige wirklich widerwärtige Folterszenen quälen, inklusive Häutung am lebendigen Leib. Wer’s mag. Die eigentliche Kerngeschichte jedoch, Dr. Ians Bemühungen, einen Alpha-Zombie zu domestizieren, ist überraschend rührend und verströmt beinahe romantische Vibes. Wenn sich Satanisten und Knochentempler schließlich begegnen, gipfelt das in einer furiosen Szene, in der die britische Band Iron Maiden eine nicht unwichtige Rolle spielt. Das ist hübsch ausgedacht und erinnert in seinem freidrehenden Wahnsinn an George Millers Mad Max: Fury Road.

28 Years Later: The Bone Temple

Nia DaCosta zeigt nach ihrem The-Marvels-Ausfall, dass ihr das Regiezepter zu Recht von Danny Boyle übergeben wurde. Vor allem die Abkehr vom angestrengt experimentellen Handylook hin zu einem ordentlich gedrehten Kinofilm erweist sich als echter Fortschritt. 

Am Ende hält THE BONE TEMPLE noch eine Überraschung bereit, die zugleich den Kreis zum Anfang schließt und eine mögliche Zukunft der Reihe einläutet. Mindestens ein weiterer Teil soll noch folgen – 28 Years Later ist als Trilogie geplant.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „28 Years Later: The Bone Temple“
GB / USA 2026
109 min
Regie Nia DaCosta

28 Years Later: The Bone Temple

alle Bilder © Sony Pictures

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Extrawurst

EXTRAWURST

Extrawurst

EXTRAWURST

Gesellschaftssatire, der ein kleines Update gutgetan hätte

Ab 15. Januar 2026 im Kino

Würste und andere Lebensmittel haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Für manche Filme – oder in diesem Fall: Theaterstücke – wäre das ebenfalls sinnvoll. Denn dass die Vorlage zur deutschen Komödie EXTRAWURST aus dem Jahr 2019 stammt, mag man kaum glauben.

Worum geht’s? Um einen kulturkämpferischen Aufreger aus der Mottenkiste deutscher Befindlichkeitskomik. In einem spießigen Tennisclub irgendwo in Westdeutschland soll ein neuer Grill angeschafft werden. Eigentlich banal, wäre da nicht Melanie, die aus political correctness einen Extragrill für ihren Tennispartner Erol fordert. Schließlich darf die Wurst des gläubigen Muslims nicht mit den Schweinewürstchen der Kartoffeldeutschen in Berührung kommen. Die Empörung nimmt Fahrt auf, der Debattenmotor läuft heiß, und plötzlich stehen auch eigene Grills für Schwule oder, Gott bewahre, Vegetarier im Raum.

Extrawurst

Was als Petitesse beginnt, eskaliert zur Grundsatzdebatte über Toleranz und das angeblich bedrohte Abendland. Nur leider wirkt das alles so, als hätte jemand vergessen, die Uhr auf 2026 weiterzudrehen. In einer Gegenwart, in der selbst im letzten Kuhdorf Döner und Falafel angeboten werden, diskutiert EXTRAWURST mit großem Ernst über halal und nicht halal – und hält das offenbar für brandaktuell. Auch Provokationen altern. Manche eher schlecht.

Immerhin: Wenn schon die Geschichte nicht mehr ganz frisch wirkt, kann man sich an den Schauspielern erfreuen. Der Star ist eindeutig Hape Kerkeling als selbstverliebter Clubvorsitzender, der seine fettleibige Rolle fast ein wenig zu glaubwürdig ausfüllt. 2026 scheint ohnehin sein Jahr zu werden: Demnächst kehrt er als Horst Schlämmer ins Kino zurück. Der Rest ist routiniert besetzt. Christoph Maria Herbst spielt den Zyniker seit Jahren im Schlaf, Fahri Yardım, Friedrich Mücke, Anja Knauer – alles solide. Erwähnenswert – weil sehr gut – ist Schwarzwaldklinik-Urgestein Gaby Dohm als rechtspopulistische Oma.

Extrawurst

Neben den guten Schauspielern hat EXTRAWURST durchaus knackige Dialoge zu bieten und ist zwischendurch tatsächlich komisch. Was hingegen kaum funktioniert, ist die „Physical Comedy“. Jeder Gag kündigt sich nicht nur Sekunden, sondern gefühlt Stunden im Voraus an. Wer beispielsweise gleich zu Beginn den riesigen Tennisschläger in der Einfahrt zum Clubhaus bemerkt, ahnt bereits, was gegen Ende des Films unweigerlich passieren wird.

Rätselhaft bleibt, weshalb die Drehbuchautoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob die Geschichte nicht konsequent aktualisiert haben. Ein Tennisclub in Ostdeutschland, ein wenig AfD-Siff, reale Gegenwartsnerven – all das hätte dem Film dringend benötigte Schärfe verliehen. Stattdessen bleibt EXTRAWURST eine Satire, die, statt weh zu tun, nur ein bisschen piekst.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
95 min
Regie Marcus H. Rosenmüller

Extrawurst

alle Bilder © Studiocanal

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The Housemaid - Wenn sie wüsste

THE HOUSEMAID – WENN SIE WÜSSTE

The Housemaid - Wenn sie wüsste

THE HOUSEMAID – WENN SIE WÜSSTE

In den USA ein Überraschungserfolg: Wie gut ist THE HOUSEMAID wirklich?

Ab 15. Januar 2026 im Kino

Wenn man – aus welchen Gründen auch immer – pro Woche mehrere Filme im Kino anschaut und dann darüber schreiben soll, kann es passieren, dass einem gelegentlich nichts einfällt. Manche Produktionen hinterlassen nur White Noise im Kopf.

Und dann gibt es Filme wie THE HOUSEMAID. Über die würde man gerne schreiben, kann es aber nicht. Der einfache Grund: Es ist nicht erlaubt. Einerseits besteht der Verleih (zu Recht) auf einem strikten Spoiler-Verbot und hat sich das sogar per Unterschrift absichern lassen, andererseits wäre es den potenziellen Zuschauern gegenüber unfair. Denn die überraschenden Plot-Twists sind der Hauptgrund, sich diesen Revenge-Thriller anzuschauen.

The Housemaid - Wenn sie wüsste

Na gut, dann eben unverfänglich: In den USA hat sich THE HOUSEMAID zu einem Sleeper-Hit entwickelt, also einem dieser Filme, die ihren großen Umsatz nicht am ersten Wochenende machen, sondern langsam – manchmal über Monate – ihr Publikum finden. Bei einem Budget von 35 Millionen Dollar konnte THE HOUSEMAID inzwischen bereits 122 Millionen Dollar einspielen. Das hat sicher auch mit der Besetzung zu tun: Vor allem Amanda Seyfried gibt dem Camp-Affen ordentlich Zucker. Daneben die allgegenwärtige Sydney „Great Jeans“ Sweeney: etwas hölzern, aber okay. Dass die Männer ausnahmslos aussehen, als seien sie direkt einem Groschenroman-Cover entstiegen, ist wohl dem amerikanischen Publikumsgeschmack geschuldet.

The Housemaid - Wenn sie wüsste

Ein bisschen spoilerfreie Kritik muss sein: Die erste Hälfte könnte auch als Crime-Movie of the Week auf einem Privatsender laufen. Die Inszenierung holpert stellenweise, vor allem die von Offstimmen übererklärten Rückblenden hätte ein begabterer Filmemacher sicher eleganter hinbekommen. Nein, THE HOUSEMAID ist kein wirklich guter Film, zumindest nicht im klassischen Sinn, dafür sehr effektiv. Obwohl geübte Thriller-Konsumenten nach etwa einer Stunde ahnen, worin der große Plot-Twist besteht, hat es die letzte halbe Stunde wirklich in sich. Jesus. Da nimmt der Film richtig Fahrt auf, wird zu einem irren Rausch, den man so nicht kommen sah. Allein dafür lohnt es sich.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Housemaid“
USA 2025
131 min
Regie Paul Feig

The Housemaid - Wenn sie wüsste

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Greenland 2

GREENLAND 2

Greenland 2

GREENLAND 2

Gerard Butler hustet sich durch den Weltuntergang

Ab 08. Januar 2026 im Kino

Die Zeiten, in denen ein Komet nach dem anderen im Kino die Erde zertrümmerte, sind schon länger vorbei. Mit Michael Bays „Armageddon“ von 1998 war der Höhepunkt erreicht. Und doch gelang dem Katastrophenfilm 2021 ein kleines Comeback: „Greenland“ überraschte Publikum und Kritik mit einer Mischung aus Weltuntergangsszenario und rührseligem Familiendrama. Der Film spielte genug Geld ein – die Fortsetzung kommt jetzt in die Kinos.

Logik war allerdings schon im ersten Teil Nebensache. Würde ein Kometenschwarm tatsächlich die halbe Welt pulverisieren, dürfte sich der Himmel eher in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten wieder aufhellen – die Dinosaurier können ein Lied davon singen. Doch in „Greenland“ ging nach nur neun Monaten über dem Atombunker wieder die Sonne auf, Vögel zwitscherten, Hoffnung keimte. Ein Happy End wie aus dem Bilderbuch, märchenhaft und wissenschaftlich ungefähr so belastbar wie ein Horoskop auf Astro-TV.

Greenland 2

Fünf Jahre später müssen John Garrity (Gerard Butler), Ehefrau Allison (Morena Baccarin) und ihr zuckerkranker Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) den Schutzbunker in Grönland verlassen, denn nun hat sich das Klima doch wieder verschlechtert (Unrealistisch? Papperlapapp, das Wetter macht halt, was es will). Das Ziel ihrer Odyssee: Europa. Genauer gesagt Südfrankreich. Noch genauer: ein riesiges Kraterloch, das als grünes Paradies lockt.

GREENLAND 2 ist vor allem eines: Unterhaltung. Teure, von Ric Roman Waugh routiniert inszenierte Unterhaltung – und zugleich eine fast schon schamlose Kopie seines Vorgängers. Die Erde ist diesmal bereits zerstört, das ist der einzige nennenswerte Unterschied. Ansonsten hakt der Film stoisch die bekannten Zutaten ab: Rettungen in letzter Sekunde, medizinische Notfälle, marodierende Banden, Kometenhagel und familiäre Herz-Schmerz-Momente im Akkord. Weil Fortsetzungen bekanntlich immer „mehr“ bieten müssen, haben sich sowohl die Effektshots als auch der Kitschfaktor verdoppelt. Das sorgt vor allem im letzten Drittel für einige unfreiwillig komische Szenen. Vom erhöhten Budget profitiert das Drehbuch hingegen kaum.

Greenland 2

Exemplarisch für die Schlampigkeit des Skripts steht zum Beispiel diese Szene: Ein Soldat verweigert John Garrity zunächst kategorisch jede Hilfe, schmeißt ihn sogar aus dem Kommandozelt. Doch kaum sagt Butler „Bitte“ und verweist auf sein Versprechen gegenüber der Familie, heißt es plötzlich: „Okay, da vorne steht ein Bus, der euch ans Ziel bringt.“ So einfach kann Apokalypse sein.

Den kompakten B-Picture-Charme des ersten Teils kann die Fortsetzung nicht wiederholen. Fans dürften aber trotzdem zufrieden sein. GREENLAND 2 ist solides Actionkino, und ein bisschen Realitätsflucht schadet in diesen Zeiten eh nicht – wenn auch die Welt auf der Leinwand fast so grau wie ein Berliner Winter aussieht.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Greenland 2: Migration“
USA 2026
98 min
Regie Ric Roman Waugh

Greenland 2

alle Bilder © TOBIS

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Der Fremde

DER FREMDE

Der Fremde

DER FREMDE

Albert Camus Jahrhundertroman in einer fast perfekten Verfilmung von François Ozon

Ab 1. Januar 2026 im Kino

Ein Mann trauert nicht genug. Oder nicht so, wie es erwartet wird. Die Gesellschaft blickt auf die vermeintliche Unfähigkeit zum Gefühl – und genau hier beginnt Albert Camus’ „Der Fremde“.

Für alle, die im Deutsch-Grundkurs nicht aufgepasst haben: Der Roman erzählt von Meursault, einem jungen Mann, der in den 1930er-Jahren in Algier lebt. Ihn als emotional unterkühlt zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Er zeigt keine Gefühle, nie. Auch nicht, als er seine Mutter beerdigt. Am Tag nach der Beisetzung beginnt er eine Affäre mit seiner Arbeitskollegin Marie und kehrt in sein alltägliches Leben als Büroangestellter zurück. Sein Nachbar Raymond Sintès, ein Zuhälter, zieht ihn jedoch in eine undurchsichtige Angelegenheit hinein. Am Ende ist ein Araber tot und Meursault steht vor Gericht.

Der Fremde

Dies ist nach Luchino Viscontis „Der Fremde“ (1967) die zweite Verfilmung von Camus’ Roman. François Ozon macht mit seiner Interpretation keine Experimente – werksgetreuer geht es kaum. Vielleicht werden das zukünftige Schulklassen und ihre Lehrer zu schätzen wissen. Tatsächlich wirkt der Film, als würde man die Seiten des Romans umblättern. Stimmung, Sprache, Haltung: Ozon trifft sie alle sehr genau. Und vor allem wirkt DER FREMDE zeitlos. Ob in den 40ern, 50ern oder 2020ern gedreht – verraten wird es fast ausschließlich durch die Besetzung.

Der Fremde

Benjamin Voisin ist dabei der ideale Meursault: ein stiller, schöner junger Mann, dessen Blick immer ein wenig in der Sonne hängt, als würde er Gedanken eher beobachten als empfinden. Rebecca Marder spielt seine Freundin Marie, die noch hofft, hinter all der Ruhe könnte sich doch ein Gefühl regen. Aber Meursault bleibt ungerührt, selbst als ihm die Guillotine droht. Pierre Lottin wiederum baut als Nachbar seine Reihe starker Nebenrollen weiter aus und behauptet seinen Platz in der Framerate-Lieblingsschauspieler Top 10.

Der Fremde

Die Kamera von Manuel Dacosse ist schlicht sensationell. Seit der fabelhaften Miniserie Ripley sah Schwarz-Weiß nicht mehr so gut aus. Inhaltlich wie visuell gibt es ohnehin Verwandtschaft: junge Männer, die töten, ohne Reue zu empfinden. Im zweiten Teil, während der Gerichtsszenen, verliert DER FREMDE etwas an Spannung; 122 Minuten kontrollierte Unterkühlung fordern ihren Tribut. Zum Abspann setzt Ozon dann aber noch ein popkulturelles Ausrufezeichen: The Cures „Killing an Arab“ – ein Hinweis darauf, wie weit Camus’ Roman über die Literatur hinaus bis heute wirkt.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „L’Étranger“
Frankreich 2025
122 min
Regie François Ozon

Der Fremde

alle Bilder © WELTKINO FILMVERLEIH

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Die jüngste Tochter

DIE JÜNGSTE TOCHTER

Die jüngste Tochter

DIE JÜNGSTE TOCHTER

Es gibt Queer-Filme, die ohne Umschweife direkt zur Sache kommen, und es gibt solche, die sich vorsichtig an ihr Thema herantasten.

Ab 25. Dezember 2025 im Kino

Basierend auf Fatima Daas’ autofiktionalem Bestseller „La Petite Dernière“ (2020 erschienen) erzählt der Film die Geschichte einer jungen Frau, die zwischen Herkunft, Religion und Begehren zerrieben zu werden droht – und trotzdem ihre eigene Stimme findet.

Fatima, gespielt von Nadia Melliti (wurde für ihre erste Rolle in Cannes gleich als beste Schauspielerin ausgezeichnet), wächst in einer liebevollen, aber streng traditionellen algerisch-französischen Familie auf. Beim Studium in Paris findet sie schnell Freunde und entdeckt nebenbei eine ganz neue Welt: Sie verliebt sich in Frauen, emanzipiert sich von den Erwartungen der Eltern und vom allgegenwärtigen Diktat des Glaubens. Doch ganz so einfach, wie das klingt, ist es dann doch nicht: Vor allem die Vorträge des Imams haben es in sich – der predigt Scham, Unterordnung, Verdammnis. In einer Schlüsselszene verurteilt er Homosexualität in einem Monolog, der zeigt, was an einer unbarmherzigen Auslegung des Glaubens alles falsch ist.

Die jüngste Tochter

Hauptdarstellerin Nadia Melliti ist tatsächlich eine Entdeckung. Sie spielt die junge Fatima intensiv, glaubwürdig und ohne jedes falsche Drama. Ihr reicht oft ein kurzer Blick, um ihre inneren Zweifel und Nöte zu zeigen.

Nichts ist perfekt, auch dieser Coming-Out-Film hat seine Schwächen. Gegen Ende dehnt sich die Erzählung merklich. Dass Fatimas sexuelle Selbstfindung erzählt werden muss – klar – doch wenn sich dann eine Sexszene an die nächste reiht, droht der dramaturgische Bogen auszufransen. Irgendwann wünscht man sich, dass es einfach mit der Geschichte weitergeht.

Die jüngste Tochter

Den Gesamteindruck schmälert das allerdings kaum. DIE JÜNGSTE TOCHTER ist intensives Kino, das nicht nur jungen, lesbischen Zuschauerinnen Orientierung bieten kann, sondern uns allen etwas zu sagen hat: über Toleranz, Freiheit und die Kraft, sich selbst zu behaupten.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „La petite dernière“
Frankreich / Deutschland 2025
106 min
Regie Hafsia Herzi

Die jüngste Tochter

alle Bilder © Alamode Film

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Avatar: Fire and Ash

AVATAR: FIRE AND ASH

Avatar: Fire and Ash

AVATAR: FIRE AND ASH

Same, same, not so different

Ab 17. Dezember 2025 im Kino

Alle paar Jahre ist es so weit: Verlässlich wie der Weihnachtsmann kommt im Dezember ein neuer Avatar-Film in die Kinos. Teil drei der Blockbusterserie trägt den Titel „Fire and Ash“. Überraschung: Wieder geht es um den Kampf eines Naturvolks gegen hochtechnisierte Menschen. Vielleicht fällt James Cameron für die nächsten fünfzig Fortsetzungen ja doch noch etwas Neues ein.

Avatar: Fire and Ash

Die erste halbe Stunde ist schlimm. Camerons jugendliche Helden stoßen seit jeher gerne Begeisterungsschreie aus, vorzugsweise in Situationen mit maximalem Adrenalinschub – auf dem Bug eines „unsinkbaren“ Schiffs oder auf dem Rücken eines fliegenden Reptils. „Uuuuhuuu!“ Im neuen AVATAR aber überzieht Cameron seine Trademark: Gleich mehrere Figuren jubilieren minutenlang durcheinander. Dazu kommen weitere Fremdschäm-Bausteine, die man schon aus Teil zwei kennt: Teenager-Avatare mit Edgar Cut, die sich mit „Bro“ ansprechen und alles „insane“ finden. Man möchte hoffen, dass die deutsche Synchronisation daraus nicht „Digga“ und „krass“ macht. Obendrauf gibt es eine ordentliche Portion esoterischen Ethnokitsch – das volle Programm.

Avatar: Fire and Ash

Fast scheint es, als wolle Cameron zunächst seine Pflichtliste abhaken, um sich dann endlich der eigentlichen Geschichte zuzuwenden. Mit dem ehemaligen Marine Jake Sully (Sam Worthington), inzwischen Anführer der Na’vi, seiner Partnerin Neytiri (Zoe Saldaña) und der restlichen Sully-Familie geht es zurück nach Pandora. Dort treibt das feindliche Aschevolk sein Unwesen – und verbündet sich auch noch mit den noch schlimmeren Menschen.

Avatar: Fire and Ash

Wie gesagt: Die erste halbe Stunde muss man durchstehen. Doch Cameron beweist, dass er als Miterfinder des modernen Actionkinos sein Handwerk nicht verlernt hat. Spätestens mit der ersten großen Schlacht findet der Film seinen Rhythmus – mitreißend, wie man es erwartet. Optisch ist das natürlich atemberaubend, in 3D und IMAX sowieso. Cameron bleibt ein Meister des Worldbuildings. Kino als Spektakel in Reinform, technisch um Lichtjahre voraus. Nur an den hyperrealen Video-Look muss man sich gewöhnen. Gelegentlich wirkt das Ganze wie die teuerste Lindenstraße-Episode aller Zeiten.

Fest steht: Auf AVATAR: FIRE AND ASH folgt 2029 Teil vier, 2031 Teil fünf –  und vermutlich ist damit noch lange nicht Schluss.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Avatar: Fire and Ash“
USA 2025
210 min
Regie James Cameron

Avatar: Fire and Ash

alle Bilder © The Walt Disney Company Germany

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Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Wolfgang Beckers letzter Film erzählt eine komplett ausgedachte Geschichte, die so nett verdreht ist, dass man sie glatt für wahr halten könnte.

Ab 11. Dezember 2025 im Kino

Schon 2019 waren Videotheken fast vollständig aus dem viel zitierten Stadtbild verschwunden. Micha Hartung (Charly Hübner) bemerkt zu spät, dass seine Branche am Ende ist. Doch dann steht eines Tages ein Journalist (Leon Ullrich) in seinem Laden: Ausgerechnet Hartung soll in den frühen Achtzigern eine spektakuläre DDR-Massenflucht ausgelöst haben. Angeblich hat er eine S-Bahn-Weiche manipuliert und damit 127 Menschen ungeplant nach West-Berlin geschickt. In Wahrheit war es ein banaler Defekt, aber die Presse macht daraus eine große Heldenstory. Und weil so eine Geschichte gut klickt, nimmt der Rummel seinen Lauf. Paula, die als Kind in dieser unfreiwillig umgeleiteten S-Bahn saß (als Erwachsene von Christiane Paul gespielt), wird durch den Artikel auf ihren vermeintlichen Fluchthelfer aufmerksam.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Berühmtsein macht eitel: Charly Hübner zeigt schön, wie ein Mann, der eigentlich nirgends hinwill, plötzlich in Talkshows sitzt und in seiner Rolle ein bisschen zu sehr aufgeht. Dass Hartung beim ersten TV-Auftritt gleich super souverän wirkt und mit der ebenfalls geladenen (echten) Kati Witt flirtet, ist vielleicht nicht ganz glaubwürdig, aber geschenkt. Es ist – wie so oft bei Becker – ein komödiantisches Märchen. Da ist eine gute Pointe wichtiger als dokumentarische Exaktheit.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Maxim Leos Romanvorlage erzählt eine Geschichte, wie sie dem Das Leben ist eine Baustelle-Regisseur gefällt: Der Kampf des Losers gegen den Wahnsinn in dieser Welt. Becker, der mit Good Bye, Lenin schon einmal DDR-Geschichte charmant verbogen hat, spielt erneut mit Ostalgie und erfundenen Wahrheiten. Mehrmals fragt man sich während des Films, ob nicht doch was dran ist und man sich nur nicht erinnern kann. Kein Wunder, dass bei Google eine der Top Suchanfragen zum Helden der Friedrichstraße „wahre Geschichte“ ist.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Becker verstarb im Dezember 2024, bevor er den Film fertigstellen konnte. Regiefreund Achim von Borries und Produzent Stefan Arndt haben das Projekt für ihn vollendet; man spürt, dass hier auch ein Abschiedswerk entstanden ist. Die Besetzungsliste liest sich wie eine kleine Hommage: Christiane Paul, Jürgen Vogel, Daniel Brühl, Peter Kurth – viele Weggefährten in teils kleinsten Nebenrollen. Dass so viele vertraute Gesichter auftauchen, macht die Komödie zu einer letzten Verbeugung vor dem großen Regisseur.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
112 min
Regie Wolfgang Becker

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

alle Bilder © X VERLEIH

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Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS

In eigener Sache: Über Punkte, Sterne und Daumen

Ab 11. Dezember 2025 im Kino

Filme zu bewerten ist ja so eine Sache. Mal sind’s Sterne, mal Punkte, mal Daumen – und manchmal wünscht man sich einfach nur ein Symbol für „war nett, aber ich hab’s schon wieder vergessen“. Hier bei Framerate gab es schon diverse Versuche: erst gar nichts, dann Sterne, dann wieder nichts, dann Punkte – wer weiß, was als Nächstes kommt … Hauptsache keine Smileys. 🤪 🙄

Egal, ob ein Film nun fünf Punkte oder nur zwei bekommt – am Ende ist alles subjektiv. Für eine Komödie ist „gut“ etwas völlig anderes als für ein Drama oder einen Horror-Film. Wer soll schon über Humor entscheiden – außer man selbst? Es gibt ja auch Menschen, die Mario Barth oder Oliver Welke lustig finden. Genau deshalb ist EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS ein wunderbares Beispiel für die Kategorie der „3-von-5“-Punkte-Filme: solide, sympathisch, kein Meilenstein – aber man schaut ihn gern.

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

Worum geht’s?
Jedenfalls nicht um Loriot, der mit seinem berühmten „Mops“-Zitat immerhin die Vorlage für den deutschen Titel liefert. Eva (Nora Navas) ist eine 50-jährige Mutter von zwei Teenagern – organisiert, selbstbewusst und nach 25 Ehejahren irgendwie im Standby. Auf einer Geschäftsreise nach Rom begegnet sie dem Schriftsteller Alex, der ihr kurzerhand den Kopf verdreht. Zurück in Barcelona beschließt sie, nicht länger Zuschauerin ihres eigenen Lebens zu sein, und macht sich auf die Suche nach der Liebe.

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

Solide Inszenierung und gute Besetzung sind ja auch schonmal was wert. EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS  ist kein Film, der das Kino neu erfindet – aber einer, der gute Laune macht und den Glauben an kleine Neuanfänge weckt. Spanisches Herz-Kino mit Witz, Wärme und genau der Portion Leichtigkeit, die man an grauen Tagen braucht. Harmlos? Vielleicht. Aber charmant genug für einen netten Kinoabend.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Mi amiga Eva“
Spanien 2025
100 min
Regie Cesc Gay

Ein Leben ohne Liebe ist möglich aber sinnlos

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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15 Liebesbeweise

15 LIEBESBEWEISE

15 Liebesbeweise

15 LIEBESBEWEISE

Ein Adoptionsdrama ohne Drama: Warum zwei Frauen dem Staat ihre Liebe beweisen müssen.

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Paris, 2014. Die Tontechnikerin und DJ Céline erwartet ihr erstes Kind – doch schwanger ist sie nicht. In wenigen Monaten wird ihre Frau Nadia eine Tochter zur Welt bringen. Trotz der „Ehe für alle“ muss Céline dem Staat mit 15 persönlichen Briefen aus dem Freundes- und Familienkreis beweisen, dass sie ihrer Rolle als Adoptivmutter gewachsen ist. Ein solcher Bericht von Célines eigener Mutter, der bekannten Pianistin Marguerite Orgen, wäre besonders wertvoll. Doch zwischen den beiden Frauen herrscht seit Längerem Funkstille.

Ein schlechteres Drehbuch hätte aus dem Einsammeln dieser Liebesbeweise eine vorhersehbare Komödie gemacht – in Deutschland vermutlich artig kapitelweise abgearbeitet: erst der beste Freund, dann die Kollegin, anschließend die Eltern usw. Spätestens nach dem fünften Kapitel hätte man genug gesehen.

15 Liebesbeweise

Regisseurin Alice Douard aber wählt einen völlig anderen Ansatz. Wie ihre Heldin bekam auch sie ihr erstes Kind, ohne es selbst auszutragen – und musste es adoptieren. Sie erzählt also nicht nur eine persönliche Geschichte, sie verzichtet auch bewusst auf das Abzählen der „15 Liebesbeweise“. Der deutsche Titel führt hier eher in die Irre; das französische Original „Des preuves d’amour“ („Beweise der Liebe“) bleibt nicht ohne Grund vager. Douard interessiert sich stärker für die Beziehungsdynamik: die kleinen Streitereien und Liebesspiele, die Aufregung, Vorfreude und Panik des Elternwerdens. Parallel rückt sie die schwierige Beziehung zwischen Céline und ihrer lebenslang abwesenden Mutter ins Zentrum.

15 Liebesbeweise

Ella Rumpf und Monia Chokri sind großartig. Noch bemerkenswerter ist, wie leichtfüßig der Film bleibt. Endlich einmal kein homosexuelles Drama voller Tränen und Tragödien. 15 LIEBESBEWEISE verströmt Leichtigkeit, Romantik und Mut – und sein Humor dürfte auch ein heterosexuelles Publikum abholen. Damit hat der Film das Potenzial, über die Off-Kinos hinaus ein Publikumserfolg zu werden.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Des preuves d’amour“
Frankreich 2025
97 min
Regie Alice Douard

15 Liebesbeweise

alle Bilder © Luftkind Filmverleih/Films That Matter

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Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE

Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE

Nachdenklich, klug und witzig: Joachim Triers neuer Film.

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Es beginnt mit einer Panikattacke: Nora (Renate Reinsve) muss in wenigen Sekunden auf die Bühne – doch sie bekommt keine Luft. Während im Saal bereits die Lichter ausgehen und die Musik einsetzt, reißt sie sich das Kostüm vom Leib. Weder weiß sie ihren Text, noch kann sie sich dem Publikum stellen. Backstage versucht das Personal, die Ruhe zu bewahren, und flickt das zerstörte Kostüm in Windeseile mit Gaffer-Tape. Das ist nicht nur großartig gespielt, sondern so zum Kichern, dass man zunächst glauben könnte, SENTIMENTAL VALUE mache dort weiter, wo Der schlimmste Mensch der Welt aufgehört hat – als intelligente norwegische Komödie mit derselben Hauptdarstellerin.

Sentimental Value

Doch schnell ändert sich der Ton. Noras entfremdeter Vater Gustav (herausragend: Stellan Skarsgård) und ihre Schwester Agnes (was soll man sagen, ebenfalls hervorragend: Inga Ibsdotter Lilleaas) rücken in den Mittelpunkt des Drehbuchs von Eskil Vogt und Joachim Trier. Zwei Schwestern, die Mutter gerade gestorben – und nun steht der Vater vor der Tür, ein erfolgreicher Regisseur, der im alten Familienhaus (dem heimlichen Star der Geschichte) die tragische Geschichte seiner Mutter verfilmen will.

Sentimental Value

Feinsinniger Humor blitzt immer wieder durch, doch SENTIMENTAL VALUE ist im Kern ein Drama – inklusive Selbstmord, Trauer und vielen Tränen. Dass der Film dabei nie ins Kitschige abgleitet, verdankt er neben dem hervorragenden Ensemble (Elle Fanning glänzt in einer Nebenrolle) vor allem der präzisen Regie Joachim Triers. Der lässt hier seinen inneren Ingmar Bergman off the leash und liefert ein Familiendrama, das es mühelos mit den Werken des schwedischen Überregisseurs aufnehmen kann. Die 133 Minuten stecken voller intimer Momente – mal todtraurig, mal überraschend komisch. Dazu kommen verspielte visuelle Einfälle, mit denen in kurzen Rückblenden die Geschichte des Hauses erzählt wird.

Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE zeigt, wie nah sich Schmerz und Freude in einer Familie sein können – nichts wirkt gespielt, nichts forciert. Gerade daraus entsteht seine stille Kraft. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der schlimmste Mensch der Welt bleibt Triers Meisterwerk – doch SENTIMENTAL VALUE ist kein schwächerer Nachfolger, sondern ein anderer, reiferer Film.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Affeksjonsverdi“
Norwegen / Frankreich / Dänemark / Deutschland 2025
133 min
Regie Joachim Trier

Sentimental Value

alle Bilder © PLAION PICTURES

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Eternity

ETERNITY

Eternity

ETERNITY

Die Tage werden kürzer, draußen ist es windig und kalt – Zeit für eine zuckersüße Wohlfühlkomödie

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Im Jenseits haben die Verstorbenen eine Woche Zeit, sich zu entscheiden, wo sie die Ewigkeit verbringen möchten. Joan (Elizabeth Olsen) wurde gerade vom Krebs dahingerafft und steht nun vor einer unmöglichen Wahl: Soll sie bei ihrem ebenfalls verstorbenen Ehemann bleiben, mit dem sie ihr Leben verbracht hat (Miles Teller), – oder doch ihrer ersten Liebe (Callum Turner) folgen, der jung im Koreakrieg gefallen ist und seit 67 Jahren auf ihre Ankunft wartet?

Eternity

ETERNITY ist niedlich und ziemlich unterhaltsam, könnte aber gut eine halbe Stunde kürzer sein. Das Ganze fühlt sich an wie eine auf zwei Stunden gestreckte Twilight Zone-Folge.

Wie die meisten Episoden der legendären Serie basiert auch das Drehbuch von ETERNITY auf einer einzigen, wenn auch cleveren Idee: Statt Himmel oder Hölle wartet im Jenseits schlicht „die Ewigkeit“. Die Toten haben die Qual der Wahl zwischen abertausend Varianten dieser Eternity: eine speziell für Raucher? Eine ganz ohne Männer? Etwas für eingefleischte Satanisten? Oder doch lieber eine ewige Koksparty im Club 54?

Eternity

Auch die drängende Frage, in welchem Alter man den Rest seiner Zeit verbringen wird, beantwortet der Film überzeugend: es ist das Alter, in dem man am glücklichsten war. Greise sind hier die Ausnahme, Ende 20, Anfang 30 scheint allgemein die Hochphase gewesen zu sein. Aus eigener Erfahrung: Da ist was dran.

Eternity

ETERNITY ist wie eine Reise in eine bessere Zeit – altmodisch, aber auf angenehme Weise. Nicht nur der Look ist körnig-analog, auch die Botschaft: Der Mann ist tapfer und treu, die Frau muss sich nur endlich mal entscheiden, solange sie nicht gerade hysterisch rumschreit. Naja. Augen zu vor solch reaktionären Rollenbildern.

Neben dem charmanten Trio Elizabeth Olsen, Miles Teller und Callum Turner stehlen vor allem John Early und Da’Vine Joy Randolph als „Jenseits-Koordinatoren“ die Show. Einen Fehler allerdings hat die Besetzung: Auch wenn sämtliche Charaktere immer und immer wieder betonen, wie „perfekt“ und unglaublich „handsome“ Callum Turner sei – man sieht es doch mit eigenen Augen – Miles Teller ist eindeutig der besser aussehende Mann.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Eternity“
USA 2025
112 min
Regie David Freyne

Eternity

alle Bilder © A24

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Zone 3

ZONE 3

Zone 3

ZONE 3

Wenig Rotwein, viel Käse: Trübe Zukunftsvision aus Frankreich

Ab 27. November 2025 im Kino

Es ist mal wieder alles ganz furchtbar: Die schönste Stadt der Welt ist in drei Zonen unterteilt. Nur die Elite hat noch Zugang zu Eiffelturm und Co., der bedauernswerte Rest muss in Banlieues mit absteigender Wohnqualität hausen. Von den Außenzonen gibt es keine Möglichkeit, ins Innere vorzudringen – schwer bewachte Kontrollen und Killerdrohnen beschützen die Reichen und Schönen. Wer kein Tracking-Armband trägt, wird sowieso verhaftet und entsorgt. Eine KI (natürlich) hat die Überwachung übernommen: ALMA sieht alles, weiß alles und löst jedes Verbrechen im Nullkommanix. In dieser unschönen Zukunftsvision macht sich Polizist Zem (Gilles Lellouche) mit seiner Kollegin Salia (Adèle Exarchopoulos) auf die Jagd nach dem Mörder eines hochrangigen Regierungsmitarbeiters.

Zone 3

Cédric Jimenez’ dystopischer Film hat dem Genre wenig bis gar nichts Neues hinzuzufügen. Im Gegenteil: Der große Ideenklau geht um. Vor allem bei Blade Runner, Oblivion, Minority Report und Luc Bessons Das fünfte Element bedient sich der missglückte Sci-Fi-Kracher reichlich. Es regnet (natürlich) den lieben langen Tag. Und schießwütige Drohnen gab es auch schon zuhauf. Selbst die Frisuren sind Zitate: Hauptdarsteller Gilles Lellouche soll mit seinem wasserstoffblonden Kurzhaarschnitt wohl an Bruce Willis erinnern, Adèle Exarchopoulos trägt Natalie Portmans alte Perücke aus Léon – Der Profi auf.

Zone 3

Richtig schlimm wird es, wenn der Cutter (oder war es der Regisseur? oder der Produzent?) sämtliche Autoverfolgungsjagden mit erhöhter Geschwindigkeit abspielt: Schneller! Noch schneller! Das sieht dann aus, als hätte man sich in einen Slapstick-Film aus den 20er-Jahren verirrt. Soll wohl Tempo suggerieren, ist aber nur albern. Noch übler ist das Drehbuch: camembertgroße Löcher und Handlungssprünge, die es unmöglich machen, der wirren Geschichte zu folgen. Charaktere tun etwas – Schnitt – sind plötzlich ganz woanders, um dort etwas zu tun, was keinerlei Sinn ergibt. Warum springt er in die Seine? Warum lässt er da auf sich schießen? Je ne comprends pas.

Zone 3

Es ist schade. Wären die Actionszenen nicht so lachhaft und hätte nicht irgendwer den Film im Schnitt komplett zerstört – es hätte was werden können. Denn Ausstattung, Bilder, ein paar gute Ideen (die nicht endende Milchlieferung) und sogar die Grundidee der aus dem Ruder gelaufenen KI sind nicht schlecht. Stattdessen verschleudert ZONE 3 Talente wie Louis Garrel, Romain Duris, Artus oder Valeria Bruni Tedeschi. Chien 51 (Originaltitel) wird wohl kaum in die Reihe bahnbrechender dystopischer Filme eingehen – außer als unfreiwillig komische Variante. Es ist das Gegenteil einer französischen Delikatesse und nicht mal aus Gummi!

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Chien 51“
Frankreich / Belgien 2025
105 min
Regie Cédric Jimenez

Zone 3

alle Bilder © STUDIOCANAL

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Anemone

ANEMONE

Anemone

ANEMONE

Daniel Day-Lewis' Comeback

Ab 27. November 2025 im Kino

Vor acht Jahren erklärte Daniel Day-Lewis, er werde nie wieder vor eine Kamera treten. Der wohl größte Schauspieler seiner Generation verabschiedete sich scheinbar für immer von der Leinwand. Und nun das Comeback – im Regiedebüt seines Sohnes Ronan.

Passenderweise geht es in ANEMONE auch um Väter und Söhne (und Brüder und Mütter): Jem Stoker (Sean Bean) setzt sich auf sein Motorrad und fährt in die Wälder, um dort seinen untergetauchten Bruder Ray (Daniel Day-Lewis) wiederzusehen. Die Männer verbindet eine komplizierte Vergangenheit. Ray ist ehemaliger Soldat und desertierte aus der Irisch-Republikanischen Armee. Jem kümmerte sich danach um Rays Ehefrau Nessa und ihren Sohn Brian. Auch der wurde zum Militär eingezogen – und bald wieder nach Hause geschickt, nachdem er einen Kameraden fast totgeprügelt hatte.

ANEMONE ist eine filmgewordene Actor’s Masterclass. Nichts weniger durfte man bei dieser Besetzung erwarten: natürlich Daniel Day-Lewis und Sean Bean, aber auch Samantha Morton und Samuel Bottomley in den Rollen von Mutter und Sohn spielen herausragend. Der Film ist ein langer, langsam erzählter Dialog über Schuld, Verlassen und Verlassenwerden – über das Versagen der Väter, der leiblichen wie der geistlichen.

Anemone

Viel Häme aus der Presse: IndieWire schreibt, ANEMONE sei ein „von Kopf bis Fuß miserabler Film“. Nein, ist er nicht. Man muss sich nur auf dieses ungewöhnliche Erstlingswerk des gerade mal 27-jährigen Regisseurs einlassen. In der falschen Stimmung kann man sich natürlich auch herrlich langweilen und den Sinn des Ganzen hinterfragen. Zwei Stunden Menschen beim Reden zuzusehen – was soll das? Aber das ist zu kurz gegriffen.

Zunächst ist es schlicht eine Freude, den Schauspielern bei der Arbeit zuzuschauen. Fantastisch auch Ben Fordesmans Kamera – vor allem die immer wieder eingestreuten, fast märchenhaften Bilder, die wie Gemälde alter Meister wirken. Kein Wunder: Regisseur Ronan Day-Lewis hat bisher vor allem als Maler auf sich aufmerksam gemacht. Dazu die aufregende Musik von Bobby Krlic, der sonst meist für Ari Aster komponiert.

Ja, der Film erfordert Geduld – und mit seiner Langsamkeit und Düsternis ist er sicher nicht jedermanns Sache. Aber er ist zwei Stunden beinahe meditatives Kino. Manchmal erinnert er an ein anderes Meisterwerk des modernen Kinos: Magnolia. Und allein, Daniel Day-Lewis noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen, lohnt sich. Hoffentlich lässt er sich mit seinem nächsten Auftritt nicht wieder acht Jahre Zeit.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Anemone“
USA / GB 2025
126 min
Regie Ronan Day-Lewis

Anemone

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Mit Liebe und Chansons

MIT LIEBE UND CHANSONS

Mit Liebe und Chansons

MIT LIEBE UND CHANSONS

Was Sylvie Vartan mit einem Klumpfuß und Wunderheilung zu tun hat, erzählt dieser liebenswerte französische Film.

Ab 27. November 2025 im Kino

Es klingt fast wie ein modernes Märchen: Paris in den 1960er Jahren, ein kleiner Junge mit Klumpfuß, eine Mutter mit unbeirrbarem Glauben – und Sylvie Vartan, die Pop-Diva einer ganzen Generation. Aus dieser Mischung hat der kanadische Regisseur Ken Scott die warmherzige Komödie MIT LIEBE UND CHANSONS (Im Original treffender „Ma Mère, Dieu et Sylvie Vartan“) gemacht.

Im Zentrum steht Esther Perez (hinreißend: Leïla Bekhti), Mutter von sechs Kindern und von einer unerschütterlichen Energie getrieben. Als ihr jüngster Sohn Roland mit einer Fehlbildung zur Welt kommt, prophezeien die Ärzte ein Leben voller Einschränkungen. Doch Esther weigert sich, das Schicksal hinzunehmen: Ihr Kind, so schwört sie, wird am ersten Schultag laufen wie alle anderen.

Mit Liebe und Chansons

Vom Plattenspieler und aus dem Fernseher tönen Sylvie Vartans Lieder, und der kleine Roland lernt mit ihrer Musik lesen, schreiben – und träumen. Jahrzehnte später wird er Journalist und begegnet der Sängerin, die seine Kindheit prägte, tatsächlich. Vartan, heute längst Ikone, spielt sich dabei selbst – ein charmantes Detail.

Mit Liebe und Chansons

Scott verwebt in seiner Inszenierung Familienchaos, Milieuschilderung und Pop-Nostalgie zu einem heiteren, manchmal etwas überzuckerten Film. Neben Bekhti überzeugt vor allem Jonathan Cohen als erwachsener Roland; auch die Nebenrollen, vom Vater bis zu den Geschwistern, sind liebevoll gezeichnet. Dass die Handlung auf einer „wahren Geschichte“ basiert, behauptet zumindest der Abspann.

Mit Liebe und Chansons

Doch so bewegend viele Szenen sind – gegen Ende verrutscht der Ton. Sobald die Mutterfigur an Bedeutung verliert und der Fokus stärker auf den Sohn rückt, wird die Geschichte konventioneller. Das schmälert die Wirkung, auch wenn der Film sein Publikum mit einem Lächeln – und ein paar Tränen im Taschentuch – entlässt.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Ma Mère, Dieu et Sylvie Vartan“
Frankreich / Kanada 2025
103 min
Regie Ken Scott

Mit Liebe und Chansons

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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Keeper

KEEPER

Keeper

KEEPER

Machen wir uns nichts vor: KEEPER ist ein schlechter Film. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

Ab 20. November 2025 im Kino

Der Hauptgrund hat einen Namen: Oz Perkins (der Sohn von Psycho-Star Anthony). Er wurde für seine letzten beiden Werke zwar gefeiert, doch weder Longlegs noch die Stephen-King-Verfilmung The Monkey waren wirklich gute Filme. Die Framerate-Kritiken gibt’s hier noch einmal zum Nachlesen:

LONGLEGS / THE MONKEY.

Statt dazuzulernen, hat Perkins die umgekehrte Richtung eingeschlagen. Er macht das, was er immer macht – nur noch schlechter: Ideen klauen und einen manirierten Pseudo-Arthouse-Stil mit einem Drehbuch mischen, das zwar halbwegs okay anfängt, dann aber immer wirrer wird.

Keeper

Liz und Malcolm planen ein romantisches Wochenende in einer abgelegenen Waldhütte. Als Malcolm wegen eines medizinischen Notfalls zurück in die Stadt muss, bleibt Liz allein zurück – und merkt schnell, dass sie nicht allein ist. Ein Herzchen auf der beschlagenen Badezimmerscheibe ist nur eines der unaussprechlichen Grauen. Ja, genau: Herzchen, die sich selbst malen. Für die einen niedlich, für die anderen – für Oz Perkins zum Beispiel – Stoff für einen Horrorfilm.

Keeper

KEEPER ist (wieder) eine krude Mischung aus wirren Zitaten, von The Thing über Tanz der Teufel bis Rosemaries Baby. Niemand hat etwas gegen gut geklaut, nur sollte das Ganze irgendwie Sinn ergeben. Drehbuch und Regie vergessen die Grundregel jedes Horrorfilms: Es sollte spannend, im besten Falle sogar gruselig sein.

Keeper

Gruselig ist hier nur die zusammengewurschtelte Handlung: Wirre Story + Charaktere, die einem egal sind = Langeweile. Immerhin taugen die Bilder; Kameramann Jeremy Cox versucht, das Beste aus dem Haunted-Hütte-im-Wald-Setting herauszuholen. Das war’s dann aber auch schon.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Keeper“
USA 2025
99 min
Regie Oz Perkins

Keeper

alle Bilder © DCM

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Wicked: Teil 2

WICKED: TEIL 2

Wicked: Teil 2

WICKED: TEIL 2

Es ist wieder Zeit, die Gesichter grün zu schminken und den Zauberstab herauszuholen: Ein Jahr nach "Wicked" kommt mit WICKED: TEIL 2 der Abschluss des großen Musical-Double-Features ins Kino.

Ab 19. November 2025 im Kino

Es gibt einen einfachen Gund für den geteilten Release: Das Musical Wicked ist einfach zu vollgepackt. Zu viele Kostüme, zu viele Emotionen, zu viele Songs für einen einzigen Film. Jon M. Chu liefert die zweite Hälfte eines Projekts, das ein einziger, überlanger Film hätte sein können.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Elphaba (Cynthia Erivo) lebt im Exil und kämpft weiter gegen Ungerechtigkeit, während Glinda (Ariana Grande) im Smaragdpalast zur Symbolfigur des Guten wird – sehr zur Freude der politischen Machthaber von Oz. Zwischen beiden schwebt noch der Wunsch nach Versöhnung, doch das System braucht klare Feinde.

Wicked: Teil 2

Während man den endlosen Gesangseinlagen lauscht und der simplen Handlung folgt, fragt man sich: Warum sieht das alles so scheußlich aus? Flaches Licht wie in einer TV-Soap, glattgebügelte Oberflächen: Nicht nur die schlecht animierten Tiere wirken, als wären sie direkt aus dem Computer gefallen. Auch bei Ariana Grande sind die Beauty-Filter auf Anschlag gedreht.

Wicked: Teil 2

Doch Optik ist nicht alles. Entscheidend ist die Chemie zwischen Erivo und Grande – und die funktioniert. Besonders in Momenten, in denen leise Ironie oder ein Hauch von Leichtigkeit aufkommt. Die Songs hingegen bleiben auch diesmal ohne großen Wiedererkennungswert – ein Hit, der nach dem Film im Ohr bleibt, ist nicht dabei.

Wicked: Teil 2

Ohne den gewaltigen Hype bleibt ein klassischer, aufwendig produzierter Musicalfilm. Solide gespielt, mit ein paar netten Ideen, aber weit entfernt von einem Erlebnis, das nachhaltig Eindruck hinterlässt. WICKED: TEIL 2 ist groß, zuckersüß und überladen – Eigenschaften, die zum Genre gehören wie Glitzer zum Zauberstab. Wer ein Musical besucht, weiß, worauf er sich einlässt. Den Fans hat es gefallen: Bei der gut besuchten Pressevorführung gab es mehrfach Szenenapplaus.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Wicked: For Good“
USA 2025
138 min
Regie Jon M. Chu

Wicked: Teil 2

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Du und ich und alle reden mit

DU & ICH UND ALLE REDEN MIT

Du und ich und alle reden mit

DU & ICH UND ALLE REDEN MIT

Eine auf mehreren Ebenen interessante Komödie aus Italien

Ab 20. November 2025 im Kino

Ein Film aus Italien! Auf einem deutschen Kinomarkt, der von US-Produktionen, französischen Arthaus-Hits und gelegentlich skandinavischen Dramen dominiert wird, verirren sich nur selten aktuelle Werke aus dem Stiefelland. So gesehen: gut.

Die Grundidee ist ebenso schlicht wie genial: Piero (Edoardo Leo) und Lara (Pilar Fogliati) begegnen sich zu ihrem ersten Date in ihrer Wohnung. Sie, Möbelrestauratorin, gerade frisch getrennt von einer Affäre mit einem verheirateten Mann. Er, Gymnasiallehrer, geschieden und mit geteiltem Sorgerecht für seine kleine Tochter. Die beiden reden, flirten, tasten sich heran – doch das eigentliche Geschehen spielt sich in ihren Köpfen ab. Piero folgt dem Rat seiner inneren Stimmen: dem rationalen Professor, dem romantischen Romeo, dem leidenschaftlichen Eros und dem abgeklärten Valium. Lara hingegen wird gelenkt von der rigorosen Alfa, der koketten Trilli, der ungestümen Scheggia und der verträumten Giulietta.

Du und ich und alle reden mit

Klingt vertraut? Genau: DU & ICH UND ALLE REDEN MIT wirkt wie ein kaum getarntes Remake von Pixars „Inside Out“ („Alles steht Kopf“). Wo im US-Original bunt animierte Gefühlsfiguren das Innenleben eines Mädchens bevölkern, treten in der italienischen Variante reale Schauspielerinnen und Schauspieler an ihre Stelle. Man könnte sagen: „Alles steht Kopf“ – nur eben mit Menschen.

Du und ich und alle reden mit

Das Ganze ist durchaus charmant, streckenweise sogar witzig. Doch gerade im letzten Drittel hätte der Film einige Straffungen vertragen. Und „typisch italienisch“: Der Altersunterschied von über zwanzig Jahren zwischen Edoardo Leo und Pilar Fogliati wirkt in einer vermeintlich modernen Romanze zumindest diskutabel – oder auch borderline cringe.

Du und ich und alle reden mit

Ein Schauplatz, eine Nacht, ein Ensemble – unweigerlich denkt man an einen anderen Kassenerfolg: Das perfekte Geheimnis. Von keinem Film wurden für verschiedene Märkte so viele Remakes gedreht, wie von Perfetti Sconosciuti. Regisseur ist auch hier Paolo Genovese, der mit „Follemente“ – so der Originaltitel von DU & ICH – erneut ein Kammerspiel liefert, das wie geschaffen scheint für internationale Adaptionen. Die Geschichte ist universell, nationale Stars lassen sich problemlos einbauen, und der Humor funktioniert in London ebenso wie in Berlin oder Madrid. Für die deutsche Version (sollte es eine geben) werden garantiert Frederick Lau und Nora Tschirner auf der Besetzungsliste stehen – wetten?

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Follemente“
Italien 2025
97 min
Regie Paolo Genovese

Du und ich und alle reden mit

alle Bilder © Capelight Pictures

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The Running Man

THE RUNNING MAN

The Running Man

THE RUNNING MAN

Es wäre ja auch ein Wunder, wenn innerhalb eines Jahres gleich drei gelungene Stephen-King-Verfilmungen in die Kinos kommen würden. Nach "The Life of Chuck" und "The Long Walk" ist THE RUNNING MAN als Adaption von Kings Bachman-Roman zwar originell gedacht, insgesamt aber wenig überzeugend.

Ab 13. November 2025 im Kino

Regisseur Edgar Wright verfolgt einen überraschend schrägen Ansatz. Sein Film wirkt wie ein verschollenes Achtzigerjahre-Relikt, nur eben realisiert mit der technischen Finesse des Jahres 2025. Bildgestaltung, Ton, Ausstattung, Effekte: alles sitzt. Anachronistisch sind dagegen das Schauspiel, die Dialoge und der ganze Vibe, der sich deutlich an der damaligen Muskelkino-Ära orientieren. Es würde einen nicht wundern, käme Arnold Schwarzenegger gleich mit einem One-Liner um die Ecke.

The Running Man

Die Geschichte ist schnell erzählt. In einer autoritär gelenkten Zukunft gehört die Fernsehsendung The Running Man zum nationalen Rauschmittel. Kandidaten werden als Runner von Profikillern gejagt. Wer dreißig Tage überlebt, gewinnt ein Vermögen. Der Fabrikarbeiter Ben Richards, gespielt von Glen Powell, lässt sich aus Angst um das Leben seiner schwer erkrankten Tochter zur Teilnahme überreden. Der Produzent Dan Killian, verkörpert von Josh Brolin als aalglatter Strippenzieher, verkauft ihm das Ganze als einzigen Ausweg. Doch Richards erweist sich als zäher, moralisch unberechenbarer Gegner. Sein Überlebenswille macht ihn zum Liebling der Massen und zur Gefahr für das System.

The Running Man

Natürlich trägt der Film die Medienschelte wie ein Schild vor sich her. Das Thema ist nicht neu und die moralische Botschaft vom gemeinschaftlichen Widerstand gegen autoritäre Manipulation wirkt in unserer Gegenwart eher gut gemeint als zwingend. Im Finale schlägt der Film zudem einen zynischen Ton an, wenn der Held dann doch seine blutige Rache über alles stellt.

The Running Man

Hübsch sind die Verweise und Zitate: Schwarzeneggers Konterfei ziert den „New Dollar“, die Running Woman Laughlin (Katy O’Brian) könnte als Hardcore-Latina eine Schwester von Private Vasquez aus James Camerons Aliens sein und der Show-Moderator (Colman Domingo) erinnert nicht nur optisch an Carl Weathers, noch so einen früheren 80er-Star, der mit Arnie vor der Kamera stand. Doch zwischen Komödie, Thriller, Action und ironischer Hommage pendelt die Inszenierung so heftig, dass man nicht weiß, wohin sie eigentlich will. Ja, die Neuverfilmung ist dynamischer, sieht besser aus und ist nicht so bleiern langweilig wie der Schwarzenegger-Film. Aber das allein macht aus THE RUNNING MAN noch keinen großen Wurf.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Running Man“
USA 2025
133 min
Regie Edgar Wright

The Running Man

alle Bilder © Sony Pictures Entertainment Deutschland

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Die Unfassbaren 3: Now you see me

DIE UNFASSBAREN 3

Die Unfassbaren 3: Now you see me

DIE UNFASSBAREN 3

Das große Labern

Ab 13. November 2025 im Kino

Hex, hex – die vier Reiter sind zurück. Oder waren es fünf? Egal. Im dritten Teil des Now You See Me-Franchise haben sie sich jedenfalls verdoppelt. Eine neue Generation mischt mit – irgendwie muss die Serie ja weitergehen, falls die Originalspieler – Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher, Dave Franco & Co. – keine Lust mehr auf Fortsetzungen haben.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Der größte Trick der „Unfassbaren“ besteht darin, dass sie nun schon zum dritten Mal denselben Film gemacht haben – und damit wohl wieder Erfolg haben werden. Diesmal geht es, irgendwo zwischen digital aufgemotzten Zaubereien, um eine verbrecherische Diamantendynastie (wie immer sehenswert: Rosamund Pike als skrupellose Antagonistin Vanderberg), die ihr blutiges Geld mit Waffenhändlern und anderem Gesocks reinwäscht. Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man Zaubertricks sehen will?

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Und genau da beginnen die Probleme. Denn die immergleichen Spiegel- und Kartentricks, die „Schwupps, ich bin verschwunden!“-Momente, haben sich längst erschöpft. Was bleibt, ist viel Gerede. Und, meine Güte, wird hier geredet! Es wird nonstop erklärt, zusammengefasst, gelabert. Dazu dröhnt der aufdringliche Soundtrack von Brian Tyler, der jeden noch so unbedeutenden Moment pathetisch aufbläst. Ein-, zweimal mag das funktionieren. Beim neunundneunzigsten Mal ist es schlicht albern.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Auf Sat.1 lief einmal eine Dokuserie namens Die Tricks der größten Zauberer – dort wurde erklärt, warum die schwebende Jungfrau gar nicht fliegt und beim Zersägen kein echtes Blut fließt. Das war schon damals nur mäßig interessant. Genau dieses Prinzip macht sich DIE UNFASSBAREN 3 zunutze – sobald der Zuschauer noch denkt: „Wie haben sie das nur gemacht?“, kommt schon die Erklärung hinterher. Nur dass hier nicht mal mit echten Tricks gearbeitet wird, sondern mit CGI. Und wenn Hollywoods digitale Magier ans Werk gehen, ist schlicht alles möglich – und damit nichts mehr erstaunlich.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Natürlich ist nicht alles schlecht: So gibt es zum Beispiel eine sehr hübsche Szene, in der alle mal zeigen dürfen, was sie draufhaben. Dass dieser „Wer hat den Längsten?“-Wettstreit in einem Haus stattfindet, dessen Räume teils auf dem Kopf stehen, teils verzerrte Perspektiven haben, erhöht den Spaß zusätzlich. Fans der ersten beiden Teile werden auch diesen mögen – und wahrscheinlich den vierten gleich mit. Denn der wird kommen. Garantiert.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Now You See Me: Now You Don’t“
USA 2025
106 min
Regie Ruben Fleischer

Die Unfassbaren 3: Now you see me

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Predator: Badlands

PREDATOR: BADLANDS

Predator: Badlands

PREDATOR: BADLANDS

Wenn der Jäger plötzlich Herz zeigt

Ab 06. November 2025 im Kino

Predator-Fans – und es soll sie wirklich geben – müssen jetzt stark sein. PREDATOR: BADLANDS ist kein weiterer Aufguss der vertrauten Muskel-Monster-Horror-Serie. Regisseur Dan Trachtenberg wagt etwas, das man im Kino-Universum dieser außerirdischen Großwildjäger nicht unbedingt erwartet hätte: Er verpasst ihnen so etwas wie Gefühle.

Im Zentrum steht diesmal kein schwitzender Elite-Soldat, sondern der Predator selbst. Ein junger Krieger (Dimitrius Koloamatangi), vom eigenen Clan verstoßen, reist auf einen unwirtlichen Planeten – halb Dschungel, halb Wüste –, um dort den ultimativen Feind zu töten. Bald trifft er auf Thia (Elle Fanning), eine Roboterfrau ohne Unterleib, aber mit viel Persönlichkeit.

Predator: Badlands

So weit, so pulpig. Doch Trachtenberg interessiert sich weniger für den nächsten blutigen Schädel-Trophäen-Moment, sondern für die Umkehrung des Mythos. Was, wenn der Predator selbst ein Außenseiter ist – ein verletzlicher Antiheld im Latexpanzer? Das Ergebnis ist eine Art intergalaktisches Buddy-Movie mit – Huch! –  Humor.

Predator: Badlands

Optisch ist das Ganze erstaunlich feist: Sandstürme, Biolumineszenz, Monster mit Textur und Gewicht – man spürt das Budget in jeder Einstellung. Und Trachtenberg hat tief in der Schatzkiste des modernen Science-Fiction-Kinos gewühlt: von Alien, Jurrasic World über Avatar bis Godzilla wirkt die Zitatensammlung weniger respektlos als vielmehr erfrischend.

Predator: Badlands

Dass das Franchise weitergeht, daran lässt der unvermeidliche Cliffhanger am Ende keinen Zweifel. Aber selten war ein Predator-Film so wenig am zynischen Abschlachten interessiert – und so sehr am (beinahe familienfreundlichen) Abenteuer. Es gab, man darf es ruhig sagen, schon sehr viel schlechtere Beiträge in diesem Universum.

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Originaltitel „Predator: Badlands“
USA 2025
106 min
Regie Dan Trachtenberg

Predator: Badlands

alle Bilder © The Walt Disney Company

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How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING

How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING

Der französische Originaltitel bringt es auf den Punkt: Un ours dans le Jura – Ein Bär im Jura.

Ab 06. November 2025 im Kino

Michel kann nichts dafür, denn normalerweise verirren sich keine Bären in diese Region. Als dann doch einer auf der verschneiten Landstraße steht, verliert der Weihnachtsbaumzüchter die Kontrolle über seinen Pick-up. Es folgt eine absurde Kettenreaktion: Eine pinkelnde Frau und ihr Begleiter kommen dabei ums Leben – Genickbruch, vom Ast aufgespießt: Es gibt schönere Arten zu sterben. Doch das ist nur der Auftakt zu einer Serie immer groteskerer Verbrechen und Verwicklungen. Mittendrin Michel und seine Frau Cathy, deren fast erloschene Liebe durch die bizarren Umstände neu aufflammt.

How to Make a Killing

Regisseur Franck Dubosc, bislang vor allem als Schauspieler bekannt – hier führt er Regie und spielt zugleich die Hauptrolle –, zitiert mit sichtbarem Vergnügen die Coen-Brüder. HOW TO MAKE A KILLING erinnert an Fargo: skurrile Charaktere, absurde Geschichte, jede Menge Schnee. Neben Dubosc glänzen Laure Calamy als seine Gattin sowie Benoît Poelvoorde und Joséphine de Meaux als überforderte, aber liebenswert-kauzige Gendarmen.

How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING legt sich tonal nicht fest: schwarze Komödie, melancholische Charakterstudie und handfester Krimi zugleich – es geht um skrupellose Schlepper, Swingerclubs, Drogenhandel und Honig (!). Die bewusste Weigerung, sich einem Genre zuordnen zu lassen, ist Fluch und Segen zugleich. Meist funktioniert der Mix, gelegentlich wünscht man sich etwas mehr innere Logik und nachvollziehbareres Figurenverhalten.

How to Make a Killing

Immerhin: Weder Michel und Cathy noch die ermittelnden Gendarmen werden je der Lächerlichkeit preisgegeben – trotz ihres dilettantischen Verhaltens. Dafür sorgt der unerwartet melancholische Ton, der der Komödie Tiefe verleiht. Wie gut das Drehbuch ist, zeigt sich in der liebevollen Zeichnung selbst kleinster Nebenfiguren. Dubosc beweist ein Gespür für Timing und präzise gesetzte Pointen; nichts wird ausgewalzt, vieles überrascht mit stiller Komik.

Nur eines passt nicht: der Starttermin. HOW TO MAKE A KILLING kommt gut sechs Wochen zu früh in die Kinos. Als düsteres Weihnachtsgeschenk hätte er viel besser gepasst.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Un ours dans le Jura“
Frankreich 2024
114 min
Regie Franck Dusbosc

How to Make a Killing

alle Bilder © Weltkino

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The Change

THE CHANGE

The Change

THE CHANGE

Nicht gerade subtiler, aber spannender Dystopie-Thriller.

Ab 06. November 2025 im Kino

Der Originaltitel „The Anniversary“ klingt harmlos, fast romantisch. Ellen (Diane Lane), eine respektierte Professorin, und Paul (Kyle Chandler), Chef eines gutgehenden Restaurants, feiern mit ihren vier erwachsenen Kindern den 25. Hochzeitstag. Nur ein Detail trübt die Harmonie: Sohn Josh (Dylan O’Brien) bringt seine neue Freundin Liz (Phoebe Dynevor) mit – und Ellen erkennt sie sofort: eine ehemalige Studentin, die sie einst wegen einer erzkonservativen, antidemokratischen Arbeit bloßgestellt hatte.

Ein Jahr später hat die Ex-Studentin ein Buch geschrieben. The Change heißt es – ein Manifest, das Demokratie und Liberalismus für überholt erklärt. Das Buch wird zum Bestseller, das Land verändert sich – und mit ihm die Taylors.

The Change

Regisseur Jan Komasa (Corpus Christi) erzählt diese Geschichte ohne viel Zwischentöne, aber mit großer Wucht. Sein Film ist keine subtile Parabel, sondern eine laute, grelle Warnung. Wer in den letzten Jahren die amerikanische Politik verfolgt hat, denkt unweigerlich an „Project 2025“, an das (gar nicht so) schleichende Erodieren demokratischer Institutionen. Komasas Film trifft also einen Nerv – und das macht ihn so beunruhigend aktuell.

The Change

Optisch beginnt THE CHANGE fast trügerisch harmlos: warme Farben, schöne Menschen, klimpernde Musik. Look und Feel, wie es hässlich neudeutsch heißt, erinnern an eine dieser etwas flach ausgeleuchteten Netflix-Miniserien, die man nebenbei schaut. Doch der Schrecken schleicht sich leise ein. Was aussieht wie ein Wohlfühlfilm, mutiert nach und nach in einen Albtraum.

The Change

Die Intellektuellen und Freigeister werden denunziert oder verhaftet, die Guten verlassen freiwillig das Land: Eine Nation auf dem Weg in den Faschismus. THE CHANGE mag ein wenig zu belehrend sein, ist aber dennoch fesselnd. Dass Regisseur Komasa hier und da Momente des Overactings (Kyle Chandler: „Name the DOG!“) durchgerutscht sind, mag daran liegen, dass er kein englischer Muttersprachler ist. Aber seine Geschichte von einer Gesellschaft, die ihre eigene Zerstörung in Kauf nimmt, ist erschreckend glaubhaft – und lässt einen nicht so schnell los.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Anniversary“
USA 2025
112 min
Regie Jan Komasa

The Change

alle Bilder © TOBIS

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