Un­garn 1913, ein Jahr vor Be­ginn des Ers­ten Welt­kriegs: ei­ne Zi­vi­li­sa­ti­on am Ab­grund. Die jun­ge Iris sucht ei­ne An­stel­lung im Hut­ge­schäft Lei­ter, das frü­her ein­mal ih­ren El­tern ge­hör­te. Der neue Be­sit­zer weist sie je­doch zu­rück und auch über­all sonst in der Stadt stößt sie auf Ab­leh­nung. Iris treibt ver­lo­ren durch Bu­da­pest auf der Su­che nach ih­rer Ver­gan­gen­heit.

„Sun­set“ lässt sich am ehes­ten wie die In­sze­nie­rung ei­nes Traums kurz vor dem Auf­wa­chen be­schrei­ben. Als som­nam­bu­ler Geist stellt die jun­ge Iris Fra­gen, die un­be­ant­wor­tet ver­hal­len und gibt Ant­wor­ten, auf die kei­ne Re­ak­ti­on er­folgt. Al­les in die­ser längst ver­gan­ge­nen Welt scheint wie in Wat­te ge­packt.

In fein kom­po­nier­ten Bil­dern und mit ei­nem vir­tuo­sen Ge­spür für die de­ka­den­te At­mo­sphä­re vor dem Ers­ten Welt­krieg zeigt Re­gis­seur Ne­mes die Spu­ren­su­che sei­ner sprö­den Haupt­fi­gur. Da­bei be­freit er sich vom stan­dar­di­sier­ten Fil­me­ma­chen, ver­mei­det je­den ge­fäl­li­gen Kos­tüm­kitsch. Kaum ei­ne Ein­stel­lung, bei der nicht Iris‘ Ge­sicht oder Hin­ter­kopf ei­nen Groß­teil des Bil­des ein­nimmt. Durch die­se Sub­jek­ti­vi­tät be­kommt der Film et­was ex­trem Zwin­gen­des.

FAZIT

„Sun­set“ ist ein an­spruchs­vol­les Ki­no­er­leb­nis.

Ori­gi­nal­ti­tel „Naps­záll­ta“ 
Ungarn/​Frankreich 2018
142 min
Re­gie Lá­szló Ne­mes 
Ki­no­start 13. Ju­ni 2019

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