⭐️⭐️⭐️⭐️

Ha­ha, ach so: 119, nicht 911, weil da ja auch ei­ne Ka­ta­stro­phe his­to­ri­schen Aus­ma­ßes ge­sche­hen ist: die Wahl zum ak­tu­el­len ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten.

Die welt­erschüt­tern­de Nach­richt, dass Do­nald Trump ent­ge­gen al­ler an­ders­lau­ten­den Vor­her­sa­gen zum 45. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten ge­wählt wur­de, bil­det aber nur die Rah­men­hand­lung des neu­es­ten Do­ku­men­tar­films von Mi­cha­el Moo­re. In­ter­es­san­ter ist die eher ne­ben­bei er­zähl­te Ge­schich­te des Skan­dals von Flint. Flint? Nie ge­hört? Da wur­de auf An­wei­sung des mit Trump be­freun­de­ten Gou­ver­neurs Rick Sny­der blei­ver­seuch­tes Trink­was­ser in die Lei­tun­gen ge­pumpt und so die Ein­woh­ner der US-Klein­stadt – und vor al­lem de­ren Kin­der – ver­gif­tet. Gip­fel des Zy­nis­mus: die im Ort an­säs­si­gen GM-Wer­ke wur­den wei­ter­hin mit kla­rem, un­be­las­te­ten Was­ser ver­sorgt. Die ho­he Blei­kon­zen­tra­ti­on wä­re zu schäd­lich für die Au­to­ka­ros­se­rien ge­we­sen.

„Re­al power is fear“, sagt US-Jour­na­list Bob Wood­ward. Auf die­ser Er­kennt­nis ba­siert das Sys­tem „Do­nald Trump“. Aber auch die Angst lässt ir­gend­wann nach. Mitt­ler­wei­le sor­gen das Twit­ter­dau­er­feu­er und die fort­wäh­ren­den Grenz­über­schrei­tun­gen des gu­ten Ge­schmacks bei den meis­ten nur noch für fa­ta­lis­ti­sches Schul­ter­zu­cken. Des­halb scha­det es nichts, hier noch­mals all die min­der­heits­feind­li­chen und ras­sis­ti­schen Un­ver­schämt­hei­ten hin­ter­ein­an­der­weg im Ori­gi­nal­ton zu hö­ren. Das ist in die­ser Ge­ballt­heit wirk­lich er­schüt­ternd. Nicht über­ra­schend, dass der ver­rück­te Ex-Im­mo­bi­li­en­mo­gul klar dem Feind­bild von Mi­cha­el Moo­re ent­spricht. Er­staun­lich aber, dass dies­mal auch die ver­meint­lich Gu­ten ihr Fett weg­krie­gen: über­ra­schen­der­wei­se Mi­cha­el Moo­re selbst in un­ge­wohn­ter Selbst­kri­tik, Hil­la­ry Clin­ton, die De­mo­kra­ten ganz all­ge­mein, The New York Times und so­gar Ba­rack Oba­ma wer­den bloß­ge­stellt. Nie­man­dem ist wirk­lich zu trau­en, so die Aus­sa­ge des Fil­me­ma­chers.

Mi­cha­el Moo­re, ein Künst­ler im Ver­mi­schen von pro­vo­kan­ten Facts und Fic­tion, setzt wie im­mer ge­konnt sei­ne ei­ge­ne Wahr­heit aus Bild­schnip­seln und Sound­bi­tes zu­sam­men; man kann gar nicht an­ders, als das schnel­le En­de der Welt, oder zu­min­dest das der Mensch­heit, die­sem kor­rup­ten Hau­fen, her­bei­zu­se­hen. Auch so funk­tio­niert Ma­ni­pu­la­ti­on.

FAZIT

Trotz hand­werk­li­cher Schlud­rig­keit, Er­kennt­nis er­öff­nen­de zwei Stun­den.

USA, 2018
Re­gie Mi­cha­el Moo­re
128 min
Ki­no­start 17. Ja­nu­ar 2019

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert