Was uns verbindet

WAS UNS VERBINDET

Was uns verbindet

WAS UNS VERBINDET

Lust auf Herzbruch? Dann ist der französische Film „L‘attachement“ genau das Richtige.

Ab 07. August 2025 im Kino

WAS UNS VERBINDET bietet mehr Emotionen, Verwicklungen und Drama als eine ganze Staffel mancher Serie. Was in einer deutschen oder amerikanischen Produktion leicht in Fremdscham oder triefenden Kitsch abgleiten könnte, wird unter der Regie der Französin Carine Tardieu – voilà – zu einer zarten, berührenden Geschichte über das Leben und die Liebe.

Was uns verbindet

Sandra, alleinstehend und Betreiberin eines feministischen Buchladens, erklärt sich spontan bereit, auf den sechsjährigen Elliot aufzupassen, als ihre Nachbarn Alex und seine schwangere Freundin Cécile zur Entbindung ins Krankenhaus müssen. Dabei hat die Mittfünfzigerin mit Kindern eigentlich wenig am Hut. Doch dann kommt es bei der Geburt zu Komplikationen – Cécile stirbt. In der Zeit danach wird Sandra nicht nur für den kleinen Jungen zu einer wichtigen Bezugsperson, sondern auch für den verwitweten Vater Alex.

Nein, das ist keine Geschichte einer „Mutter wieder Willen“. WAS UNS VERBINDET ist ungleich komplexer. Ein Netz aus Beziehungen und Bindungen entfaltet sich – und mittendrin findet die überzeugte Singlefrau Sandra langsam ihren Platz in einer neuen, ungeplanten Familie.

Was uns verbindet

Aber warum funktioniert ein Film so gut, in dem ein kleiner Junge auf der Suche nach einer Ersatzmutter ist, Paare sich trennen, versöhnen, sterben, neu verlieben – und doch nur Freunde bleiben? Zunächst ist es die überzeugende Besetzung mit der immer wunderbaren Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï und César Botti in seiner ersten Filmrolle. Dazu eine gekonnte Inszenierung, die den Tumult der Gefühle souverän am Boden hält und sicher vor Kitsch bewahrt. 

Was uns verbindet

Natürlich könnte man einwenden, dass alle Figuren etwas zu wohlhabend und freundlich wirken, um ganz glaubwürdig zu sein. Aber bitte – es ist ein Film. Trostlosigkeit gibt’s im echten Leben schon genug.

Regisseurin und Drehbuchautorin Carine Tardieu hat mit WAS UNS VERBINDET einen klugen, feinfühligen und zutiefst bewegenden Film über Freundschaft, Familie – und die Natur der großen und kleinen Gefühle gedreht. Schön.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „L‘attachement“
Frankreich / Belgien 2024
105 min
Regie Carine Tardieu

Was uns verbindet

alle Bilder © Alamode Film

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Die guten und die besseren Tage

DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE

Die guten und die besseren Tage

DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE

"À votre santé!“ Über männliche Alkoholiker gibt es zahllose Filme, über trinkende Frauen kaum. Bis jetzt.

Ab 31. Juli 2025 im Kino

Valérie Bonneton spielt Suzanne, immer erschöpft, Abends befüllt sie sich kleine Wasserflaschen mit Wodka, um den nächsten Tag zu überstehen. Besoffen vergisst sie dann eines Morgens, die Handbremse anzuziehen – schon crasht der Wagen mitsamt ihrer drei Kinder gegen ein geparktes Auto. Kein Wunder, dass sie das Sorgerecht verliert. Die nächste Station: eine Klinik für Alkoholiker. Dort freundet Suzanne sich mit Alice (Sabrina Ouazani, sehr gut als Partymaus in denial) und der Schauspielerin Diane (Michèle Laroque) an. Um ihnen eine Perspektive zu bieten, versucht der Maschinenbau- und Sportlehrer Denis (Clovis Cornillac), die Damen für die Teilnahme an einer Dünenrallye in der marokkanischen Wüste fit zu machen.

Die guten und die besseren Tage

Naja. Die Idee, dass gerade trocken gewordene Alkoholikerinnen ein Autorennen fahren, wirkt doch etwas konstruiert. Schon klar, was die Filmemacherinnen sagen wollen: Wer sich den Gefahren des Lebens stellt, wird daran wachsen. Trotzdem wäre der Film ohne dieses etwas plumpe Bild besser. Denn die Figuren sind interessant genug, die Besetzung genial. Alle spielen so gut, dass man zwischendurch fast meint, einen Dokumentarfilm zu sehen.

Die guten und die besseren Tage

Jahrelang Alkoholabhängige von ihrer Sucht zu heilen und wieder alltagsfit zu machen – keine leichte Aufgabe. Über den Erfolg des Programms lässt sich allerdings streiten: Fast alle Teilnehmerinnen werden schon nach einem Tag außerhalb der Klinik rückfällig. Gut, dass der Film trotzdem nicht im Elend ertrinkt. Leichte, manchmal fast alberne Momente sorgen dafür, dass das Schwere nicht erdrückt.

DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE erzählt eine Geschichte  zwischen Empathie, Lachen und Weinen. Sehenswert.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Des jours meilleurs“
Frankreich 2024
104 min
Regie Elsa Bennett, Hippolyte Dard

Die guten und die besseren Tage

alle Bilder © Happy Entertainment

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Die nackte Kanone

DIE NACKTE KANONE

Die nackte Kanone

DIE NACKTE KANONE

Es gibt anspruchsvolle Filme mit Botschaft – und es gibt DIE NACKTE KANONE. Die will nur eins: blödeln, und zwar auf möglichst niedrigem Niveau.

Ab 31. Juli 2025 im Kino

Liam Neeson, der in den letzten Jahren hauptsächlich als grimmiger Actionheld unterwegs war, erweist sich als würdiger Nachfolger des legendär trotteligen Detectives Frank Drebin. Der Oscarpreisträger bleibt cool, selbst im zu kurzen Schottenrock.

Die gute Nachricht zuerst: DIE NACKTE KANONE ist besser als der Trailer vermuten lässt. Die Gagdichte hoch, teilweise erfreut der Film mit schön absurdem Humor.

„It says you served 20 years for man’s laughter. Must have been quiet a joke.
You mean manslaughter?“
oder
“May I speak freely?”
“I prefer English.”

Fragt sich nur, was von all den cleveren Wortspielen der Originalversion in der deutschen Synchronfassung noch übrig bleibt. 

Die nackte Kanone

Weniger bis überhaupt nicht amüsant sind dagegen die Fantasy-Momente: Weder eine verzauberte Eule, noch ein zum Leben erweckter Schneemann sind wirklich lustig und wirken wie angestrengt ausgedachte Drehbuchideen.

Die nackte Kanone

Ihr Comeback geht weiter: Pamela Anderson setzt nach „The Last Showgirl“ ihren schauspielerischen Siegeszug fort und beweist ein hervorragendes komödiantisches Timing. Sie nimmt ihr „doofe Blondine“-Image gekonnt auf die Schippe und ist sich für keinen Gag zu schade. Anderson liefert jeden Gaga-Dialog, den das Drehbuch ihr vorgibt, mit solchem Ernst ab, als würde der ganze Quatsch tatsächlich Sinn ergeben.

Die nackte Kanone

DIE NACKTE KANONE ist (in großen Teilen) richtig schön albern – ein Kompliment – und nach kurzweiligen 85 Minuten ist der Sinnlos-Spaß schon vorbei. In Sachen politisch unkorrektem Humor kann es die Neuversion locker mit dem Original aufnehmen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Naked Gun“
USA 2025
85 min
Regie Akiva Schaffer

Die nackte Kanone

alle Bilder © Sony Pictures

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Together

TOGETHER – UNZERTRENNLICH

Together

TOGETHER – UNZERTRENNLICH

Fängt sehr gut an, kann das Niveau aber nicht halten. Nicht ganz rundes Horrorfilmdebüt mit Alison Brie und Dave Franco.

Ab 31. Juli 2025 im Kino

Eine Freundin erzählte mal, dass sie bei Framerates Lieblingsfilm Once Upon a Time in Hollywood vorzeitig das Kino verlassen habe, weil sie sich den guten Film nicht durch das Ende kaputtmachen lassen wollte. Der Hinweis, Sharon Tate würde in dieser Märchenversion der tragischen Geschichte um die Manson-Morde eben nicht sterben, hat sie dann zu einem zweiten Kinobesuch bewegt. Was diese etwas zu lange und nicht unbedingt rasend interessante Anekdote mit TOGETHER zu tun hat? Insofern nichts, als dass der Film wenig Chancen hat, irgendjemandes neuer Lieblingsfilm zu werden. Aber die Idee, das Kino nach zwei Dritteln zu verlassen – die ist hier tatsächlich eine Empfehlung.

Together

Bei Millie (Alison Brie) und Tim (Dave Franco) ist der Wurm drin: Der letzte Sex ist Monate her, sie will Grundschullehrerin auf dem Land werden, er träumt vom Rockstar-Leben. Obwohl die Spießerin und der Schluffi auf den ersten Blick ein Mismatch sind (im wahren Leben sind Alison Brie und Dave Franco verheiratet), ist trotzdem Liebe im Spiel. Also verabschieden sie sich von ihren coolen Großstadtfreunden und ziehen aufs Land. Bei einer Erkundungstour geraten sie in ein Unwetter und stürzen mitten im Wald in ein großes Loch. Als ob er auf den Kopf gefallen wäre, beschließt Tim in der unterirdischen Höhle, Wasser aus einem mysteriösen See zu trinken. Kurz darauf verändert sich die Beziehung zwischen Millie und Tim auf dramatische Weise. Sie wachsen buchstäblich aneinander. Nähe 2.0.

Together

TOGETHER fängt großartig an. Seit Talk to Me nicht mehr so gegruselt im Kino. Die ersten 60 Minuten sind eine unheimliche und oft erschreckende Zitatensammlung von John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt, Midsommar und The Substance. Das ist clever gemacht und schön zum Fürchten. Trotz der bekannten Vorlagen ist TOGETHER vor allem eins: überraschend. Man weiß nie, wohin sich die Geschichte entwickeln wird.

Together

Doch dann ändert sich die Tonalität. Es scheint fast so, als hätte ein Testpublikum entschieden, der Film brauche mehr Slapstick-Humor. Nichts dagegen, passt hier nur leider gar nicht. Und irgendwann ist dann auch der Überraschungseffekt verpufft: Auf den letzten Metern passiert genau das, was man eh erwartet hat. Schade. Dass der dritte Akt trotzdem Spaß macht, liegt an den ausgezeichneten Bodyhorror-Effekten. Die sind hübsch analog und tun beim Zuschauen fast körperlich weh.

Schauspielerisch ist das alles solide, nur bei Dave Franco reicht es für die großen dramatischen Szenen nicht ganz. Vielleicht ist TOGETHER tatsächlich ein Film, den man sich besser zu Hause anschaut – und dann einfach vor dem Ende abschaltet.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Together“
Australien / USA 2025
102 min
Regie Michael Shanks

Together

alle Bilder © LEONINE Studios

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Wilma will mehr

WILMA WILL MEHR

Wilma will mehr

WILMA WILL MEHR

Voll knorke: Fritzi Haberlandt als patente Bürgerin der ehemaligen DDR.

Ab 31. Juli 2025 im Kino

Was passt so gut zusammen wie Gulasch und Spreewaldgurke? Das Wien der späten 90er und die Lausitz: beide grau und beide haben die besten Jahre hinter sich. Genau wie Wilma. Die Ü-40-Jährige steht vor jeder Menge Herausforderungen: Ihr Mann ist faul und betrügt sie obendrein mit der besten Freundin. Ihr Job als Elektro-Fachverkäuferin wird gekündigt – fast zehn Jahre nach der Wende sind die Heuschrecken satt, und es wird abgewickelt, was noch abzuwickeln ist. Der Hort ihres Glücks zu DDR-Zeiten, das Braunkohlewerk Sonne, ist längst Geschichte. Weil es ihr Ex-Liebhaber in Österreich mittlerweile zum Filialleiter eines Baumarkts gebracht hat, macht sich Wilma auf den Weg in die damals noch morbide Donaumetropole. Aus dem tristen Alltag einer ostdeutschen Kleinstadt geht es in die schräg-verhuschte Welt einer Wiener Boheme-WG. Servus und Baba.

Wilma will mehr

Regisseurin Maren-Kea Freese erzählt das alles schön lakonisch und mit Liebe zum Detail, ihr Kameramann Michael Kotschi findet dafür klare, unsentimentale Bilder. Die Inszenierung verweigert sich gängigen Klischees – sowohl vom „Ossi“ als auch vom charmanten Wiener Grantler – und schafft es gerade deshalb, ihren Figuren Tiefe zu geben. Wilma arbeitet sich durch: Gelegenheitsjobs, Improvisation, Tanzlehrerin für asiatische Touristen – und irgendwann auch zu sich selbst. Die Liebe spielt dabei eine Rolle, aber keine große. Es geht um Selbstbehauptung, nicht um Rettung von außen.

Wilma will mehr

Die fabelhafte Fritzi Haberlandt spielt Wilma mit einer stillen Wucht, die den ganzen Film trägt – als Frau, die nie den Mut verliert. Was auf dem Papier nach Sozialdrama klingt, ist in Wirklichkeit eine fein beobachtete Tragikomödie, die ihre Figuren ernst nimmt, ohne sie zu verklären. Nur die etwas bemüht wirkenden Diskussionsszenen über Sozialismus und Emanzipation bremsen den Erzählfluss. Da klingt das Drehbuch plötzlich unangenehm didaktisch.

WILMA WILL MEHR ist ein leiser, ehrlicher Film über Neuanfänge – stimmungsvoll und zwischendurch sogar richtig lustig.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
110 min
Regie Maren-Kea Freese

Wilma will mehr

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

The Fantastic Four: First Steps

THE FANTASTIC FOUR: FIRST STEPS

The Fantastic Four: First Steps

THE FANTASTIC FOUR: FIRST STEPS

The Fantastic Four im Kino - eine einzige Leidensgeschichte. Jetzt nehmen die Marvel-Studios die Sache selbst in die Hand.

Ab 24. Juli 2025 im Kino

Mit THE FANTASTIC FOUR: FIRST STEPS kommt die bislang beste Verfilmung der Superheldensaga in die Kinos. Was allerdings keine große Kunst ist, denn die Vorgängerfilme waren so schlecht, dass die Latte nicht besonders hoch lag.

The Fantastic Four: First Steps

Pluspunkte gibt’s für die Besetzung: Vanessa Kirby, Joseph Quinn, Ebon Moss-Bachrach und everybody’s Lieblingsschauspieler Pedro Pascal. Die Chemie stimmt. Schön auch, dass man zum Verständnis der Geschichte kein 12-Semester-Marvel-Studium braucht – der Film funktioniert auch ohne Vorwissen.

Sehr charmant: die futuristische 60er-Jahre-Ausstattung. Regisseur Matt Shakman hat schon mit WandaVision bewiesen, wie cool Retro-Ästhetik aussehen kann. FIRST STEPS ist definitiv was fürs Auge und überzeugt mit viel Liebe zum nerdigen Detail.

The Fantastic Four: First Steps

Marvel-Filme stehen und fallen mit ihren Schurken – diesmal gibt’s gleich zwei: Silver Surfer, in einer weiblichen Variante, und Galactus, eine Mischung aus Thanos und Godzilla. Das übliche Spektakel also: laut, bombastisch, aber ohne nennenswerten emotionalen Einschlag. Immerhin: Die Materialschlacht zum Finale hält sich überraschend in Grenzen. Dafür gibt’s eine klare Botschaft – leg dich nie mit einer Mutter an.

The Fantastic Four: First Steps

Ein erster Schritt in die richtige Richtung: Für zwei Stunden solides Popcornkino gibt’s solide drei Punkte.

Und zum Schluss noch ein kleiner Fanservice: Für die Mid-Credit-Szene lohnt sich das Sitzenbleiben. Für die Post-Credit-Szene eher nicht.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Fantastic Four: First Steps“
USA 2025
115 min
Regie Matt Shakman

The Fantastic Four: First Steps

alle Bilder © The Walt Disney Company

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

The Life of Chuck

THE LIFE OF CHUCK

The Life of Chuck

THE LIFE OF CHUCK

THE LIFE OF CHUCK – eine Feier des Lebens in drei Akten.

Ab 24. Juli 2025 im Kino

Die Welt steht kurz vor dem Kollaps – Küsten versinken, die digitale Kommunikation bricht zusammen, das Ende scheint nah. Und mitten in all dem: das Gesicht eines Mannes. Charles „Chuck“ Krantz (Tom Hiddleston), ein unauffälliger Buchhalter, lächelt von Werbetafeln und Bildschirmen – als hätte er mit all dem irgendwie zu tun. Aber niemand kennt den geheimnisvollen Fremden.

Mike Flanagans neuester Film, THE LIFE OF CHUCK, basiert auf einer der stilleren, persönlicheren Kurzgeschichten von Stephen King – und überrascht gerade deshalb. Wer eine klassische Horrorstory erwartet, wird vielleicht kurz irritiert sein, aber dann reich belohnt: Der Film ist ein bewegender, kunstvoll verschachtelter Blick auf ein einzelnes Leben – rückwärts erzählt, in drei Kapiteln, die sich erst am Ende (oder besser: am Anfang) zu einem sinnvollen Ganzen fügen.

The Life of Chuck

Flanagan beweist einmal mehr, dass er nicht nur King-Material verfilmt, sondern interpretiert – mit viel Feingefühl und einem tiefen Verständnis für dessen Werk. Schon Doctor Sleep hat gezeigt, dass er der vielleicht versierteste Stephen-King-Regisseur seit Stanley Kubrick ist – auch wenn der Autor das als notorischer Shining-Film-Hasser vermutlich anders sieht.

The Life of Chuck

Im Zentrum steht Tom Hiddleston als Chuck, und doch ist es ein anderer, der in Erinnerung bleibt: Benjamin Pajak, der den jungen Chuck im ersten Kapitel spielt, liefert nicht nur eine tolle Darstellung ab, sondern beeindruckt auch tänzerisch – ein echtes Talent, das man sich merken sollte. Denn ja, virtuos getanzt wird in THE LIFE OF CHUCK auch.

The Life of Chuck

Der Film lebt von seiner ungewöhnlichen Struktur und seiner Atmosphäre, aber auch vom hervorragenden Ensemble, das jeder Episode Herz und Tiefe verleiht. Die Erzählstimme – im Original von Nic Offerman – ist zwar ein bisschen zu oft eingesetzt und gibt dem Ganzen phasenweise einen hörbuchartigen Charakter, doch selbst das stört kaum: Zu stark ist der emotionale Sog, zu bewegend die Fragen, die der Film aufwirft – über Vergänglichkeit, Erinnerung und unsere Existenz im allgemeinen. Schön.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Life of Chuck“
USA 2025
111 min
Regie Mike Flanagan

The Life of Chuck

alle Bilder © TOBIS

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Schwarze Schafe

SCHWARZE SCHAFE

Schwarze Schafe

SCHWARZE SCHAFE

Haarsträubend schlechte Neuauflage des 2006er-Kultfilms.

Ab 17. Juli 2025 im Kino

Hiermit ist es offiziell: Filme mit Frederick Lau sind scheiße. Und das liegt nicht unbedingt am Schauspieler selbst, sondern eher an den Projekten, die er sich in den letzten Jahren ausgesucht hat. Sein neuestes heißt SCHWARZE SCHAFE und versammelt eine ganze Reihe prominenter Namen: Jella Haase, Jule Böwe, Milan Peschel, Marc Hosemann – und als Off-Stimme Katharina Thalbach. Alles Profis, alles gute Schauspieler – doch keiner von ihnen kann diesen grottigen Film retten.

Schwarze Schafe

Die Handlung nachzuerzählen, wäre so sinnlos wie die Handlung selbst. Es ist mehr eine Abfolge lose verbundener Szenen, durchweg komplett unlustig. Beworben wird das Fiasko als „durchgeknallte Underdog-Komödie“ und „anarchische Satire“. Anarchisch ist hier gar nichts – es sei denn, man findet auch den ZDF-Fernsehgarten subversiv. Mit erstaunlich miesem Timing laufen die Witze verlässlich ins Leere, der Cutter lässt jede Szene ein paar Sekunden zu lang stehen. Dazu eine bemühte Bildsprache mit Wackelkamera – gewollt und nicht gekonnt.

Schwarze Schafe

Im Tagesspiegel schrieb Jan Schulz-Ojala vor fast 20 Jahren, der erste Schwarze-Schafe-Film sei eine „dahinschlingernde Berlin-Ballade, mal brüllkomisch, mal saudoof.“ Die 2025er-Version ist einfach nur noch saudoof.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
93 min
Regie Oliver Rihs

Schwarze Schafe

alle Bilder © Port au Prince Pictures

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Der Salzpfad

DER SALZPFAD

Der Salzpfad

DER SALZPFAD

Der Weg ist das Ziel.

Ab 17. Juli 2025 im Kino

Schon wieder ein „Seelenrettung durchs Wandern“-Film? Ist das Thema nach Ich bin dann mal weg, Auf dem Weg, Wild und vielen anderen nicht langsam auserzählt? Halt – nicht gleich weiterskippen, denn DER SALZPFAD ist anders. Hier begibt sich kein luxusverwöhnter, satter Großstädter auf die Suche nach sich selbst. Raynor und Moth Winn plagen echte Probleme: Sie sind obdachlos, haben nach einem Gerichtsurteil Haus und Hof verloren, und Moth ist unheilbar an CBD erkrankt. Doch statt zu resignieren, machen sich die Autorin und ihr Mann auf zu einer Wanderung entlang des South West Coast Path, der sich über fast 1.000 Kilometer erstreckt. Alles, was sie besitzen, passt in zwei Wanderrucksäcke – ein Leben jenseits des Existenzminimums: Der Geldautomat spuckt monatlich maximal vierzig Pfund aus, der Rest geht an die Gläubiger. Die Wanderung ist also nicht ganz freiwillig, sondern ein verzweifelter Versuch, dem Unglück zu Hause davonzulaufen.

Der Salzpfad

Alles ist da: die Drohnenflüge über berauschende Natur, die Streichermusik, die wertvollen Begegnungen mit Menschen am Wegesrand. Und doch – DER SALZPFAD ist besser als viele Filme des Genres. Das liegt vor allem an der geschickt konstruierten Erzählweise. In genau richtig dosierten Rückblenden zeigt Regisseurin Marianne Elliott, wie es zur Mammutwanderung kam.

Der Salzpfad

Herausragende Besetzung: Jason Isaacs, charmant bis in die grauen Haarspitzen, und Framerates erklärte Lieblingsschauspielerin Gillian Anderson, der nicht einmal die deutsche Synchronisation etwas von ihrer Strahlkraft nehmen kann. Die beiden wachsen einem während ihrer Reise ans Herz – ungeschminkt und ganz uneitel stapfen sie durch Wind und Wetter. Auch die üblichen Gutmenschen, steter Quell unnötiger Kalendersprüche in themenverwandten Filmen, halten sich angenehm zurück. Es sind fast durchweg normale, authentische Begegnungen, die Raynor und Moth auf ihrem langen Weg ein Dach über dem Kopf oder einfach nur ein trockenes Hörnchen bieten.

Der Salzpfad

Alles wirklich so passiert: Während der Wanderung führt Raynor Tagebuch. Später veröffentlicht sie die Aufzeichnungen – und landet einen Bestseller. Das wahre Leben schreibt die besten Happy Ends: Trotz Moths Krankheit sind die beiden auch heute noch – zehn Jahre später – auf Wanderschaft.

Nachtrag: Kürzlich kam heraus – oder wurde wenigstens so in einer britischen Zeitung gemeldet – dass alles erstunken und erlogen sei. Die Insolvenz ist von Ray selbstverschuldet. Moth gar nicht wirklich krank. Hm. Naja, dann ist DER SALZPFAD wenigstens gut gemachtes (erfundenes) Unterhaltungskino mit Botschaft.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Salt Path“
GB 2024
115 min
Regie Marianne Elliott

Der Salzpfad

alle Bilder © DCM

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Leonora im Morgenlicht

LEONORA IM MORGENLICHT

Leonora im Morgenlicht

LEONORA IM MORGENLICHT

Eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs und darüber hinaus.

Ab 17. Juli 2025 im Kino

LEONORA IM MORGENLICHT erzählt die Lebensgeschichte der britischen Malerin Leonora Carrington. In den 1930er Jahren tritt sie der surrealistischen Bewegung bei. Salvador Dalí und André Breton gehören zu ihren Freunden, mit dem Maler Max Ernst führt sie eine leidenschaftliche Beziehung. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs flieht sie nach Mexiko, wo sie ihre Freiheit und ihre eigene Stimme als Künstlerin findet.

Leonora im Morgenlicht

Entgegen der klassischen dramaturgischen Charakterentwicklung verharrt Leonora Carrington vom Anfang bis zum Ende im gleichen Gemütszustand. Es wird allenfalls von schlimm noch schlimmer – und dann wieder schlimm. Olivia Vinall spielt das mit misslauniger Stoik; nur die Begegnung mit einer Spanierin beschert ihr kurze Augenblicke des Glücks. Ansonsten: manische Depression, Elektroschocktherapie, Verfolgungswahn. Die Manifestation des Feindes im Inneren ist eine Hyäne – ein oft genutztes Motiv in Carringtons Bildern. An dieser Stelle mal ein Lob: Das (wahrscheinlich im Computer entstandene) Tier sieht fantastisch aus. Das hat Hollywood-Niveau. Erstaunlich für einen im mittleren Budgetsegment produzierten Film aus Deutschland.

Leonora im Morgenlicht

Als Maler Max Ernst hinterlässt Alexander Scheer keinen besonderen Eindruck, auch die Inszenierung ist recht hakelig. Man meint, die Aufnahmeleiter außerhalb des Bildausschnitts zu ahnen, die den Statisten Regieanweisungen geben. Immerhin überzeugen Tudor Vladimir Pandurus schöne Kamera und die Sets.

Leonora im Morgenlicht

Ein sperriger Film über eine sperrige Frau – in einer Zeit, in der Sperrigkeit noch mit Hysterie gleichgesetzt wurde. Später Ruhm: Jahrzehntelang ignoriert, gelten Leonora Carringtons Werke heute als Schlüsselwerke des Surrealismus. Auf dem Kunstmarkt erzielen sie inzwischen Höchstpreise.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Leonora in the morning light“
Deutschland / Mexiko / Rumänien / Großbritannien 2025
103 min
Regie Thor Klein und Lena Vurma

Leonora im Morgenlicht

alle Bilder © Alamode Film

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Superman

SUPERMAN

Superman

SUPERMAN

DC wagt den Neustart mit einem altbekannten Helden.

Ab 10. Juli 2025 im Kino

Es geht mal wieder um nichts weniger als die Rettung des Universums – und zwar des DC-Universums. Nach vielen gescheiterten Versuchen, ein erfolgreiches DCU in Konkurrenz zum MCU (wer jetzt schon nichts mehr versteht: macht nix) zu etablieren, versucht Warner Bros. nun einen Neustart. Mit SUPERMAN entscheidet sich, ob James Gunn das lahmende Studio vor dem Untergang bewahren kann. Spoiler: Ja, er kann. Denn der Guardians of the Galaxy-Regisseur weiß genau, wie intelligentes Popcornkino funktioniert.

Superman

Mit David Corenswet hat der Film den besten Superman seit Christopher Reeve. Freundlich, all-american (zurzeit ist das zwar keine besonders gute Eigenschaft), ein klassischer Held. An seiner Seite: Rachel Brosnahan (The Marvelous Mrs. Maisel) und Nicholas Hoult als Erzschurke Lex Luthor.

Superman

Klares Highlight ist allerdings Superhund Krypto. Der Vierbeiner stiehlt seinen menschlichen Co-Stars glatt die Show – man möchte ihn am liebsten mit nach Hause nehmen. Überhaupt, die Sidekicks: James Gunns Filme sind immer am besten, wenn er mit einem Ensemble arbeitet. Das war bei Guardians genauso wie bei The Suicide Squad. Diesmal sorgt die selbsternannte „Justice Gang“ für Comic Relief.

Superman

Bei den Kritikern kommt der neue SUPERMAN bisher nur so lala weg. Es wird bemängelt, dass sich der Film wie der zweite oder dritte Teil eines Franchises anfühlt, da komplett auf eine Origin-Story verzichtet wird und auch die Beziehung zu Lois Lane schon in vollem Gange ist. Was die einen kritisieren, ist für andere ein Pluspunkt. Denn wie oft soll man sich nach Dutzenden Filmen und TV-Serien noch die gleiche Geschichte anschauen? SUPERMAN kommt direkt zur Sache – und punktet mit tollen Effekten, Herz und Charme. Gunn schafft es, den gutherzigen Mann aus Stahl neu und frisch wirken zu lassen.

SUPERMAN ist ein klassischer Sommer-Blockbuster: bunt, lustig und unterhaltsam. Wer will da meckern? Dazu ein fabelhafter Hund – bravo, Krypto!

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Superman“
USA 2025
126 min
Regie James Gunn

Superman

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

The Ballad of Wallis Island

THE BALLAD OF WALLIS ISLAND

The Ballad of Wallis Island

THE BALLAD OF WALLIS ISLAND

Die ewige Lieblingsfrage: Was würdest Du tun, wenn Du ein paar Millionen im Lotto gewinnst?

Ab 10. Juli 2025 im Kino

Zuerst mal eine Weltreise. Wenn die aber zu lange dauert, ist das Geld irgendwann weg. Also den nächsten Lottoschein ausfüllen – und wieder gewinnen! Diesmal wird investiert: in ein altes Herrenhaus auf einer fast unbewohnten Insel namens Wallis. Charles (Tim Key), ein etwas weltfremder Glückspilz, hat immer noch was übrig und erfüllt sich einen Kindheitstraum: ein Privatkonzert seiner Lieblingsband McGwyer Mortimer. Dumm nur, dass die sich schon vor Ewigkeiten aufgelöst hat.

The Ballad of Wallis Island

Was Milliardäre über Jahrzehnte mit ABBA vergeblich versuchten, gelingt Charles mit einer halben Millionen Pfund. Herb McGwyer (Tom Basden) ist käuflich – nur steht er seit Jahren nicht mehr mit seiner früheren Duettpartnerin Nell Mortimer (Carey Mulligan) auf der Bühne. Die Trennung war – wie bei ABBA – eher unfreundlich.

The Ballad of Wallis Island

Freunde des Actionkinos werden nach zehn Minuten eingeschlafen sein – James Griffiths’ Dramödie ist ausgesprochen langsam erzählt. Aber langsam muss nicht schlecht sein. Auch wenn’s anfangs etwas holpert: Die Prämisse zu absurd, Tim Key als Charles fast zu niedlich, und als Herb bei der Ankunft vom Boot ins Wasser fällt, droht Klamauk. Doch das bleibt die Ausnahme. Spätestens mit Carey Mulligans Auftritt und dem ersten gemeinsam gesungenen Lied findet der Film seinen Ton – und sein Herz. Ohne Kitsch, ohne Pathos.

THE BALLAD OF WALLIS ISLAND ist schön schrullig und ein bisschen Weinen und Lachen sind auf jeden Fall drin.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Ballad of Wallis Island“
GB 2025
99 min
Regie James Griffiths

The Ballad of Wallis Island

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Vier Mütter für Edward

VIER MÜTTER FÜR EDWARD

Vier Mütter für Edward

VIER MÜTTER FÜR EDWARD

Neues aus dem Phrasenbuch: Knapp vorbei ist auch daneben.

Ab 10. Juli 2025 im Kino

Obwohl: So knapp daneben ist FOUR MOTHERS dann doch nicht – sondern in Teilen voll daneben. „Eigentlich“ ist zwar ein dummes Füllwort, aber eigentlich hätte Darren Thorntons Film ein moderner Klassiker des Queer-Kinos werden können. Die Geschichte vom gutmütigen Sohn, der sich – statt sein eigenes Leben zu leben – um seine nach einem Schlaganfall sprachlose Mutter kümmert, hat Substanz und tolle Schauspieler.

Vier Mütter für Edward

Edward (James McArdle) ist Mitte dreißig, schwul und lebt noch zu Hause. Obwohl er kurz davorsteht, mit seinem Debütroman in den USA durchzustarten – eine Lese- und Interviewtour ist geplant –, bringt er es nicht übers Herz, seine hilfsbedürftige Mutter (Fionnula Flanagan) für 14 Tage allein zu lassen oder sie gar in ein Pflegeheim zu geben. Auftritt der drei angeblich besten Freunde: Weil sie dringend auf eine Pride-Party in Spanien wollen, lassen sie ihre eigenen Mütter kurzerhand bei Edward. Der hat nun ein vierfaches Problem: Karriereplanung und die Betreuung der exzentrischen Damen lassen sich nur schwer vereinbaren.

Vier Mütter für Edward

Nicht nur der überforderte Sohn, auch der Film hat ein Problem: Zum einen ist es reichlich unglaubwürdig, dass erwachsene Männer ihre gebrechlichen Mütter einfach so beim besten Freund abladen. Zum anderen werden die berührenden – und oft auch komischen – Momente zwischen Mutter und Sohn immer wieder von Montagen zu unpassender 80er-Jahre-Musik und albernem Humor unterbrochen. Man hat fast den Eindruck, irgendjemand habe eine gute, melancholische Version des Films zersägt, um sie „lustiger“ zu machen.

Vier Mütter für Edward

Nicht einmal auf die Synchronfassung kann man es schieben: Gezeigt wurde die englische Originalversion. James McArdle und seine vier Mütter spielen durchweg großartig – nur die übrigen Figuren erstarren im Klischee. Man mag sich kaum ausmalen, was ein Regisseur wie Andrew Haigh („All of Us Strangers“) aus diesem Stoff gemacht hätte. Ohne den nervigen Klamauk wäre VIER MÜTTER FÜR EDWARD vermutlich nur 60 Minuten kurz – aber sicher ein besserer Film geworden.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Four Mothers“
Irland 2024
89 min
Regie Darren Thornton

Vier Mütter für Edward

alle Bilder © Pandora Film Verleih

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Frisch

FRISCH

Frisch

FRISCH

Watt ist noch dicker als wie Blut? Nur die Liebe zwischen Brüdern. Howgh!

Ab 03. Juli 2025 im Kino

Ein deutscher Genrefilm – das ist schon per se eine Rarität. Wenn sich dann noch ein Thriller mit Gangsterplot, Ruhrpott-Schnoddrigkeit und einer eigenen visuellen Handschrift verbindet, wird’s interessant. FRISCH, von Damian John Harper, versucht genau das: Genre auf Deutsch, und das gelingt – zumindest über weite Strecken.

Duisburg als finsterer Moloch: Nächte in türkisblauem Nebel, Licht, orange wie aus alten Natriumdampflampen. Artifizielle Farbgebung ersetzt Realismus – immerhin eine klare visuelle Entscheidung. Auch dramaturgisch ist der Film alles andere als schlicht. In verschachtelten Zeitsprüngen – Jugend, Kindheit, Jetztzeit – verliert man zu Beginn leicht die Orientierung. Wo sind wir? Und wann?

Frisch

Kai (Louis Hofmann), Arbeiter in einer Schweineschlachterei, versucht ein einfaches Leben zu führen – Frau, Kind, Feierabendbier. Doch sein Bruder Mirko (Franz Pätzold) kommt überraschend aus dem Gefängnis frei und verlangt jene 10.000 Euro, die Kai für ihn hätte verwahren sollen. Dumm nur, dass 7.000 schon weg sind.

Frisch

FRISCH ist ein Film über Loyalität, Schuld und zerstörerische Bruderliebe  – visuell unterstrichen durch das etwas überstrapazierte Bild von Winnetou und Old Shatterhand. Ja, ja, Blutsbande. Dass der Stoff ursprünglich aus Glasgow stammt – Mark McNays 2007 erschienener Debütroman „Fresh“ dient als Vorlage – merkt man der Geschichte nicht an. Die deutsche Adaption ist geglückt, aus Hühnern wurden Schweine und aus schottischen Freunden türkischstämmige Ruhrpottkumpels.

Frisch

Dank seiner Darsteller – Hofmann als introvertierter Kai, Pätzold wahnsinnig gut als unberechenbarer Mirko – ist FRISCH ein sehenswertes Stück deutsches Kino – härter, düsterer und kompromissloser als die übliche Mainstreamware. Nicht ganz so rotzig-pubertär wie Sonne und Beton, aber hoffentlich genauso erfolgreich an der Kinokasse.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2024
98 min
Regie Damian John Harper

Frisch

alle Bilder © Port au Prince Pictures

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Jurassic World: Die Wiedergeburt

JURASSIC WORLD: DIE WIEDERGEBURT

Jurassic World: Die Wiedergeburt

JURASSIC WORLD: DIE WIEDERGEBURT

Die Dinosaurier leben noch. Leider auch die Drehbuchklischees.

Ab 02. Juli 2025 im Kino

Wer immer noch behauptet, Dinosaurier seien ausgestorben, glaubt vermutlich auch, die Erde sei eine Scheibe. Der neueste Beweis für die erstaunliche Überlebensfähigkeit der prähistorischen Echsen hört auf den Namen JURASSIC WORLD: DIE WIEDERGEBURT – der mittlerweile sechste Aufguss des ursprünglich durchaus revolutionären Dino-Franchise.

Jurassic World: Die Wiedergeburt

Nach den enttäuschenden letzten beiden Teilen war es Zeit für einen Neuanfang. Regisseur Gareth Edwards, bislang eher bekannt für visuell ambitionierte Endzeitstimmungen (Godzilla, Rogue One), liefert nun genau das, was die Fans erwarten – oder besser gesagt: verlangen. Abenteuer im altbewährten Spielberg-Stil, Schauspieler, die mit offenen Mündern in CGI-Horizonte starren, und natürlich eine ganze Menagerie gefräßiger Urzeitmonster, deren Hunger mit jeder Fortsetzung zu wachsen scheint. Auch dieses Mal darf wieder ein genetisch aufgemotzter Superdino durchs Bild rasen – bedrohlich wie der Xenomorph aus „Alien“, allerdings mit etwas weniger psychologischer Tiefe.

Jurassic World: Die Wiedergeburt

Die eigentliche Überraschung des Films ist die Besetzung: Von den einstigen Franchise-Stammgästen fehlt jede Spur. Stattdessen tritt Scarlett Johansson auf den Plan, die sich selbstbekennend schon seit Jahren in die Jurassic World hineingewünscht hatte. Dass sie beim Lesen des Drehbuchs beide Augen zugedrückt haben muss, ist ihr nicht zu verübeln – womöglich tat sie es sogar aus Instinkt.

Jurassic World: Die Wiedergeburt

Denn die Story ist ein Flickenteppich aus Klischees und Figuren, die selbst mit viel Wohlwollen kaum über die Tiefe eines Blatts Papier hinauskommen. Und dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – funktioniert der Film auf eine seltsam unreflektierte Weise. Zwei Stunden lang lässt sich das Gehirn in Watte packen, während auf der Leinwand eine Mischung aus Hochglanz-Action, CGI-Gewitter und pseudoethischen Fragen nach der menschlichen Verantwortung für die Natur, bla, bla, bla vorbeizieht.

Jurassic World: Die Wiedergeburt

Nein, an die Faszination des ersten „Jurassic Park“ reicht auch diese Fortsetzung nicht heran. Aber JURASSIC WORLD: DIE WIEDERGEBURT ist Popcornkino in seiner reinsten Form – laut, bunt und mit großer Lust am Spektakel.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Jurassic World: Rebirth“
USA 2025
130 min
Regie Gareth Edwards

Jurassic World: Die Wiedergeburt

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

M3gan 2.0

M3GAN 2.0

M3gan 2.0

M3GAN 2.0

Da ist sie wieder: Guido Maria Kretschmers Alptraumkandidatin – Megan.

Ab 26. Juni 2025 im Kino

Zum Glück haben nicht nur die Klamotten ein Upgrade bekommen (diesmal lautet das Wochenmotto: „Finde ein Outfit im Stil von Emma Peel“), sondern auch die Mörderpuppe selbst: Ein Chip unterdrückt (vorübergehend) den Kill-Modus. Schade irgendwie.

Die Kernaufgabe der Original-Megan war das Beschützen der kleinen Waisen Cady (Violet McGraw). Die ist inzwischen zum brooding Teenage-Girl herangewachsen, während ihre Tante Gemma (Allison Williams) Vorträge über die Gefahren von KI hält – und trotzdem nebenbei mit ihren Kollegen an neuen Robotermodellen werkelt. Wer fragt bei einem Film wie M3GAN 2.0 nach Logik?

M3gan 2.0

Weil die ambivalente Megan mittlerweile eher positiv auffällt, braucht es eine neue Antagonistin: Auftritt Amelia – eine skrupellose Killermaschine, die mühelos ein ganzes Heer Soldaten in wenigen Sekunden plattmacht.
Um den neuen Feind zu stoppen, muss die aufgepimpte Megan 2.0 ran.

M3gan 2.0

M3GAN 2.0 ist – genau wie sein Vorgänger – mehr Komödie als Horrorfilm. Es gibt ein paar wirklich lustige Szenen, inklusive überraschender Kate-Bush-Gesangseinlage. Sehr schön auch: ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär im Elon-Musk-Modus. Dazu Zitate aus Kampfstern Galactica, Terminator, Addams Family, und, und, und. Man kann dem Film schamlosen Ideenklau vorwerfen – oder sich einfach über all die Querverweise auf Sci-Fi- und Horrorfilmklassiker amüsieren.

M3gan 2.0

Ein bisschen Jammern: M3GAN 2.0 verzettelt sich in ein paar Twists und Turns zu viel, irgendwann verliert man den Faden, wer jetzt gerade gut, böse oder doch wieder gut ist – der erste Teil war kompakter.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „M3gan 2.0“
USA 2025
120 min
Regie Gerard Johnstone

M3gan 2.0

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

F1

F1

F1

F1

Formel 1: Für die einen Autos, die sinnlos im Kreis fahren, für die anderen der aufregendste Sport der Welt.

Ab 26. Juni 2025 im Kino

Lewis Hamilton hat produziert – mit Brad Pitt und Javier Bardem auch Starbesetzung vor der Kamera. Auch wenn der Vergleich mit dem alten Wein so ausgetrunken ist wie ein ebensolcher Schlauch: Brad Pitt wird einfach immer besser. Er ist vielleicht der letzte große Filmstar, wegen dem man ins Kino geht, egal, worin er mitspielt. Bei F1 ist er in guten Händen: Regisseur Joseph Kosinski hat schon mit „Top Gun: Maverick“ sein Talent für Hochgeschwindigkeitskino bewiesen.

F1

Der Actionfilm F1 ist das Gegenteil von „die Seele baumeln lassen“. Gedreht wurde bei echten Grand-Prix-Rennen – Bilder und Sound sind eine Druckbetankung für Augen und Ohren. Diesen Film sollte man unbedingt im Kino sehen, und zwar auf der größtmöglichen Leinwand. Das fast dreistündige Rennfahrerdrama (ungefähr eine halbe Stunde zu lang) ist ein schamloser Formel-1-Werbespot und mit 300 Millionen Dollar Budget der teuerste Film des Jahres. Überkomponist Hans Zimmer untermalt das Ganze mit pumpendem Soundtrack, der genauso gut in einer Großraumdisco laufen könnte. Die Story vom alten Rennfahrhasen und arroganten Rookie? Vorhersehbar. Aber egal – wegen der Handlung schaut man sich sowas ja eh nicht an.

F1

Trotz aller kalkulierten Spektakelhaftigkeit lässt sich F1 nicht nur auf Hochglanzbilder und Motorengeheul reduzieren. In seinen besten Momenten zeigt der Film, warum der Rennsport für viele mehr ist als nur Technik und Tempo: Es geht um Präzision, Disziplin, Risiko – und um die Faszination, an die Grenze zu gehen, oder sie zu überschreiten. Wer für all das nichts übrig hat, wird sich kaum bekehren lassen. Wer aber eine Ahnung bekommen will, wie sich 300 km/h auf einer Rennstrecke anfühlen, der dürfte zufrieden aus dem Kino kommen. Speedjunkies kommen hier voll auf ihre Kosten.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „F1“
USA 2025
156 min
Regie Joseph Kosinski

F1

alle Bilder ©  Warner Bros. Pictures Germany

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Zikaden

ZIKADEN

Zikaden

ZIKADEN

Zerreißproben: Zwei Frauen zwischen Pflicht und Selbstverlust

Ab 19. Juni 2025 im Kino

Ein kleines Mädchen stochert mit einem Stock in einem verwesten Tier. Schon die Anfangsszene von ZIKADEN macht klar: Unter der Oberfläche gärt es.

Harte Zeiten: Kein Job, kein Geld und das in Brandenburg. Aber Geld allein macht auch nicht glücklich: Was tun, wenn die Eltern pflegebedürftig sind – und das eigene Leben gerade gegen die Wand fährt? ZIKADEN erzählt von zwei gegensätzlichen Frauen, die mehr verbindet, als es auf den ersten Blick scheint.

Zikaden

Minimalistische Architektenvilla auf dem Land vs. Bowlingbahn im Brandenburger Dorf. Isabell und Anja könnten kaum unterschiedlicher sein – und doch zieht es die beiden Frauen magnetisch zueinander. Anja ist alleinerziehende Mutter der kleinen Greta, einem niedlichen Kind, das allerdings nur Unsinn im Kopf hat. Isabell hingegen hat es mit zwei anderen „Kindern“ zu tun: ihrem nach einem Schlaganfall pflegebedürftigen Vater und Noch-Ehemann Philippe, der dank entzündeter Prostata Katheter und Windeln trägt. Mahlzeit.

Zikaden

Die sonnendurchfluteten Bilder der verlässlich guten Kamerafrau Judith Kaufmann stehen in schönem Kontrast zur gar nicht so leichten Geschichte. In den Hauptrollen: Nina Hoss und Saskia Rosendahl – stark besetzt und souverän inszeniert von Ina Weisse. Zum Glück bleibt die Geschichte der beiden Frauen sperrig. Das hätte sonst leicht ins TV-Drama abdriften können. Stattdessen gibt es kluge, schmerzhaft wahre Erkenntnisse: „Kinder. Bringst sie zur Welt. Werden erwachsen. Die hassen dich. Und dann stirbste.“

Zikaden

Ausgezeichnete Schauspieler (als erfreuliche Überraschung: Vincent Macaigne, zuletzt in Die Bonnards zu sehen), eine ungewöhnliche Geschichte, ein sehenswerter Film aus Deutschland.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
100 min
Regie Ina Weisse

Zikaden

alle Bilder © DCM

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Wilhelm Tell

WILHELM TELL

Wilhelm Tell

WILHELM TELL

Der Schweizer Nationalheld wird in WILHELM TELL zum Actionstar.

Ab 19. Juni 2025 im Kino

Anlegen, Ziel erfassen, schießen. Nein, hier soll nicht 2025 ein Terrorist mit Präzisionsgewehr gemeuchelt, sondern 1307 ein profaner Apfel per Armbrust vom Kopf eines Knaben geschossen werden. Dumm nur, dass der Schütze dabei auf seinen eigenen Sohn zielt – gezwungen von Gessler, dem hundsgemeinen Handlanger des Königs. Dass so ein Schuss auch nach hinten losgehen kann, erfahren die Mächtigen bald am eigenen Leib. Der Schütze, Wilhelm Tell (Claes Bang), wird zum Volkshelden und zieht mit seinen Mannen in den Krieg gegen die österreichischen Besatzer.

Wilhelm Tell

Ey, ich feier deinen freshen Style, Brudi.
Na gut, Dialoge wie diese gibt es in der britisch-italienischen Produktion zwar nicht, aber die Darsteller sehen mit ihren gepflegt gestutzten Bärten und Undercut-Frisuren aus, als kämen sie direkt aus einer Shisha-Bar an der Sonnenallee und würden auch in der nächsten Staffel von „4 Blocks“ eine gute Figur machen. Neue Dimensionen des Overactings erreicht dabei vor allem Connor Swindells als Gessler: Grimassenschneiden statt Schauspielern. Daneben: Hochkaräter wie Ben Kingsley und Jonathan Pryce – verschenkt in vergessenswerten Nebenrollen.

Wilhelm Tell

Man fragt sich, für wen Filme wie WILHELM TELL eigentlich gemacht werden. Sollen künftig Schülergruppen ins Kino gelockt werden, um Schillers Klassiker zu vertiefen? Dafür allerdings nimmt sich Regisseur und Drehbuchautor Nick Hamm zu viele Freiheiten heraus. Geschichtslehrer werden bei all den historischen Schlampereien die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. 

Wilhelm Tell

Oder richtet sich WILHELM TELL an Freunde des Actionkinos? Auch die dürfte man mit der geschwätzigen Klassikerverfilmung kaum begeistern. Die Bilder sind zwar episch, und die Schlachtszenen werden den heutigen Standards entsprechend lärmig inszeniert, aber die – jedenfalls in der Originalversion – in Shakespeare-Englisch vorgetragenen Dialoge zwischen Figuren, für die man sich auch nach 133 Minuten nicht so recht interessiert, sind quälend. Dann doch lieber nochmal das Reclam-Heft raussuchen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Wilhelm Tell“
Italien / UK 2024
133 min
Regie Nick Hamm 

Wilhelm Tell

alle Bilder © SquareOne Entertainment

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Das Fest geht weiter!

DAS FEST GEHT WEITER!

Das Fest geht weiter!

DAS FEST GEHT WEITER!

Keine Bourgeois, keine Rassisten, keine Faschisten. Nur anständige Menschen. In DAS FEST GEHT WEITER! ist Marseille das wahre Bullerbü.

Ab 12. Juni 2025 im Kino

Könnte man jedenfalls meinen, wenn man Robert Guédiguians politischen Familienfilm anschaut. Allerdings beginnt „Et la fête continue!“, so der Originaltitel, nicht als verklärter Blick auf die französische Hafenstadt, sondern ungewöhnlich düster mit Archivaufnahmen vom Einsturz zweier Wohnhäuser in der Rue d’Aubagne, 2018. Acht Tote und viele Menschen, die buchstäblich das Dach über dem Kopf verlieren. Und das Vertrauen in die Politik.

Das Fest geht weiter!

Die linke Szene zerreibt sich im internen Dauerclinch, eine Wahl steht an, aber keiner weiß so recht, wofür oder mit wem. In diesem Chaos steht Rosa (Ariane Ascaride), Krankenschwester Anfang 60, mit beiden Beinen im Leben und einem halben im Wahlkampf. Um sie herum lauter Menschen, die entweder für etwas kämpfen oder vor etwas davonlaufen: der Bruder ein altlinker Taxifahrer, der Sohn auf dem Weg nach Armenien, der andere frisch verlobt, sein Schwiegervater in spe, ein Witwer mit sanftem Blick – und für Rosa unverhoffte Chance auf Liebe im Alter.

Das Fest geht weiter!

Was wie eine Familienkomödie klingt, ist natürlich keine. Guédiguian bleibt auch in seinem 22. Film dem sozialromantischen Kosmos treu: viel Dialog, viel Haltung. Manchmal vielleicht ein bisschen zu viel von allem. Denn zwischen Wohnungsnot, Gesundheitssystem, Erinnerungskultur und Altlinken-Melancholie droht der Film gelegentlich unter seiner eigenen Bedeutung zu kollabieren – wie ein altes Wohnhaus in Marseille.

Das Fest geht weiter!

Aber schön gespielt ist das natürlich, mit vertrautem Ensemble und spürbarem Herzblut. DAS FEST GEHT WEITER! ist ein warmherziger Blick auf Menschen, die nicht resignieren. Die streiten, lieben, sich kümmern. Und: Man glaubt Guédiguian. Sein Film mag predigen, aber er tut es mit Überzeugung. Und wenn man sich einmal auf den Ton eingelassen hat, möchte man am liebsten mit am Küchentisch der Großfamilie sitzen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Et la fête continue !“
Frankreich / Italien 2023
106 min
Regie Robert Guédiguian 

Das Fest geht weiter!

alle Bilder © Film Kino Text

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Guns Up

GUNS UP

Guns Up

GUNS UP

Warum?

Ab 12. Juni 2025 im Kino

So ein Hollywoodfilm beschäftigt in der Regel ein paar Hundert Menschen monatelang. Es wird ein Haufen Geld ausgegeben, und der Prozess von der ersten Idee bis zum Dreh dauert mitunter Jahre. Warum macht sich bei Filmen wie GUNS UP dann niemand die Mühe, die Dialoge wenigstens ein bisschen über das niedrigstmögliche Niveau zu heben?

Guns Up

Die ausgesprochen unlustige Geschichte handelt von Ex-Cop Ray Hayes (Kevin James), der als Schuldeneintreiber für das organisierte Verbrechen arbeitet. Die Drecksarbeit macht er nur, um bald zusammen mit seiner Frau Audrey (Christina Ricci) ein eigenes Diner zu eröffnen. Doch als der neue, hundsgemeine Gangsterboss Lonny (Timothy V. Murphy) die Geschäfte übernimmt, müssen Ray und Audrey um das Leben ihrer ganzen Familie fürchten. Überraschung: Ray ist nicht der Einzige in der Familie, der zuschlagen kann.

Guns Up

„Dad hat John Wick geheiratet“ – und Kinder bekommen. Schon klar, was die Macher da im Sinn hatten: ein actionreiches neues Franchise aus der Taufe heben, diesmal nicht mit stoischem Einzelkämpfer, sondern gleich mit einem Duo plus Kids. Nur leider begeht GUNS UP die einzig wirklich unverzeihliche Todsünde im Actionkino: Die Kampfszenen sind derart lieblos, langweilig und amateurhaft inszeniert, dass einen selbst während der größten Keilereien die Langeweile überkommt. Gewürzt ist das Ganze mit albernen Dialogen („Kill them all!“) und unglaubwürdigen Zwei-gegen-Zwanzig-Schlägereien.

Guns Up

Einziger Lichtblick: Christina Ricci, die beweist, dass man auch mit einem unterirdischen Drehbuch mehr Präsenz haben kann als der gesamte Rest des Casts zusammen. Schön, sie mal wieder zu sehen – fast wie ein Gruß aus besseren Zeiten („Addams Family“, „Eissturm“, irgendwann in den 90ern).

GUNS UP ist hirnlose Fließbandware, die nach Schema F zusammengeschraubt wurde – und nicht mal Spaß macht.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Guns Up“
USA 2025
92 min
Regie Edward Drake

Guns Up

alle Bilder © Splendid Film

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Ballerina

BALLERINA

Ballerina

BALLERINA

BALLERINA hat mit Plié so viel zu tun, wie Schwanentanz mit Ballermann.

Ab 05. Juni 2025 im Kino

Apropos: Nachdem Deutschland beim ESC mit „Baller“ nur auf dem 15. Platz gelandet ist, kommt hier schon wieder was mit Ballern. Diesmal haut Ana de Armas als BALLERINA ihren Gegnern tüchtig was auf die Ohren.

Glaubt man dem Kino, so wimmelt es auf der Welt von geheimen Untergrundorganisationen, in denen vorzugsweise junge Frauen zu Killermaschinen ausgebildet werden. Red Sparrow, Black Widow, Nikita, Ballerina – und, und, und.

Ballerina

Rachefeldzug. Wenig Handlung. Hoher Bodycount. ABM für Stuntleute. John-Wick-Universum. So ungefähr dürfte sich das Drehbuch zur Mädchen-wird-zur-Killerin-Prügelorgie BALLERINA lesen. Ein Film, der konsequenterweise mit vollem Titel FROM THE WORLD OF JOHN WICK – BALLERINA heißt. Und wie man das von John Wick gewohnt ist – die Kampfszenen sind solide inszeniert, das Töten bewegt sich visuell und soundtechnisch auf hohem Niveau.

Ballerina

Wenn da nur ein bisschen mehr Substanz wäre. Denn die immer gleiche Konstellation – eine Frau gegen eine Überzahl von Killern – verliert nach dem fünfzehnten Mal den Reiz des Neuen. Besonders, weil sich die Bösewichte wie bei der Post brav anstellen, um einer nach dem anderen abgemurkst zu werden. Mehrmals fragt man sich: Warum wird die Ballerina nicht einfach erschossen? Zum Beispiel vom Über-über-über-Nächsten in der Reihe.

Ballerina

Nicht nur die Story, auch das Schauspiel bleibt im engen Rahmen der John-Wick-Filme. Weder Keanu Reeves noch Ana de Armas werden jemals Gefahr laufen, für einen Oscar nominiert zu werden.

Wer Spaß an stereotypem Dauergemetzel hat oder einen Waffenfetisch hegt, für den ist BALLERINA genau das Richtige.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Ballerina“
USA 2025
115 min
Regie Len Wiseman

Ballerina

alle Bilder © LEONINE Studios

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

Die Bonnards - Malen und Lieben

DIE BONNARDS – MALEN UND LIEBEN

Die Bonnards - Malen und Lieben

DIE BONNARDS – MALEN UND LIEBEN

DIE BONNARDS wurde 2023 in Cannes uraufgeführt – nun startet der perfekte Film für Impressionismus- und Dackel-Freunde in den deutschen Kinos.

Ab 05. Juni 2025 im Kino

Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass in Maler-Biopics der Künstler nicht nur den Pinsel schwingt, sondern auch unentwegt „den Pinsel schwingt“. Schnackseln und Malen gehören eben zusammen wie Leinwand und Farbe. Da macht auch DIE BONNARDS keine Ausnahme.

Außergewöhnlich ist jedoch die Form: Martin Provosts Film ist berauschend schön – Szenenbild, Kostüme und fantastisches Licht versetzen die Zuschauer unmittelbar in die längst vergangene Welt Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Gäbe es Gerüche im Kino, wäre das immersive Erlebnis perfekt.

Die Bonnards - Malen und Lieben

Im Laufe der Jahre verewigt Pierre Bonnard seine Muse, Gefährtin und spätere Ehefrau Marthe auf über 140 Gemälden und 700 Zeichnungen – manchmal bekleidet, oft als Akt. Die stürmische Beziehung der beiden gleicht einer Achterbahn der Gefühle, inklusive unglücklicher Ménage-à-trois mit einer jungen Kunststudentin. Pierres Seitensprünge sorgen immer wieder für heftige Streits, stets gefolgt von Versöhnung. Da passt es mal: Sie liebten und sie hassten sich.

Die Bonnards - Malen und Lieben

Das Zusammenleben mit einem Künstler – oh là là – anstrengend, aber auch aufregend. Denn das Paar bewegt sich in illustren Kreisen: Claude Monet, Maurice Denis und Édouard Vuillard schauen gerne auf ein gebratenes Hühnchen, Rotwein und Crème Caramel im wunderschönen Haus „Ma Roulotte“ am Ufer der Seine vorbei. Besonders sympathisch: Pierre und Marthe sind stolze Besitzer von zwei extra-hübschen Dackeln – cognacfarben und mit kräftigen Läufen.

Die Bonnards - Malen und Lieben

Der Film changiert munter zwischen intimem Liebesfilm, Tragödie und Boulevardkomödie. Ein Wechselbad der Gefühle, das DIE BONNARDS ausgesprochen kurzweilig macht. Dazu eine tolle Besetzung: Vincent Macaigne als genialer, zu Lebzeiten unterschätzter Künstler, und die herausragende Cécile de France als unabhängige, befreite Frau an seiner Seite. Nicht selbstverständlich bei einem modernen Film über Künstler: Man erfährt auch einiges über die Entstehung der Kunstwerke – das Mischen und Pinseln von Öl- oder Kreidefarbe kann schließlich mindestens so sinnlich wie ein Liebesakt sein.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Bonnard, Pierre et Marthe“
Frankreich / Belgien 2023
123 min
Regie Martin Provost

Die Bonnards - Malen und Lieben

alle Bilder © Prokino

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN

The Wedding Banquet

THE WEDDING BANQUET

The Wedding Banquet

THE WEDDING BANQUET

Alter Wein in neuen Schläuchen. Trotzdem ganz nett.

Ab 05. Juni 2025 im Kino

Ang Lees Film The Wedding Banquet hat 1993 zahllose Preise abgeräumt, unter anderem den Goldenen Bären bei der Berlinale. Die Geschichte vom schwulen Mann aus Taiwan, der ein freies Leben in New York führt und sich für seine erzkonservativen Eltern auf eine Scheinhochzeit mit einer Freundin einlässt, ist ein Klassiker des Queercinemas. Knapp 30 Jahre später ist es höchste Zeit für ein Remake – oder?

The Wedding Banquet

Statt spießiger Eltern gilt es nun, eine gestrenge Großmutter aus Korea von der eigenen Heterosexualität zu überzeugen, da sonst der üppig fließende Geldhahn zugedreht wird. Im Gegensatz zum Original steht diesmal die beste Freundin des schwulen Min im Mittelpunkt, die mit der Fake-Hochzeit eine künstliche Befruchtung ihrer Partnerin finanzieren will. Die 2025er-Version wurde also sanft modernisiert, trotzdem fühlt sich das Ganze stellenweise outdated an. Besonders die Szenen, in denen die Freunde die Wohnung „ent-gayen“, um der angereisten Großmutter ein „straightes“ Leben vorzuspielen, wirken wie aus einer Sitcom der 90er-Jahre. Zum Glück fliegt das falsche Spiel schon nach wenigen Minuten auf – ein Extrapunkt für Regisseur Andrew Ahn, dass er diese Szene nicht zu einer Käfig voller Narren-Hommage ausarten lässt. Trotzdem verstolpert sich der Film immer wieder zwischen unrealistischen, selbstgeschaffenen Problemen, zu schnell herbeigeredeten Lösungen und reichlich Klischees über biersaufende Lesben und Schwule, die nur mit pflegender Gesichtsmaske glücklich einschlafen.

The Wedding Banquet

Fragt sich, wer 2025 dieses Remake braucht. Der Film würde ohne seinen Boulevardhumor wahrscheinlich besser funktionieren. Denn die Besetzung ist gut: Lily Gladstone (Oscar-nominiert für Killers of the Flower Moon) und Kelly Marie Tran – schön dauergenervt, eine Rolle, die normalerweise mit Awkwafina besetzt würde –, vor allem aber Oscargewinnerin Youn Yuh-Jung als am Ende überraschend patente Großmutter. Alles in allem: The Wedding Banquet 2.0 ist kein neuer Meilenstein des Queercinemas – aber für einen verregneten Sonntagnachmittag reicht’s allemal.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Wedding Banquet“
USA 2025
103 min
Regie Andrew Ahn

The Wedding Banquet

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN