Zone 3

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Wenig Rotwein, viel Käse: Trübe Zukunftsvision aus Frankreich

Ab 27. November 2025 im Kino

Es ist mal wieder alles ganz furchtbar: Die schönste Stadt der Welt ist in drei Zonen unterteilt. Nur die Elite hat noch Zugang zu Eiffelturm und Co., der bedauernswerte Rest muss in Banlieues mit absteigender Wohnqualität hausen. Von den Außenzonen gibt es keine Möglichkeit, ins Innere vorzudringen – schwer bewachte Kontrollen und Killerdrohnen beschützen die Reichen und Schönen. Wer kein Tracking-Armband trägt, wird sowieso verhaftet und entsorgt. Eine KI (natürlich) hat die Überwachung übernommen: ALMA sieht alles, weiß alles und löst jedes Verbrechen im Nullkommanix. In dieser unschönen Zukunftsvision macht sich Polizist Zem (Gilles Lellouche) mit seiner Kollegin Salia (Adèle Exarchopoulos) auf die Jagd nach dem Mörder eines hochrangigen Regierungsmitarbeiters.

Zone 3

Cédric Jimenez’ dystopischer Film hat dem Genre wenig bis gar nichts Neues hinzuzufügen. Im Gegenteil: Der große Ideenklau geht um. Vor allem bei Blade Runner, Oblivion, Minority Report und Luc Bessons Das fünfte Element bedient sich der missglückte Sci-Fi-Kracher reichlich. Es regnet (natürlich) den lieben langen Tag. Und schießwütige Drohnen gab es auch schon zuhauf. Selbst die Frisuren sind Zitate: Hauptdarsteller Gilles Lellouche soll mit seinem wasserstoffblonden Kurzhaarschnitt wohl an Bruce Willis erinnern, Adèle Exarchopoulos trägt Natalie Portmans alte Perücke aus Léon – Der Profi auf.

Zone 3

Richtig schlimm wird es, wenn der Cutter (oder war es der Regisseur? oder der Produzent?) sämtliche Autoverfolgungsjagden mit erhöhter Geschwindigkeit abspielt: Schneller! Noch schneller! Das sieht dann aus, als hätte man sich in einen Slapstick-Film aus den 20er-Jahren verirrt. Soll wohl Tempo suggerieren, ist aber nur albern. Noch übler ist das Drehbuch: camembertgroße Löcher und Handlungssprünge, die es unmöglich machen, der wirren Geschichte zu folgen. Charaktere tun etwas – Schnitt – sind plötzlich ganz woanders, um dort etwas zu tun, was keinerlei Sinn ergibt. Warum springt er in die Seine? Warum lässt er da auf sich schießen? Je ne comprends pas.

Zone 3

Es ist schade. Wären die Actionszenen nicht so lachhaft und hätte nicht irgendwer den Film im Schnitt komplett zerstört – es hätte was werden können. Denn Ausstattung, Bilder, ein paar gute Ideen (die nicht endende Milchlieferung) und sogar die Grundidee der aus dem Ruder gelaufenen KI sind nicht schlecht. Stattdessen verschleudert ZONE 3 Talente wie Louis Garrel, Romain Duris, Artus oder Valeria Bruni Tedeschi. Chien 51 (Originaltitel) wird wohl kaum in die Reihe bahnbrechender dystopischer Filme eingehen – außer als unfreiwillig komische Variante. Es ist das Gegenteil einer französischen Delikatesse und nicht mal aus Gummi!

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Chien 51“
Frankreich / Belgien 2025
105 min
Regie Cédric Jimenez

Zone 3

alle Bilder © STUDIOCANAL

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The Running Man

THE RUNNING MAN

The Running Man

THE RUNNING MAN

Es wäre ja auch ein Wunder, wenn innerhalb eines Jahres gleich drei gelungene Stephen-King-Verfilmungen in die Kinos kommen würden. Nach "The Life of Chuck" und "The Long Walk" ist THE RUNNING MAN als Adaption von Kings Bachman-Roman zwar originell gedacht, insgesamt aber wenig überzeugend.

Ab 13. November 2025 im Kino

Regisseur Edgar Wright verfolgt einen überraschend schrägen Ansatz. Sein Film wirkt wie ein verschollenes Achtzigerjahre-Relikt, nur eben realisiert mit der technischen Finesse des Jahres 2025. Bildgestaltung, Ton, Ausstattung, Effekte: alles sitzt. Anachronistisch sind dagegen das Schauspiel, die Dialoge und der ganze Vibe, der sich deutlich an der damaligen Muskelkino-Ära orientieren. Es würde einen nicht wundern, käme Arnold Schwarzenegger gleich mit einem One-Liner um die Ecke.

The Running Man

Die Geschichte ist schnell erzählt. In einer autoritär gelenkten Zukunft gehört die Fernsehsendung The Running Man zum nationalen Rauschmittel. Kandidaten werden als Runner von Profikillern gejagt. Wer dreißig Tage überlebt, gewinnt ein Vermögen. Der Fabrikarbeiter Ben Richards, gespielt von Glen Powell, lässt sich aus Angst um das Leben seiner schwer erkrankten Tochter zur Teilnahme überreden. Der Produzent Dan Killian, verkörpert von Josh Brolin als aalglatter Strippenzieher, verkauft ihm das Ganze als einzigen Ausweg. Doch Richards erweist sich als zäher, moralisch unberechenbarer Gegner. Sein Überlebenswille macht ihn zum Liebling der Massen und zur Gefahr für das System.

The Running Man

Natürlich trägt der Film die Medienschelte wie ein Schild vor sich her. Das Thema ist nicht neu und die moralische Botschaft vom gemeinschaftlichen Widerstand gegen autoritäre Manipulation wirkt in unserer Gegenwart eher gut gemeint als zwingend. Im Finale schlägt der Film zudem einen zynischen Ton an, wenn der Held dann doch seine blutige Rache über alles stellt.

The Running Man

Hübsch sind die Verweise und Zitate: Schwarzeneggers Konterfei ziert den „New Dollar“, die Running Woman Laughlin (Katy O’Brian) könnte als Hardcore-Latina eine Schwester von Private Vasquez aus James Camerons Aliens sein und der Show-Moderator (Colman Domingo) erinnert nicht nur optisch an Carl Weathers, noch so einen früheren 80er-Star, der mit Arnie vor der Kamera stand. Doch zwischen Komödie, Thriller, Action und ironischer Hommage pendelt die Inszenierung so heftig, dass man nicht weiß, wohin sie eigentlich will. Ja, die Neuverfilmung ist dynamischer, sieht besser aus und ist nicht so bleiern langweilig wie der Schwarzenegger-Film. Aber das allein macht aus THE RUNNING MAN noch keinen großen Wurf.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Running Man“
USA 2025
133 min
Regie Edgar Wright

The Running Man

alle Bilder © Sony Pictures Entertainment Deutschland

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Die Unfassbaren 3: Now you see me

DIE UNFASSBAREN 3

Die Unfassbaren 3: Now you see me

DIE UNFASSBAREN 3

Das große Labern

Ab 13. November 2025 im Kino

Hex, hex – die vier Reiter sind zurück. Oder waren es fünf? Egal. Im dritten Teil des Now You See Me-Franchise haben sie sich jedenfalls verdoppelt. Eine neue Generation mischt mit – irgendwie muss die Serie ja weitergehen, falls die Originalspieler – Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher, Dave Franco & Co. – keine Lust mehr auf Fortsetzungen haben.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Der größte Trick der „Unfassbaren“ besteht darin, dass sie nun schon zum dritten Mal denselben Film gemacht haben – und damit wohl wieder Erfolg haben werden. Diesmal geht es, irgendwo zwischen digital aufgemotzten Zaubereien, um eine verbrecherische Diamantendynastie (wie immer sehenswert: Rosamund Pike als skrupellose Antagonistin Vanderberg), die ihr blutiges Geld mit Waffenhändlern und anderem Gesocks reinwäscht. Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man Zaubertricks sehen will?

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Und genau da beginnen die Probleme. Denn die immergleichen Spiegel- und Kartentricks, die „Schwupps, ich bin verschwunden!“-Momente, haben sich längst erschöpft. Was bleibt, ist viel Gerede. Und, meine Güte, wird hier geredet! Es wird nonstop erklärt, zusammengefasst, gelabert. Dazu dröhnt der aufdringliche Soundtrack von Brian Tyler, der jeden noch so unbedeutenden Moment pathetisch aufbläst. Ein-, zweimal mag das funktionieren. Beim neunundneunzigsten Mal ist es schlicht albern.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Auf Sat.1 lief einmal eine Dokuserie namens Die Tricks der größten Zauberer – dort wurde erklärt, warum die schwebende Jungfrau gar nicht fliegt und beim Zersägen kein echtes Blut fließt. Das war schon damals nur mäßig interessant. Genau dieses Prinzip macht sich DIE UNFASSBAREN 3 zunutze – sobald der Zuschauer noch denkt: „Wie haben sie das nur gemacht?“, kommt schon die Erklärung hinterher. Nur dass hier nicht mal mit echten Tricks gearbeitet wird, sondern mit CGI. Und wenn Hollywoods digitale Magier ans Werk gehen, ist schlicht alles möglich – und damit nichts mehr erstaunlich.

Die Unfassbaren 3: Now you see me

Natürlich ist nicht alles schlecht: So gibt es zum Beispiel eine sehr hübsche Szene, in der alle mal zeigen dürfen, was sie draufhaben. Dass dieser „Wer hat den Längsten?“-Wettstreit in einem Haus stattfindet, dessen Räume teils auf dem Kopf stehen, teils verzerrte Perspektiven haben, erhöht den Spaß zusätzlich. Fans der ersten beiden Teile werden auch diesen mögen – und wahrscheinlich den vierten gleich mit. Denn der wird kommen. Garantiert.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Now You See Me: Now You Don’t“
USA 2025
106 min
Regie Ruben Fleischer

Die Unfassbaren 3: Now you see me

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING

How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING

Der französische Originaltitel bringt es auf den Punkt: Un ours dans le Jura – Ein Bär im Jura.

Ab 06. November 2025 im Kino

Michel kann nichts dafür, denn normalerweise verirren sich keine Bären in diese Region. Als dann doch einer auf der verschneiten Landstraße steht, verliert der Weihnachtsbaumzüchter die Kontrolle über seinen Pick-up. Es folgt eine absurde Kettenreaktion: Eine pinkelnde Frau und ihr Begleiter kommen dabei ums Leben – Genickbruch, vom Ast aufgespießt: Es gibt schönere Arten zu sterben. Doch das ist nur der Auftakt zu einer Serie immer groteskerer Verbrechen und Verwicklungen. Mittendrin Michel und seine Frau Cathy, deren fast erloschene Liebe durch die bizarren Umstände neu aufflammt.

How to Make a Killing

Regisseur Franck Dubosc, bislang vor allem als Schauspieler bekannt – hier führt er Regie und spielt zugleich die Hauptrolle –, zitiert mit sichtbarem Vergnügen die Coen-Brüder. HOW TO MAKE A KILLING erinnert an Fargo: skurrile Charaktere, absurde Geschichte, jede Menge Schnee. Neben Dubosc glänzen Laure Calamy als seine Gattin sowie Benoît Poelvoorde und Joséphine de Meaux als überforderte, aber liebenswert-kauzige Gendarmen.

How to Make a Killing

HOW TO MAKE A KILLING legt sich tonal nicht fest: schwarze Komödie, melancholische Charakterstudie und handfester Krimi zugleich – es geht um skrupellose Schlepper, Swingerclubs, Drogenhandel und Honig (!). Die bewusste Weigerung, sich einem Genre zuordnen zu lassen, ist Fluch und Segen zugleich. Meist funktioniert der Mix, gelegentlich wünscht man sich etwas mehr innere Logik und nachvollziehbareres Figurenverhalten.

How to Make a Killing

Immerhin: Weder Michel und Cathy noch die ermittelnden Gendarmen werden je der Lächerlichkeit preisgegeben – trotz ihres dilettantischen Verhaltens. Dafür sorgt der unerwartet melancholische Ton, der der Komödie Tiefe verleiht. Wie gut das Drehbuch ist, zeigt sich in der liebevollen Zeichnung selbst kleinster Nebenfiguren. Dubosc beweist ein Gespür für Timing und präzise gesetzte Pointen; nichts wird ausgewalzt, vieles überrascht mit stiller Komik.

Nur eines passt nicht: der Starttermin. HOW TO MAKE A KILLING kommt gut sechs Wochen zu früh in die Kinos. Als düsteres Weihnachtsgeschenk hätte er viel besser gepasst.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Un ours dans le Jura“
Frankreich 2024
114 min
Regie Franck Dusbosc

How to Make a Killing

alle Bilder © Weltkino

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The Change

THE CHANGE

The Change

THE CHANGE

Nicht gerade subtiler, aber spannender Dystopie-Thriller.

Ab 06. November 2025 im Kino

Der Originaltitel „The Anniversary“ klingt harmlos, fast romantisch. Ellen (Diane Lane), eine respektierte Professorin, und Paul (Kyle Chandler), Chef eines gutgehenden Restaurants, feiern mit ihren vier erwachsenen Kindern den 25. Hochzeitstag. Nur ein Detail trübt die Harmonie: Sohn Josh (Dylan O’Brien) bringt seine neue Freundin Liz (Phoebe Dynevor) mit – und Ellen erkennt sie sofort: eine ehemalige Studentin, die sie einst wegen einer erzkonservativen, antidemokratischen Arbeit bloßgestellt hatte.

Ein Jahr später hat die Ex-Studentin ein Buch geschrieben. The Change heißt es – ein Manifest, das Demokratie und Liberalismus für überholt erklärt. Das Buch wird zum Bestseller, das Land verändert sich – und mit ihm die Taylors.

The Change

Regisseur Jan Komasa (Corpus Christi) erzählt diese Geschichte ohne viel Zwischentöne, aber mit großer Wucht. Sein Film ist keine subtile Parabel, sondern eine laute, grelle Warnung. Wer in den letzten Jahren die amerikanische Politik verfolgt hat, denkt unweigerlich an „Project 2025“, an das (gar nicht so) schleichende Erodieren demokratischer Institutionen. Komasas Film trifft also einen Nerv – und das macht ihn so beunruhigend aktuell.

The Change

Optisch beginnt THE CHANGE fast trügerisch harmlos: warme Farben, schöne Menschen, klimpernde Musik. Look und Feel, wie es hässlich neudeutsch heißt, erinnern an eine dieser etwas flach ausgeleuchteten Netflix-Miniserien, die man nebenbei schaut. Doch der Schrecken schleicht sich leise ein. Was aussieht wie ein Wohlfühlfilm, mutiert nach und nach in einen Albtraum.

The Change

Die Intellektuellen und Freigeister werden denunziert oder verhaftet, die Guten verlassen freiwillig das Land: Eine Nation auf dem Weg in den Faschismus. THE CHANGE mag ein wenig zu belehrend sein, ist aber dennoch fesselnd. Dass Regisseur Komasa hier und da Momente des Overactings (Kyle Chandler: „Name the DOG!“) durchgerutscht sind, mag daran liegen, dass er kein englischer Muttersprachler ist. Aber seine Geschichte von einer Gesellschaft, die ihre eigene Zerstörung in Kauf nimmt, ist erschreckend glaubhaft – und lässt einen nicht so schnell los.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Anniversary“
USA 2025
112 min
Regie Jan Komasa

The Change

alle Bilder © TOBIS

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Bugonia

BUGONIA

Bugonia

BUGONIA

Einsame Menschen, die in einer verstörenden Welt nach Sinn suchen + Emma Stone = der neue Lanthimos.

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Wer sich in Yorgos Lanthimos’ Filmwelten begibt, weiß: Hier ist nichts so, wie es scheint. Auch BUGONIA, das Remake der südkoreanischen Satire Save the Green Planet! (2003), beginnt halbwegs normal und endet in einem bizarren Taumel aus Paranoia, Gewalt und Komik.

Im Zentrum steht Teddy (Jesse Plemons), ein zurückgezogen lebender Mann, der sich in Verschwörungstheorien vergräbt. Für ihn ist klar: Die Menschheit wird längst von Außerirdischen kontrolliert. Als er überzeugt ist, die knallharte Konzernchefin Michelle Fuller (Emma Stone) sei eine dieser Eindringlinge, entführt er sie kurzerhand. Was folgt, ist ein groteskes Kammerspiel, das mal wie ein Thriller, mal wie eine bitterböse Farce wirkt.

Bugonia

Emma Stone, sonst oft als fragile Heldin im Lanthimos-Kosmos unterwegs, spielt hier das genaue Gegenteil: eine Frau, die vor Kraft und Kontrolle strotzt und deren Härte im Verlauf Risse bekommt. Jesse Plemons balanciert meisterhaft zwischen Wahnsinn, Bedrohlichkeit und Tragik. Und auch Aidan Delbis überzeugt als Teddys grenzdebiler Cousin Don.

Bugonia

Lanthimos inszeniert das Ganze mit der ihm eigenen Mischung aus gesellschaftlicher Versuchsanordnung und schwarzem Humor. Einordnen lässt sich das kaum: Ist BUGONIA eine Parodie auf das Zeitalter der „QAnon“-Mythen? Eine bitterböse Kritik am Raubtierkapitalismus? Oder einfach ein sadistisches Katz-und-Maus-Spiel, das sich lustvoll jeder Moral entzieht? Gerade wenn man glaubt, zu wissen, wohin die Reise geht, nimmt der Film eine groteske Wendung in plötzliche Komik oder blankes Grauen.

Bugonia

Natürlich gilt auch hier: Wer mit Filmen wie The Lobster, The Favourite oder Poor Things wenig anfangen konnte, wird auch BUGONIA nicht lieben. Für alle anderen aber ist es ein Fest: ein eigenwilliges Stück Kino, das sich jeder Erwartung entzieht. Und allein wegen der dreiminütigen Schlussmontage lohnt es sich.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Bugonia“
USA 2025
118 min
Regie Yorgos Lanthimos

Bugonia

alle Bilder © Universal Pictures

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Good Boy - Trust His Instincts

GOOD BOY

Good Boy - Trust His Instincts

GOOD BOY

Hundefreunde aufgepasst: Hier kommt der vielleicht ungewöhnlichste Horrorfilm des Jahres. Ungewöhnlichste, nicht beste.

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Todd ist schwer krank. Er spuckt literweise Blut. Da hilft vielleicht gesundes Landleben. Zusammen mit seinem Hund Indy zieht er in das leerstehende Haus seines verstorbenen Großvaters, mitten im Wald. Eine fragwürdige Entscheidung: Dort regnet es nicht nur unentwegt, es scheint auch zu spuken. Während Herrchen sich die blutige Seele aus dem Leib hustet, versucht Bello den Fall der besessenen Hundehütte zu lösen.

Es geht also nicht um eine tollwütige oder vom Teufel besessene Fellnase. GOOD BOY erzählt seine Geschichte konsequent aus der Perspektive eines Hundes – und fügt so dem Haunted-House-Genre eine neue Variante hinzu.

Good Boy - Trust His Instincts

Schatten und Geräusche werden effektvoll eingesetzt. Doch leider trägt die Idee nur für einen Kurzfilm – obwohl GOOD BOY mit einer Laufzeit von 73 Minuten ohnehin nicht gerade abendfüllend ist. Wenn Indy zum neunundsiebzigsten Mal erschrocken schaut oder etwas erschnüffelt, offenbart sich das dünne Drehbuch.

Good Boy - Trust His Instincts

Zumindest der Anfang von Ben Leonbergs Regiedebüt ist richtig unheimlich. Doch dann verliert sich der Film immer mehr in zusammenhanglosen Szenen und Jumpcuts aus dem Nichts. Statt Spannung herrscht zunehmend Ratlosigkeit. Amityville Horror? Poltergeist? Vier Pfoten für ein Halleluja? Das Ganze stolpert in der letzten halben Stunde Richtung „gehobener Studentenfilm“ – von einem überambitionierten Cutter zusammengehackstückt.

Wenigstens ist der Hund nicht nur ausgesprochen hübsch, sondern auch hochbegabt. Ein Leckerli-Oscar wäre mehr als verdient. Bravo Indy, good boy!

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Good Boy“
USA 2025
73 min
Regie Ben Leonberg

Good Boy - Trust His Instincts

alle Bilder © DCM

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The Negotiator

THE NEGOTIATOR

The Negotiator

THE NEGOTIATOR

Politthriller mit Riz Ahmed und Lily James

Ab 25. September 2025 im Kino

Whistleblower leben gefährlich. Gut, dass es Menschen wie Ash gibt – ein sogenannter „Fixer“, der zwischen Unternehmen mit dunklen Geheimnissen und Mitarbeitern, die über brisante Informationen verfügen, vermittelt. Alles läuft vollkommen anonym ab: Telefonate werden ausschließlich über einen Relay-Dienst (daher der Originaltitel „Relay“) für Hörgeschädigte geführt. Anstelle der Stimmen der Gesprächspartner hören alle Beteiligten nur die eines neutralen Vorlesers.

The Negotiator

Eines Tages erhält Ash (Riz Ahmed) eine Nachricht von Sarah (Lily James), Wissenschaftlerin in einem großen Biotech-Konzern. Sie berichtet von einer Vertuschungsaktion ungeahnten Ausmaßes. Da ihre Firma sie bereits ins Visier genommen hat, sucht Sarah Schutz bei Ash.

Der Film entfaltet sich als raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel – eine Mischung aus Spionage- und Politthriller. Ein klassischer „Slowburner“, der sich Zeit nimmt und die Spannung behutsam steigert. Das erinnert an Klassiker wie Die drei Tage des Condors oder Der Schakal.  Sehr hübsche Idee: Der US-Trailer ist im Retro-Stil dieser Filme gemacht, inklusive altmodischer Offstimme (siehe Link weiter unten).

The Negotiator

Regisseur David Mackenzie gelingt es zumindest in den ersten zwei Dritteln, einen stillen, aber fesselnden Paranoia-Thriller zu inszenieren. Leider geht dem Film gegen Ende die Luft aus.

Statt dem Publikum mehr zuzutrauen, verliert sich das Drehbuch in Übererklärungen und allzu vorhersehbaren Wendungen. Vor allem die letzte Viertelstunde mit einer lachhaften Verfolgungsjagd und uninspiriert inszenierten Actionszenen trübt den Gesamteindruck. Am Ende bleibt THE NEGOTIATOR der Versuch, an die großen Politthriller der 70er-Jahre anzuknüpfen, ohne deren Klasse zu erreichen.

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Originaltitel „Relay“
USA 2025
112 min
Regie David Mackenzie

The Negotiator

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Caught Stealing

CAUGHT STEALING

Caught Stealing

CAUGHT STEALING

An diesem Thriller ist nichts, aber auch gar nichts außergewöhnlich.

Ab 28. August 2025 im Kino

Außer vielleicht, dass der Regisseur Darren Aronofsky heißt. Der hat mit Werken wie Requiem for a Dream, The Wrestler oder dem Oscar-prämierten The Whale bisher vor allem Filme von künstlerischem Gewicht abgeliefert – eher „Arthouse“ als Blockbuster-Kino. Umso überraschender, dass er sich nun CAUGHT STEALING als neues Projekt ausgesucht hat. Die Tagline „Zwei Russen, zwei Juden und ein Puertoricaner gehen in eine Bar“ fasst den simplen Plot schon recht präzise zusammen.

Caught Stealing

Ex-Baseballspieler Hank Thomas (Austin Butler) führt ein unspektakuläres Leben: nette Freundin (Zoë Kravitz), Barkeeper-Job in New York, liebevolle Mama. Bis sein Punk-Nachbar Russ (Matt Smith) ihn bittet, für ein paar Tage auf seine Katze aufzupassen. Was harmlos klingt, entwickelt sich zum Albtraum. Plötzlich tauchen ultrabrutale Gangster auf, die alle etwas von Hank wollen – nur er selbst hat keine Ahnung, was das sein könnte.

Caught Stealing

Das ist souverän inszeniert, keine Frage. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen: Neben Butler, Kravitz und Smith treten Regina King, Vincent D’Onofrio und Liev Schreiber in Nebenrollen auf.

Und doch wirkt CAUGHT STEALING wie eine routinierte Auftragsarbeit. Weder visuell noch inhaltlich sticht der Film heraus. Am ehesten erinnert die Geschichte vom ahnungslosen Mann, der wider Willen in einen Strudel aus Gewalt gerät, an eine geerdete Version von John Wick.

Caught Stealing

Die Romanvorlage von Charlie Huston bildet den ersten Teil einer Trilogie – da wird die Fortsetzung (bei Erfolg) nicht lange auf sich warten lassen. Das Buch erklärt auch die zeitliche Verortung der Geschichte: Denn warum das Ganze 1998 spielt, erschließt sich auch nach dem dritten Establishing Shot mit den Twin Towers nicht wirklich.

CAUGHT STEALING unterscheidet sich deutlich von Aronofskys bisherigen Arbeiten. Statt existenzieller Schwere gibt’s wildes Geballer. Immerhin scheint es, als hätten der Regisseur und sein Ensemble beim Dreh ihren Spaß gehabt. Das Ergebnis kann man sich anschauen – kuckt sich gut weg, ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Caught Stealing“
USA 2025
107 min
Regie Darren Aronofsky

Caught Stealing

alle Bilder © Sony Pictures

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Frisch

FRISCH

Frisch

FRISCH

Watt ist noch dicker als wie Blut? Nur die Liebe zwischen Brüdern. Howgh!

Ab 03. Juli 2025 im Kino

Ein deutscher Genrefilm – das ist schon per se eine Rarität. Wenn sich dann noch ein Thriller mit Gangsterplot, Ruhrpott-Schnoddrigkeit und einer eigenen visuellen Handschrift verbindet, wird’s interessant. FRISCH, von Damian John Harper, versucht genau das: Genre auf Deutsch, und das gelingt – zumindest über weite Strecken.

Duisburg als finsterer Moloch: Nächte in türkisblauem Nebel, Licht, orange wie aus alten Natriumdampflampen. Artifizielle Farbgebung ersetzt Realismus – immerhin eine klare visuelle Entscheidung. Auch dramaturgisch ist der Film alles andere als schlicht. In verschachtelten Zeitsprüngen – Jugend, Kindheit, Jetztzeit – verliert man zu Beginn leicht die Orientierung. Wo sind wir? Und wann?

Frisch

Kai (Louis Hofmann), Arbeiter in einer Schweineschlachterei, versucht ein einfaches Leben zu führen – Frau, Kind, Feierabendbier. Doch sein Bruder Mirko (Franz Pätzold) kommt überraschend aus dem Gefängnis frei und verlangt jene 10.000 Euro, die Kai für ihn hätte verwahren sollen. Dumm nur, dass 7.000 schon weg sind.

Frisch

FRISCH ist ein Film über Loyalität, Schuld und zerstörerische Bruderliebe  – visuell unterstrichen durch das etwas überstrapazierte Bild von Winnetou und Old Shatterhand. Ja, ja, Blutsbande. Dass der Stoff ursprünglich aus Glasgow stammt – Mark McNays 2007 erschienener Debütroman „Fresh“ dient als Vorlage – merkt man der Geschichte nicht an. Die deutsche Adaption ist geglückt, aus Hühnern wurden Schweine und aus schottischen Freunden türkischstämmige Ruhrpottkumpels.

Frisch

Dank seiner Darsteller – Hofmann als introvertierter Kai, Pätzold wahnsinnig gut als unberechenbarer Mirko – ist FRISCH ein sehenswertes Stück deutsches Kino – härter, düsterer und kompromissloser als die übliche Mainstreamware. Nicht ganz so rotzig-pubertär wie Sonne und Beton, aber hoffentlich genauso erfolgreich an der Kinokasse.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2024
98 min
Regie Damian John Harper

Frisch

alle Bilder © Port au Prince Pictures

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Black Bag

BLACK BAG

Black Bag

BLACK BAG

Fesselndes Spionagedrama mit Cate Blanchett und Michael Fassbender.

Ab 15. Mai 2025 im Kino

Black-Bag-Operationen sind verdeckte Eingriffe in bestehende Strukturen, um Informationen für nachrichtendienstliche Zwecke zu erlangen. Danke, Wikipedia.

Der britische Geheimagent George Woodhouse (Michael Fassbender) erhält einen höchst brisanten Auftrag – er soll einen Verräter in den eigenen Reihen überführen, der einen verheerenden Computervirus in Umlauf bringen will. Auf der Liste der Verdächtigen steht unter anderem Georges Frau Kathryn St. Jean (Cate Blanchett). Ein Dilemma – Loyalität gegenüber dem Vaterland oder die Ehe retten?

Black Bag

Während James Bond in seinen Abenteuern mindestens die Welt vor dem Untergang bewahren muss, wirkt die Geschichte von BLACK BAG vergleichsweise überschaubar. Es geht vor allem um Verrat und Betrug im System, weniger um einen größenwahnsinnigen Bösewicht mit weißer Katze auf dem Arm.

So passiert in den kurzweiligen 94 Minuten gar nicht viel – Actionszenen gibt es kaum –, und trotzdem ist das Ganze extrem spannend. Intrigen und überraschende Wendungen halten manchmal eben stärker in Atem als die drölfte Verfolgungsjagd.

Black Bag

Was entsteht, wenn Know-how und Liebe zum Detail in ein Drehbuch fließen? BLACK BAG ist in diesem Monat bereits der zweite Beweis dafür (nach „Thunderbolts*“), wie wichtig kompetente Autoren für die Qualität großer Hollywoodproduktionen sind.

Black Bag

Sollte Amazon jemals den nächsten Bond-Film drehen, kann man nur hoffen, dass irgendwer Steven Soderbergh und seinen Drehbuchautor David Koepp auf dem Schirm hat. Genau diese, niemals den Zuschauer unterschätzende Cleverness macht einen guten Agentenfilm aus. Es ist nicht ohne Ironie, dass sich auf der Besetzungsliste von BLACK BAG schon ein paar 007-Veteranen finden: „Miss Moneypenny“ Naomie Harris und Pierce Brosnan, der den Chef der Agentenabteilung spielt. Würde man jetzt noch ein wenig Action und ein paar Gadgets dazupacken – es wäre der beste Bond seit „Skyfall“.

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Originaltitel „Black Bag“
USA 2025
94 min
Regie Steven Soderbergh

Black Bag

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Last Breath

LAST BREATH

Last Breath

LAST BREATH

Berufstaucher in der Nordsee - nichts für Klaustrophobiker.

Ab 08. Mai 2025 im Kino

Knapp 100 Meter unter der Oberfläche der Nordsee beginnt eine lebensfeindliche Welt: absolute Dunkelheit, eisige Kälte, enormer Druck. Für Berufstaucher wie Chris Lemons (Finn Cole) und seine Kollegen (Woody Harrelson und Simu Liu) ist dieser Extremzustand Alltag. Doch im September 2012 gerät ein Routineeinsatz außer Kontrolle – und stellt das erfahrene Offshore-Teams vor eine kaum lösbare Aufgabe.

Last Breath

Achtung, jetzt wird’s technisch: Über dem Einsatzort liegt ein Versorgungsschiff, darunter, knapp 90  Meter tiefer, hängt eine Taucherglocke. Von dort steigen Chris Lemons und sein Team ab, um auf dem Meeresgrund zu arbeiten. Ihre Lebensader: ein Bündel von Schläuchen, das sie mit Atemluft, Strom und Kommunikation versorgt. Doch als ein Sturm aufzieht, der das Schiff mit sechs Meter hohen Wellen durchschüttelt, versagt die Computersteuerung, die es in Position halten soll. Die Verbindung reißt. Plötzlich ist Lemons allein. Kein Sauerstoff, kein Strom, kein Kontakt zur Oberfläche – nur sein Notfallsystem hält ihn noch am Leben. Für wenige Minuten.

Dass sich dieses Szenario tatsächlich so zugetragen hat, verleiht der Geschichte zusätzlich Gewicht. Regisseur Alex Parkinson hatte bereits die gleichnamige Dokumentation gedreht – nun verarbeitet er das Geschehen in seinem Spielfilmdebüt LAST BREATH.

Last Breath

Die Stärke des Films liegt in der dichten Atmosphäre, der technischen Präzision und der fast dokumentarischen Nüchternheit. Dabei geraten die Dialoge allerdings zur reinen Funktionssprache. Technische Erläuterungen ersetzen Emotionen – was zwar authentisch sein mag, aber auf Dauer zu sehr auf Distanz hält.

Last Breath

Trotzdem: Eine exttem spannende Geschichte über Menschen, die einen todesgefährlichen Beruf ausüben, nur damit wir es zu Hause warm und gemütlich haben. Und definitiv nichts für Klaustrophobiker.

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Originaltitel „Last Breath“
UK 2025
98 min
Regie Alex Parkinson

Last Breath

alle Bilder © SquareOne Entertainment

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Konklave

KONKLAVE

Konklave

KONKLAVE

Aus gegebenem Anlass:

Der Papst ist tot. Ein neuer muss her. Dazu schließen sich die mächtigsten Führer der katholischen Kirche aus aller Welt im Vatikan ein. Und zwar so lange, bis sich die Mehrheit auf einen Kandidaten geeinigt hat. Dann erst steigt weißer Rauch auf und es heißt „Habēmus pāpam“. Dass es bei so einer Wahl mindestens so intrigant und verlogen wie bei einer US-Präsidentschaftswahl zugeht, ist eine der vielen Überraschungen des hervorragenden Thrillers KONKLAVE.

Konklave

Es ist ein Wunder, dass nach „Im Westen nichts Neues“ nicht auch dieser meisterhafte Film von Edward Berger massenhaft Oscars abgeräumt hat. Allein die Schauspieler hätten alle einen Preis verdient. Ralph Fiennes als Kardinal Lawrence spielt besser denn je – und das will was heißen. Ganz hervorragend auch Stanley Tucci, John Lithgow, Isabella Rossellini – alle in Topform.

Konklave

Umso erstaunlicher, dass nach der Pressevorführung Sätze wie „total konventionell“ oder sogar „stinkend langweilig“ zu hören waren. Wirklich? Krasse Fehlurteile übersättigter Filmjournalisten. KONKLAVE hat das Zeug zum Klassiker und „konventionell“ heißt hier einfach nur: feistes, klassisch gemachtes Kino. Jede Kameraeinstellung, der Score, das liebevolle Sounddesign – da sitzt alles. Natürlich kann man jetzt meckernd Parallelen ziehen, die HBO-Serie „The Young Pope“ käme viel moderner oder gar mutiger daher. Aber der Vergleich hinkt, denn KONKLAVE ist keine bitterböse Satire, sondern im Herzen ein zutiefst intellektueller und unerwartet unterhaltsamer Politthriller.

Konklave

Wer eine Schwäche für „Chef’s Table“ oder generell für das Beobachten von kunstvollen, perfekt choreografierten Prozessen hat, der wird begeistert sein. Selbst vermeintliche Nebensächlichkeiten bekommen hier eine Aufmerksamkeit geschenkt, wie man sie nur selten im Kino erlebt.

Ja und warum dann nicht die volle Punktzahl? Man kann sich darüber streiten, ob es die große Enthüllung am Ende wirklich braucht. Sie ist übertrieben und vielleicht das einzige Zugeständnis an konventionelle Publikumserwartungen: Zum Schluß braucht’s noch einen Knaller! Aber davon abgesehen ist KONKLAVE großes Kino.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Conclave“
USA / GB 2024
120 min
Regie Edward Berger

Konklave

alle Bilder © LEONINE Studios

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Drop - Tödliches Date

DROP – TÖDLICHES DATE

Drop - Tödliches Date

DROP – TÖDLICHES DATE

Das etwas andere Date-Movie

Ab 17. April 2025 im Kino

Wird bei einer Pressevorführung Alkohol ausgeschenkt, sollte man misstrauisch werden. Soll da von filmischer Mittelmäßigkeit abgelenkt – oder gleich betäubt werden?

Drop - Tödliches Date

Dabei beginnt DROP – TÖDLICHES DATE ganz harmlos – beinahe wie ein Parship-Werbespot fürs perfekte Date: Die junge, cheerleaderhaft gutaussehende Violet (Meghann Fahy) hat ein erstes Rendezvous im fabelhaften Restaurant „Palate“ – mit atemberaubendem Blick über die Stadt. Der Mann, mit dem sie verabredet ist, weiß zwar, dass sie verwitwet und Mutter eines kleinen Sohns ist, aber nicht, welches emotionale Minenfeld er da gerade betritt. Denn Violets Beziehung zum Vater des Kindes endete in einer Katastrophe: Der Mann war ein brutaler Schläger – und verrückt.

Drop - Tödliches Date

Gerade als sich Violet an der Bar ihren ersten Drink gönnt, ploppen auf ihrem Handy bedrohliche Nachrichten auf. Jemand beobachtet sie – und der Fremde scheint ihr Bewegungsprofil besser zu kennen als ihr Smartphone. Während des Essens mit dem übercharmanten Fotografen Henry (Brandon Sklenar) eskalieren die Anweisungen des anonymen Absenders zunehmend. Violet darf nichts sagen – sonst, so droht der Fremde, bringt er ihren Sohn und ihre babysittende Schwester um.

Drop - Tödliches Date

Was folgt, wird zunehmend irrsinniger und mündet in einem kintoppreifen Finale, so over the top, dass man sich fragt, ob Michael Bay da kurz Regie geführt hat. Das Rad wird hier zwar nicht neu erfunden – aber wer an David Finchers „The Game“ seinen Spaß hatte, wird auch bei DROP – TÖDLICHES DATE bestens unterhalten. Entscheidend ist: Der Thriller ist nervenzerreißend spannend. Man muss sich nur darauf einlassen – und jeden Anspruch auf Realismus hinter sich lassen.

Ein Film aus der Reihe „stupid fun“ – DROP – TÖDLICHES DATE ist pures Entertainment. Und macht sogar ohne Alkohol erstaunlich viel Spaß.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Drop“
USA 2025
95 min
Regie Christopher Landon

Drop - Tödliches Date

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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The Amateur

THE AMATEUR

The Amateur

THE AMATEUR

Spionagethriller für Dummies

Ab 10. April 2025 im Kino

Wahrscheinlich lief es so: Rami Malek durfte im letzten Bond-Film den Bösewicht geben – ein in jeder Hinsicht wenig beeindruckender Auftritt. Trotzdem hat der Oscarpreisträger Blut geleckt, wollte beim nächsten Mal aber wohl lieber auf die Seite der Guten wechseln. Im von ihm mitproduzierten Spionagethriller THE AMATEUR spielt Malek nun einen 007 für Anfänger.

The Amateur

Spoilerfrei ist schwer, aber hier ein Versuch: Charlie Heller (Malek) ist ein brillanter Decoder bei der CIA, der irgendwo im autistischen Spektrum lebt. Trotzdem ist er mit einer humorvollen Top-Frau (Rachel Brosnahan) verheiratet. Als diese bei einem Terroranschlag in London ums Leben kommt, schwört er Rache an ihren Mördern. Dass seine Vorgesetzten sich weigern, ihm zu helfen, macht sie in seinen Augen höchst verdächtig. Stets adrett gekleidet und frisiert, begibt sich der amateurhafte Geheimagent auf einen unglaubwürdigen Rachefeldzug quer durch Europa.

The Amateur

Das größte Problem – neben Maleks penetrantem Overacting (manche seiner Grimassen sind so unfreiwillig komisch, dass man kaum glauben mag, dass es davon keinen subtileren Take gab) – ist das Drehbuch von Ken Nolan und Gary Spinelli. Groteske Zufälle häufen sich, und ja, wir werden alle überwacht, aber dass es hochaufgelöste Bilder von jedem Gesicht in jedem noch so abgewinkelten Fleckchen Erde geben soll, ist jenseits von realistisch. Natürlich hat der Computernerd (Maleks Rolle erinnert nicht zufällig an seinen Durchbruch in „Mr. Robot“) innerhalb kürzester Zeit alle Tricks der Geheimagenten drauf und glänzt mit immer elaborierteren Methoden, seine Gegner aus dem Weg zu räumen. Alles klappt wie am Schnürchen, und bald darf der Agent – ganz wie sein Vorbild James – von London über Paris nach Istanbul jetten. Sogar in die Arme einer Frau verschlägt es ihn. Statt Sex gibt’s aber nur Kuscheln; Malek nun auch noch als omnipotenten Stecher zu inszenieren, ging wohl selbst den Drehbuchautoren zu weit.

The Amateur

Überhaupt Malek: Abgesehen von seinem operettenhaften Spiel für die letzte Reihe glaubt man ihm keine Sekunde den glücklichen Ehemann. Das nennt man dann wohl Fehlbesetzung.

Das Schlimmste: THE AMATEUR nimmt sich unerträglich ernst. Eine vertane Chance – mit mehr Humor oder gar Selbstironie inszeniert, hätten das zwei unterhaltsame Kinostunden werden können. Aber so wird das nix mit dem neuen Agenten-Franchise.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Amatuer“
USA 2025
122 min
Regie James Hawes

The Amateur

alle Bilder © The Walt Disney Company Germany

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Riff Raff

RIFF RAFF

Riff Raff

RIFF RAFF

Ein Film, der wirkt, als hätte er jahrelang im Giftschrank gelegen und aus unerfindlichen Gründen doch noch den Weg ins Kino gefunden.

Ab 27. März 2025 im Kino

Es ist einer dieser Filme, bei denen im Abspann normalerweise „Alan Smithee“ als Pseudonym für den Regisseur steht. Erstaunlicherweise gibt es Dito Montiel wirklich. Die Existenz von RIFF RAFF lässt sich auf verschiedene Weise erklären: Vielleicht wurden die Beteiligten erpresst. Vielleicht haben Drehbuchautor, Regisseur und Produzent zusammen gekokst. Vielleicht mussten alte Knebelverträge erfüllt werden. Oder vielleicht gab es mal eine gute Version des Films – bevor untalentierte Leute den Director’s Cut in die Hände bekamen und ihn komplett zerhackten.

Riff Raff

Eine Familie will Silvester in ihrem Wochenendhaus verbringen. Alles schön gemütlich – bis der Sohn aus erster Ehe mitsamt schwangerer Freundin und der Ex-Frau des Vaters auf der Matte steht. Dummerweise hat er ein mordlustiges Gangsterduo im Schlepptau. Irgendjemand hat hier definitiv zu viele Tarantino- und Coen-Brothers-Filme gesehen. Aber clevere, wortgewandte Dialoge zu schreiben, ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Drehbuchautor John Pollono jedenfalls nicht. Dazu kommt ein miserables Timing und ein durch unelegante Rückblenden zerstückelter Erzählfluss.

Riff Raff

Bill Murray, Pete Davidson, Jennifer Coolidge und Ed Harris – man sollte meinen, dass die Zusammenarbeit so vieler talentierter Menschen zumindest ein halbwegs unterhaltsames Ergebnis hervorbringt. Doch RIFF RAFF fehlt es an Humor, Spannung und vor allem Originalität. Dass es trotzdem ein, zwei passable Gags gibt, bleibt bei so einer Besetzung nicht aus. Auch ein blinder Drehbuchautor findet mal ein Korn.

Bei Rotten Tomatoes hat RIFF RAFF eine 69 % positive Bewertung. Warum? Gibt es noch eine andere Version des Films?

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Riff Raff“
USA 2024
103 min
Regie Dito Montiel

Riff Raff

alle Bilder © Splendid Film

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Flight Risk

FLIGHT RISK

Flight Risk

FLIGHT RISK

Für die einen ein Anwärter auf die Goldene Himbeere 2025, für die anderen pures Entertainment: Mel Gibsons FLIGHT RISK.

Ab 20. Februar 2025 im Kino

FLIGHT RISK ist ein klassisches B-Picture – genau die Art von Film, die Hollywood seit fast 100 Jahren regelmäßig auf den Markt spuckt. Simpel und unterhaltsam.

Flight Risk

Mark Wahlberg, Michelle Dockery („Downton Abbey“) und Topher Grace geraten in eine klassische Thriller-Kammerspiel-Situation: Polizistin Madolyn (Dockery) hat den Buchhalter Winston (Grace) in Gewahrsam – Hand- und Fußfesseln inklusive. Der Plan: Der Gefangene soll aus dem entlegenen Alaska mit einer gecharterten Cessna in die nächstgrößere Stadt überführt werden. Dort soll er als Kronzeuge gegen einen Mafia-Boss vor Gericht aussagen. Der Pilot (Wahlberg), ein jovialer und etwas geschwätziger Typ, übernimmt die Aufgabe, das klapprige Kleinflugzeug samt ungewöhnlicher Passagiere sicher über die Berge zu steuern. Doch was zunächst wie ein Routinejob wirkt, entwickelt sich bald zu einem nervenaufreibenden Horrortrip.

Flight Risk

Mel Gibson, der ehemalige Superstar, der irgendwann beschloss, seine Karriere durch Saufereien und antisemitische Ausfälle zu zerstören, kehrt zurück. Mit einem schlichten, aber effektiven Thriller. Eine Überraschung, vor allem wenn man bedenkt, dass er als Regisseur eher für Epen wie „Braveheart“ und „Die Passion Christi“ bekannt ist. FLIGHT RISK ist die Art Film, die man spätabends zufällig im Fernsehen entdeckt und dann nicht mehr ausschalten kann. Ja, das ist Trash. Ja, das ist technisch nicht besonders gut gemacht. Aber ja, das ist echt unterhaltsam. Trotz riesiger Logikfehler und zahlloser Unwahrscheinlichkeiten: FLIGHT RISK macht Spaß und ist bis zur letzten Sekunde spannend.

Flight Risk

Ins Kino (früher wäre sowas „direct to video“ gegangen) kommt der Film erst am 20. Februar. Da mit der Berlinale aber wieder eine Flut von täglichen Kritiken ins Haus steht, erscheint diese hier schon zwei Wochen vor dem Start.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Flight Risk“
USA 2024
92 min
Regie Mel Gibson

Flight Risk

alle Bilder © TOBIS

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Juror #2

JUROR #2

Juror #2

JUROR #2

„Juror #2“, Clint Eastwoods (wahrscheinlich) letzter Film, ist ein spannendes Gerichtsdrama.

Ab 16. Januar 2025 im Kino

Clint Eastwood: Der Mann, der als lebende Legende in die Annalen Hollywoods eingegangen ist, wird dieses Jahr 95 Jahre alt. Er hat unzählige Filme inszeniert und in noch mehr Produktionen mitgewirkt. JUROR #2 dürfte sein Abschiedswerk sein – die stets zuverlässige IMDb führt jedenfalls kein weiteres Projekt auf. Aber wer weiß? Vielleicht überrascht uns Eastwood und steht mit 100 noch hinter der Kamera.

Juror #2

Der junge Familienvater Justin Kemp, gespielt von Nicholas Hoult, gerät in einem Mordprozess in ein tiefgreifendes Dilemma. Oder, einfacher formuliert – SPOILER – wobei der Trailer ohnehin schon alles preisgibt: Justin Kemp hat versehentlich eine junge Frau überfahren. Ein Unfall, gewiss. Doch als trockener Alkoholiker, der zuvor in einer Bar war, ist er wenig glaubwürdig. Nun sitzt ausgerechnet er in der Geschworenenjury, die den Freund der Verstorbenen als vermeintlichen Mörder verurteilen soll. Wahrlich: ein Dilemma.

Die Grundidee mag konstruiert wirken. Doch Eastwood gelingt es schnell, den Zuschauer diese Unwahrscheinlichkeit vergessen zu lassen. Sein Film entwickelt sich zu einem ebenso fesselnden wie klugen Justizdrama mit unerwarteten Wendungen.

Juror #2

JUROR #2 ist ein Film ohne Schnickschnack. Geradeaus erzählt, kein unnötiges Beiwerk. Eastwood hat nie den Fehler begangen, sein Publikum zu unterschätzen. Als Regisseur mit jahrzehntelanger Erfahrung weiß er, dass weniger oft mehr ist – eine Lektion, die auch seine Schauspieler verinnerlicht haben: Nicholas Hoult, Toni Collette, J.K. Simmons und Kiefer Sutherland spielen nüchtern und konzentriert.

Juror #2

Clint Eastwoods Spätwerk enttäuscht nicht. „Schuldig oder unschuldig? Wahrheit oder Lüge? Was ist richtig, was ist falsch?“ – JUROR #2 ist ein meisterhaft inszenierter Thriller und ein würdiger Abschluss für einen der ganz Großen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Juror #2“
USA 2024
95 min
Regie Clint Eastwood

Juror #2

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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Heretic

HERETIC

Heretic

HERETIC

Woran erkennt man, dass Hugh Grant ein echter Filmstar ist? Morgens um 10 ist die Pressevorführung rappelvoll. Wo sich sonst zwischen 5 und 15 Menschen aus dem Bett gequält haben, ist bei HERETIC das Kino bis auf den letzten Platz besetzt.

Ab 26. Dezember 2024 im Kino

Hugh Grant als Bösewicht – den hat er zwar schon in „The Gentlemen“ und „Paddington 2“ gegeben – doch HERETIC ist sein erster Horrorfilm. Der ehemalige Charmeur als Psychopath: Von diesem Twist lebt HERETIC. Theoretisch.

Grant spielt den sadistischen Mr. Reed, der die beiden jungen Missionarinnen Schwester Barnes und Schwester Paxton (Sophie Thatcher und Chloe East) in sein Haus einlädt und mit ihnen ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Heretic

Das beginnt vielversprechend mit clever inszenierten Szenen, die stets am Rande der Bedrohlichkeit balancieren. Die Regisseure Scott Beck und Bryan Woods (Drehbuchautoren von „A Quiet Place“) liefern Hugh Grant clevere, wortgewandte Dialoge, die er mit seinem typischen unbeholfenen Lächeln serviert. Mindestens die erste Hälfte von HERETIC funktioniert als spannendes Duell zwischen dem charmanten Killer und seinen jungen Opfern. Doch dann kippt die Handlung und wird zu einem konventionellen Horrorfilm. Und leider zu keinem wirklich guten. Abgedroschene Elemente wie verschlossene Türen, dunkle Kellergewölbe und Dauerregen dominieren. Nichts, was man nicht schon unzählige Male gesehen hätte. Enttäuschend auch das Ende: Die langsam aufgebaute Spannung verpufft in einer lahmen, uninteressanten Auflösung.

Heretic

HERETIC ist eine eigenwillige Mischung aus Horror, Wahnsinn und theologischem Exkurs. Allein die düstere Atmosphäre und ein exzellenter Hugh Grant machen diesen extrem dialoglastigen Thriller sehenswert.

Originaltitel „Heretic“
USA 2024
110 min
Regie Scott Beck und Bryan Woods

Heretic

alle Bilder © PLAION PICTURES

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Rich Flu

RICH FLU

Rich Flu

RICH FLU

In RICH FLU rafft ein tödlicher Virus nur die reichsten Menschen dahin. Die Idee ist originell, doch das Ergebnis ist ein unentschlossener Mix aus Satire und Sozialdrama.

Ab 12. Dezember 2024 im Kino

Es beginnt vielversprechend: Mehrere Drehbuchautoren pitchen nacheinander ihre teils langweiligen, teils absurden Filmprojekte. Produzentin Laura (hervorragend: Mary Elizabeth Winstead) hört sich das alles mit professioneller Freundlichkeit an. Der letzte Pitch stammt von ihrem Ex-Mann (Rafe Spall), der ihr einen Familien-Neustart mit der gemeinsamen Tochter (Dixie Egerickx) vorschlägt.

Rich Flu

Bevor es dazu kommt, bricht eine weltweite Pandemie aus. Der Virus befällt nur Reiche und verursacht unter anderem strahlend weiße Zähne, als hätten die Menschen Radiomed verwendet. Unglücklicherweise wird Laura ausgerechnet jetzt von ihrem Chef (Timothy Spall) befördert und mit einem Aktienpaket belohnt, sodass auch sie um ihr Leben fürchten muss. Zusammen mit ihrer dysfunktionalen Kleinfamilie versucht sie, den gefährlichen Reichtum loszuwerden und nach Afrika zu fliehen.

Rich Flu

Was wäre, wenn die Oberen Zehntausend zu verzweifelten Flüchtlingen würden, die über das Mittelmeer schippern und in Lager gesperrt werden? Die Botschaft „Es kann uns alle treffen“ ist schnell klar, wird aber endlos ausgewalzt. Leider verschwindet der beißende Humor in der zweiten Hälfte des Films fast vollständig. Besonders die letzten 20 Minuten verschwendet RICH FLU, um auf einen mittelmäßigen Schlussgag hinzuarbeiten.

Rich Flu

Die Stärken sind der Anfang und die dichte Atmosphäre, die den Untergang einer kapitalistischen Gesellschaft zeigt. Doch woher der Virus kommt, wie er sich überträgt und welche konkreten Folgen er hat, bleibt nebulös – womöglich wussten es auch die Drehbuchautoren nicht so genau. RICH FLU beginnt als Satire und endet als Anklage auf soziale Klassenunterschiede. Die ungerechte Verteilung von Wohlstand hat Ruben Östlund in seinem Film TRIANGLE OF SADNESS vor zwei Jahren schon weitaus cleverer und interessanter thematisiert.

Originaltitel „Rich Flu“
Spanien 2024
116 min
Regie Galder Gaztelu-Urrutia

Rich Flu

alle Bilder © LEONINE Studios

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Konklave

KONKLAVE

Konklave

KONKLAVE

In seinem „Da Vinci Code“ für Schlaue blickt „Im Westen nichts Neues“-Regisseur Edward Berger in die geheimnisvollen Abgründe einer Papstwahl.

Ab 21. November 2024 im Kino

Der Papst ist tot. Ein neuer muss her. Dazu schließen sich die mächtigsten Führer der katholischen Kirche aus aller Welt im Vatikan ein. Und zwar so lange, bis sich die Mehrheit auf einen Kandidaten geeinigt hat. Dann erst steigt weißer Rauch auf und es heißt „Habēmus pāpam“. Dass es bei so einer Wahl mindestens so intrigant und verlogen wie bei einer US-Präsidentschaftswahl zugeht, ist eine der vielen Überraschungen des hervorragenden Thrillers KONKLAVE.

Konklave

Es wäre ein Wunder, wenn nicht auch dieser meisterhafte Film von Edward Berger ein paar Oscars abräumen würde. Allein die Schauspieler hätten alle eine Nominierung verdient. Ralph Fiennes als Kardinal Lawrence spielt besser denn je – und das will was heißen. Ganz hervorragend auch Stanley Tucci, John Lithgow, Isabella Rossellini – alle in Topform.

Konklave

Umso erstaunlicher, dass nach der Pressevorführung Sätze wie „total konventionell“ oder sogar „stinkend langweilig“ zu hören waren. Wirklich? Krasse Fehlurteile übersättigter Filmjournalisten. KONKLAVE hat das Zeug zum Klassiker und „konventionell“ heißt hier einfach nur: feistes, klassisch gemachtes Kino. Jede Kameraeinstellung, der Score, das liebevolle Sounddesign – da sitzt alles. Natürlich kann man jetzt meckernd Parallelen ziehen, die HBO-Serie „The Young Pope“ käme viel moderner oder gar mutiger daher. Aber der Vergleich hinkt, denn KONKLAVE ist keine bitterböse Satire, sondern im Herzen ein zutiefst intellektueller und unerwartet unterhaltsamer Politthriller.

Konklave

Wer eine Schwäche für „Chef’s Table“ oder generell für das Beobachten von kunstvollen, perfekt choreografierten Prozessen hat, der wird begeistert sein. Selbst vermeintliche Nebensächlichkeiten bekommen hier eine Aufmerksamkeit geschenkt, wie man sie nur selten im Kino erlebt.

Ja und warum dann nicht die volle Punktzahl? Man kann sich darüber streiten, ob es die große Enthüllung am Ende wirklich braucht. Sie ist übertrieben und vielleicht das einzige Zugeständnis an konventionelle Publikumserwartungen: Zum Schluß braucht’s noch einen Knaller! Aber davon abgesehen ist KONKLAVE großes Kino.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Conclave“
USA / GB 2024
120 min
Regie Edward Berger

Konklave

alle Bilder © LEONINE Studios

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Speak No Evil

SPEAK NO EVIL

Speak No Evil

SPEAK NO EVIL

Das dänische Original ist einer der besten Horrorthriller der letzten Jahre. Lohnt sich das US-Remake?

Ab 19. September 2024 im Kino

Gäbe es den dänischen Film GÆSTERNE (auf deutsch: Gäste) nicht, würde die US-Version von SPEAK NO EVIL als solider Horrorthriller durchgehen. Man könnte sich am schön durchgedrehten Spiel von James McAvoy erfreuen, fände die zufällige Ferienbekanntschaft zweier Familien, die sich zu einem Albtraum entwickelt, originell und mal was anderes. Und wäre von der Handlung vielleicht schockiert oder zumindest überrascht.

Speak no Evil

Doch es gibt das Original. Und das ist um Klassen besser. Alles, was sich da ganz natürlich oder vielmehr zwingend entwickelt, fühlt sich im Remake forciert an. So leidet zum Beispiel Paddy, einer der Familienväter, von James McAvoy gespielt, unter dem SHINING-Problem. Bei der Verfilmung seines gleichnamigen Romans bemängelte Stephen King, dass die von Jack Nicholson gespielte Hauptfigur „von Anfang an so verrückt wie eine Scheisshausratte ist“. Zitat Ende. Ihm fehle die Entwicklung vom Normalo zum Psychopathen. Ähnlich verhält es sich bei McAvoy: Zu früh merkt man, dass hinter seiner stets gut gelaunten Fassade Düsternis lauert – und wenn es sich dann bestätigt, überrascht das kaum. Da hat das Original die Spannung langsamer und wirkungsvoller aufgebaut.

Zudem fehlt den US-Produzenten der Mut, das extrem düstere Ende der Dänen beizubehalten. So viel Hoffnungslosigkeit wollte man dem breiten Publikum wohl nicht zumuten. Wer das Original nicht kennt, wird das Remake vielleicht in Ordnung finden. Doch die Empfehlung lautet: Lieber die dänische Version schauen, denn die ist ein kleines Meisterwerk des modernen Horrors.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Speak No Evil“
USA 2024
110 min
Regie James Watkins

Speak no Evil

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Blink Twice

BLINK TWICE

Blink Twice

BLINK TWICE

Der Elevator Pitch zu BLINK TWICE: GET OUT meets THE WHITE LOTUS

Ab 22. August 2024 im Kino

Zoë Kravitz ist nicht nur Schauspielerin (BIG LITTLE LIES) und Tochter eines Rockstars, sondern jetzt auch noch Regisseurin. Und zwar eine erstaunlich versierte. Mit BLINK TWICE startet heute ihr Regiedebüt in den deutschen Kinos.

Tech-Milliardär Slater King (Channing Tatum) lebt umgeben von Freunden und Bediensteten auf einer luxuriösen Privatinsel. Die junge Nageldesignerin Frida (Naomi Ackie) und ihre Freundin Jess (Alia Shawkat) können ihr Glück kaum fassen, als sie nach einem kurzen Partyflirt in dieses Paradies eingeladen werden. Privatjet, Chillen am Pool, exquisite Abendessen, teure Kleidung und Drogen – die jungen, schönen Menschen genießen das Leben in vollen Zügen. Doch nach einigen Tagen beschleicht Frida ein beunruhigendes Gefühl: „Alle lächeln ständig, wie Stewardessen aus den 1960er-Jahren.“ Irgendetwas stimmt hier nicht. Warum verschwimmen die Tage zu einem endlosen Loop? Woher kommt der Dreck unter ihren Nägeln? Und warum nennt die Putzfrau sie ständig „Red Rabbit“? Die Antworten kommen langsam – und sie sind schmerzhaft.

Blink Twice

BLINK TWICE ist ein ausgesprochen effektiver Psychothriller mit Botschaft, der zudem noch richtig gut aussieht. Die leuchtenden Farben im Inselsetting bilden einen schönen Kontrast zur immer brutaler werdenden Geschichte. David Lynch lässt grüßen. Neben Naomi Ackie (zuletzt als Whitney Houston in I WANN DANCE WITH SOMEBODY zu sehen) stehen Channing Tatum, Christian Slater, Kyle MacLachlan und die lange nicht mehr gesehene Geena Davis vor der Kamera.

Blink Twice

Ein Missbrauchs- und Rache-Film, der Humor mit Elementen der #MeToo-Debatte verknüpft – eine Kombination, die es so noch nicht gegeben hat. Lange bleibt unklar, wohin die Reise geht, und BLINK TWICE erzeugt einen wunderbaren Schwebezustand, wie zwischen Traum und Erwachen. Diese ambivalente Stimmung hat Zoë Kravitz meisterhaft eingefangen. Wenn schließlich die Masken fallen, schlägt die somnambule Stimmung in brutalen Horror um – der Tagtraum wird zum Albtraum. Ein cleveres, ungewöhnlich gut gemachtes Regiedebüt – eine Empfehlung.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Blink Twice“
USA 2024
104 min
Regie Zoë Kravitz

Blink Twice

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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Berlin Nobody

BERLIN NOBODY

Berlin Nobody

BERLIN NOBODY

Bleierne Langeweile und schlechtes Schauspiel in einer kruden Geschichte um eine Berliner Sekte sind die Zutaten für diesen Quatsch-Film.

Ab 01. August 2024 im Kino

Der Sozialpsychologe Ben Monroe (Eric Bana im Liam Neeson-Modus) zieht von Kalifornien nach Berlin. Bei der Recherche zu seinem neuen Buch über die Gefahren des Gruppendenkens gerät er in Kontakt mit einer obskuren Sekte. Deren charismatische Leiterin Hilda (Sophie Rois) will die Menschheit von sich selbst befreien. Mittendrin Bens pubertierend schlecht gelaunte Tochter Mazzy (Sylvia Hoeks).

Berlin Nobody

Die große Lustlosigkeit. Mit Leidenschaft oder wenigstens mildem Interesse scheint hier niemand bei der Sache gewesen zu sein. Das fängt mit dem desaströsen Drehbuch voller Logikfehler und absurder Zufälle an, geht weiter mit einer uninspirierten Kamera und endet bei einer freudlosen Inszenierung. Ridley Scott hat seiner Tochter offensichtlich nichts von seinem Talent vererbt. Jordan Scott, die hier ihren zweiten Spielfilm als Regisseurin realisiert, ist höchstens Beweis dafür, dass mit der falschen Regie auch hervorragende Schauspieler wie Jonas Dassler oder Sophie Rois richtig schlecht sein können.

Berlin Nobody

Es beginnt auf niedrigem TATORT-Niveau und verschlimmert sich stetig bis zum lachhaften Ende. Einzig Volker Bertelmanns stimmungsvolle Musik ist positiv zu erwähnen. BERLIN NOBODY bietet nichts, was man nicht schon kennt oder in besser gesehen hat. Es ist einer dieser nichtssagenden Filme, die man beim Anschauen vergisst. Nach 87 Minuten setzt der Abspann ein. Zum Glück.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „A Sacrifice“
USA 2024
95 min
Regie Jordan Scott

Berlin Nobody

alle Bilder © SquareOne Entertainment

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