Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Wolfgang Beckers letzter Film erzählt eine komplett ausgedachte Geschichte, die so nett verdreht ist, dass man sie glatt für wahr halten könnte.

Ab 11. Dezember 2025 im Kino

Schon 2019 waren Videotheken fast vollständig aus dem viel zitierten Stadtbild verschwunden. Micha Hartung (Charly Hübner) bemerkt zu spät, dass seine Branche am Ende ist. Doch dann steht eines Tages ein Journalist (Leon Ullrich) in seinem Laden: Ausgerechnet Hartung soll in den frühen Achtzigern eine spektakuläre DDR-Massenflucht ausgelöst haben. Angeblich hat er eine S-Bahn-Weiche manipuliert und damit 127 Menschen ungeplant nach West-Berlin geschickt. In Wahrheit war es ein banaler Defekt, aber die Presse macht daraus eine große Heldenstory. Und weil so eine Geschichte gut klickt, nimmt der Rummel seinen Lauf. Paula, die als Kind in dieser unfreiwillig umgeleiteten S-Bahn saß (als Erwachsene von Christiane Paul gespielt), wird durch den Artikel auf ihren vermeintlichen Fluchthelfer aufmerksam.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Berühmtsein macht eitel: Charly Hübner zeigt schön, wie ein Mann, der eigentlich nirgends hinwill, plötzlich in Talkshows sitzt und in seiner Rolle ein bisschen zu sehr aufgeht. Dass Hartung beim ersten TV-Auftritt gleich super souverän wirkt und mit der ebenfalls geladenen (echten) Kati Witt flirtet, ist vielleicht nicht ganz glaubwürdig, aber geschenkt. Es ist – wie so oft bei Becker – ein komödiantisches Märchen. Da ist eine gute Pointe wichtiger als dokumentarische Exaktheit.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Maxim Leos Romanvorlage erzählt eine Geschichte, wie sie dem Das Leben ist eine Baustelle-Regisseur gefällt: Der Kampf des Losers gegen den Wahnsinn in dieser Welt. Becker, der mit Good Bye, Lenin schon einmal DDR-Geschichte charmant verbogen hat, spielt erneut mit Ostalgie und erfundenen Wahrheiten. Mehrmals fragt man sich während des Films, ob nicht doch was dran ist und man sich nur nicht erinnern kann. Kein Wunder, dass bei Google eine der Top Suchanfragen zum Helden der Friedrichstraße „wahre Geschichte“ ist.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Becker verstarb im Dezember 2024, bevor er den Film fertigstellen konnte. Regiefreund Achim von Borries und Produzent Stefan Arndt haben das Projekt für ihn vollendet; man spürt, dass hier auch ein Abschiedswerk entstanden ist. Die Besetzungsliste liest sich wie eine kleine Hommage: Christiane Paul, Jürgen Vogel, Daniel Brühl, Peter Kurth – viele Weggefährten in teils kleinsten Nebenrollen. Dass so viele vertraute Gesichter auftauchen, macht die Komödie zu einer letzten Verbeugung vor dem großen Regisseur.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
112 min
Regie Wolfgang Becker

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

alle Bilder © X VERLEIH

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Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE

Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE

Nachdenklich, klug und witzig: Joachim Triers neuer Film.

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Es beginnt mit einer Panikattacke: Nora (Renate Reinsve) muss in wenigen Sekunden auf die Bühne – doch sie bekommt keine Luft. Während im Saal bereits die Lichter ausgehen und die Musik einsetzt, reißt sie sich das Kostüm vom Leib. Weder weiß sie ihren Text, noch kann sie sich dem Publikum stellen. Backstage versucht das Personal, die Ruhe zu bewahren, und flickt das zerstörte Kostüm in Windeseile mit Gaffer-Tape. Das ist nicht nur großartig gespielt, sondern so zum Kichern, dass man zunächst glauben könnte, SENTIMENTAL VALUE mache dort weiter, wo Der schlimmste Mensch der Welt aufgehört hat – als intelligente norwegische Komödie mit derselben Hauptdarstellerin.

Sentimental Value

Doch schnell ändert sich der Ton. Noras entfremdeter Vater Gustav (herausragend: Stellan Skarsgård) und ihre Schwester Agnes (was soll man sagen, ebenfalls hervorragend: Inga Ibsdotter Lilleaas) rücken in den Mittelpunkt des Drehbuchs von Eskil Vogt und Joachim Trier. Zwei Schwestern, die Mutter gerade gestorben – und nun steht der Vater vor der Tür, ein erfolgreicher Regisseur, der im alten Familienhaus (dem heimlichen Star der Geschichte) die tragische Geschichte seiner Mutter verfilmen will.

Sentimental Value

Feinsinniger Humor blitzt immer wieder durch, doch SENTIMENTAL VALUE ist im Kern ein Drama – inklusive Selbstmord, Trauer und vielen Tränen. Dass der Film dabei nie ins Kitschige abgleitet, verdankt er neben dem hervorragenden Ensemble (Elle Fanning glänzt in einer Nebenrolle) vor allem der präzisen Regie Joachim Triers. Der lässt hier seinen inneren Ingmar Bergman off the leash und liefert ein Familiendrama, das es mühelos mit den Werken des schwedischen Überregisseurs aufnehmen kann. Die 133 Minuten stecken voller intimer Momente – mal todtraurig, mal überraschend komisch. Dazu kommen verspielte visuelle Einfälle, mit denen in kurzen Rückblenden die Geschichte des Hauses erzählt wird.

Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE zeigt, wie nah sich Schmerz und Freude in einer Familie sein können – nichts wirkt gespielt, nichts forciert. Gerade daraus entsteht seine stille Kraft. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der schlimmste Mensch der Welt bleibt Triers Meisterwerk – doch SENTIMENTAL VALUE ist kein schwächerer Nachfolger, sondern ein anderer, reiferer Film.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Affeksjonsverdi“
Norwegen / Frankreich / Dänemark / Deutschland 2025
133 min
Regie Joachim Trier

Sentimental Value

alle Bilder © PLAION PICTURES

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Amrum

AMRUM

Amrum

AMRUM

Für seine Eltern kann man nichts – schon gar nicht, wenn sie glühende Nazis sind

Ab 09. Oktober 2025 im Kino

Mission Honigbrot: Nanning lebt mit Mutter, Tante und jüngeren Geschwistern auf der nordfriesischen Insel Amrum, wohin die Familie aus dem zerbombten Hamburg geflohen ist. Der Vater sitzt in Gefangenschaft, die Mutter – hochschwanger und überzeugte Nationalsozialistin – kämpft nach Kriegsende mit Depressionen. Der Führer ist tot, wozu noch weiterleben? Auf den Schultern des Jungen lastet plötzlich die Verantwortung, die Familie durchzubringen. Auf Tauschhandel und Einfallsreichtum angewiesen, macht er sich auf die Suche nach Weißbrot, Butter und Honig, denn das ist das Einzige, was die traurige Mutter noch essen mag.

Die Vorlage liefern die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm. Da der mittlerweile 85-Jährige keine Kraft mehr hatte, das Projekt selbst zu realisieren, steht im Vorspann: „Ein Hark Bohm Film von Fatih Akin“. Tatsächlich ist AMRUM stärker Bohm als Akin – ein stilles Vermächtnis, weniger ein typisches Akin-Werk.

Amrum

Vergleiche zu In die Sonne schauen drängen sich auf: Auch dort wird Kindheit in einer schwierigen Vergangenheit verhandelt, auch dort wird Dialekt gesprochen – zum Glück mit Untertiteln, sonst würde man kein Wort verstehen. Doch während In die Sonne schauen formal wie inhaltlich neue Maßstäbe setzt, bleibt AMRUM klassischer und damit für das breite Publikum leichter zugänglich.

Amrum

Von den großen Namen auf dem Plakat sollte man sich nicht täuschen lassen: Diane Kruger und Detlev Buck spielen nur Minirollen, Matthias Schweighöfer ist – wenn überhaupt – für eine Minute im Bild. Die eigentliche Kraft des Films liegt bei der wie immer großartigen Laura Tonke als fanatische Nazimutter und beim Newcomer Jasper Billerbeck, der in seiner ersten Rolle den jungen Nanning mit beeindruckender Natürlichkeit spielt.

Amrum

AMRUM ist ein sehr persönlicher Film über Schuld, Verantwortung und den schwierigen Beginn einer neuen Zeit. Dass er heute, im Angesicht des wiedererstarkenden Rechtsradikalismus, von so bedrückender Aktualität ist, macht ihn umso sehenswerter.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
93 min
Regie Fatih Akin

Amrum

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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Momo

MOMO

Momo

MOMO

Zigarren waren gestern: Die grauen Herren vapen jetzt

Ab 02. Oktober 2025 im Kino

Das ist nur eine von zu vielen Modernisierungen, die der Michael-Ende-Klassiker erdulden muss. Politisch korrekt haben sich unter die grauen Herren nun auch graue Damen gemischt. Momos bester Freund, der Fremdenführer Gigi, heißt jetzt Gino und ist eine Person of Colour. Unnötig zu erwähnen, dass Social Media beim Zeitstehlen eine große Rolle spielt.

Momo

Immerhin – die Grundgeschichte bleibt: Die kleine Momo lebt in den Ruinen eines Amphitheaters und hat die besondere Fähigkeit, gut zuzuhören. Doch eines Tages tauchen graue Herren (und Damen) auf und beginnen, den Menschen ihre Zeit zu stehlen. Bald kontrollieren sie die ganze Stadt.

Verstand Michael Ende seine grauen Herren noch als Analogie auf Banken, die sich am Geld ihrer Kunden bereichern, stehen die modernen Zeit-Diebe für die heute allgegenwärtigen Technologien, denen die Menschen freiwillig ihre persönlichen Daten und vor allem ihre Lebenszeit geben.

Momo

Die Großproduktion MOMO macht keine Gefangenen. Poesie war gestern – die Neuverfilmung bläst das zarte Ende-Märchen mit Vollgas zum Eventkino auf. Und anfangs funktioniert die Mischung aus Harry Potter meets Matrix meets Star Wars meets Blade Runner sogar. Man schaut sich die feisten Bilder an und denkt: So muss Kino inzwischen wohl aussehen, um die jugendliche Zielgruppe vom Tablet wegzulocken. Doch je länger der Film schnauft und lärmt, desto unsympathischer wird er.

Momo

Ein triefender Streicher-Score schmiert jede noch so kleine Emotion zu, und Alexa Goodall schaut unter roter Extentions-Lockenpracht mit großen blauen Augen in die glossy Fantasy-Welt. Wer nach 90 Minuten immer noch nicht begriffen hat, worum es geht, dem erklärt am Ende eine Off-Stimme nochmal, dass Zeit das wichtigste Gut der Menschen ist. Binsenweisheiten, während es rosarote Blütenblätter vom Himmel regnet.

MOMO 2025 ist purer Kitsch, wie ihn selbst Hollywood heutzutage kaum noch produziert. Technisch beeindruckend und hochprofessionell gemacht – klar. Kindern wünscht man trotzdem, dass sie zuerst das Buch lesen oder wenigstens die weitaus werkgetreuere Filmversion von 1986 anschauen mögen. Die neue Momo mag hohen Schauwert haben, doch leider wenig Herz.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
91 min
Regie Christian Ditter

Momo

alle Bilder © Constantin Film

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Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

MARIA REICHE: DAS GEHEIMNIS DER NAZCA-LINIEN

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

MARIA REICHE: DAS GEHEIMNIS DER NAZCA-LINIEN

Die wahre Geschichte von Maria Reiche, die in der peruanischen Wüste weiße Linien entdeckte.

Ab 25. September 2025 im Kino

Weiße Linien in der Wüste? Nein, um Koks geht es hier nicht. Sondern um die junge Dresdnerin Maria Reiche (Devrim Lingnau), die während der 1930er-Jahre als Mathematiklehrerin in Peru arbeitet. Durch den Archäologen Paul (Guillaume Gallienne) stößt sie auf ein Geheimnis in der Wüste von Nazca: gewaltige Bilder, präzise in den Sand gezogen, sichtbar nur aus der Luft. Fasziniert gibt sie ihr Leben in Lima auf und widmet sich fortan der Erforschung dieser Geoglyphen – gegen alle Widerstände und ganz allein.

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

MARIA REICHE: DAS GEHEIMNIS DER NAZCA-LINIEN erzählt von einer Besessenen und zeigt, wie aus einer Randfigur der Wissenschaft eine nationale Ikone wurde. Peru verdankt einen seiner größten Kulturschätze der Hartnäckigkeit dieser Dresdner Mathematikerin. Devrim Lingnau verkörpert die Getriebene mit großer Intensität. Dem Film gelingt es, die Zuschauer in Reiches konzentrierte, fast manische Welt hineinzuziehen. Man ist förmlich dabei, wenn sie nachts ihre Berechnungen notiert, Mahlzeiten vergisst und immer tiefer in das Rätsel der Nazca-Linienen abtaucht. Die hervorragende Kamera von Gilles Porte fängt dazu die Weite und Kargheit der Wüste in beeindruckenden Bildern ein, ohne je ins Postkartenhafte zu verfallen.

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

Natürlich zielt die Inszenierung auch aufs breite Publikum: ein Schuss Dramatik, eine zarte (lesbische) Liebesgeschichte. Am stärksten ist MARIA REICHE jedoch, wenn er die Einsamkeit der Forscherin zeigt – unter gleißender Sonne oder funkelndem Sternenhimmel, ganz ohne Ablenkung, als hätte sie den „digital detox“ erfunden, lange bevor es ihn gab.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Lady Nazca“
Deutschland / Frankreich 2025
99 min
Regie Damien Dorsaz

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

alle Bilder © TOBIS

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Ganzer halber Bruder

GANZER HALBER BRUDER

Ganzer halber Bruder

GANZER HALBER BRUDER

Zeigt mal wieder, was an deutschen Komödien alles falsch ist

Ab 18. September 2025 im Kino

Immobilienbetrüger Thomas ist ein schlechter Mensch: Gerade aus dem Knast entlassen, erbt er unverhofft die Villa seiner Mutter. Marktwert: zwei Millionen. Dumm nur, dass darin sein Halbbruder Roland lebt – der hat nicht nur das Down-Syndrom, sondern auch lebenslanges Wohnrecht.

Ganzer halber Bruder

Man spürt in jeder Szene die angestrengte Bemühung, einen „witzigen“ Film zu machen. Aber genau diese Verkrampftheit lässt das Ganze bleischwer untergehen. Gute Comedy braucht Timing, Timing, Timing und Mut zum Risiko – GANZER HALBER BRUDER hat nichts davon. Jeder Gag, jede Wendung ist vorhersehbar, wirklich überraschen kann die Story zu keiner Zeit. Immerhin funktionieren die dramatischen Momente besser: Wenn es traurig oder emotional wird, beginnt der Film kurz zu fliegen – bis der nächste fade Witz alles wieder zunichtemacht.

Ganzer halber Bruder

Dass GANZER HALBER BRUDER so schwach ist, liegt nicht an den Schauspielern. Christoph Maria Herbst ist eine Bank, gerade in seiner Paraderolle als Arschloch mit Restherz. Und bei Nicolas Randel ist man froh, dass ein Mensch mit Downsyndrom tatsächlich von einem solchen gespielt wird – und nicht von einem zurechtgeschminkten Schauspieler, der auf den Filmpreis schielt. Schön auch, dass sein Roland kein bemitleidenswerter Gutmensch ist, sondern ein Typ mit Ecken und Kanten.

Ganzer halber Bruder

Nein, die Besetzung trägt keine Schuld. Schlecht sind vor allem das Drehbuch und die biedere Inszenierung. Ob mangelnde Zeit, zu kleine Budgets oder schlicht Unvermögen – man fragt sich, warum niemand vor Drehbeginn nochmal am Buch feilt und die Dialoge schärft, bevor so viele Menschen Arbeitszeit und Geld investieren.

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Deutschland 2025
102 min
Regie Hanno Olderdissen

Ganzer halber Bruder

alle Bilder © Wild Bunch Germany

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Miroirs No. 3

MIROIRS No. 3

Miroirs No. 3

MIROIRS No. 3

Christian Petzold at it’s best - oder worst - je nach Geschmack.

Ab 18. September 2025 im Kino

Der Titel des neuen Christian Petzold-Films MIROIRS No. 3 bezieht sich auf ein Klavierstück von Maurice Ravel. Da ist schon klar, wohin die Reise geht. Und natürlich ist Laura, die Hauptfigur, eine angehende Pianistin. Junge Kunststudenten sind fester Bestandteil des Petzoldschen Kosmos. Nach einem Autounfall, bei dem ihr Freund stirbt, zieht Laura bei Betty ein, die zufällig Zeugin des Unfalls war. Die beiden Frauen verbindet spontan eine tiefe Zuneigung.

Miroirs No. 3

Landleben wie im Traum: Betty hat ein hübsches Häuschen im Grünen, die Bienen summen, ab und zu schauen „ihre Männer“ vorbei – Ehemann und Sohn, beide liebenswerte Stoiker. Bei Königsberger Klopsen, Klavierspiel und Pflaumenkuchen findet Laura im Brandenburger Idyll wieder zu sich selbst. Auch Betty und ihrer Familie scheint die junge Frau aus Berlin gutzutun.

Miroirs No. 3

Statt Nina Hoss spielt nun schon zum vierten Mal Paula Beer die leicht somnambule Hauptrolle. Enno Trebs, Matthias Brandt und Barbara Auer sind ebenfalls alte Petzold-Bekannte aus Roter Himmel und Polizeiruf. Der Regisseur der Berliner Schule hat auch diesmal einen Märchenfilme für Erwachsene gemacht. Nicht von dieser Welt sind dabei vor allem seine Figuren: Kein AfD-Wähler weit und breit – wäre Brandenburg wirklich von derart sanftmütigen Intellektuellen bevölkert, man würde glatt da hinziehen.

Miroirs No. 3

Man muss das mögen und sich auf den manchmal ins unfreiwillig Komische kippenden Tiefsinn einlassen. Doch wem die anderen Werke des Autorenfilmers gefallen, der wird auch MIROIRS No. 3 lieben. Mehr Petzold geht nicht.

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Deutschland 2025
86 min
Regie Christian Petzold

Miroirs No. 3

alle Bilder © Piffl Medien

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22 Bahnen

22 BAHNEN

22 Bahnen

22 BAHNEN

Es gibt Filme, die sich mit ihren großen Themen selbst im Weg stehen. 22 BAHNEN, nach dem gleichnamigen Bestsellerroman, gehört dazu.

Ab 04. September 2025 im Kino

Die Geschichte um Tilda, eine Mathematikstudentin, die zwischen Studium, Supermarktjob und der Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida zerrieben wird, hat eigentlich alles, was ein packendes Drama ausmacht: eine dysfunktionale Familie, Alkoholismus, Liebe, Tod und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch was im Roman von Caroline Wahl Tiefe hat, wirkt auf der Leinwand zu glatt und mutlos.

22 Bahnen

Regisseurin Mia Maariel Meyer greift immer wieder auf Voice-over zurück – ein Mittel, das den Eindruck eines bebilderten Hörbuchs hinterlässt. Man spürt förmlich die Angst, das Publikum mit Uneindeutigkeiten oder Leerstellen zu überfordern. Statt Reibung gibt es Erklärung, statt Drama: Young-Adult-Klischees.

22 Bahnen

Sehenswert macht 22 BAHNEN sein Ensemble. Allen voran Luna Wedler: Mit feiner Zurückhaltung trägt sie den Film, macht die Überforderung und Zerrissenheit ihrer Figur spürbar, bleibt dabei absolut glaubwürdig. Auch Zoë Baier, die Tildas kleine Schwester Ida spielt, überzeugt mit Natürlichkeit. Laura Tonke hingegen bekommt kaum Gelegenheit, ihrer Rolle als alkoholkranke Mutter echte Tiefe zu verleihen: Entweder jammert sie, oder sie ist betrunken. Mehr Facetten erlaubt das Drehbuch nicht. Und Jannis Niewöhner als Love Interest Viktor bleibt bei aller äußerlichen Attraktivität ein Fremdkörper: Das Sixpack sitzt, die Nachdenklichkeit wirkt aufgesetzt.

22 Bahnen

Handwerklich ist das Ganze durchaus sauber: Die Kamera fängt mit klaren, ruhigen Bildern Tildas Welt ein – unter Wasser, im immer erstaunlich leeren Schwimmbad, an der Supermarktkasse oder beim Rave im Steinbruch. Alles ästhetisch bis zur Beliebigkeit. Der Soundtrack setzt zudem auf Mainstream-Pop, der mit den ernsten Themen kollidiert und jede Schwere verdampfen lässt.

So bleibt 22 BAHNEN kein schlechter Film, aber ein erstaunlich zahmer. Alles wirkt ein bisschen zu gefällig – es fehlt das Drama, die Wucht, die diesen Stoff hätte groß machen können.

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Deutschland 2025
102 min
Regie Mia Maariel Meyer

22 Bahnen

alle Bilder © Constantin Film

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In die Sonne schauen

IN DIE SONNE SCHAUEN

In die Sonne schauen

IN DIE SONNE SCHAUEN

Das Filmfestival in Cannes und der deutsche Film – das war lange keine Erfolgsgeschichte. Doch in diesem Jahr ist plötzlich alles anders.

Ab 28. August 2025 im Kino

Zählt man Fatih Akins Amrum und Christian Petzolds Miroirs No. 3 dazu – beide liefen in Nebenreihen –, dann war der deutsche Film mit gleich drei Produktionen an der Croisette vertreten. Die größte Überraschung: Mascha Schilinskis IN DIE SONNE SCHAUEN, die für ihr Werk mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde – eine doppelte Premiere. Erstmals ging diese Auszeichnung an eine deutsche Regisseurin.

In die Sonne schauen

IN DIE SONNE SCHAUEN ist kein gefälliger Film. Die komplexe Erzählweise mit ihren abrupten Zeitsprüngen verlangt dem Publikum einiges an Aufmerksamkeit ab. Auch der Verzicht auf eine lineare Handlung oder einen klassischen dramaturgischen Bogen macht den Zugang nicht leichter. Und doch – oder gerade deshalb – ist dieser Film ein Gesamtkunstwerk. Oder, um Wikipedia zu zitieren: „ein assoziativer Erinnerungsstrom“.

Kamera, Musik, Billie Minds’ präzises Sounddesign und das durchweg herausragende Ensemble – mit Luise Heyer, Lena Urzendowsky, Susanne Wuest, Laeni Geiseler und Hanna Heckt als die siebenjährige Alma – rufen Erinnerungen wach an Das weiße Band oder Edgar Reitz’ große Heimat-Chronik.

In die Sonne schauen

Tod und weibliche Verzweiflung durchziehen Mascha Schilinskis einzigartigen Film, der ein ganzes Jahrhundert umspannt und dabei trotzdem intim bleibt. Im Zentrum stehen vier junge Frauen – Alma, Erika, Angelika und Lenka –, deren Leben von Abhängigkeiten, Brüchen und den Erwartungen der Männer geprägt ist.

Derselbe Hof, irgendwo in Deutschland, später DDR, dieselben Räume, derselbe Stall – und doch andere Menschen. Oder dieselben in anderen Gestalten? Die Figuren spiegeln einander, über Jahrzehnte hinweg, manchmal auf unheimliche Weise.

In die Sonne schauen

Wer in einem alten Haus, oder auch nur in einer Altbauwohnung lebt, hat sich vielleicht schon mal gefragt: Wer war vor mir hier? Was hat sich zwischen diesen Wänden abgespielt? Mascha Schilinski gibt die filmische Antwort auf solche Fragen. Und inszeniert dabei jede Zeitebene so überzeugend, dass man sich unmittelbar hineinversetzt fühlt: in die 1910er-Jahre, in die 40er, die 80er, bis ins Heute.

IN DIE SONNE SCHAUEN ist ein mutiger Film. Eine sinnliche Erfahrung. Eine poetische Mischung aus Geistergeschichte, Frauenporträt und Zeitreise. Und verdientermaßen preisgekrönt.

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Deutschland 2025
149 min
Regie Mascha Schilinski

In die Sonne schauen

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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We All Bleed Red

WE ALL BLEED RED

We All Bleed Red

WE ALL BLEED RED

Ein Film über den deutschen Fotografen Martin Schoeller

Ab 28. August 2025 im Kino

Er glättet nichts. Keine Haut, keine Wahrheit. Jede Pore, jede Falte, jeder Makel bleibt – nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Prinzip. Und doch drängen sich die Stars vor seiner Kamera: Barack Obama, Bill Clinton, George Clooney, Jack Nicholson, Taylor Swift. Wer Rang und Namen hat, lässt sich von ihm im besten Sinne entblößen. Seine Bilder sind inzwischen so berühmt, wie die Menschen, die darauf zu sehen sind. Martin Schoeller ist der Starfotograf aus Deutschland.

We All Bleed Red

Schoellers extreme Nahaufnahmen – jene Close Ups vor neutralem Hintergrund – sind radikal. Sie sind klinisch, aber nie kalt. Das ist Schoellers Kunst: Er entlarvt nicht, er offenbart. WE ALL BLEED RED dokumentiert nicht nur den Fotografen bei der Arbeit, sondern vor allem seine Haltung. Die Technik bleibt Randnotiz – im Zentrum stehen die Menschen.

We All Bleed Red

In seinen privaten Projekten sind es nicht mehr die Schönen und Mächtigen, sondern die Außenseiter, denen Schoeller sich zuwendet: Drogensüchtige, Obdachlose, Transpersonen. Vor allem aber: ehemals Inhaftierte, unschuldig Verurteilte, die Jahre oder Jahrzehnte ihres Lebens hinter Gittern verloren haben. Weil ihre Gesichter auf Standbildern zu normal wirkten, entschied sich Schoeller für eine andere Methode – kurze Filmsequenzen, das Gesicht in Bewegung, dazu aus dem Off ihre Stimme, ihre Geschichte.

We All Bleed Red

Schoellers Bilder hängen in den Museen der Welt, sind Zeitdokumente. Kaum ein Fotograf verdichtet den Menschen im Bild so auf das Wesentliche. Seine Frau Helen bringt die Magie der Porträts auf den Punkt: „It takes ten years to appreciate your Martin Schoeller close-up. Usually you cry. And then, ten years later, you realize how good you looked.“

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Deutschland 2024
87 min
Regie Josephine Links

We All Bleed Red

alle Bilder © Salzgeber

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Electric Child

ELECTRIC CHILD

Electric Child

ELECTRIC CHILD

Eine künstliche Intelligenz lernt, sich selbst zu optimieren – und droht bald, die Macht zu übernehmen.

Ab 21. August 2025 im Kino

Wer könnte den Inhalt eines Films über die Gefahren von KI besser zusammenfassen als ChatGPT? Also bitte:

Kurz nach der Geburt ihres Sohnes erhalten Akiko und Sonny eine niederschmetternde Diagnose: Das Kind ist unheilbar krank und hat nur wenige Monate zu leben. Während Akiko versucht, die begrenzte Zeit auszukosten, flüchtet Sonny sich in die Arbeit. Als Leiter eines streng geheimen Projekts erforscht er die rasend schnelle Entwicklung eines KI-Systems hin zu eigenem Bewusstsein. Als die Behörden eingreifen wollen, überschreitet er eine gefährliche Grenze und verbindet sich selbst mit dem künstlichen Wesen.*

Electric Child

Science-Fiction aus der Schweiz? Warum nicht – vor allem, wenn sie visuell überzeugt. Kameramann Gabriel Sandru findet beeindruckende Bilder; die Szenen aus der virtuellen Welt (gedreht auf den Philippinen) besitzen echtes Kinoformat. Auch die Fragen, die der Film aufwirft, sind nicht verkehrt: Wie weit darf Forschung gehen, wenn es darum geht, den Tod zu überlisten? Und wie viel Macht ist man bereit, Maschinen zuzugestehen?

Electric Child

Das Problem liegt anderswo: Trotz der brisanten Thematik entwickelt ELECTRIC CHILD kaum Sog. Elliott Crosset Hove spielt Sonny als verschlossenen Nerd, der von Anfang an distanziert bleibt. Zwischen ihm und Rila Fukushima, die Akiko spielt, entsteht keinerlei spürbare Bindung. So bleiben die Figuren emotional schwer greifbar. Anstelle eines existenziellen Albtraums über die Konsequenzen sich unaufhaltsam weiterentwickelnder KI mündet der Film schließlich in einem blutleeren Actionfinale.

* Vielleicht ist die ganze Angst vor künstlicher Intelligenz auch übertrieben: Die weiter oben von ChatGPT erstellte Inhaltszusammenfassung? War komplett unbrauchbar, der Text musste nochmal „von Hand“ neu geschrieben werden. Am Ende richtet es dann eben doch der Mensch selbst.

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Schweiz / Deutschland / Niederlande / Philippinen 2024
118 min
Regie Simon Jaquemet

Electric Child

alle Bilder © Port au Prince Pictures

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Das Kanu des Manitu

DAS KANU DES MANITU

Das Kanu des Manitu

DAS KANU DES MANITU

Superwitzig – finden DAS KANU DES MANITU allenfalls Menschen, die per Zeitmaschine direkt aus dem Jahr 2001 ins Heute geschleudert wurden.

Ab 14. August 2025 im Kino

Manchmal fühlt sich Kino an wie eine Klassenfahrt zurück in die Zeit, als Baggy Pants und Gürteltaschen noch ironiefrei getragen wurden – nur dass man heute weiß, wie schlimm das wirklich aussah.

Auch von damals: Stefan Raab – keiner hat das Unterhaltungsfernsehen der 90er und frühen 00er-Jahre so geprägt wie der Kölner Metzgersmeister. Dass sein Humor beim heutigen Publikum nicht mehr zündet, hat er mit dem krachenden Scheitern seiner neuen RTL-Show eindrucksvoll bewiesen.

Denkt man an typischen 90er-/00er-Jahre-Humor, landet man zwangsläufig bei Bully Herbig und seiner Parade auf ProSieben – inklusive der dazugehörigen Kinofilme. Klischees über „Rothäute“ und „Tunten“ waren schon vor 25 Jahren abgestanden, nur hat das damals Millionen Zuschauer nicht gestört. Man möchte hoffen, dass die Fans inzwischen ein Minimum an Sensibilität entwickelt haben. Bully und sein Team jedenfalls wirken, als hätten sie in dieser Hinsicht wenig dazugelernt.

Das Kanu des Manitu

Herbigs eigentliche Stärke liegt im Drama. Filme wie Ballon oder 1000 Zeilen sind seinen Komödien haushoch überlegen. Aber Zahlen lügen nicht – Der Schuh des Manitu ist, aus Gründen, die wohl nur die Zuschauer kennen, immer noch der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten.

Das Kanu des Manitu

Ja, in der Fortsetzung gibt es ein paar schräge Momente, die tatsächlich zum Lachen sind. Je absurder das Drehbuch, desto erträglicher. Groteske Missverständnisse und Gaga-Dialoge funktionieren auch 2025. Punkte für die Ausstattung, die offensichtliche Detailverliebtheit und die vielen Zitate – von Jim Knopf bis zu diversen Filmklassikern. Herbig ist ein versierter Regisseur, handwerklich ist das alles tadellos.

Leider stehen dem massenhaft platte Pointen und wildes Grimassieren gegenüber und, fast noch unangenehmer, der verzweifelte Versuch, das Ganze halbherzig auf „politisch korrekt“ zu trimmen: Wenn echte Apachen und Bulli-Abahatchi am Ende in einer langen „Wir sind alle eine Familie“-Szene Verbrüderung feiern, ist das so quälend, wie es klingt.

Das Kanu des Manitu

Der Rest wirkt wie eine Mischung aus Slapstick-Nummernrevue und Pappkulissen-Abenteuer à la „Was passiert, wenn Indiana Jones in einem Escape Room eingesperrt wird?“
Wenn dann noch zum Abspann ein Song von Stefan Raab läuft, schließt sich der Kreis in die Vergangenheit endgültig.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
88 min
Regie Michael Bully Herbig

Das Kanu des Manitu

alle Bilder © Constantin Film

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Wilma will mehr

WILMA WILL MEHR

Wilma will mehr

WILMA WILL MEHR

Voll knorke: Fritzi Haberlandt als patente Bürgerin der ehemaligen DDR.

Ab 31. Juli 2025 im Kino

Was passt so gut zusammen wie Gulasch und Spreewaldgurke? Das Wien der späten 90er und die Lausitz: beide grau und beide haben die besten Jahre hinter sich. Genau wie Wilma. Die Ü-40-Jährige steht vor jeder Menge Herausforderungen: Ihr Mann ist faul und betrügt sie obendrein mit der besten Freundin. Ihr Job als Elektro-Fachverkäuferin wird gekündigt – fast zehn Jahre nach der Wende sind die Heuschrecken satt, und es wird abgewickelt, was noch abzuwickeln ist. Der Hort ihres Glücks zu DDR-Zeiten, das Braunkohlewerk Sonne, ist längst Geschichte. Weil es ihr Ex-Liebhaber in Österreich mittlerweile zum Filialleiter eines Baumarkts gebracht hat, macht sich Wilma auf den Weg in die damals noch morbide Donaumetropole. Aus dem tristen Alltag einer ostdeutschen Kleinstadt geht es in die schräg-verhuschte Welt einer Wiener Boheme-WG. Servus und Baba.

Wilma will mehr

Regisseurin Maren-Kea Freese erzählt das alles schön lakonisch und mit Liebe zum Detail, ihr Kameramann Michael Kotschi findet dafür klare, unsentimentale Bilder. Die Inszenierung verweigert sich gängigen Klischees – sowohl vom „Ossi“ als auch vom charmanten Wiener Grantler – und schafft es gerade deshalb, ihren Figuren Tiefe zu geben. Wilma arbeitet sich durch: Gelegenheitsjobs, Improvisation, Tanzlehrerin für asiatische Touristen – und irgendwann auch zu sich selbst. Die Liebe spielt dabei eine Rolle, aber keine große. Es geht um Selbstbehauptung, nicht um Rettung von außen.

Wilma will mehr

Die fabelhafte Fritzi Haberlandt spielt Wilma mit einer stillen Wucht, die den ganzen Film trägt – als Frau, die nie den Mut verliert. Was auf dem Papier nach Sozialdrama klingt, ist in Wirklichkeit eine fein beobachtete Tragikomödie, die ihre Figuren ernst nimmt, ohne sie zu verklären. Nur die etwas bemüht wirkenden Diskussionsszenen über Sozialismus und Emanzipation bremsen den Erzählfluss. Da klingt das Drehbuch plötzlich unangenehm didaktisch.

WILMA WILL MEHR ist ein leiser, ehrlicher Film über Neuanfänge – stimmungsvoll und zwischendurch sogar richtig lustig.

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Deutschland 2025
110 min
Regie Maren-Kea Freese

Wilma will mehr

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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Schwarze Schafe

SCHWARZE SCHAFE

Schwarze Schafe

SCHWARZE SCHAFE

Haarsträubend schlechte Neuauflage des 2006er-Kultfilms.

Ab 17. Juli 2025 im Kino

Hiermit ist es offiziell: Filme mit Frederick Lau sind scheiße. Und das liegt nicht unbedingt am Schauspieler selbst, sondern eher an den Projekten, die er sich in den letzten Jahren ausgesucht hat. Sein neuestes heißt SCHWARZE SCHAFE und versammelt eine ganze Reihe prominenter Namen: Jella Haase, Jule Böwe, Milan Peschel, Marc Hosemann – und als Off-Stimme Katharina Thalbach. Alles Profis, alles gute Schauspieler – doch keiner von ihnen kann diesen grottigen Film retten.

Schwarze Schafe

Die Handlung nachzuerzählen, wäre so sinnlos wie die Handlung selbst. Es ist mehr eine Abfolge lose verbundener Szenen, durchweg komplett unlustig. Beworben wird das Fiasko als „durchgeknallte Underdog-Komödie“ und „anarchische Satire“. Anarchisch ist hier gar nichts – es sei denn, man findet auch den ZDF-Fernsehgarten subversiv. Mit erstaunlich miesem Timing laufen die Witze verlässlich ins Leere, der Cutter lässt jede Szene ein paar Sekunden zu lang stehen. Dazu eine bemühte Bildsprache mit Wackelkamera – gewollt und nicht gekonnt.

Schwarze Schafe

Im Tagesspiegel schrieb Jan Schulz-Ojala vor fast 20 Jahren, der erste Schwarze-Schafe-Film sei eine „dahinschlingernde Berlin-Ballade, mal brüllkomisch, mal saudoof.“ Die 2025er-Version ist einfach nur noch saudoof.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
93 min
Regie Oliver Rihs

Schwarze Schafe

alle Bilder © Port au Prince Pictures

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Der Salzpfad

DER SALZPFAD

Der Salzpfad

DER SALZPFAD

Der Weg ist das Ziel.

Ab 17. Juli 2025 im Kino

Schon wieder ein „Seelenrettung durchs Wandern“-Film? Ist das Thema nach Ich bin dann mal weg, Auf dem Weg, Wild und vielen anderen nicht langsam auserzählt? Halt – nicht gleich weiterskippen, denn DER SALZPFAD ist anders. Hier begibt sich kein luxusverwöhnter, satter Großstädter auf die Suche nach sich selbst. Raynor und Moth Winn plagen echte Probleme: Sie sind obdachlos, haben nach einem Gerichtsurteil Haus und Hof verloren, und Moth ist unheilbar an CBD erkrankt. Doch statt zu resignieren, machen sich die Autorin und ihr Mann auf zu einer Wanderung entlang des South West Coast Path, der sich über fast 1.000 Kilometer erstreckt. Alles, was sie besitzen, passt in zwei Wanderrucksäcke – ein Leben jenseits des Existenzminimums: Der Geldautomat spuckt monatlich maximal vierzig Pfund aus, der Rest geht an die Gläubiger. Die Wanderung ist also nicht ganz freiwillig, sondern ein verzweifelter Versuch, dem Unglück zu Hause davonzulaufen.

Der Salzpfad

Alles ist da: die Drohnenflüge über berauschende Natur, die Streichermusik, die wertvollen Begegnungen mit Menschen am Wegesrand. Und doch – DER SALZPFAD ist besser als viele Filme des Genres. Das liegt vor allem an der geschickt konstruierten Erzählweise. In genau richtig dosierten Rückblenden zeigt Regisseurin Marianne Elliott, wie es zur Mammutwanderung kam.

Der Salzpfad

Herausragende Besetzung: Jason Isaacs, charmant bis in die grauen Haarspitzen, und Framerates erklärte Lieblingsschauspielerin Gillian Anderson, der nicht einmal die deutsche Synchronisation etwas von ihrer Strahlkraft nehmen kann. Die beiden wachsen einem während ihrer Reise ans Herz – ungeschminkt und ganz uneitel stapfen sie durch Wind und Wetter. Auch die üblichen Gutmenschen, steter Quell unnötiger Kalendersprüche in themenverwandten Filmen, halten sich angenehm zurück. Es sind fast durchweg normale, authentische Begegnungen, die Raynor und Moth auf ihrem langen Weg ein Dach über dem Kopf oder einfach nur ein trockenes Hörnchen bieten.

Der Salzpfad

Alles wirklich so passiert: Während der Wanderung führt Raynor Tagebuch. Später veröffentlicht sie die Aufzeichnungen – und landet einen Bestseller. Das wahre Leben schreibt die besten Happy Ends: Trotz Moths Krankheit sind die beiden auch heute noch – zehn Jahre später – auf Wanderschaft.

Nachtrag: Kürzlich kam heraus – oder wurde wenigstens so in einer britischen Zeitung gemeldet – dass alles erstunken und erlogen sei. Die Insolvenz ist von Ray selbstverschuldet. Moth gar nicht wirklich krank. Hm. Naja, dann ist DER SALZPFAD wenigstens gut gemachtes (erfundenes) Unterhaltungskino mit Botschaft.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Salt Path“
GB 2024
115 min
Regie Marianne Elliott

Der Salzpfad

alle Bilder © DCM

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Leonora im Morgenlicht

LEONORA IM MORGENLICHT

Leonora im Morgenlicht

LEONORA IM MORGENLICHT

Eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs und darüber hinaus.

Ab 17. Juli 2025 im Kino

LEONORA IM MORGENLICHT erzählt die Lebensgeschichte der britischen Malerin Leonora Carrington. In den 1930er Jahren tritt sie der surrealistischen Bewegung bei. Salvador Dalí und André Breton gehören zu ihren Freunden, mit dem Maler Max Ernst führt sie eine leidenschaftliche Beziehung. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs flieht sie nach Mexiko, wo sie ihre Freiheit und ihre eigene Stimme als Künstlerin findet.

Leonora im Morgenlicht

Entgegen der klassischen dramaturgischen Charakterentwicklung verharrt Leonora Carrington vom Anfang bis zum Ende im gleichen Gemütszustand. Es wird allenfalls von schlimm noch schlimmer – und dann wieder schlimm. Olivia Vinall spielt das mit misslauniger Stoik; nur die Begegnung mit einer Spanierin beschert ihr kurze Augenblicke des Glücks. Ansonsten: manische Depression, Elektroschocktherapie, Verfolgungswahn. Die Manifestation des Feindes im Inneren ist eine Hyäne – ein oft genutztes Motiv in Carringtons Bildern. An dieser Stelle mal ein Lob: Das (wahrscheinlich im Computer entstandene) Tier sieht fantastisch aus. Das hat Hollywood-Niveau. Erstaunlich für einen im mittleren Budgetsegment produzierten Film aus Deutschland.

Leonora im Morgenlicht

Als Maler Max Ernst hinterlässt Alexander Scheer keinen besonderen Eindruck, auch die Inszenierung ist recht hakelig. Man meint, die Aufnahmeleiter außerhalb des Bildausschnitts zu ahnen, die den Statisten Regieanweisungen geben. Immerhin überzeugen Tudor Vladimir Pandurus schöne Kamera und die Sets.

Leonora im Morgenlicht

Ein sperriger Film über eine sperrige Frau – in einer Zeit, in der Sperrigkeit noch mit Hysterie gleichgesetzt wurde. Später Ruhm: Jahrzehntelang ignoriert, gelten Leonora Carringtons Werke heute als Schlüsselwerke des Surrealismus. Auf dem Kunstmarkt erzielen sie inzwischen Höchstpreise.

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Originaltitel „Leonora in the morning light“
Deutschland / Mexiko / Rumänien / Großbritannien 2025
103 min
Regie Thor Klein und Lena Vurma

Leonora im Morgenlicht

alle Bilder © Alamode Film

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Superman

SUPERMAN

Superman

SUPERMAN

DC wagt den Neustart mit einem altbekannten Helden.

Ab 10. Juli 2025 im Kino

Es geht mal wieder um nichts weniger als die Rettung des Universums – und zwar des DC-Universums. Nach vielen gescheiterten Versuchen, ein erfolgreiches DCU in Konkurrenz zum MCU (wer jetzt schon nichts mehr versteht: macht nix) zu etablieren, versucht Warner Bros. nun einen Neustart. Mit SUPERMAN entscheidet sich, ob James Gunn das lahmende Studio vor dem Untergang bewahren kann. Spoiler: Ja, er kann. Denn der Guardians of the Galaxy-Regisseur weiß genau, wie intelligentes Popcornkino funktioniert.

Superman

Mit David Corenswet hat der Film den besten Superman seit Christopher Reeve. Freundlich, all-american (zurzeit ist das zwar keine besonders gute Eigenschaft), ein klassischer Held. An seiner Seite: Rachel Brosnahan (The Marvelous Mrs. Maisel) und Nicholas Hoult als Erzschurke Lex Luthor.

Superman

Klares Highlight ist allerdings Superhund Krypto. Der Vierbeiner stiehlt seinen menschlichen Co-Stars glatt die Show – man möchte ihn am liebsten mit nach Hause nehmen. Überhaupt, die Sidekicks: James Gunns Filme sind immer am besten, wenn er mit einem Ensemble arbeitet. Das war bei Guardians genauso wie bei The Suicide Squad. Diesmal sorgt die selbsternannte „Justice Gang“ für Comic Relief.

Superman

Bei den Kritikern kommt der neue SUPERMAN bisher nur so lala weg. Es wird bemängelt, dass sich der Film wie der zweite oder dritte Teil eines Franchises anfühlt, da komplett auf eine Origin-Story verzichtet wird und auch die Beziehung zu Lois Lane schon in vollem Gange ist. Was die einen kritisieren, ist für andere ein Pluspunkt. Denn wie oft soll man sich nach Dutzenden Filmen und TV-Serien noch die gleiche Geschichte anschauen? SUPERMAN kommt direkt zur Sache – und punktet mit tollen Effekten, Herz und Charme. Gunn schafft es, den gutherzigen Mann aus Stahl neu und frisch wirken zu lassen.

SUPERMAN ist ein klassischer Sommer-Blockbuster: bunt, lustig und unterhaltsam. Wer will da meckern? Dazu ein fabelhafter Hund – bravo, Krypto!

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Originaltitel „Superman“
USA 2025
126 min
Regie James Gunn

Superman

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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Frisch

FRISCH

Frisch

FRISCH

Watt ist noch dicker als wie Blut? Nur die Liebe zwischen Brüdern. Howgh!

Ab 03. Juli 2025 im Kino

Ein deutscher Genrefilm – das ist schon per se eine Rarität. Wenn sich dann noch ein Thriller mit Gangsterplot, Ruhrpott-Schnoddrigkeit und einer eigenen visuellen Handschrift verbindet, wird’s interessant. FRISCH, von Damian John Harper, versucht genau das: Genre auf Deutsch, und das gelingt – zumindest über weite Strecken.

Duisburg als finsterer Moloch: Nächte in türkisblauem Nebel, Licht, orange wie aus alten Natriumdampflampen. Artifizielle Farbgebung ersetzt Realismus – immerhin eine klare visuelle Entscheidung. Auch dramaturgisch ist der Film alles andere als schlicht. In verschachtelten Zeitsprüngen – Jugend, Kindheit, Jetztzeit – verliert man zu Beginn leicht die Orientierung. Wo sind wir? Und wann?

Frisch

Kai (Louis Hofmann), Arbeiter in einer Schweineschlachterei, versucht ein einfaches Leben zu führen – Frau, Kind, Feierabendbier. Doch sein Bruder Mirko (Franz Pätzold) kommt überraschend aus dem Gefängnis frei und verlangt jene 10.000 Euro, die Kai für ihn hätte verwahren sollen. Dumm nur, dass 7.000 schon weg sind.

Frisch

FRISCH ist ein Film über Loyalität, Schuld und zerstörerische Bruderliebe  – visuell unterstrichen durch das etwas überstrapazierte Bild von Winnetou und Old Shatterhand. Ja, ja, Blutsbande. Dass der Stoff ursprünglich aus Glasgow stammt – Mark McNays 2007 erschienener Debütroman „Fresh“ dient als Vorlage – merkt man der Geschichte nicht an. Die deutsche Adaption ist geglückt, aus Hühnern wurden Schweine und aus schottischen Freunden türkischstämmige Ruhrpottkumpels.

Frisch

Dank seiner Darsteller – Hofmann als introvertierter Kai, Pätzold wahnsinnig gut als unberechenbarer Mirko – ist FRISCH ein sehenswertes Stück deutsches Kino – härter, düsterer und kompromissloser als die übliche Mainstreamware. Nicht ganz so rotzig-pubertär wie Sonne und Beton, aber hoffentlich genauso erfolgreich an der Kinokasse.

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Deutschland 2024
98 min
Regie Damian John Harper

Frisch

alle Bilder © Port au Prince Pictures

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Zikaden

ZIKADEN

Zikaden

ZIKADEN

Zerreißproben: Zwei Frauen zwischen Pflicht und Selbstverlust

Ab 19. Juni 2025 im Kino

Ein kleines Mädchen stochert mit einem Stock in einem verwesten Tier. Schon die Anfangsszene von ZIKADEN macht klar: Unter der Oberfläche gärt es.

Harte Zeiten: Kein Job, kein Geld und das in Brandenburg. Aber Geld allein macht auch nicht glücklich: Was tun, wenn die Eltern pflegebedürftig sind – und das eigene Leben gerade gegen die Wand fährt? ZIKADEN erzählt von zwei gegensätzlichen Frauen, die mehr verbindet, als es auf den ersten Blick scheint.

Zikaden

Minimalistische Architektenvilla auf dem Land vs. Bowlingbahn im Brandenburger Dorf. Isabell und Anja könnten kaum unterschiedlicher sein – und doch zieht es die beiden Frauen magnetisch zueinander. Anja ist alleinerziehende Mutter der kleinen Greta, einem niedlichen Kind, das allerdings nur Unsinn im Kopf hat. Isabell hingegen hat es mit zwei anderen „Kindern“ zu tun: ihrem nach einem Schlaganfall pflegebedürftigen Vater und Noch-Ehemann Philippe, der dank entzündeter Prostata Katheter und Windeln trägt. Mahlzeit.

Zikaden

Die sonnendurchfluteten Bilder der verlässlich guten Kamerafrau Judith Kaufmann stehen in schönem Kontrast zur gar nicht so leichten Geschichte. In den Hauptrollen: Nina Hoss und Saskia Rosendahl – stark besetzt und souverän inszeniert von Ina Weisse. Zum Glück bleibt die Geschichte der beiden Frauen sperrig. Das hätte sonst leicht ins TV-Drama abdriften können. Stattdessen gibt es kluge, schmerzhaft wahre Erkenntnisse: „Kinder. Bringst sie zur Welt. Werden erwachsen. Die hassen dich. Und dann stirbste.“

Zikaden

Ausgezeichnete Schauspieler (als erfreuliche Überraschung: Vincent Macaigne, zuletzt in Die Bonnards zu sehen), eine ungewöhnliche Geschichte, ein sehenswerter Film aus Deutschland.

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Deutschland 2025
100 min
Regie Ina Weisse

Zikaden

alle Bilder © DCM

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Der Phönizische Meisterstreich

DER PHÖNIZISCHE MEISTERSTREICH

Der Phönizische Meisterstreich

DER PHÖNIZISCHE MEISTERSTREICH

DER PHÖNIZISCHE MEISTERSTREICH, kürzlich in Cannes uraufgeführt, ist ein typischer Wes-Anderson-Film – im Guten wie im Überdosierten.

Ab 29. Mai 2025 im Kino

Wes Anderson liefert mit seinem neuen Film exakt das, was seine Fans von ihm erwarten. Ein weiteres, hübsch poliertes Stück im Gesamtkatalog.

Die Handlung? Irgendetwas mit einem Geschäftsmann, Flugzeugabstürzen, einer entfremdeten Tochter, monumentalen Bauvorhaben. Aber was spielt das für eine Rolle? Bei Anderson steht nicht das „Was“, sondern das „Wie“ im Mittelpunkt – und das „Wie“ ist makellos gestaltet, bis ins letzte Detail durchkomponiert. Theaterhafter Look in Kombination mit gewohnt nerdigem Humor.

Der Phönizische Meisterstreich

Die Ensembleliste ist ebenso erlesen wie lang: vier Oscargewinner (Riz Ahmed, Benicio Del Toro, Tom Hanks, F. Murray Abraham), fünf Oscarnominierte (Scarlett Johansson, Bryan Cranston, Benedict Cumberbatch, Willem Dafoe und natürlich Bill Murray) sowie Mia Threapleton, Tochter von Kate Winslet, die zeigt, dass Talent manchmal tatsächlich vererbt wird – selbst mit sperrigem Nachnamen.

Der Phönizische Meisterstreich

Kameramann Bruno Delbonnel ersetzt diesmal Robert D. Yeoman, aber visuell bleibt alles beim Alten: strenge Symmetrie, pastellfarbene Kulissen, kunstvoll arrangierte Miniaturen, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Architekturmodell gefallen. Jedes Einzelbild wirkt sorgfältig kuratiert – Kino, instagrammable.

Der Phönizische Meisterstreich

Früher schimmerte in Andersons Filmen gelegentlich noch so etwas wie emotionales Risiko. Heute wirken seine Werke zunehmend manieriert. Die Figuren sprechen exakt gesetzte Sätze mit stoischer Mine – Coolness, die emotional auf Abstand hält. Wer Wes Anderson schaut, weiß, worauf er sich einlässt. DER PHÖNIZISCHE MEISTERSTREICH ist kein Neuanfang. Und vielleicht ist das auch in Ordnung so.

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Originaltitel „The Phoenician Scheme“
USA / Deutschland 2025
100 min
Regie Wes Anderson

Der Phönizische Meisterstreich

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Tanz der Titanen

TANZ DER TITANEN

Tanz der Titanen

TANZ DER TITANEN

Das alte Sprichwort stimmt: Viele Köche verderben den Brei. TANZ DER TITANEN hat gleich drei (!) Regisseure – und das Ergebnis ist katastrophal.

Ab 15. Mai 2025 im Kino

Ein durch und durch furchtbarer Film kommt diese Woche ins Kino: TANZ DER TITANEN. In der Pseudo-Politsatire versammeln sich die Führer der G7-Staaten auf Einladung der deutschen Bundeskanzlerin Hilda Ortmann in einem abgelegenen Schloss in Dankerode.

Tanz der Titanen

Furchtbar sind nicht nur Kamera, Inszenierung und Musik – furchtbar ist vor allem die Verschwendung von Talent. Die Schauspieler sehen die meiste Zeit so aus, als wären sie lieber woanders, allen voran Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett als Angela-Merkel-Ersatz. Schon jetzt die Fehlbesetzung des Jahres. Mit ihrer blonden Föhnfrisur erinnert sie an eine gealterte Prinzessin Di. Statt Mutti-Gelassenheit und Merkel-Raute gibt es ein cringes Schäferstündchen mit dem kanadischen Premierminister im Wald. Das Gegenteil von sexy.

Tanz der Titanen

Der geschwätzige Film, in dem es irgendwie auch um auferstandene Moorleichen und ein Riesenhirn geht, ist nicht nur zäh, sondern auch erbärmlich unlustig. Keine Empfehlung.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Rumours“
Kanada / Deutschland 2024
104 min
Regie Guy Maddin, Evan Johnson und Galen Johnson

Tanz der Titanen

alle Bilder © PLAION Pictures

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Was Marielle weiss

WAS MARIELLE WEISS

Was Marielle weiss

WAS MARIELLE WEISS

Ein Kind mit Superkräften: klingt wie der neueste Marvel-Film, ist aber die deutsche Produktion WAS MARIELLE WEISS.

Ab 17. April 2025 im Kino

Ein Albtraum: Nach einer Ohrfeige entwickelt Marielle (Laeni Geiseler) plötzlich telepathische Fähigkeiten. Ohne dabei zu sein, weiß sie alles, was ihre Eltern tagsüber so treiben – vom heftigen Flirt der Mutter (Julia Jentsch) mit einem Kollegen bis zum Versagen des Vaters (Felix Kramer) vor seinen Mitarbeitern. Wie soll man mit der neuen Begabung des Kindes umgehen? Lügen oder alle Wahrheiten auf den Tisch legen?

Was Marielle weiss

Potztausend! Ein gescheiter Film aus Deutschland im Wettbewerb der Berlinale. WAS MARIELLE WEISS ist witzig, klug und gut gespielt. Natürlich geht nicht alles – großes Kino darf man bei einer Co-Produktion des ZDF-Kleinen Fernsehspiels nicht erwarten. Entsprechend TV-gerechet sind die Bilder. Aber der Film überzeugt mit cleverem Drehbuch und straffer Inszenierung. Originell.

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Deutschland 2025
86 min
Regie Frédéric Hambalek

Was Marielle weiß

alle Bilder © DCM

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Eden

EDEN

Eden

EDEN

Die außergewöhnliche Geschichte einer Gruppe von Menschen, die Mitte der 1930er-Jahre alles hinter sich lässt, um ihr Glück auf den Galapagosinseln zu suchen.

Ab 03. April 2025 im Kino

Was tun, wenn man auf eine gottverlassene Insel zieht, auf der es weder Strom noch fließendes Wasser gibt – geschweige denn einen Supermarkt oder gar Krankenhäuser? Am besten vorbeugen: Durch das Ziehen sämtlicher Zähne braucht man zum Beispiel keinen Zahnarzt mehr. Dr. Ritter hat genau das getan, bevor er Mitte der 1930er-Jahre auf die Galapagosinseln übersiedelt. Dort will der Deutsche mit seiner an MS erkrankten Freundin Dore in absoluter Einsamkeit ein philosophisches Manifest verfassen – eine Schrift, die die Menschheit vor dem Untergang bewahren soll. Doch das Eremitendasein währt nicht lange, denn Anhänger seiner Lehre zieht es in das vermeintliche Paradies, um dem Lebensentwurf ihres Meisters zu folgen.

Eden

Da wäre zunächst der pflichtbewusste Weltkriegsveteran Heinz mit seiner jungen Frau Margret und seinem an Tuberkulose erkrankten Sohn. Bald darauf taucht eine kapriziöse Baronin mit zwei Liebhabern im Schlepptau auf, die ein Luxushotel „nur für Millionäre“ auf der Insel errichten will. Die anderen Bewohner sind ihr dabei nur im Weg. Dr. Ritter gefällt das alles gar nicht – aus anfänglicher Abneigung wird bald ein Kampf auf Leben und Tod.

Eden

Das Ungewöhnlichste an diesem ohnehin ungewöhnlichen Film ist der enorme Aufwand, der betrieben wurde, um eine Geschichte, Abseits des Mainstreams zu erzählen. Nicht nur führt mit Ron Howard ein Hollywood-Veteran Regie, der Film sieht auch visuell beeindruckend aus, und den Soundtrack komponierte kein Geringerer als Hans Zimmer. Dazu kommt eine hochkarätige Besetzung mit Jude Law, Daniel Brühl, Sydney Sweeney, Vanessa Kirby und Ana de Armas, die zwar keine besonders herausragende Schauspielerin ist, dafür aber sehr hübsch und ein bisschen wie die kleine Schwester von Gal Gadot aussieht.

Eden

Eine verrückte Geschichte, die nicht in einem öden Kunstfilm erzählt wird, sondern als aufwendig produzierte Hollywoodproduktion. EDEN ist ein fesselndes Drama über böse Menschen und wozu sie unter Druck fähig sind. Dass all das tatsächlich passiert ist, macht es umso faszinierender. Wirklich mal was anderes.

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Originaltitel „Eden“
USA 2024
129 min
Regie Ron Howard

Eden

alle Bilder © Leonine

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The Assassment

THE ASSESSMENT

The Assassment

THE ASSESSMENT

In der nahen Zukunft müssen Paare einen Test bestehen, bevor sie Kinder bekommen dürfen – eine Idee, die auch in der Prenzlauer-Berg-Realität sinnvoll erscheint.

Ab 03. April 2025 im Kino

„Companion“, „Baby to go“, „Dream Scenario“, „Little Joe“, „Press and play Love again“ und nun THE ASSESSMENT. Man möchte die Leser ja nicht mit dem einhundertzwanzigsten Vergleich zur britischen Serie „Black Mirror“ langweilen – aber was soll man machen, wenn mit THE ASSESSMENT der einhundertzwanzigste Film in die Kinos kommt, der sich wie eine Doppelfolge der dystopischen Serie anfühlt?

The Assassment

Mia (Elizabeth Olsen) und Aaryan (Himesh Patel) halten sich für die perfekten Eltern, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Während sie naturverbunden in einem Gewächshaus an Pflanzen experimentiert, zieht er sich regelmäßig in virtuelle Welten zurück, um dort möglichst lebensechte Haustiere zu erschaffen. Über ihre Eignung als Eltern entscheidet eine sogenannte „Gutachterin“. Virginia (Alicia Vikander) quartiert sich für sieben Tage bei den beiden ein und stellt ihnen unbequeme Fragen.

The Assassment

Eine der vielen cleveren Ideen des Films: Ab Tag zwei verhält sich Virginia wie ein Albtraum-Kleinkind – inklusive aller dazugehörigen Schrecken. Schließlich sollen Mia und Aaryan beweisen, dass sie auch in Stresssituationen die Nerven behalten. Alicia Vikander spielt diese nervtötende Göre im Erwachsenenkörper großartig.

The Assassment

Neben der starken Besetzung ist es vor allem das ungewöhnliche Setting, das THE ASSESSMENT zu einem besonderen Film macht. Statt in einer aalglatten Zukunftswelt spielt ein Großteil der Geschichte auf einer rauen, kanarisch anmutenden Insel in einem minimalistischen 60er-Jahre-Haus – gespickt mit modernem Hightech-Schnickschnack. Das Drehbuch nutzt dabei das Sci-Fi-Genre geschickt, um relevante Themen wie Klimawandel, Elternschaft und Elitedenken anzusprechen.

Problematisch ist allein das nicht enden Wollende. Der Film ist in sieben Kapitel unterteilt – eins pro Testtag. Eine ohnehin unglückliche Struktur, denn egal, wie spannend die Geschichte ist, das strikte Abarbeiten dieser Kapitel sorgt eher für Ermüdung. Immerhin überraschend: Nach dem siebten Kapitel ist nicht Schluss. Stattdessen beginnt fast ein neuer Film, das Setting wechselt, die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung. Das hätte locker für zwei „Black Mirror“-Folgen gereicht.

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Originaltitel „The Assessment“
GB / Deutschland / USA 2024
114 min
Regie Fleur Fortuné

The Assessment

alle Bilder © capelight pictures

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